Blick ins Buch

Romane

Jeanie und Julius

4,0(36)
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Deutsch
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Über das Buch

Wiltshire, im Südwesten Englands: Die Zwillinge Jeanie und Julius leben mit ihrer Mutter Dot am Rande der Gesellschaft in einem windschiefen Cottage. Jeanie kann nicht lesen und nicht schreiben, im Dorf verkauft sie, was sie in ihrem wilden Garten anbaut.Julius kämpft sich mit Gelegenheitsjobs durch. Ihr Leben ist einfach, sie haben nicht viel, aber was sie haben, gehört ihnen. Doch dann stirbt Dot und es kommen Geheimnisse über das Cottage, den Vater und Jeanies schwaches Herz ans Licht, die das Leben der Zwillinge seiner Einfachheit berauben.

Editionen (1)

ISBN9783910372238
VerlagKjona Verlag
Erscheinungsdatum15.04.24
Seitenzahl336

Rezensionen & Bewertungen

36 Bewertungen

8 Rezensionen

4,0

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  • lesemanege
    lesemanege

    59 Follower

    4,0

    Über Menschen, die nicht gesehen werden

    Jeanie und Julius leben trotz ihres fortgeschrittenen Alters von 50 Jahren zusammen mit ihrer Mutter Dot in einem einfachen Cottage im Südwesten Englands. Als Dot überraschend plötzlich verstirbt, steht das Leben der Geschwister Kopf. Kein Geld ist da für die Beerdigung, geschweige denn für die Kosten des Lebensunterhalts. Julius verdient nur ein bisschen Geld mit Gelegenheitsjobs und die herzkranke Jeanie kann kaum mehr zum Lebensunterhalt beitragen, als sie mit dem Verkauf des selbst angebauten Gemüses verdient. Als sie auch noch drohen obdachlos zu werden, scheint alles ausweglos und verloren. Ernsthaft? Gleich am Anfang ein Satz über 27 (!) Zeilen. Und so zog es sich durch das ganze Buch. Der ein oder andere Satzpunkt mehr, hätte wirklich nicht geschadet. Aber da hört es auch schon auf mit meiner Kritik, denn die Geschichte hat mich wirklich erreicht. Die Geschwister Jeanie & Julius sind mir mit ihrer Genügsamkeit, der Zufriedenheit mir ihren Leben und ihrer Bodenständigkeit total ans Herz gewachsen. So viele Menschen streben nach immer mehr und mehr Konsum, Gütern, Prestige. Diese beiden sind sich gegenseitig so loyal gegenüber und machen aus der Einfachheit ihres Lebens etwas ganz besonderes. Fuller zeigt aber eben auch die Schattenseiten. Wie Jeanie & Julius von der Außenwelt behandelt werden, wie auf sie herabgeschaut wird ist ein Abbild der Arroganz, die es und er Gesellschaft an jeder Ecke gibt. Die Härte mit der sie teils bedacht werden ist würdelos und menschenverachtend. Es ist nicht leicht, solche Situationen in der Anschaulichkeit zu lesen, in der die Autorin zu Scheiben vermag. Fuller richtet mit diesem Roman das Augenmerk auf zwei Außenseiter:innen, die es verdient haben, gesehen zu werden.

    2. Juli 2024

  • hamburger.lesemaus
    hamburger.lesemaus

    401 Follower

    4,0

    JEANIE UND JULIUS Claire Fuller Dot, die noch immer mit ihrer 51-jährigen Tochter Jeanie in einem Bett schläft, steht auf, stolpert, schlägt sich den Kopf an dem alten Ofen an und ist auf der Stelle tot. Als die Zwillinge Jeanie und Julius sie später finden, stellt sich nach dem ersten Schock die Frage, wovon sie die Beerdigung bezahlen sollen. Das Cottage, in dem sie leben ist alt, baufällig, ohne sanitäre Anlage und fließendem heißen Wasser. Julius schlägt sich mit ein paar Gelegenheitsjobs durch und Jeanie konnte wegen ihres früh erkannten rheumatischen Fiebers nie arbeiten gehen. Ihre Schule brach sie ohne Abschluss als 16-Jährige ab. Kaum jemand weiß, dass sie weder lesen noch schreiben kann. Sie leben von dem, was sie im Garten anbauen und dem Feinkosthändler verkaufen können. Kaum das sich Dots Tod herumgesprochen hat, steht die Frau ihres Vermieters in der Tür. Sie möchte die versäumten Mietschulden in Höhe von zweitausend Pfund eintreiben. Und auch von Stu, dem Ehemann ihrer besten Freundin, hatte sich ihre Mutter Geld geliehen. Was hat Dot verschwiegen und wo ist das Geld geblieben? Jeanie und Julius geraten in eine Spirale aus der es fast keinen Ausweg gibt. Das Setting des Buches hat mir unglaublich gut gefallen. Schnell ist man in dieser Geschichte und leidet ein wenig mit den Zwillingen, denen ich so gerne mit Rat und Tat zur Seite gestanden hätte. Während das Buch auf den ersten 150 Seiten vor sich dahinplätschert, nimmt das Buch in der zweiten Hälfte eine Fahrt auf, in der ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte … Fazit: Ein sehr authentisches Buch, das ein wenig braucht, bis es sich richtig entfaltet. Traurig, fein mit großen Gefühlen. 4/ 5

    21. Juni 2024

  • 5,0

    Über Armut und Geschwisterliebe. 🍒❤️

    📌 "Wie soll sie erklären, dass sie und Julius obdachlos sind? Was soll sie sagen, wenn sie jemand fragt, wo sie jetzt wohnen?" - S. 176 Die Zwillinge Jeanie und Julius wohnen seit jeher mit ihrer Mutter Dot in einem alten Cottage in Wiltshire/England und leben von dem wenigen, das ihnen zur Verfügung steht. Der Vater und Ehemann ist schon vor vielen Jahren tragisch ums Leben gekommen. Als Dot völlig unerwartet stirbt, müssen die Zwillinge mit nunmehr 51 Jahren plötzlich auf eigenen Beinen stehen und ihren Lebensunterhalt eigenständig bestreiten. Dieses gestaltet sich als äußerst schwierig, den Jeanie, als Kind stets kränkelnd, hat nie richtig lesen und schreiben gelernt und so sind ihre Möglichkeiten stark eingeschränkt. Julius versucht sie beide mit Gelegenheitsjobs über die Runden zu bringen, aber die Arbeit ist hart und der Lohn gering. Als sie auch noch ihr Zuhause verlieren, stürzt besonders die introvertierte Jeanie, die besonders schlecht Hilfe annehmen kann, in eine völlige Perspektivlosigkeit. Es bleibt auch leider nicht bei dem Tod der Mutter und dem Verlust des Heims, denn nicht alle sind den Zwillingen wohlgesonnen. ... 📌 "Es ist schwierig, die eigene Vergangenheit neu zu denken." - S. 327 Das Schicksal dieser beiden einfachen Leute, die während ihres heranwachsens so wenig vom Leben außerhalb ihres geschützten Elternhauses mitbekommen haben, hat mich zutiefst berührt. Zusammen, zufrieden mit der Einfachheit der Gegebenheiten konnten sie sich zu jeder Zeit und in jeder Lebenslage aufeinander verlassen. Am Ende ist dies ein Buch, das bleibt. Weil einem die Menschen darin ans Herz gewachsen sind und ihre Geschichte etwas in einem bewegt hat.

    Über Armut und Geschwisterliebe. 🍒❤️

    20. Apr. 2024

3 von 8 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Claire Fuller

Claire Fuller, 1967 geboren, lebt im englischen Winchester. Ihre Romane, in denen sie stets den Außenseiter:innen unserer Gesellschaft eine Stimme verleiht, werden in viele Sprachen übersetzt. »Jeanie und Julius« war ein Sunday Times-Bestseller und wurde mit dem Costa Book Award ausgezeichnet.

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