Blick ins Buch

Romane

Halbe Portion

4,2(119)
Hardcover22,00 €E-Book18,99 €
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

Ein berührendes Debüt über eine unbarmherzige Krankheit und ihre tragikomischen Momente

Sie isst wieder. Das war mal anders. Aufgewachsen in Armut, alleine mit ihrer zwanghaft dünnen Mutter, die aus der Ukraine nach Berlin migrierte, schien ihre Zukunft vorprogrammiert. Jetzt, mit Ende zwanzig, hat sie es halbwegs im Griff. Sie joggt viel, ja, zählt jede Kalorie, okay, aber sie führt ihrem Körper morgens, mittags und abends – fast – immer Nahrung zu. Auch wenn sie jeden Cent abwägt, den die Lebensmittel und ihre Zubereitung sie kosten. Nur noch ganz selten erliegt sie ihren alten Gewohnheiten, zu viel zu essen und sich anschließend zu übergeben. Es bleibt dennoch ein Fortschritt. Und dann ist da ein Date, das Hoffnung auf ein besseres Leben gibt, darauf, endgültig aus dem Teufelskreis auszubrechen. Oder doch nicht?

In Halbe Portion erzählt Elisabeth Pape eine ganz persönliche Geschichte über Essstörungen, das Aufwachsen in Armut und die damit einhergehenden Zwänge. Der Roman zeigt, warum es für Betroffene so schwer ist, mit erlernten Strukturen zu brechen und einen gesunden Umgang mit Essen und Geld zu finden. Und er spürt der Frage nach, wie uns Familie trägt, aber auch erdrückt.

Editionen (1)

ISBN9783518475126
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum14.10.25
Seitenzahl377

Rezensionen & Bewertungen

119 Bewertungen

18 Rezensionen

4,2

Tippen zum Filtern

  • nordfrau_liest
    nordfrau_liest

    123 Follower

    Harter Tobak!!

    Ich habe Halbe Portion von Elisabeth Pape beendet – und sitze jetzt da mit diesem seltsamen Gefühl, etwas erlebt zu haben, das ich gar nicht richtig bewerten kann. Dieses Buch ist leise. Und gleichzeitig ist es eines der lautesten, die ich seit Langem gelesen habe. Nicht laut durch Handlung oder Drama, sondern durch Gedanken. Durch diese endlosen Schleifen im Kopf der Erzählerin, die sich um Essen, Kontrolle, Geld und Scham drehen. Es gibt kein klassisches Vorankommen, kein „Jetzt wird alles besser“. Stattdessen fühlt es sich an wie ein Kreislauf – und genau das macht es so ehrlich und so schwer auszuhalten. Was mich besonders getroffen hat, war die Verbindung von Essstörung und Armut. Diese Perspektive sieht man selten so klar. Es geht nicht nur um das Verhältnis zum eigenen Körper, sondern auch um ein tief verankertes Gefühl von Knappheit. Als würde sich ein Teil der Vergangenheit fest im Denken einnisten und bleiben, egal wie sehr sich das Außen verändert. Dieses „Immer rechnen, immer kontrollieren, immer aufpassen müssen“ hat sich beim Lesen fast körperlich spürbar angefühlt. Auch die Rolle der Familie hat mich beschäftigt. Es gibt keine einfache Schuld, kein klares „so ist es passiert“. Eher ein stilles Weitergeben von Mustern, von Ängsten, von Strategien, die vielleicht einmal notwendig waren – und später zerstörerisch werden. Das hat etwas unglaublich Tragisches, weil es so real wirkt. Der Schreibstil ist dabei fast kühl, sehr präzise, ohne Pathos. Und genau das hat mich immer wieder getroffen. Kein dramatisches Ausschmücken, kein Versuch, die Geschichte „schöner“ zu machen. Nur Beobachtung. Nur Realität. Wie ein Blick in einen Raum, in dem man eigentlich nicht stehen möchte – aber trotzdem nicht wegschauen kann. Ich habe mich beim Lesen oft unwohl gefühlt. Nicht, weil das Buch schlecht ist, sondern weil es so nah geht. Weil es Dinge zeigt, die man sonst gerne ausblendet. Es ist kein Buch, das man „genießt“. Es ist eines, das bleibt. Das nachwirkt. Das vielleicht auch ein bisschen etwas verschiebt im eigenen Blick auf andere Menschen. Und genau deshalb fällt mir die Bewertung so schwer. Wie bewertet man etwas, das nicht gefallen will, sondern verstehen lässt? Ich entscheide mich für ⭐⭐⭐⭐☆ (4/5) Nicht, weil es sich gut angefühlt hat – sondern weil es sich wichtig angefühlt hat

    14. Apr. 2026

  • 4,0

    ✨️ Und dann kommt der ebenfalls essgestörte Märchenprinz und rettet mich ✨️

    Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass der Roman von mir 5 Sterne bekommt, aber dieser Mann-als-Retter-Trope am Ende KOTZT MICH AN (kein Wunder dass Caroline Wahl den Roman gut findet 👀) Es ist wirklich toll, wie dieser Roman auf humorvolle Art mit so schweren Themen umgeht, ohne dabei die Ernsthaftigkeit zu verunglimpflichen. Die kurzen Kapitel und Zeitsprünge fand ich kurz lästig, dann aber sogar richtig cool, weil man für die früher-Protagonistin sowie die jetzt-Protagonistin sooo viel Liebe hat und mitfiebert. Daher fand ich es ehrlich gesagt den Jump zum zweiten Teil des Buches nach ca. 3/4 des Romans super random und den zweiten Teil leider relativ kacke. Wir befinden uns nurnoch im jetzt und in einer super fragwürdigen Beziehung. Zwar wird nicht ganz klar, ob die neuen, von ihr mobilisierten Kräfte durch das Verliebtsein kommen, oder es einen anderen Grund hat, aber die Vermutung liegt nahe, dass wieder der Eindruck entstehen soll, nur die Liebe eines Mannes hilft bei der Besserung. Cringe. Dennoch: It was fun while it lasted.

    29. März 2026

  • soulfulrina_reads
    soulfulrina_reads

    116 Follower

    4,5

    Schweres Thema, sehr eindringlich erzählt

    Es ist lange her, dass mir ein Buch so unter die Haut gegangen ist. Erzählt wird die Geschichte der Protagonistin auf zwei Zeitebenen: in der Kindheit und im Erwachsenenalter. Die Erzählweise wirkt stellenweise wie ein Tagebuch und gibt einen sehr persönlichen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonistin. Ihre Mutter ist aus der Ukraine nach Deutschland gekommen und kämpfte damit, Arbeit zu finden und für sich und ihre Tochter zu sorgen. Geld ist immer knapp gewesen. Jeder Cent musste umgedreht werden. Ein wiederkehrendes Thema ist dabei auch das Gewicht der Tochter, das für die Mutter eine große Rolle spielt und Anlass für ständige Kritik wird. Es gibt hier wirklich heftige Szenen, in denen deutlich wird, wie sehr das Verhalten der Mutter zur Essstörung der Tochter beiträgt. Das war nicht immer einfach für mich zu lesen. Nicht, weil ich selbst betroffen bin, sondern weil ich ein solches Verhalten in meinem nahen Umfeld erlebt habe. Im „Jetzt“ versucht sie, ihr Leben in den Griff zu bekommen, doch vieles ist weiterhin von alten Mustern bestimmt: Kalorienzählen, die Angst, zu viel Geld auszugeben, und Gedanken, aus denen sie nur schwer ausbrechen kann. Besonders eindrücklich zeigt das Buch, welche langfristigen psychischen Folgen das Aufwachsen in Armut und einer toxischen Mutter-Tochter Beziehung haben können. Darüber hinaus greift der Roman viele weitere Themen auf, wie Migration, kulturelle Unterschiede, Überforderung als Mutter, Scham und psychische Gewalt. Das Buch hat mich von Anfang an mitgenommen und an einigen Stellen richtig getroffen. Manche Szenen haben mir einen Kloß im Hals beschert, andere haben mich sehr nachdenklich zurückgelassen. Ich weiß nicht, ob die Geschichte autofiktional ist, habe aber oft das Gefühl gehabt, dass hier viele eigene Erfahrungen eingeflossen sind. Dieses Buch wird mir definitiv noch länger im Kopf bleiben. Ich kann es sehr empfehlen, würde aber eine Triggerwarnung aussprechen, da Essstörungen und psychische Gewalt hier sehr zentrale Themen sind. *unbezahlte Werbung - Rezensionsexemplar

    10. Jan. 2026

3 von 18 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 407%
mariaanna
mariaanna31. Mai 2026

Bisher liest sich das Buch richtig gut. Und das trotz des schweren Themas. Das schafft auch nicht jede*r. Bin begeistert 👏🏼

Seite 529100%

1 Kommentar verdeckt

1 weitere SocialReads-Kommentare in der App, sortiert nach deinem aktuellen Fortschritt.

Autorin / Autor

Über Elisabeth Pape

Elisabeth Pape, geboren 1995, Tochter einer ukrainischen Migrantin, studierte Theater- und Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin und anschließend Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Sie wurde mit dem Kleist-Förderpreis 2023 ausgezeichnet und erhielt das Leonhard-Frank-Stipendium 2023, das vom Mainfranken Theater Würzburg vergeben wird. Ihre Theaterstücke wurden u. a. am Staatstheater Augsburg, Theater Koblenz und Mainfranken Theater Würzburg uraufgeführt. Halbe Portion ist ihr Romandebüt.

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick