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Harter Tobak!!
Ich habe Halbe Portion von Elisabeth Pape beendet – und sitze jetzt da mit diesem seltsamen Gefühl, etwas erlebt zu haben, das ich gar nicht richtig bewerten kann. Dieses Buch ist leise. Und gleichzeitig ist es eines der lautesten, die ich seit Langem gelesen habe. Nicht laut durch Handlung oder Drama, sondern durch Gedanken. Durch diese endlosen Schleifen im Kopf der Erzählerin, die sich um Essen, Kontrolle, Geld und Scham drehen. Es gibt kein klassisches Vorankommen, kein „Jetzt wird alles besser“. Stattdessen fühlt es sich an wie ein Kreislauf – und genau das macht es so ehrlich und so schwer auszuhalten. Was mich besonders getroffen hat, war die Verbindung von Essstörung und Armut. Diese Perspektive sieht man selten so klar. Es geht nicht nur um das Verhältnis zum eigenen Körper, sondern auch um ein tief verankertes Gefühl von Knappheit. Als würde sich ein Teil der Vergangenheit fest im Denken einnisten und bleiben, egal wie sehr sich das Außen verändert. Dieses „Immer rechnen, immer kontrollieren, immer aufpassen müssen“ hat sich beim Lesen fast körperlich spürbar angefühlt. Auch die Rolle der Familie hat mich beschäftigt. Es gibt keine einfache Schuld, kein klares „so ist es passiert“. Eher ein stilles Weitergeben von Mustern, von Ängsten, von Strategien, die vielleicht einmal notwendig waren – und später zerstörerisch werden. Das hat etwas unglaublich Tragisches, weil es so real wirkt. Der Schreibstil ist dabei fast kühl, sehr präzise, ohne Pathos. Und genau das hat mich immer wieder getroffen. Kein dramatisches Ausschmücken, kein Versuch, die Geschichte „schöner“ zu machen. Nur Beobachtung. Nur Realität. Wie ein Blick in einen Raum, in dem man eigentlich nicht stehen möchte – aber trotzdem nicht wegschauen kann. Ich habe mich beim Lesen oft unwohl gefühlt. Nicht, weil das Buch schlecht ist, sondern weil es so nah geht. Weil es Dinge zeigt, die man sonst gerne ausblendet. Es ist kein Buch, das man „genießt“. Es ist eines, das bleibt. Das nachwirkt. Das vielleicht auch ein bisschen etwas verschiebt im eigenen Blick auf andere Menschen. Und genau deshalb fällt mir die Bewertung so schwer. Wie bewertet man etwas, das nicht gefallen will, sondern verstehen lässt? Ich entscheide mich für ⭐⭐⭐⭐☆ (4/5) Nicht, weil es sich gut angefühlt hat – sondern weil es sich wichtig angefühlt hat
14. Apr. 2026
Harter Tobak!!
Ich habe Halbe Portion von Elisabeth Pape beendet – und sitze jetzt da mit diesem seltsamen Gefühl, etwas erlebt zu haben, das ich gar nicht richtig bewerten kann. Dieses Buch ist leise. Und gleichzeitig ist es eines der lautesten, die ich seit Langem gelesen habe. Nicht laut durch Handlung oder Drama, sondern durch Gedanken. Durch diese endlosen Schleifen im Kopf der Erzählerin, die sich um Essen, Kontrolle, Geld und Scham drehen. Es gibt kein klassisches Vorankommen, kein „Jetzt wird alles besser“. Stattdessen fühlt es sich an wie ein Kreislauf – und genau das macht es so ehrlich und so schwer auszuhalten. Was mich besonders getroffen hat, war die Verbindung von Essstörung und Armut. Diese Perspektive sieht man selten so klar. Es geht nicht nur um das Verhältnis zum eigenen Körper, sondern auch um ein tief verankertes Gefühl von Knappheit. Als würde sich ein Teil der Vergangenheit fest im Denken einnisten und bleiben, egal wie sehr sich das Außen verändert. Dieses „Immer rechnen, immer kontrollieren, immer aufpassen müssen“ hat sich beim Lesen fast körperlich spürbar angefühlt. Auch die Rolle der Familie hat mich beschäftigt. Es gibt keine einfache Schuld, kein klares „so ist es passiert“. Eher ein stilles Weitergeben von Mustern, von Ängsten, von Strategien, die vielleicht einmal notwendig waren – und später zerstörerisch werden. Das hat etwas unglaublich Tragisches, weil es so real wirkt. Der Schreibstil ist dabei fast kühl, sehr präzise, ohne Pathos. Und genau das hat mich immer wieder getroffen. Kein dramatisches Ausschmücken, kein Versuch, die Geschichte „schöner“ zu machen. Nur Beobachtung. Nur Realität. Wie ein Blick in einen Raum, in dem man eigentlich nicht stehen möchte – aber trotzdem nicht wegschauen kann. Ich habe mich beim Lesen oft unwohl gefühlt. Nicht, weil das Buch schlecht ist, sondern weil es so nah geht. Weil es Dinge zeigt, die man sonst gerne ausblendet. Es ist kein Buch, das man „genießt“. Es ist eines, das bleibt. Das nachwirkt. Das vielleicht auch ein bisschen etwas verschiebt im eigenen Blick auf andere Menschen. Und genau deshalb fällt mir die Bewertung so schwer. Wie bewertet man etwas, das nicht gefallen will, sondern verstehen lässt? Ich entscheide mich für ⭐⭐⭐⭐☆ (4/5) Nicht, weil es sich gut angefühlt hat – sondern weil es sich wichtig angefühlt hat
14. Apr. 2026







