Ein Abend bei Claire

Ein Abend bei Claire

Hardcover
3.85
MigrationDebütromanErinnerungen An Die JugendPetersburg

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Beschreibung

Die Geschichte einer großen Liebe und eine unvergessliche Schilderung Russlands zu Beginn des 20. Jahrhunderts: 1917 begegnet der verträumte Kolja im vorrevolutionären St. Petersburg der bezaubernden Claire und verliebt sich in sie. Aber das Phantasiebild dieser Frau ist für ihn so viel wirklicher als die Realität, dass er ihr nicht zu folgen wagt, als die verheiratete Claire ihn eines Abends zu sich lädt. Nach der langen, sinnlosen Grausamkeit des Bürgerkriegs will er nun, Jahre später, Claire im Pariser Exil wiederfinden. Mit den Mitteln des modernen Erzählens erweckt Gaito Gasdanow die vergangene Welt seiner Jugend wieder zum Leben. Ein Abgesang auf die romantische Liebe, der bis heute ergreift und berührt.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Klassiker
Format
Hardcover
Seitenzahl
192
Preis
18.40 €

Autorenbeschreibung

Gaito Gasdanow, 1903 in St. Petersburg geboren und 1971 in München gestorben, gilt als einer der wichtigsten russischen Exilautoren des frühen 20. Jahrhunderts. Seit 1923 lebte er im Exil in Paris, wo er begann, regelmäßig literarische und journalistische Texte zu veröffentlichen. Wegen der existentialistischen Prägung seines Werks wurde Gasdanow wiederholt als der "russische Camus" bezeichnet. Sein Werk umfasst zahlreiche Romane und Erzählungen. Im Hanser Verlag erschienen die Romane Das Phantom des Alexander Wolf (2012), Ein Abend bei Claire (2014), Die Rückkehr des Buddha (2016), Nächtliche Wege (2018) und zuletzt die Erzählungen Schwarze Schwäne (2021).

Beiträge

2
Alle
4

Ich dachte an Claire, an die Abende, die ich mit ihr verbracht hatte, und nach und nach kam mir alles in den Sinn, was ihnen vorausgegangen war; und mich bedrückte, wie unmöglich es war, das alles zu begreifen und in Worte zu fassen. An jenem Abend hatte ich deutlicher denn je vor Augen, dass ich, trotz sämtlicher Mühen, nicht auf einen Schlag die endlose Folge von Gedanken, Eindrücken und Empfindungen erfassen und erfühlen könnte, die allesamt in meinem Gedächtnis als eine Reihe von Schatten auftauchten, als Reflexe im vagen und wässrigen Spiegel späterer Vorstellungen. - Zitat, Seiten 18, 19 Wie die Übersetzerin Rosemarie Tietze in dem beigefügten Nachwort am Schluss zusammenfassend bemerkt, ist das Debüt des damals 26jährigen Gaito Gasdanow, ein Entwicklungs- und Künstlerroman mit bittersüßer Liebesgeschichte unter den heutigen russischen Lesern der beliebteste seiner insgesamt neun veröffentlichten Romane. Vielleicht liegt das daran, dass das Werk eine starke autobiographische Färbung hat und auch die gesellschaftliche und politische Entwicklung der Zeit um 1920 herum miteinbezieht. Nun ist natürlich auch die Leserschaft im deutschen Sprachraum aufgefordert, sich ein eigenes Bild zu machen. "Mein Leben gab mir die Gewähr, ich würde dir dereinst begegnen." Was mit diesen Worten von Alexander Puschkin beginnt, der seinen tragischen Antiheld Onegin für eine geneigte Leserschaft in Szene setzte, kann ja eigentlich nur tragisch enden, oder? Aber diese Beziehung zu der titelgebenden Claire, die wahrscheinlich an die erste große Liebe des Schriftstellers erinnert (die übrigens Tatjana hieß, wie bei Onegin, aber wegen ihrer hellen Haare auch als Claire gerufen wurde), ist nur die Rahmenhandlung der Geschichte. Ausgehend von diesem "Abend bei Claire" im ersten Kapitel wird der Ich-Erzähler Kolja zurück katapultiert in seine Kindheit. Wir erleben mit ihm seine kostbaren schönen, aber auch tieftraurigen Momente seines Aufwachsens hautnah mit. Sein vertrautes Verhältnis zum Vater, der viel zu früh starb und seine Bewunderung für die kühle, aber sehr tiefsinnige Mutter, von der er sich schließlich mit 16 Jahren verabschiedet, um die Weiße Armee im Bürgerkrieg zu unterstützen - nicht aus Überzeugung oder Aussicht auf einen Sieg, sondern um neue Erfahrungen zu sammeln (und vielleicht, um sich von seiner unglücklichen Liebe zu Claire abzulenken). Kaum jemand kann so intensiv in Worte fassen, was den Protagonisten im Innern wirklich bewegt. Es ist, als ob der Schriftsteller eine Schlinge wirft und den Lesenden ganz dicht heranzieht. Es gibt dann kein Entkommen, was der Ich-Erzähler denken und fühlen mag, was für Erlebnisse ihn herumtreiben oder was ihm widerfährt - wir sind mit Haut und Haaren mit dabei. Dies trifft im Besonderen auf die Kindheits- und Jugenderinnerungen zu, im Laufe seines Soldatenlebens ist der Fokus auch auf die unterschiedlichen Charaktere der Kameraden gerichtet - und der ganz intensive Sog verflüchtigt sich etwas! FAZIT Am Anfang hatte ich einen Ohrwurm mit "Au clair de la lune", ob Gaito Gasdanow das Volks- und Kinderlied aus dem 18. Jahrhundert wohl auch kannte? Auch wenn nicht, Musik spielt für den Ich-Erzähler auf jeden Fall eine große Rolle. Auch wenn dieses Debüt nicht so eine geradlinig erzählte Handlung hat, ist der literarische Wert doch beeindruckend. Vor ein paar Jahren habe ich Onegin auch als Oper in Hamburg gesehen und ich fühlte mich immer ein wenig an Andersens Märchen "Die Schneekönigin" erinnert. Interessant ist, dass auch Gaito Gasdanow in seinem Roman Andersen erwähnt und auch das Motiv des Schnees in der Geschichte wichtig ist. Trotz aller Faszination ist aber mein persönlicher Favorit von Gaito Gasdanow "Das Phantom des Alexander Wolf" - ein phantastischer, intensiver und unglaublich spannender Roman. Aber das ist am Ende natürlich Geschmackssache.

3

Ein Debut, das sich nicht wie eines liest. Bereits in seinem Erstling bedient sich Gazdanov seines ganz eigenen Stils, für den ich ihn so schätzen gelernt habe. Ruhig, introvertiert, rückbesinnend erzählt der Autor eine Geschichte, die stark autobiographisch geprägt sein könnte. Es beginnt als Liebesgeschichte, wird auch als solche vermarktet. Wer aber dies erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Claire dient zwar als Dreh- und Angelpunkt, jedoch entspinnt sich hier eine Lebensgeschichte in einer Welt, die vor vielen Herausforderungen steht. Ganz ähnlich wie bei uns momentan. Grundsätzlich geschieht in Gazdanovs Büchern nicht viel. Wer eine ruhige und introspektive Literatur sucht, bei der man auch noch historische Informationen erhält, ist mit diesem Autoren bestimmt nicht schlecht bedient. Wer jedoch Action und Aufregung mag, wird mit anderen Büchern wahrscheinlich glücklicher. Ich schätze es, ab und an mit einem Roman von Gazdanov abzuschalten und mich von seiner Stimme tragen zu lassen. Genau das ist auch hier geschehen, sodass ich Claire geniessen und schätzen konnte.

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