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Ich weiss wirklich nicht, warum ich mich diesem Buch (Hörbuch, von der Autor*in selbst gelesen) zugewandt habe. Wusste ich doch, dass es holprig, wenn nicht sogar unbequem werden würde. Längst auf der Seite der Menschen, die sich anders definieren als die Geschlechternormen, in meinem Fall vor allem gegenüber dem Männerbild und den damit verknüpften, gesellschaftlichen Erwartungen, kann ich mich dennoch als (Gay) Mann definieren, möchte das auch ausdrücklich. Aus meinem eigenen Emanzipations-Prozess heraus weiss ich heute aber vor allem, dass man der Gesellschaft nichts aufzwingen kann und auch lernen muss, mit Ausgrenzung umzugehen. Gesellschaft lässt nicht mit sich reden, da sie die Summe aller ist. Wie soll ich also meine Eindrücke wiedergeben, ohne in eine Diskussion zu verfallen, die hier ja wohl kaum ein Gegenüber finden wird und somit zu nichts führt. Zudem hätte ich auch etwas Bammel, etwas „Falsches“ zu schreiben. Das kann zu dem Thema nämlich schnell passieren, wie Meyer recht fleissig auch immer wieder zu bestätigen scheint. Das Buch ist eine sehr beeindruckende Fleissarbeit mit dem Fokus auf geisteswissenschaftliche Erkenntnisse, die durch viel zitierte Studien untermauerten Aussagen treffen oft auf den Punkt, werden aber dadurch auch kaum diskutierbar. Wie gesagt, die Autor*in hatte mich ja bereits auf ...(wie sage ich das jetzt richtig?) Seite. Es gibt neben den sehr plausiblen Ausführungen aber auch so einiges, was ich problematisch finde und über das ich eher unsanft gestolpert bin. Insgesamt ist der Ton des Buches eher unerschütterlich in den Aussagen, neben der Untermauerung durch wissenschaftliche Zitate lässt sich Meyer kaum beirren, bietet aber so auch kaum einen Raum für anders Denken. Sie polarisiert, zeichnet immer wieder die Fronten ihrer Sache auf, Gegenargumente scheint sie nicht gelten lassen zu können. So entsteht der Eindruck von „richtig und falsch“ Interessant fand ich auch, dass sie zwar wiedermal das Patriarchat als Übeltäter brandmarkt, als Hauptgegner aber hauptsächlich weibliche Personen aufführt. Sind dies die „Profiteur*innen“ dieses Patriarchats, wie Meyer es später aufführt? Die schreibende Person unterscheidet schon recht früh im Buch zwischen „menschengemacht“ und „natürlich“, führt hier auf, dass es gefährlich ist, dass der Mensch sich auf die Natur beruft, da fast alles, was ihn umgibt, von ihm gemacht, also menschengemacht ist. Natur ist also schlecht und sollte nicht gelten. Das dies Argument der Sache der Autor“in dienlich ist, scheint mir offensichtlich, ich halte eine solche Denkweise aber für äusserst problematisch. Impfgegner und „Querdenker“ sind auf jeden Fall rechts und damit Gegner, deren Argumente nicht zählen oder lächerlich gemacht werden. So wird „Cancel Culture schöngeredet oder als nicht existent negiert. Kinderschutz wird sehr vereinfacht dargestellt und beinahe als unnötig hingestellt. Wie auch die Ängste und Zweifel der „Gesellschaft“, die dringend umgebaut werden muss. Alles unter dem Mantel, Diskriminierung und Ausgrenzung zu verhindern. Für mich zu eindimensional, die Absicht im Vordergrund mit wenig Raum auf dem Weg dahin. Und dennoch: Meyer liefert uns zum Schluss noch einmal eine Utopie, die auch ich gerne in Zukunft sehen würde. Jeder kann sein, was er/sie/es will. „Wir müssen keine Frauen sein. Wir müssen keine Männer sein. Wir müssen gar nichts“. Aber ich fürchte, mit diesen Diskussionspartnern, dieser Gesellschaft, diesem Anspruch auf Macht, in jedem Lager wird es nur eine unerreichte Utopie bleiben. Oder diese Zukunft wird noch lange auf sich warten lassen.
5 Tage vor
Ich weiss wirklich nicht, warum ich mich diesem Buch (Hörbuch, von der Autor*in selbst gelesen) zugewandt habe. Wusste ich doch, dass es holprig, wenn nicht sogar unbequem werden würde. Längst auf der Seite der Menschen, die sich anders definieren als die Geschlechternormen, in meinem Fall vor allem gegenüber dem Männerbild und den damit verknüpften, gesellschaftlichen Erwartungen, kann ich mich dennoch als (Gay) Mann definieren, möchte das auch ausdrücklich. Aus meinem eigenen Emanzipations-Prozess heraus weiss ich heute aber vor allem, dass man der Gesellschaft nichts aufzwingen kann und auch lernen muss, mit Ausgrenzung umzugehen. Gesellschaft lässt nicht mit sich reden, da sie die Summe aller ist. Wie soll ich also meine Eindrücke wiedergeben, ohne in eine Diskussion zu verfallen, die hier ja wohl kaum ein Gegenüber finden wird und somit zu nichts führt. Zudem hätte ich auch etwas Bammel, etwas „Falsches“ zu schreiben. Das kann zu dem Thema nämlich schnell passieren, wie Meyer recht fleissig auch immer wieder zu bestätigen scheint. Das Buch ist eine sehr beeindruckende Fleissarbeit mit dem Fokus auf geisteswissenschaftliche Erkenntnisse, die durch viel zitierte Studien untermauerten Aussagen treffen oft auf den Punkt, werden aber dadurch auch kaum diskutierbar. Wie gesagt, die Autor*in hatte mich ja bereits auf ...(wie sage ich das jetzt richtig?) Seite. Es gibt neben den sehr plausiblen Ausführungen aber auch so einiges, was ich problematisch finde und über das ich eher unsanft gestolpert bin. Insgesamt ist der Ton des Buches eher unerschütterlich in den Aussagen, neben der Untermauerung durch wissenschaftliche Zitate lässt sich Meyer kaum beirren, bietet aber so auch kaum einen Raum für anders Denken. Sie polarisiert, zeichnet immer wieder die Fronten ihrer Sache auf, Gegenargumente scheint sie nicht gelten lassen zu können. So entsteht der Eindruck von „richtig und falsch“ Interessant fand ich auch, dass sie zwar wiedermal das Patriarchat als Übeltäter brandmarkt, als Hauptgegner aber hauptsächlich weibliche Personen aufführt. Sind dies die „Profiteur*innen“ dieses Patriarchats, wie Meyer es später aufführt? Die schreibende Person unterscheidet schon recht früh im Buch zwischen „menschengemacht“ und „natürlich“, führt hier auf, dass es gefährlich ist, dass der Mensch sich auf die Natur beruft, da fast alles, was ihn umgibt, von ihm gemacht, also menschengemacht ist. Natur ist also schlecht und sollte nicht gelten. Das dies Argument der Sache der Autor“in dienlich ist, scheint mir offensichtlich, ich halte eine solche Denkweise aber für äusserst problematisch. Impfgegner und „Querdenker“ sind auf jeden Fall rechts und damit Gegner, deren Argumente nicht zählen oder lächerlich gemacht werden. So wird „Cancel Culture schöngeredet oder als nicht existent negiert. Kinderschutz wird sehr vereinfacht dargestellt und beinahe als unnötig hingestellt. Wie auch die Ängste und Zweifel der „Gesellschaft“, die dringend umgebaut werden muss. Alles unter dem Mantel, Diskriminierung und Ausgrenzung zu verhindern. Für mich zu eindimensional, die Absicht im Vordergrund mit wenig Raum auf dem Weg dahin. Und dennoch: Meyer liefert uns zum Schluss noch einmal eine Utopie, die auch ich gerne in Zukunft sehen würde. Jeder kann sein, was er/sie/es will. „Wir müssen keine Frauen sein. Wir müssen keine Männer sein. Wir müssen gar nichts“. Aber ich fürchte, mit diesen Diskussionspartnern, dieser Gesellschaft, diesem Anspruch auf Macht, in jedem Lager wird es nur eine unerreichte Utopie bleiben. Oder diese Zukunft wird noch lange auf sich warten lassen.
5 Tage vor







