Blick ins Buch

Romane

Die Kakerlake

3,2(120)
Sprache
Deutsch
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Über das Buch

Jim Sams hat eine Verwandlung durchgemacht. In seinem früheren Leben wurde er entweder ignoriert oder gehasst, doch jetzt ist er auf einmal der mächtigste Mann Großbritanniens – und seine Mission ist es, den Willen des Volkes in die Tat umzusetzen. Er ist wild entschlossen, sich von nichts und niemandem aufhalten zu lassen: weder von der Opposition noch von den Abweichlern in seiner eigenen Partei. Und noch nicht mal von den Regeln der parlamentarischen Demokratie. Die aberwitzige, kafkaeske Politsatire des großen britischen Erzählers.

Editionen (4)

ISBN9783257245813
VerlagDiogenes
Erscheinungsdatum23.02.22
Seitenzahl144

Rezensionen & Bewertungen

120 Bewertungen

15 Rezensionen

3,2

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  • robins
    robins

    157 Follower

    4,0

    Eine kurze, böse und herrlich absurde Satire... Ian McEwan dreht die politische Realität einmal komplett auf links: Ein Premierminister erwacht – ganz kafkaesk – als Mensch, war zuvor jedoch eine Kakerlake. Was folgt, ist eine gnadenlose Abrechnung mit dem Brexit, populistischen Denkfiguren à la Boris Johnson und Donald Trump und der allgemeinen politischen Vernunftverweigerung der letzten Jahre. Zentrales Element ist der sogenannte Reversalismus: Menschen zahlen dafür, arbeiten zu dürfen, und bekommen Geld, wenn sie Waren oder Dienstleistungen konsumieren. Ein völlig absurder Gedanke – und gerade deshalb erschreckend nah an der Logik mancher realer politischer Debatten. McEwan überzeichnet bewusst, trifft dabei aber erstaunlich oft ins Schwarze. Ich wusste beim Lesen mehrfach nicht, ob ich lachen oder den Kopf schütteln soll. Das Buch ist kurz, pointiert und manchmal fast schon unangenehm direkt. Kein tief ausgearbeiteter Roman, sondern eine literarische Spitze – scharf, politisch und sehr bewusst provokant.

    1. Feb. 2026

  • lesekosmos
    lesekosmos

    51 Follower

    3,0

    Zeitlos und universal gültig

    Zuallererst: Nicht überall, wo Ian McEwan drauf steht, ist auch Ian McEwan drin. Wer als Leser also das übliche, flüssig-harmonische Gleiten einer bisweilen pointierten, aber immer eingängigen Handlung wie in „Honig“ oder „Solar“ erwartet, sei vorgewarnt. Surrealistische Trends wie in „Der Tagträumer“ haben bereits aufblitzen lassen, dass der Autor auch anders kann, wenn er will. „Die Kakerlake“ ist definitiv anders. McEwan hat sich offensichtlich von der politischen Gegenwart in Großbritannien und Europa so ultimativ unter Druck gesetzt gefühlt, dass er mit heißer, fast schon zorniger Nadel ein Sperrfeuer politischer Satire zu Papier gebracht hat, um seinen ganzen Unmut über die Ereignisse rund um den Brexit kundzutun. Hat man sich durch das relativ kurze Buch gelesen, kann man dem Autor zubilligen, dass seine Botschaft angekommen ist. Er ist ohne den geringsten Zweifel kein Brexit-Befürworter. Bis zum Ende der Parabel tut man sich jedoch manchmal etwas schwer, wenn man nicht so der Anhänger von kafkaesker Verfremdung oder Fantasy-artiger Aufhebung jeglicher Logik ist. Die Anleihe an Kafka’s Verwandlung wird von McEwan bereits in der Einleitung proaktiv thematisiert. Also besser keine Sinn-Fragen stellen und die Message auf sich wirken lassen. Kurzzeitig schafft es McEwan sogar, den ein oder anderen Leser zu verunsichern, wenn er durch die Person des Premierministers seine Wirtschaftstheorie des Reversalismus als neues, heilsbringendes Konzept für das vor sich hin darbende Königreich ausführt. Unweigerlich fragt man sich, ob Reversalismus (eine Wortschöpfung von McEwan für diese Geschichte; David Foster Wallace lässt grüßen) nicht tatsächlich klappen könnte. Aber letztendlich erweist sich alles als Machenschaften böser (sechsbeiniger) Mächte. Ian McEwan hat sich mit „Die Kakerlake“ eine Wut- und Brandrede gegönnt, in der er seinen ganzen Frust über die Politik und die Politiker im allgemeinen und den Brexit im Besonderen von der Seele geschrieben hat. Parallelen zu lebenden Protagonisten unserer Zeit wie Donald Trump und Boris Johnson sind nicht rein zufällig, sondern ganz offensichtlich beabsichtigt. Betrachtet man die aktuellen Ereignisse im Vereinigten Königreich mit dem possenhaften Wechselspiel der Premierminister ist McEwans Persiflage zeitlos aktuell, aber ohne Zweifel auch nicht geografisch gebunden.

    11. Apr. 2026

  • mina25
    mina25

    295 Follower

    4,0

    Ich hab mich köstlich amüsiert 🙈

    13. Mai 2026

3 von 15 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Ian McEwan

Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung. Seit seinem Welterfolg ›Abbitte‹ ist jeder seiner Romane ein Bestseller, viele sind verfilmt, zuletzt ›Am Strand‹ (mit Saoirse Ronan) und ›Kindeswohl‹ (mit Emma Thompson). Ian McEwan ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts, der American Academy of Arts and Sciences und Träger der Goethe-Medaille.

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