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Romane

Die Geschichte der Einsamkeit

4,3(52)
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Deutsch
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Über das Buch

»Fesselnd, erschütternd und zutiefst bewegend.« The Sunday Times
Odran Yates kommt 1972 an das renommierte Dubliner »Clonliffe Seminary«, um Priester zu werden. Er kann es kaum erwarten, endlich Gutes zu tun. Vierzig Jahre später ist sein Vertrauen in die katholische Kirche jedoch zutiefst erschüttert. Bestürzt muss er dabei zusehen, wie alte Freunde vor Gericht stehen und ehemalige Würdenträger ins Gefängnis kommen.

Die Beichte eines guten Priesters: durchdrungen von wohlplatzierten Lücken und überraschenden Untiefen

Erst als bei einem Familientreffen alte Wunden aufgerissen werden, sieht er sich gezwungen, die Ereignisse in seinem Leben in einem anderen Licht zu betrachten und sich einzugestehen, dass er über all die Jahre nicht sehen wollte, was direkt vor seinen Augen geschah.

»Kein zeitgenössischer Schriftsteller behandelt Schuld mit so viel Tiefe und Feingefühl wie John Boyne. Dies ist sein wichtigster Roman.« John Irving

Editionen (2)

ISBN9783492309929
VerlagPiper
Erscheinungsdatum01.03.17
Seitenzahl416

Rezensionen & Bewertungen

52 Bewertungen

11 Rezensionen

4,3

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  • alexaengel
    alexaengel

    198 Follower

    4,0

    John Boyne wendet sich in Die Geschichte der Einsamkeit einem ernsten, historischen und moralisch aufgeladenen Thema zu: dem sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche in Irland. Dabei erzählt er nicht reißerisch, sondern leise, mit einer anfangs fast unscheinbaren Tragik, die sich erst nach und nach entfaltet. Im Mittelpunkt steht Pater Odran Yates, ein gutmütiger, pflichtbewusster Priester, der seit seiner Jugend dem Glauben ergeben ist. Nach einer familiären Tragödie tritt er ins Priesterseminar ein – aus echter Überzeugung, aber auch, um der Trauer zu entfliehen. Jahrzehnte später blickt er auf sein Leben zurück und erkennt langsam, wie sehr er durch Schweigen, Wegsehen und Gehorsam Teil eines Systems geworden ist, das viel Leid zugelassen hat. Boyne zeichnet dabei ein präzises Porträt eines Mannes, der an sich selbst scheitert, nicht aus Bosheit, sondern aus Angst vor Verantwortung. Gerade diese Ambivalenz macht den Roman stark: Er zeigt, wie leicht moralische Schuld entsteht, wenn man nicht handelt. Gleichzeitig entfaltet Boyne ein dichtes Zeitbild Irlands, von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart, mit all seinen religiösen Zwängen, gesellschaftlichen Tabus und Brüchen. Allerdings hat der Roman auch Schwächen: Stellenweise verliert die Handlung spürbar an Spannung – besonders im mittleren Teil, wenn Boyne zu sehr in Rückblenden und inneren Monologen verweilt. Die Geschichte wirkt dann etwas zäh und wiederholt sich in ihren moralischen Erkenntnissen. Trotzdem bleibt Die Geschichte der Einsamkeit ein eindrucksvoll stiller, ehrlicher Roman über Schuld, Scham und Selbsttäuschung und zeigt, dass Einsamkeit oft aus dem Schweigen entsteht. Ein feinfühlig erzählter, moralisch komplexer Roman.

    1. Nov. 2025

  • goedi
    goedi

    83 Follower

    5,0

    "Ein mutiger, wütender und gewaltiger Roman…"

    Dieses Buch hat mich gefesselt. Es war erschreckend, so einen tiefen Einblick in Irland's katholische Kirche zu bekommen. Ich bin froh, dass endlich mal jemand den Mut aufbringt, diese scheußlichen Dinge in Wort zu fassen. Zudem hat es meine Meinung in Bezug auf die katholische Kirche noch bestärkt. Es ist fast unerträglich zu lesen, wieviel Leid die katholische Kirche den Menschen gebracht hat, nicht nur den missbrauchten Kindern, sondern auch den Priestern, denen dieses Amt aufgezwungen wurde. Ich kann mir gut vorstellen, dass es solche Männer wie Tom Cardle zu Haufe gibt. Das Buch hat mich tief bewegt. Als Odran sich bei Aidan entschuldigt, sind mir die Tränen nur so geflossen (obwohl ich gerade an der U-Bahn-Haltestelle stand). Wir brauchen mehr solche aufrichtigen Bücher! JB ist ein großartiger Schriftsteller, der sich in diesem Roman voll und ganz auf dieses schreckliche Thema eingelassen hat.

    4. Okt. 2025

  • zuzi.xs
    zuzi.xs

    100 Follower

    3,5

    ⛪️🇮🇪 Historie des Wegsehens.

    "Manchmal hat es in den letzten Jahren Momente gegeben, in denen die Schuld so übermächtig war, dass ich mich gefragt habe, ob ich nicht auch zum Curracloe Beach gehen sollte, um der ganzen Sache ein Ende zu bereiten." TW: Sexualisierte Gewalt an Kindern & Jugendlichen Odran Yates will als Priester Gutes tun und verschließt am Ende völlig die Augen vor all dem Übel, das die katholische Kirche mit ihren Machenschaften über die Menschen Irlands bringt. Ein heikles, extrem emotionales Thema. Ich habe allerdings ziemlich lange gebraucht, um überhaupt in das Buch hineinzukommen. "Die Geschichte der Einsamkeit" müsste vielleicht eher "Die Geschichte von Odrans Einsamkeit" heißen, denn vor allem vom Anfang bis zur Mitte des Romans verliert sich John Boyne immer wieder in Rückblenden aus dem Leben des Priesters und anderen viel zu langen Erläuterungen über Odrans Lebenslauf. Dann nimmt die Handlung doch etwas an Tempo auf und entwickelt Spannung. Allerdings blieb mir der Inhalt bei diesem tiefgreifenden Thema doch irgendwie zu oberflächlich. Es geht hier immerhin um Geschehnisse, die tatsächlich passiert sind. Es ist unvorstellbar, wie viele junge Menschen von "Würdenträgern" zerstört wurden, ein Ausmaß der Gewalt, das einen wirklich an das Gute im Menschen zweifeln lässt... und statt für Gerechtigkeit zu sorgen, wurde jahrzehntelang vertuscht und Opfer zusätzlich unter Druck gesetzt. Und genau Letztere kommen mir in diesem Buch einfach viel zu wenig vor. Es dreht sich alles um den selbstgerechten Pater Yates, der dann nach Jahrzehnten erst sieht, dass er Teil des Systems war... aber wo bleibt der Schmerz der Opfer? Vermutlich wollte der Autor einen zu reißerischen Umgang mit dem Thema vermeiden. Das tatsächliche Leid zum Nebenschauplatz zu degradieren ist aber vielleicht nicht die beste Herangehensweise.

    ⛪️🇮🇪 Historie des Wegsehens.

    9. Apr. 2026

3 von 11 Rezensionen

Autorin / Autor

Über John Boyne

John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman »Der Junge im gestreiften Pyjama«, der weltweit zum Bestseller wurde und von der Kritik als »ein kleines Wunder« (The Guardian) gefeiert wurde. Zuletzt erschien von ihm das in zahlreiche Sprachen übersetzte Quartett »Die Elemente«.

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