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Das Geheimnis der Eulerschen Formel

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Über das Buch

Eine Frau wird als Haushälterin für einen verschrobenen Professor eingestellt, der jeden Tag aufs Neue vergisst, wer er ist. In ihrer zarten, eindringlichen Sprache erzählt Yoko Ogawa eine berührende Geschichte über Freundschaft und Verlust - und über die Schönheit der Mathematik. Ein alter Mathematikprofessor, dessen Karriere nach einem geheimnisvollen Unfall ein abruptes Ende fand, lebt zurückgezogen auf dem prächtigen Anwesen seiner Schwägerin. Seit seinem Unfall währt sein Kurzzeitgedächtnis nur mehr achtzig Minuten, danach kann er sich an nichts mehr erinnern. Acht Haushälterinnen hat seine Schwägerin bislang für ihn eingestellt und jede schon nach kurzer Zeit wieder entlassen. Aber mit Nummer neun wird alles anders. Rasch gewinnt sie das Vertrauen des Professors, der auch ihren zehnjährigen Sohn sofort ins Herz schließt. Einfühlsam führt der Professor die beiden in die faszinierende Welt der Mathematik ein. Und mit jeder neuen Gleichung, mit jeder neuen Formel entstehen zwischen ihnen Bande, die stärker sind als der Verlust der Erinnerung - bis die Schwägerin des Professors dem ein plötzliches Ende setzt ...

Editionen (3)

ISBN9783954380091
VerlagLiebeskind
Erscheinungsdatum12.10.12
Seitenzahl256

Merkmale

1 Bewertungen

LangsamEinfachMinimalistischSympathischHerzerwärmendTraurig

Rezensionen & Bewertungen

85 Bewertungen

13 Rezensionen

4,0

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  • amygdalalimbus66
    amygdalalimbus66

    904 Follower

    5,0

    "Meine Erinnerung dauert nur 80 Minuten."

    Dieses Buch hat sich still in mein eigenes Leben eingeschrieben. Yoko Ogawas Das Geheimnis der eulerischen Formel ist eines jener seltenen Bücher, die ihre Wirkung nicht aus dramatischen Ereignissen beziehen, sondern aus der Genauigkeit, mit der sie Menschen betrachtet. Die Handlung ist schnell erzählt. Eine Haushälterin tritt ihre Stelle bei einem ehemaligen Mathematikprofessor an, dessen Kurzzeitgedächtnis nach einem Unfall nur noch etwa achtzig Minuten umfasst. Was daraus entsteht, ist jedoch weit mehr als die Beschreibung einer ungewöhnlichen Lebenssituation. Ogawa interessiert sich nicht für das Spektakuläre an diesem Schicksal, sondern für dessen Konsequenzen im Alltag. Wie begegnet man einem Menschen, der einen jeden Tag neu kennenlernen muss? Welche Form von Nähe kann unter solchen Voraussetzungen entstehen? Besonders bemerkenswert ist die Art, wie der Roman mit Mathematik umgeht. Sie dient hier weder als dekoratives Motiv noch als intellektuelle Spielerei. Zahlen, Primzahlen und Formeln werden zu einer Möglichkeit, Beziehungen zu strukturieren und miteinander in Kontakt zu treten. Die Mathematik ist nicht Gegenstand der Geschichte, sondern ihr Medium. Selbst Leserinnen und Leser, die mit mathematischen Zusammenhängen wenig anfangen können (zu diesen zähle ich mich selbst auch), werden feststellen, dass es Ogawa gelingt, deren innere Logik nachvollziehbar und sogar faszinierend zu machen. Nicht die Mathematik wird vermenschlicht, vielmehr zeigt Ogawa, dass Menschlichkeit selbst einer verborgenen Ordnung folgt. Einer Ordnung aus Vertrauen, Fürsorge und Respekt. Was mich nachhaltig beeindruckt hat, ist die Disziplin dieses Romans. Er verzichtet auf Sentimentalität, obwohl der Stoff dazu geradezu einlädt. Die Figuren werden nicht idealisiert, ihre Beziehungen nicht künstlich vertieft. Stattdessen entwickelt sich zwischen ihnen eine stille Vertrautheit, die umso glaubwürdiger wirkt, weil sie nie ausdrücklich erklärt werden muss. Auch sprachlich folgt Ogawa diesem Prinzip. Ihr Stil ist klar, unaufgeregt und von einer bemerkenswerten Präzision. Kein Satz scheint zu viel, keine Szene überflüssig. Gerade diese Konzentration verleiht dem Roman eine große emotionale Dichte. Die stärksten Momente entstehen oft dort, wo wenig gesagt wird. Mich hat besonders beschäftigt, wie der Roman Erinnerung und Identität miteinander verknüpft. In vielen Geschichten gilt Erinnerung als Voraussetzung für menschliche Nähe. Ogawa stellt diese Annahme infrage. Sie zeigt Menschen, die füreinander Bedeutung gewinnen, obwohl gemeinsame Erfahrungen immer wieder verloren gehen. Der Roman entwickelt daraus keine philosophische These, sondern vertraut darauf, dass die Figuren selbst die Antwort geben. Das Geheimnis der eulerischen Formel ist ein leises, kluges und außerordentlich fein komponiertes Buch. Es sucht nicht nach großen Wahrheiten und liefert keine einfachen Erkenntnisse. Stattdessen erzählt es mit großer Sorgfalt von Aufmerksamkeit, Respekt und den oft unscheinbaren Formen menschlicher Verbundenheit. Die eulersche Formel steht sinnbildlich für das ganze Werk. In der Mathematik verbindet sie scheinbar unvereinbare Welten miteinander. Im Roman geschieht genau dasselbe. Alter und Jugend, Wissen und Unwissen, Erinnerung und Vergessen, Einsamkeit und Nähe verschmelzen zu etwas Größerem. Nicht alles muss erklärt werden, um wahr zu sein. Nicht alles muss dauerhaft sein, um Bedeutung zu haben. Nach der letzten Seite blieb bei mir kein Gefühl von Traurigkeit zurück, sondern etwas viel Wertvolleres. Dankbarkeit. Dankbarkeit für eine Geschichte, die zeigt, dass ein Mensch auch dann Spuren hinterlassen kann, wenn er sich selbst nicht mehr an sie erinnert. Dass Zuneigung nicht von Dauer abhängt. Und dass manche Begegnungen nur achtzig Minuten brauchen, um ein Leben lang nachzuwirken. ♡♡♡ "Kurz darauf hörte ich ihn leise schluchzen. Zuerst begriff ich gar nicht, dass das Geräusch von ihm kam. Ich hielt es für eine kaputte Spielzeugdose, die irgendwo im Zimmer erklang. Sein Schluchzen hatte nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem, das ich beim Kinderarzt von ihm vernommen hatte, als Root behandelt wurde. Es galt keinem anderen Menschen, sondern nur ihm selbst, einsam und verborgen." "Der Professor rührte sich nicht. Mit verschränkten Armen betrachtete er stumm unsere Formel. Allmählich überkam mich das Gefühl, dass meine Eingebung nur Schwachsinn war. Eigentlich hätte ich es mir ja denken können. Wie konnte ich mir bloß einbilden, dass ich auf einen Gedanken kommen würde, der irgendwie von Bedeutung sein konnte und noch dazu einen Gelehrten wie ihm Freude bereiten würde? In dem Augenblick Stand der Professor auf und klatschte Beifall - völlig unerwartet. Es war eine von Herzen kommende Geste, als hätten wir die Lösung für den großen Fermatschen Satz gefunden. Dein Applaus erfüllte nach und nach das ganze Haus."

    "Meine Erinnerung dauert nur 80 Minuten."

    5. Juni 2026

  • finellibooks
    finellibooks

    92 Follower

    4,5

    Wunderschöne Geschichte; wie es in der asiatischen Literatur so üblich ist- reduziert was die Emotionen und Sprache angeht. Grandios, wie die Mathematik ganz unauffällig eingewoben wurde- ich liebe die Besonderheiten, die hier hervorgehoben wurden. Schade, dass doch nochmal ein Querverweis zum früheren Leben des Professors fehlte, und das Geheimnis der Euler'schen Formel sich nicht so ganz offenbart hat.

    27. Dez. 2024

  • annie110
    annie110

    91 Follower

    4,0

    Ein Buch über eine außergewöhnliche Freundschaft, welches unbedingt gelesen werden muss. Ein Mathematikprofessor, welcher alle 80 Minuten sein Gedächtnis verliert, eine Haushälterin und ihr Sohn sowie Mathematik. Sehr einfühlsam… es hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Zugegeben , allen angesprochenen mathematischen Themen konnte ich nicht folgen. Wenn man sich ein wenig darauf einlässt, ist es faszinierend . Absolute Empfehlung

    24. Jan. 2026

3 von 13 Rezensionen

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