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„Die Leute brauchen keine Medizin so sehr wie Hoffnung.“ Jakob Heym lebt, als Jude von den Nazis interniert, in einem fiktiven Ghetto. Als er sich auf einem Revier melden muss, schnappt er zufällig eine Radiomeldung von der Front auf. Die Russen haben einen Erfolg gegen die Deutschen zu verzeichnen. Wenig später wieder unter „seinesgleichen“, teilt er unbedacht diese Information und verknüpft sie mit einer folgenschweren Lüge: er selbst sei noch im Besitz eines Radios, über das er heimlich Informationen über den Verlauf des 2. Weltkriegs beziehe. Nun wird Jakob Heym (zunächst unfreiwillig) zum Hoffnungsvogel. Schnell färbt er bewusst die nun selbst erdachten Frontverläufe zu Gunsten der Roten Armee, zur Hoffnung der jüdischen Menschen im Ghetto. Doch die Lügen und die Verantwortung des Hoffnungsspenders in düsteren Zeiten lasten schwer auf Jakob. Wie weit kann er gehen? „Jakob der Lügner“ ist ein grandioser, zeitloser, mitunter aber auch skurriler Text. Das große Thema ist das Prinzip Hoffnung, inmitten von Wahrheit und Lüge. Das Thema könnte kaum aktueller sein. Der Text stellt die Frage: Gibt es auch gute Fake News? Jurek Becker trägt seine Parabel auf die Hoffnung meist wertfrei, fast schon naiv vor. Das gelingt ihm durch einen Erzähler, der zwar in diesem Ghetto gelebt hat und auktorial auf die Handlung blickt, aber selbst erst ganz am Ende Teil der Geschichte wird. Ein letztlich genialer literarischer Kniff, der das Lesen aber zwischenzeitlich auch etwas ins Stocken bringt. Becker, der ebenfalls in einem Ghetto leben musste, schreibt nicht moralisierend oder anklagend. So bleibt sehr viel der Gedankenarbeit bei den Leser*innen, was den Text zusätzlich wertvoll macht. Irgendwas zwischen 4 und 5 Sternen. Ich werde weiter drüber nachdenken und es sicherlich nochmal lesen müssen. MUST-READ!
22. Sept. 2024
„Die Leute brauchen keine Medizin so sehr wie Hoffnung.“ Jakob Heym lebt, als Jude von den Nazis interniert, in einem fiktiven Ghetto. Als er sich auf einem Revier melden muss, schnappt er zufällig eine Radiomeldung von der Front auf. Die Russen haben einen Erfolg gegen die Deutschen zu verzeichnen. Wenig später wieder unter „seinesgleichen“, teilt er unbedacht diese Information und verknüpft sie mit einer folgenschweren Lüge: er selbst sei noch im Besitz eines Radios, über das er heimlich Informationen über den Verlauf des 2. Weltkriegs beziehe. Nun wird Jakob Heym (zunächst unfreiwillig) zum Hoffnungsvogel. Schnell färbt er bewusst die nun selbst erdachten Frontverläufe zu Gunsten der Roten Armee, zur Hoffnung der jüdischen Menschen im Ghetto. Doch die Lügen und die Verantwortung des Hoffnungsspenders in düsteren Zeiten lasten schwer auf Jakob. Wie weit kann er gehen? „Jakob der Lügner“ ist ein grandioser, zeitloser, mitunter aber auch skurriler Text. Das große Thema ist das Prinzip Hoffnung, inmitten von Wahrheit und Lüge. Das Thema könnte kaum aktueller sein. Der Text stellt die Frage: Gibt es auch gute Fake News? Jurek Becker trägt seine Parabel auf die Hoffnung meist wertfrei, fast schon naiv vor. Das gelingt ihm durch einen Erzähler, der zwar in diesem Ghetto gelebt hat und auktorial auf die Handlung blickt, aber selbst erst ganz am Ende Teil der Geschichte wird. Ein letztlich genialer literarischer Kniff, der das Lesen aber zwischenzeitlich auch etwas ins Stocken bringt. Becker, der ebenfalls in einem Ghetto leben musste, schreibt nicht moralisierend oder anklagend. So bleibt sehr viel der Gedankenarbeit bei den Leser*innen, was den Text zusätzlich wertvoll macht. Irgendwas zwischen 4 und 5 Sternen. Ich werde weiter drüber nachdenken und es sicherlich nochmal lesen müssen. MUST-READ!
22. Sept. 2024






