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Romane

Jakob der Lügner

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Über das Buch

Der Ich-Erzähler, Überlebender eines polnischen Ghettos, schildert die Geschichte des Ghettobewohners Jakob Heym, der durch Zufall im deutschen Polizeirevier aus dem Radio Satzfetzen einer Meldung vernimmt, die fortan das Leben im Ghetto verändern sollte: "In einer erbitterten Abwehrschlacht gelang es unseren heldenhaft kämpfenden Truppen, den bolschewistischen Angriff 20 km vor Bezanika zum Stehen zu bringen." Jakob kennt diesen Ort nur vom Hörensagen, doch weiß er, dass Bezanika nicht weit vom Ghetto entfernt liegt. Zugleich wird ihm bewusst, dass diese Nachricht den Ghettobewohnern einen konkreten Anlass zum Durchhalten geben würde.
Um die Glaubwürdigkeit seiner Informationen zu erhöhen, behauptet Jakob, über ein Radio zu verfügen, dessen Besitz natürlich verboten ist. Durch diese Notlüge gerät er in die Zwangslage, ständig neue Nachrichten erfinden zu müssen; sein Lügengeflecht führt zu tragikomischen Situationen und das technische Medium wird zum Symbol von Verheißung und Gefahr. Einerseits schöpfen die Ghettobewohner wieder Hoffnung; sie schmieden Pläne, die Selbstmordrate ist rückläufig. Andererseits befürchten einige seiner Leidensgenossen, dass die Entdeckung des Radios durch die deutschen Besatzer alle gefährden könne ...

Editionen (14)

ISBN9783867171137
VerlagDer Hörverlag
Erscheinungsdatum08.08.07

Rezensionen & Bewertungen

108 Bewertungen

7 Rezensionen

3,9

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  • henvondra
    henvondra

    79 Follower

    4,0

    „Die Leute brauchen keine Medizin so sehr wie Hoffnung.“ Jakob Heym lebt, als Jude von den Nazis interniert, in einem fiktiven Ghetto. Als er sich auf einem Revier melden muss, schnappt er zufällig eine Radiomeldung von der Front auf. Die Russen haben einen Erfolg gegen die Deutschen zu verzeichnen. Wenig später wieder unter „seinesgleichen“, teilt er unbedacht diese Information und verknüpft sie mit einer folgenschweren Lüge: er selbst sei noch im Besitz eines Radios, über das er heimlich Informationen über den Verlauf des 2. Weltkriegs beziehe. Nun wird Jakob Heym (zunächst unfreiwillig) zum Hoffnungsvogel. Schnell färbt er bewusst die nun selbst erdachten Frontverläufe zu Gunsten der Roten Armee, zur Hoffnung der jüdischen Menschen im Ghetto. Doch die Lügen und die Verantwortung des Hoffnungsspenders in düsteren Zeiten lasten schwer auf Jakob. Wie weit kann er gehen? „Jakob der Lügner“ ist ein grandioser, zeitloser, mitunter aber auch skurriler Text. Das große Thema ist das Prinzip Hoffnung, inmitten von Wahrheit und Lüge. Das Thema könnte kaum aktueller sein. Der Text stellt die Frage: Gibt es auch gute Fake News? Jurek Becker trägt seine Parabel auf die Hoffnung meist wertfrei, fast schon naiv vor. Das gelingt ihm durch einen Erzähler, der zwar in diesem Ghetto gelebt hat und auktorial auf die Handlung blickt, aber selbst erst ganz am Ende Teil der Geschichte wird. Ein letztlich genialer literarischer Kniff, der das Lesen aber zwischenzeitlich auch etwas ins Stocken bringt. Becker, der ebenfalls in einem Ghetto leben musste, schreibt nicht moralisierend oder anklagend. So bleibt sehr viel der Gedankenarbeit bei den Leser*innen, was den Text zusätzlich wertvoll macht. Irgendwas zwischen 4 und 5 Sternen. Ich werde weiter drüber nachdenken und es sicherlich nochmal lesen müssen. MUST-READ!

    22. Sept. 2024

  • santerisummer
    santerisummer

    127 Follower

    5,0

    Jakob der Lügner ist ein zeitloser Klassiker für alle, die die Kunst des Erzählens schätzen und sich jenseits der Wohlfühlunterhaltung auch in Gebiete wagen, die aufwühlen und schmerzen. Es ist ein Buch, welches mitnimmt in die grauen Straßen, winzigen Zimmer und todbringenden Plätze eines jüdischen Ghettos. Hier in diesem unsäglichen Ort geht das Leben noch ein Stück weiter und in diesem Aufschub des grauenvollen Endes keimt Hoffnung durch Lüge, steckt immer wieder Menschlichkeit und letztlich auch die Frage, was ein Mensch ertragen kann. Aufgrund des Themas also keine leichte Lektüre, jedoch großartig erzählt, nicht zuletzt wegen des gelungenen Spannungsbogens und des Humors, mit dem manche Szenen beschrieben werden und damit das Ganze lesbar machen.

    28. Juni 2023

  • bastiliest
    bastiliest

    60 Follower

    3,5

    Jakob hat es nicht leicht lügt er um den Leuten Hoffnung zu geben und zieht so die Aufmerksamkeit auf sich den es ist verboten ein Radio zu besitzen und alle nehmen an das er eins Besitz oder versucht er lieber sich aus allen raus zuhalten ob wohl es so ruhig ist geht es ein doch ziemlich nahe er hat das Ghetto sehr gut beschrieben wahrscheinlich weil er selbst in einem gelebt hat

    12. Mai 2026

3 von 7 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Jurek Becker

Jurek Becker wurde am 30. September 1937 in Lodz/Polen geboren und starb 1997. Er wuchs im Ghetto in Lodz auf und wurde später in Konzentrationslagern inhaftiert. 1945 siedelte er in den Ostteil Berlins über. Aus politischen Gründen wird er vom Studium ausgeschlossen und geht an die Filmhochschule Babelsberg. Neben zahlreicher Drehbücher schreibt er ab 1969 Romane.

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