Blick ins Buch

Romane

Ich möchte zurückgehen in der Zeit

3,5(77)
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Über das Buch

An welche Orte haben sich die Erinnerungen zurückgezogen?

Judith Hermann folgt den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner lange verleugneten Geschichte, reist von Polen aus weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach.

In Zwischen- und Untertönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen unserer Gesellschaft auf. Ebenso magisch wie magnetisch erzählt sie davon, wie fragil wir uns in unseren Leben einrichten – und zeigt auch, welche Schönheit sich darin verbergen kann.

Ungekürzte Lesung mit Judith Hermann
1 MP3-CD, 3h 47min

Editionen (3)

ISBN9783844556421
VerlagDer Hörverlag
Erscheinungsdatum06.03.26

Rezensionen & Bewertungen

77 Bewertungen

19 Rezensionen

3,5

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  • therealmike
    therealmike

    146 Follower

    3,0

    Atmosphärisch dicht, aber das Buch verliert sich selbst.

    Das Buch heißt "Ich möchte zurückgehen in der Zeit" (S. Fischer, 2026). Hier die Rezension: Rezension: "Ich möchte zurückgehen in der Zeit" von Judith Hermann Es gibt Themen, die sich in der deutschen Gegenwartsliteratur inzwischen fast schon wie ein Pflichtprogramm anfühlen: die Reise in die Familienvergangenheit, der mögliche Täter in der eigenen Blutlinie, das Schweigen der Generationen. Judith Hermann greift in ihrem neuen Buch genau diesen Stoff auf, und man muss ihr zugestehen, dass sie das im ersten Teil wirklich gut macht. Der Ausgangspunkt ist ein beunruhigendes Foto: Hermanns Großvater auf einem SS-Motorrad in Radom, einer polnischen Stadt, in der während des Krieges zehntausende Juden ermordet oder deportiert wurden. Ein Mann, der lacht. Ein Mann, über den die Familie so gut wie nichts weiß, oder nichts wissen will. Mit über fünfzig Jahren reist Hermann in das eisige Februar-Radom, um Antworten zu finden. Und genau diese Reise, dieses vorsichtige Ertasten einer Geschichte, die sich entzieht, ist atmosphärisch stark erzählt. Es passiert gar nicht so viel. Es kommt auch nicht viel dabei heraus. Und dennoch entfaltet dieser erste Teil eine eigentümliche Sogwirkung, weil Hermann die Leerstellen selbst zum Thema macht. Das Schweigen als Erbschaft, die Scham als Erbe ohne Namen. Dann aber bricht das Buch auf eine Weise auseinander, die mich ehrlich gesagt ziemlich ratlos zurückgelassen hat. Der zweite Teil wendet sich der Mutter, der Schwester, der eigenen Familiengeschichte zu, und man wartet darauf, dass sich ein Bogen zurück zum Großvater, zur Schuldfrage, zur Reise nach Polen schließt. Er schließt sich nicht. Oder zumindest nicht so, dass ich es nachvollziehen konnte. Was bleibt, ist das Gefühl, zwei verschiedene Texte in einem Band gelesen zu haben, und der zweite hat mich deutlich weniger mitgenommen als der erste. Ich hab mich da ein Stück weit durchgeschleppt, muss ich sagen. Am Ende bleibt eine gewisse Ernüchterung. Nicht weil das Buch schlecht geschrieben wäre, Hermanns Sprache ist wie immer präzise und leise, sondern weil man beim Zuklappen das Gefühl hat, dass da mehr drin war als rausgekommen ist. Und dann stellt man sich unweigerlich die Frage, ob alles, was einen persönlich beschäftigt, auch zwingend veröffentlicht werden muss. Man kann es lesen, vor allem wegen des ersten Teils. Aber eine uneingeschränkte Empfehlung ist es nicht.

    Atmosphärisch dicht, aber das Buch verliert sich selbst.

    5 Tage vor

  • ankeliest
    ankeliest

    63 Follower

    3,5

    Klug und lapidar, 156 Seiten über eine Lücke. Staunen über etwas, dass nicht gefunden werden kann, nicht erinnert wird und dass nicht literarisiert werden kann. Dinge tauchen auf, die der tote Grossvater aus der SS geschenkt hat, aber haben sie darum Bedeutung? Erinnerungskapseln tauchen auf, in als geschlossene Form, aber kann man mehr als sachlich rekonstruieren. Muss man erschüttert sein? Klug ist das Buch sicherlich, aber sehr literarisch!

    7. Mai 2026

  • rikwal
    rikwal

    358 Follower

    3,5

    Familiengeschichte, Großvater, SS, Vergangenheit, Shoah, Kriegsverbrechen, Mutter-Töchter Beziehung, Familienbeziehung

    Mein erstes Buch von Judith Hermann. Die Idee sprach mich an. Drei Teile, einmal Polen, Italien und ein dänischer Begriff. Familiengeschichte und Beziehungen, viele kurze, abgehackte Sätze. Stakkato. Guter interessanter Start, der dann etwas mäandert. Nicht schlecht, aber auch nicht super begeisternd. 3,5 Sterne

    13. Mai 2026

3 von 19 Rezensionen

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Seitenbasierte Kommentare

Seite 7547%
sisthea
sisthea27. Juni 2026

„Meine Gedankenwelt, so empfand ich es, ist ein Narrativ ohne Sprache.“

Autorin / Autor

Über Judith Hermann

Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren und lebt heute in Berlin und in Friesland. Auf ihr außerordentliches Debüt »Sommerhaus, später« folgten die Erzählungsbände »Nichts als Gespenster«, »Alice«, »Lettipark« sowie die Romane »Aller Liebe Anfang« und »Daheim«. Die Werke wurden mit zahlreichen, auch internationalen Preisen geehrt. Für ihr letztes Buch, »Wir hätten uns alles gesagt«, erhielt sie 2023 den Wilhelm Raabe-Literaturpreis.

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