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Das siebte Kreuz

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Über das Buch

Dieser Roman, der zuerst 1942 in englischer Sprache, kurz darauf im mexikanischen Exilverlag El Libro Libre in deutscher Sprache erschien, machte die Autorin weltberühmt. Er wurde zu einem Bestseller. Der Stoff wurde 1942 in einer Comic-Fassung und in der Verfilmung des österreichischen Emigranten Fred Zinnemann 1944 in den USA populär, noch bevor der Roman seine Leser in Deutschland erreichte. Von allen Werken der Seghers ist er unumstritten das bekannteste. Er wendet ein populäres, in der trivialen Unterhaltungskunst gern benutztes Erzählmuster an: eine Fluchtgeschichte. Sieben Gefangene sind aus dem KZ Westhofen entflohen. Sie haben die längst und eindeutig gegen sie entschiedene Machtfrage neu gestellt. Mit ihrer Flucht unterlaufen sie ihre Ohnmacht und nehmen für ihre Selbstbehauptung äußerste Bewährungsproben ihrer physischen und psychischen Kräfte auf sich. Aber nur einem von ihnen gelingt die Flucht. Sie habe mit dieser Fluchtgeschichte, sagte Anna Seghers, die Struktur des ganzen Volkes aufrollen wollen. Aus der Perspektive des sozialen Romans schafft sie die bedeutendste analytische Darstellung der nationalsozialistisch formierten Gesellschaft. Der Roman zerlegt die Motive der funktionierenden Mitmacher, der kalkulierenden Karrieristen, der eingeschüchterten früheren Oppositionellen, der Funktionsträger des Regimes und derjenigen, die dem Flüchtling helfen. Das Nachwort zur Entstehung und zur Rezeption macht deutlich, inwiefern Anna Seghers versuchte, einem Weltzustand, den sie keineswegs beschönigt, so etwas wie eine Hoffnung abzutrotzen, und wie das Gelingen des Romans damit zu tun hat, daß die Suggestion der Hoffnung ständig ihre Widerlegung mit sich führt.

Editionen (14)

ISBN9783841207074
VerlagAufbau digital
Erscheinungsdatum01.07.13
Seitenzahl416

Rezensionen & Bewertungen

108 Bewertungen

14 Rezensionen

3,8

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  • 4,0

    Heute möchte euch das Buch „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers, erschienen im Jahre 1942 im mexikanischen Exilverlag El Libro Libre sowie in englischer Sprache in den Vereinigten Staaten vorstellen. Das erste Kapitel erschien bereits 1939 in der Moskauer Zeitschrift Internationale Literatur. Der Roman zeigt sowohl die Brutalität des Nazi-Regimes als auch die Menschlichkeit und den Mut Einzelner. Es ist ein Plädoyer für Widerstand und Zivilcourage. Das titelgebende siebte Kreuz steht sinnbildlich für die sieben Fluchtversuche - sechs Kreuze bleiben besetzt, das siebte bleibt leer. Der Roman spielt im nationalsozialistischen Deutschland und erzählt die Geschichte von sieben Häftlingen, die aus dem Konzentrationslager Westhofen fliehen. Einer von ihnen, Georg Heisler, gelingt es, sich trotz zahlreicher Gefahren und Verfolgungen durch das NS-Regime in Freiheit zu retten. Auf seiner Flucht trifft er auf verschiedene Menschen, von denen einige ihm helfen, andere ihn verraten. Der Schreibstil der Autorin ist anspruchsvoll und oft verschachtelt, was das Lesen gerade zu Beginn erschwert. Sie verwendet viele Perspektivwechsel und einen auktorialen Erzähler, der tief in die Gedanken- und Gefühlswelt verschiedener Figuren eindringt. Der Stil ist nüchtern, zugleich aber auch sehr detailliert und reflektierend. Stilmittel wie innere Monologe, Rückblenden und symbolische Elemente - etwa das titelgebende Kreuz - werden gezielt eingesetzt, um die psychologische Tiefe und die politische Dimension der Geschichte zu betonen. Durch die Vielzahl an Figuren und die komplexe Erzählweise kann der Einstieg in den Roman anstrengend wirken. Mit der Zeit entwickelt sich jedoch ein dichter Erzählfluss, der die beklemmende Atmosphäre der NS-Zeit eindringlich vermittelt. Besonders hervorheben möchte ich die Vielschichtigkeit der Figuren, die die Geschichte realistisch und berührend machen. Ein interessanter Fakt war für mich, dass das Buch in der DDR als Schullektüre und als Musterbeispiel für antifaschistische Literatur galt. Außerdem gibt es in meinem Kiez das Anna-Seghers-Museum, welches sich in der ehemaligen Wohnung der Schriftstellerin befindet und einen authentischen Einblick in ihr Leben und Werk bieten soll. Dieses Museum werde ich auf jeden Fall noch nachholen. Das siebte Kreuz hat mich besonders bewegt, weil es eine persönliche Verbindung zu meiner eigenen Familiengeschichte gibt. Einer der flüchtigen Häftlinge im Buch trägt den Namen Beutler - genau wie mein Urgroßvater Reinhold Beutler, der Spanienkämpfer war und später wegen Hochverrats im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert wurde. Als ich den Anfang des Romans las und von der Flucht aus dem Lager erfuhr, hat mich das tief getroffen. Die bedrückende Atmosphäre, die Angst, aber auch der Wille zum Widerstand erinnerten mich stark an das, was mein Vorfahre durchleben musste. Die Geschichte wurde für mich dadurch greifbarer und emotional noch intensiver. Es ist nicht nur ein historischer Roman - für mich ist es auch ein stilles Zeugnis von dem, was war und nie vergessen werden darf. Aus diesen Gründen vergebe ich dem Buch 4 von 5 Sternen. ✨️

    2. Juni 2025

  • cupcake_kathi
    cupcake_kathi

    130 Follower

    4,0

    Anna Seghers’ Das siebte Kreuz schildert die Flucht von sieben Häftlingen aus dem Konzentrationslager Westhofen am Rhein zur Zeit des Nationalsozialismus. Als Vergeltung lässt der Lagerkommandant sieben Kreuze errichten, an denen die Geflohenen nach ihrer Ergreifung öffentlich zur Schau gestellt werden sollen. Nach und nach werden sechs der Flüchtlinge gefasst oder getötet – nur Georg Heisler gelingt es, sich der Verfolgung zu entziehen. Seine Flucht führt durch verschiedene Orte und Begegnungen und eröffnet ein vielschichtiges Panorama des Lebens im Dritten Reich: von offener Denunziation und brutaler Gewalt bis hin zu leiser Solidarität und mutigem Widerstand. Besonders eindrücklich ist, wie Seghers die Perspektiven wechselt. Neben der grausamen Haft im KZ zeigt sie das Leben der Menschen außerhalb der Lager – jener, die mutmaßlich „nichts mitbekommen“, sich abducken oder aus Angst wegsehen, aber auch jener, die trotz der allgegenwärtigen Gefahr helfen. Die Flucht selbst wird nicht als heroisches Abenteuer erzählt, sondern als zutiefst menschlicher, körperlich wie seelisch erschöpfender Prozess, geprägt von Misstrauen, Hoffnung und der ständigen Angst, entdeckt zu werden. Dabei wird deutlich, wie sehr das nationalsozialistische System in den Alltag eingedrungen ist und Beziehungen, Moral und Vertrauen zerstört. Thematisch kreist der Roman um Unterdrückung, Schuld und Mitverantwortung, aber auch um Zivilcourage und Menschlichkeit. Seghers macht sichtbar, dass Widerstand nicht nur in großen Taten besteht, sondern auch in kleinen, oft unscheinbaren Gesten: einem Versteck, einem Stück Brot, einem Moment des Schweigens. Gerade darin liegt die besondere Stärke des Romans. Ich fand es außerdem besonders ergreifend, da ich selbst ursprünglich aus einer Weinregion in Rheinland-Pfalz komme und die detaillierten Beschreibungen der Landschaft das Geschehen für mich noch greifbarer und nahbarer machen. Insgesamt ist Das siebte Kreuz ein gutes Buch, weil es verschiedene Perspektiven im Dritten Reich zusammenführt – die brutale Realität der Haft im KZ, das Wegsehen und Nicht-wissen-Wollen der Menschen außerhalb sowie die existenzielle Erfahrung der Flucht. Gerade die Verbindung aus Grausamkeit und Sensibilität macht den Roman so beklemmend und nachhaltig wirkungsvoll.

    30. Jan. 2026

  • viviii_blaa
    viviii_blaa

    21 Follower

    4,5

    Keine einfache Lektüre, aber lohnt sich definitiv

    Ich hatte wirklich Schwierigkeiten, in das Buch rein zu kommen, was vor allem am Schreibstil lag und an der alten Sprache. Aber inhaltlich ein super Buch und ich bin wirklich froh, es gelesen zu haben

    6. Mai 2026

3 von 14 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Anna Seghers

Netty Reiling wurde 1900 in Mainz geboren. (Den Namen Anna Seghers führte sie als Schriftstellerin ab 1928.) 1920-1924 Studium in Heidelberg und Köln: Kunst- und Kulturgeschichte, Geschichte und Sinologie. Erste Veröffentlichung 1924: „Die Toten auf der Insel Djal“. 1925 Heirat mit dem Ungarn Laszlo Radvanyi. Umzug nach Berlin. Kleist-Preis. Eintritt in die KPD. 1929 Beitritt zum Bund proletarisch- revolutionärer Schriftsteller. 1933 Flucht über die Schweiz nach Paris, 1940 in den unbesetzten Teil Frankreichs. 1941 Flucht der Familie auf einem Dampfer von Marseille nach Mexiko. Dort Präsidentin des Heinrich-Heine-Klubs. Mitarbeit an der Zeitschrift „Freies Deutschland“. 1943 schwerer Verkehrsunfall. 1947 Rückkehr nach Berlin. Georg-Büchner-Preis. 1950 Mitglied des Weltfriedensrates. Von 1952 bis 1978 Vorsitzende des Schriftstellerverbandes der DDR. Ehrenbürgerin von Berlin und Mainz. 1978 Ehrenpräsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR. 1983 in Berlin gestorben. Romane: Die Gefährten (1932); Der Kopflohn (1933); Der Weg durch den Februar (1935); Die Rettung (1937); Das siebte Kreuz (1942); Transit (1944); Die Toten bleiben jung (1949); Die Entscheidung (1959); Das Vertrauen (1968). Zahlreiche Erzählungen und Essayistik.

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