Blick ins Buch

Romane

ë

4,5(473)
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Über das Buch

Ein stilles und zugleich sprachmächtiges Buch, das vom Verlust der Heimat durch Krieg, von Schmerz und Sprachverlust erzählt. In diesem ergreifenden Debüt findet die Autorin eine großartige eigene Sprache Der ungewöhnliche Titel »ë« steht für einen Buchstaben, der in der albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. Sie wächst in Deutschland auf, geht in den Kindergarten, zur Schule und auf die Universität, sucht nach Verständnis, aber stößt immer wieder auf Zuschreibungen, Ahnungslosigkeit und Ignoranz. Als der Kosovokrieg Ende der 90er-Jahre wütet, erlebt sie ihn aus sicherer Entfernung. Doch auch in der Diaspora sind Krieg und Tod präsent – sie werden nur anders erlebt als vor Ort. Der Roman »ë« erzählt von dem in Deutschland kaum bekannten Kosovokrieg und erinnert an das Leid von Familien, die ihre Heimat verloren haben, deren ermordete Angehörige anonym verscharrt wurden und bis heute verschollen oder nicht identifiziert sind. Eine Vergangenheit, die nicht vergehen kann, weil sie buchstäblich in jeder Faser des Körpers steckt, wird von Jehona Kicaj im wahrsten Wortsinn zur Sprache gebracht.

Editionen (2)

ISBN9783835389359
VerlagWallstein Erfolgstitel - Belletristik und Sachbuch
Erscheinungsdatum23.07.25
Seitenzahl176

Merkmale

2 Bewertungen

UngewöhnlichGlaubwürdigVerstörendInformativVielschichtigSympathisch

Rezensionen & Bewertungen

473 Bewertungen

99 Rezensionen

4,5

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  • yaduria1982
    yaduria1982

    268 Follower

    4,5

    Still und gewaltig

    Der Roman behandelt auf wenigen Seiten die Themen Trauer, Schmerz, und Verlust von Heimat und Sprache. Die Ich-Erzählerin kam als sechsjähriges Mädchen aus dem Kosovo nach Deutschland. Sie musste sich anpassen, ihre Muttersprache und ihre Eigenheiten unterdrücken und hat nun als Erwachsene mit massiven Kieferschmerzen zu kämpfen. Diese führt ihr Zahnarzt auf unausgesprochene Konflikte zurück. Sie geht in Gedanken an ihre Kindheit zurück, an den Kosovo Krieg, den Konflikt zwischen Albanern und Serben und ihre schwierigen Anfänge in Deutschland. Es werden viele Einzelheiten des Krieges und des Konfliktes, die mir gar nicht so bekannt waren in kurzen prägnanten Abrissen deutlich gemacht. Ich bin immer wieder überrascht, wie Bücher mit wenig Seiten doch so viel Substanz beinhalten können. Warum so ein Buch nicht den Deutschen Buchpreis bekommen hat, frage ich mich hier ernsthaft.

    12. Feb. 2026

  • magdas_buecherwelt
    magdas_buecherwelt

    666 Follower

    5,0

    ë von Jehona Kicaj stand zu Recht auf der Shortlist der Bücher, die 2025 für den Deutschen Buchpreis nominiert wurden. Das Buch hat mich sehr berührt und ich bedauere es sehr, dass ich der Kosovo-Krieg bei den meisten von uns in Vergessenheit geraten ist. Die Ich-Protagonistin ist im Kosovo geboren und kam als Kleinkind nach Deutschland. Zuhause wurde Albanisch gesprochen und albanisches Fernsehen geschaut. Der Kontakt zur Familie im Kosovo war eng, die Familie besuchte den Kosovo jedes Jahr mit dem Bus. Die Protagonistin beschreibt die Demütigungen an der serbisch-albanischen Grenze. Die Grenzbeamten mussten bestochen werden, um den Bus durchfahren zu lassen. So musste der 15jährige Bruder seine nagelneuen Turnschuhe ausziehen und barfuß weiterfahren. Über 1.600 Menschen sind während des Kosovo-Krieges verschollen, die meisten wurden getötet und in anonymen Massengräbern verscharrt, so wahrscheinlich auch der Großvater, von dem seit 1999 niemand mehr gehört hatte. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, an einen früheren Ort zurückzukehren und alles so vorzufinden, wie es war. Für mich gab es immer nur Zerstörung.“ (S. 66) Ihre Traumata verarbeitet die Ich-Protagonistin im Schlaf, sie knirscht so extrem mit den Zähnen, dass diese schon fast komplett zerstört sind. Der Zahnarzt empfiehlt ihr zunächst eine Osteopathin, später eine Psychotherapie. Sehr schockiert hat mich die Vergiftung albanischer Kinder. „Es gab viele Gerüchte, warum diese Vergiftung stattgefunden haben. Manche sagten, das Milosevic-Regime wollte mit der gezielten Vergiftung von albanischen Schülern und Studenten die Bevölkerung dezimieren. Andere meinten: Das Regime zerstöre Schulen, um die Weiterbildung unserer Jugend zu stoppen. Wir sollten das ungebildete Volk bleiben, das wir in deren Augen ohnehin schon waren.“ (S. 146) Der Krieg endete nach dem Eingreifen der NATO. Slobodan Milosevic starb im März 2006 in der Untersuchungshaft des UN-Tribunals in Den Haag, bevor ein Urteil über ihn gesprochen werden konnte. Ich möchte euch das Buch von Jehona Kicaj ans Herz legen, die Grausamkeiten und Kriegsverbrechen im Kosovo dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

    21. März 2026

  • readrichhainz
    readrichhainz

    233 Follower

    3,5

    Ein leiser Blick auf die Vergangenheit

    „ë“ ist ein Roman über den Krieg im Kosovo und seine Nachwirkungen. Erzählt wird in kurzen Einblicken aus dem Leben einer Geflüchteten, die nach Deutschland kommt. Viele dieser Szenen sind bewusst nüchtern beschrieben. Genau das hat mir gefallen, weil mir die emotionale Einordnung selbst überlassen wurde. Besonders stark fand ich die Perspektive einer Protagonistin aus meiner Generation. Dadurch wurde ein Thema, das ich als Kind nur am Rande mitbekommen habe, sehr nahbar. Das Buch hat mir eine Lebensrealität nähergebracht, die ich rückblickend historisch so nie wirklich auf dem Schirm hatte. Durch den ständigen Vergleich mit meiner eigenen Kindheit wurde mir wieder einmal klar, welches Glück man im Leben hat – und dass man es schätzen sollte. Und dass sich niemand aussuchen kann, wo er geboren wird und was er dort erlebt.

    Ein leiser Blick auf die Vergangenheit

    27. Feb. 2026

3 von 99 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 106%
louor_smt0
louor_smt015. Jan. 2026

Das muss so unvorstellbar schlimm sein als kleines Kind 😦

Seite 1710%

1 Kommentar verdeckt

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Autorin / Autor

Über Jehona Kicaj

Jehona Kicaj, geb. 1991 in Kosovo und aufgewachsen in Göttingen, studierte Philosophie, Germanistik und Neuere deutsche Literaturwissenschaft in Hannover. Nach wissenschaftlichen Publikationen erscheinen von ihr seit 2020 auch literarische Texte. Sie ist Mitherausgeberin der Anthologie »›Und so blieb man eben für immer‹. Gastarbeiter:innen und ihre Kinder« (2023). Mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Debütroman »ë« stand sie auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025.

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