Zwei Frauen lernen sich auf einer Party kennen. Die zurückhaltende Delphine, die sich mit fremden Menschen meist sehr schwer tut, ist sofort fasziniert von der klugen und eleganten L., die als Ghostwriter arbeitet. Aus gelegentlichen Treffen werden regelmäßige, man erzählt einander das eigene Leben, spricht über Familie und Freunde, vor allem über Freundinnen. Und natürlich über Bücher und Filme, die man liebt und bewundert. Delphine ist glücklich über die Gemeinsamkeiten und fühlt sich verstanden wie schon lange nicht mehr. Ganz entgegen ihrer Gewohnheit gibt sie in einem Gespräch über das Schreiben die Idee für ihr nächstes Buch preis. L. reagiert enttäuscht: Wie nur könne Delphine ihre Zeit auf eine erfundene Geschichte verschwenden? Eine Autorin ihres Formats müsse sich der Wahrheit verschreiben. Delphine ist entsetzt. L.s leidenschaftlich vorgetragene Forderung löst eine tiefe Verunsicherung in ihr aus. Bald kann sie weder Papier noch Stift in die Hand nehmen. L. scheint völlig unglücklich über das zu sein, was sie in der Freundin ausgelöst hat. Selbstlos übernimmt sie die Beantwortung von E-Mails, das Absagen von Lesungen und Interviews, das Vertrösten des Verlags, der auf einen neuen Roman wartet. Und all das in Delphines Namen. Keiner weiß davon, keiner kennt L., und so ist Delphine allein, als sie feststellt, dass L. ihr immer ähnlicher wird …
Ausgezeichnet mit dem Prix Renaudot 2015
Die Autorin hat einen Bestseller geschrieben und quält sich mit einer Schreibblockade.
Eine neue Freundin bietet ihr Hilfe an und so beginnt eine schwierige Zeit.
25. Juli 2025
5,0
Lieblingsbuch
Spannungsroman
Die Autorin hat einen Bestseller geschrieben und quält sich mit einer Schreibblockade.
Eine neue Freundin bietet ihr Hilfe an und so beginnt eine schwierige Zeit.
Worum gehts hier? Wahrheit oder doch erfunden?
Delphine ist nachmittags noch auf einer Signierstunde auf einer Pariser Buchmesse und abends auf einer Party. Auf dieser Party lernt sie L. kennen. Sie ist gleich angetan von ihr als Person, L. strahlt etwas Besonderes aus und Delphine fühlt sich verstanden wie selten zuvor. Bald nimmt L. einen großen Raum in ihrem Leben ein, scheint dauerpräsent und hat starken Einfluss auf Delphine und ihr Leben. Selbst in Delphines Schreiben will L. sich einmischen und regelmäßig streiten sie über das Thema des neuen Buches. L. möchte, dass Delphine mehr Wahrheit in ihr Roman packt und Delphine will lieber fiktiv schreiben.
Ich kann nur sagen, dass mir erst im Nachgang klar geworden ist, wie gut dieser Roman doch war. Direkt nach dem Beenden war ich etwas zwiegespalten. Einerseits war ich mal wieder absolut begeistert von De Vigans Schreibstil. Ich liebe ihre präzise und gefühlvolle Sprache. Jeder Satz ist gekonnt eingesetzt, erzählt viel und doch nicht zu viel. Und anderseits hätte ich es mir in der Mitte etwas strammer gewünscht und ich war etwas genervt von L.´s Art und Delphines Schreibblockade. Doch diese Länge war im Nachhinein passend, denn dadurch hat sie mir die nervenaufreibende Situation einer Autorin nähergebracht, die daran verzweifelt, kein einziges Wort mehr schreiben zu können. Im letzten Drittel legte es wieder an Tempo zu, sodass ich voller Spannung durch die Seiten geflogen bin. Für mich gibt es zwei Ebenen des Buches. Einmal die Erzählung über die komische Freundschaft zwischen L. und Delphine, welche hier und da wirklich etwas Unheimliches an sich hatte und einen Touch von Psycho-Thriller. Und dann gibt es noch eine Metaebene. Der Streit zwischen L. und Delphine über die Vorlieben der Leser, ob diese eher biografische oder fiktionale Geschichten bevorzugen, hat mich selbst über das Thema nachdenken lassen. Was lese ich gerne? Wie viel Wahrheit steckt in einer erdachten Geschichte und wie viel Erdichtetes in einer wahren Geschichte? Kann man die wahre Geschichte ohne Fiktion erzählen? Ich fand es sehr gut, wie die Autorin diese Frage in die Geschichte eingearbeitet hat und diese die ganze Zeit über allem schwebte - über der Freundschaft von L und Delphine, über mir als Leserin und über dem ganzen Roman. Schwer hier eine klare Bewertung abzugeben. Schwankt zwischen 3,5 und 4.
S.60 „L. reaktivierte es: diese ausschließliche und gebieterische Art einer Verbindung mit einem anderen, wie man sie mit siebzehn erleben kann.“
S.76 „Sobald man Dinge auslässt, etwas ausdehnt oder verdichtet, Lücken füllt, ist man im Reich der Fiktion. Ich suchte nach der Wahrheit, ja, da hast du recht. […]Ich überlegte eine Sekunde lang, ob ich den berühmten Satz von Jules Renard zitieren sollte, wonach eine Wahrheit, die über fünf Zeilen hinausgehe, bereits ein Roman sei, aber ich hielt mich zurück.“
4. März 2025
3,5
Worum gehts hier? Wahrheit oder doch erfunden?
Delphine ist nachmittags noch auf einer Signierstunde auf einer Pariser Buchmesse und abends auf einer Party. Auf dieser Party lernt sie L. kennen. Sie ist gleich angetan von ihr als Person, L. strahlt etwas Besonderes aus und Delphine fühlt sich verstanden wie selten zuvor. Bald nimmt L. einen großen Raum in ihrem Leben ein, scheint dauerpräsent und hat starken Einfluss auf Delphine und ihr Leben. Selbst in Delphines Schreiben will L. sich einmischen und regelmäßig streiten sie über das Thema des neuen Buches. L. möchte, dass Delphine mehr Wahrheit in ihr Roman packt und Delphine will lieber fiktiv schreiben.
Ich kann nur sagen, dass mir erst im Nachgang klar geworden ist, wie gut dieser Roman doch war. Direkt nach dem Beenden war ich etwas zwiegespalten. Einerseits war ich mal wieder absolut begeistert von De Vigans Schreibstil. Ich liebe ihre präzise und gefühlvolle Sprache. Jeder Satz ist gekonnt eingesetzt, erzählt viel und doch nicht zu viel. Und anderseits hätte ich es mir in der Mitte etwas strammer gewünscht und ich war etwas genervt von L.´s Art und Delphines Schreibblockade. Doch diese Länge war im Nachhinein passend, denn dadurch hat sie mir die nervenaufreibende Situation einer Autorin nähergebracht, die daran verzweifelt, kein einziges Wort mehr schreiben zu können. Im letzten Drittel legte es wieder an Tempo zu, sodass ich voller Spannung durch die Seiten geflogen bin. Für mich gibt es zwei Ebenen des Buches. Einmal die Erzählung über die komische Freundschaft zwischen L. und Delphine, welche hier und da wirklich etwas Unheimliches an sich hatte und einen Touch von Psycho-Thriller. Und dann gibt es noch eine Metaebene. Der Streit zwischen L. und Delphine über die Vorlieben der Leser, ob diese eher biografische oder fiktionale Geschichten bevorzugen, hat mich selbst über das Thema nachdenken lassen. Was lese ich gerne? Wie viel Wahrheit steckt in einer erdachten Geschichte und wie viel Erdichtetes in einer wahren Geschichte? Kann man die wahre Geschichte ohne Fiktion erzählen? Ich fand es sehr gut, wie die Autorin diese Frage in die Geschichte eingearbeitet hat und diese die ganze Zeit über allem schwebte - über der Freundschaft von L und Delphine, über mir als Leserin und über dem ganzen Roman. Schwer hier eine klare Bewertung abzugeben. Schwankt zwischen 3,5 und 4.
S.60 „L. reaktivierte es: diese ausschließliche und gebieterische Art einer Verbindung mit einem anderen, wie man sie mit siebzehn erleben kann.“
S.76 „Sobald man Dinge auslässt, etwas ausdehnt oder verdichtet, Lücken füllt, ist man im Reich der Fiktion. Ich suchte nach der Wahrheit, ja, da hast du recht. […]Ich überlegte eine Sekunde lang, ob ich den berühmten Satz von Jules Renard zitieren sollte, wonach eine Wahrheit, die über fünf Zeilen hinausgehe, bereits ein Roman sei, aber ich hielt mich zurück.“
Lieblingsbuch
Spannungsroman mit Thriller Elementen.
Die Autorin hatte eine Schreibblockade, nachdem sie einen Romanerfolg geschrieben hatte.
Sie freundet sich mit einer selbstbewussten Frau an, die ihr Hilfe anbietet. ....
25. Juli 2025
5,0
Lieblingsbuch
Spannungsroman mit Thriller Elementen.
Die Autorin hatte eine Schreibblockade, nachdem sie einen Romanerfolg geschrieben hatte.
Sie freundet sich mit einer selbstbewussten Frau an, die ihr Hilfe anbietet. ....
Die erste Hälfte des Buches war sehr zäh, ich wollte es bereits weglegen. Mittlerweile nimmt es Fahrt auf und ich bin wirklich gespannt, wie es endet. Ich habe eine oder vielleicht mehrere Ahnungen …
Autorin / Autor
Über Delphine de Vigan
DELPHINE DE VIGAN, geboren 1966, erreichte ihren endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin mit dem Roman ›No &ich‹ (2007), für den sie mit dem Prix des Libraires und dem Prix Rotary International 2008 ausgezeichnet wurde. Ihr Roman ›Nach einer wahren Geschichte‹ (DuMont 2016) stand wochenlang auf der Bestsellerliste in Frankreich und erhielt 2015 den Prix Renaudot. Zuletzt erschien bei DuMont ihre Romane ›Dankbarkeiten‹ (2019) und ›Das Lächeln meiner Mutter‹ (2020). Die Autorin lebt mit ihren Kindern in Paris.