Blick ins Buch

Romane

Ich nannte ihn Krawatte

4,0(178)
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Über das Buch

Nur wenige sorgfältig gewählte Worte benötigt Milena Michiko Flašar, um ihre Figuren zum Leben zu erwecken, nur wenige Szenen, um ganze Schicksale zu erzählen. Ein junger Mann verlässt sein Zimmer, in dem er offenbar lange Zeit eingeschlossen war, tastet sich durch eine fremde Welt. Eine Bank im Park wird ihm Zuflucht und Behausung, dort öffnet er die Augen, beginnt zu sprechen und teilt mit einem wildfremden Menschen seine Erinnerungen. Der andere ist viele Jahre älter, ein im Büro angestellter Salaryman wie Tausende. Er erzählt seinerseits, über Tage und Wochen hinweg, Szenen eines Lebens voller Furcht und Ohnmacht, Hoffnung und Glück. Beide sind Außenseiter, die dem Leistungsdruck nicht standhalten, die allein in der Verweigerung aktiv werden. Aus der Erfahrung, dass Zuneigung in Nahrung verpackt, Trauer im Lachen verborgen werden kann und Freundschaften möglich sind, stärken sie sich für einen endgültigen Abschied und einen Anfang. Milena Michiko Flašar macht eine Parkbank zur Bühne, zu einem huis clos unter freiem Himmel. Die Bank befindet sich in Japan und könnte doch ebenso gut anderswo in der westlichen Welt stehen. Dieser Roman stellt der Angst vor allem, was aus der Norm fällt, die Möglichkeit von Nähe entgegen – sowie die anarchische Kraft der Verweigerung.

Editionen (4)

ISBN9783803141361
VerlagWagenbach, K
Erscheinungsdatum29.04.13
Seitenzahl144

Rezensionen & Bewertungen

178 Bewertungen

29 Rezensionen

4,0

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  • yaduria1982
    yaduria1982

    269 Follower

    4,5

    Überraschendes Highlight

    Na das war mal ein unerwartetes Highlight. Das Buch von einer booktuberin empfohlen, hat mich sehr begeistert. Es kommt sehr ruhig und unaufgeregt daher und wird aus der Sicht eines Protagonisten erzählt. Zwei Männer treffen sich zufällig im Park und sitzen auf einer Bank sich gegenüber. Der Junge Mann hat sich seit zwei Jahren im Haus seiner Eltern verkrochen und kommt nicht raus. Er hadert mit sich und der Welt und knabbert an einigen Schicksalsschlägen aus der Vergangenheit. Der ältere Mann ist ein Geschäftsmann, ein sogenannter Salaryman. Auch er hat sein Päckchen zu tragen. Beide Männer nähern sich an und öffnen sich. Der Roman erzählt in leisen Tönen viel über die japanische Gesellschaft, den Druck auf die Menschen, die Art Dinge hinunter zu schlucken. Das Buch ist absolut zu empfehlen.

    25. Mai 2026

  • lumpi.lo7
    lumpi.lo7

    177 Follower

    4,5

    Ruhig und tiefgründig. Schöner Debütroman!

    Mein zweites Werk der Autorin und wieder bin ich sehr begeistert! Man merkt hier noch das offene Potenzial an, welches sie bei einem späteren Buch deutlich aufgeschlossen hat. Teils wirkte hier die Erzählstruktur etwas undurchsichtig, sodass mir nicht immer klar war, welcher Protagonist gerade berichtet. Thematisch tiefgründig und wieder etwas mir ganz neues beleuchtet: Menschen, welche sich Zuhause bei den Eltern gänzlich isolieren und die Zimmer nicht mehr verlassen für mehrere Jahre oder gar unbestimmte Zeit. Das Ende fand ich sehr gelungen und hat mich berührt. Sehr gut zu lesen. Eine klare Empfehlung des Werkes und der Autorin für nachdenkliche Stunden an einem gemütlichen Abend.

    19. Feb. 2026

  • xgrinsekatzex
    xgrinsekatzex

    63 Follower

    4,5

    Ein ganz besonderes Buch. Ich hatte mit der Heftigkeit des Inhalts nicht gerechnet, es hat mich sehr berührt und wird noch nachschwingen. Die Sprache hat mir gut gefallen, nur das manchmal nicht so ganz klar war, wer jetzt gerade und ob überhaupt spricht, hat mich öfter stolpern lassen.

    7. Jan. 2026

3 von 29 Rezensionen

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