Blick ins Buch

Romane

Moosland

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Über das Buch

Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren. Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird … Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache zu finden.

Editionen (2)

ISBN9783755811831
VerlagDuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum10.03.26
Seitenzahl224

Rezensionen & Bewertungen

200 Bewertungen

69 Rezensionen

4,1

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  • stier
    stier

    246 Follower

    4,0

    Hörbuch. Es geht um ein Stück Geschichte über deutsche Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Island auswanderten. Die Annäherung der traumatisierten Protagonistin an die neue Sprache, die raue Familie und das unwirtliche Land wird unaufgeregt und ohne Kitsch erzählt. Der Schreibstil ist phasenweise etwas stakkatohaft und kurz angebunden, spiegelt damit aber hervorragend das karge Leben und Elsas innere Zerrissenheit wider. Maria Wördemann macht als Sprecherin einen großartigen Job und transportiert die melancholische Grundstimmung hervorragend. Ein lohnenswertes, tiefgründiges Hörbuch!

    2 Stunden vor

  • freudenregen
    freudenregen

    126 Follower

    4,0

    Absolut empfehlenswert! Ein intensives Leseerlebnìs, dass uns ins Island von 1949 mitnimmt.

    Es ist 1949, als der isländische Bauernverband in Deutschland einen Aufruf startet. Nach dem Krieg sind viele Isländerinnen den amerikanischen GIs in deren Heimat Amerika gefolgt. Auf den Höfen fehlen die Frauen. Elsa und ihre Freundin Gerda folgen dem Aufruf und verlassen das kriegszerstörte Deutschland. Wir begleiten Elsa durch die wunderschön beschriebene Natur Islands zu ihrer neuen Arbeitsstelle auf einen Bauernhof. Elsa bleibt lange Zeit stumm, lernt nachts heimlich mit dem Knecht des Hofs die neue Sprache. Langsam testet sie sich an ihr neues Leben und Tun an. Sie ist natürlich noch hoch traumatisiert von dem Kriegsgeschehen. Aber auch auf der Familie in Island haften Traumata und Verluste, über die nicht gesprochen wird. Ein wunderschönes Buch über Verluste, Traumata und die Möglichkeiten, wieder neu anzufangen.

    18. Mai 2026

  • theagri
    theagri

    777 Follower

    5,0

    Ein Roman, der mich in eine mir unbekannte Welt mitnimmt, nach Island im Jahr 1949. Eine Gruppe deutscher Frauen erreicht die Insel, nach einem Aufruf der Isländer, die um weibliche Arbeitskräfte warben. Die Geschichte startet mit der Ankunft von Elsa und der Trennung von den anderen. Man spürt die Kälte, das Unbekannte, das Fremde. Während Gerda voll Abenteuerlust an Land geht, ist der Start für Elsa schwieriger. Der Knecht trägt sie vom Boot an Land in das Unbekannte. Dabei wird die Landschaft von Island mit wunderschönen Bildern vor Augen gemalt. Man meint, mit über das weiche Moos zu laufen. Auch die Einsamkeit des Hofes, auf den Elsa kommt, wird gleich sichtbar. Sehr gut beschrieben ist der Charakter der Elsa. Man spürt ihre Verlorenheit, ihre Ängste, das Trauma, das sie mit sich herumträgt, ihre Fremdheit und Sprachlosigkeit. Es fällt ihr schwer anzukommen. Andere Bräuche, Lebensweisen, Verhaltensnormen erschweren Elsa das Leben, zumal sie vieles von dem, was von ihr erwartet wird, nicht kann. Zusätzlich erschweren ihre Ängste ihr Leben und sie bleibt passiv und uninteressiert. Die isländische Bauernsfamilie versteht sie nicht, auch da sie keine gemeinsame Sprache haben. Das Leben dieser Familie ist äußerst interessant geschildert, ihr hartes Leben in dieser rauen, kargen Natur. Elsa, schon als Verlorene gestrandet, verliert sich weiter im Nebel, der Einsamkeit, der Sehnsucht. Sie irrt durch ihr Leben, ziellos, benommen, auf der Suche. Warum sie tatsächlich mit nach Island gekommen ist, wer Sola war - eine echte Person oder doch eine Fantasie, was ist ihr im Krieg geschehen? Dies bleibt geheimnisvoll und ist gut so. Der Schreibstil hat mir ausgezeichnet gefallen. Schönheit der Natur im glitzernden Schnee, dem Leuchten der Sonne, das weiche Moos und die klare Luft. Unbeschreibliche Schönheit so gut beschrieben, dass man meint, es zu sehen. Dabei nutzt die Autorin eine eindrücklich, klare, schnörkellose Sprache, die perfekt zur Geschichte passt. Dieses Buch ist mir sehr nahe gegangen. Ich habe es langsam, Stückweise gelesen, darüber nachgedacht, die Naturbeschreibungen genossen oder mitgelitten. Voll Mitgefühl habe ich Elsa begleitet, die so viel ertragen hat, so tapfer, so selbstverloren war. Und als am Ende die Sonne den Schnee zum Strahlen brachte, habe ich mir gewünscht dort zu sein. Über das Ende möchte ich jetzt nichts schreiben. Das muss man selbst entdecken. Aber es lohnt sich. Es liegt so viel in diesem Roman, dass es sich auf jeden Fall lohnt, literarisch nach Island zu reisen und ein Jahr lang Elsa zu begleiten. Große Leseempfehlung! Vielen Dank an NetGalley und DUMONT für die Bereitstellung dieses eBooks. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

    19. März 2026

3 von 69 Rezensionen

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Seitenbasierte Kommentare

Seite 12958%
aus.liebe.zum.lesen
aus.liebe.zum.lesen3. März 2026

Ich kann mich so gar nicht in die Protagonistin hineinversetzen. Klar hat sie sicher Traumata vom Krieg, aber das mit dem Radioknopf z. B. kann ich nicht nachvollziehen. Das war ja damals sicher sehr wertvoll, warum sucht sie nicht in die andere Richtung? Ich verstehe schon, dass sie Musik will um die Wörter/Gedanken auszuschalten, aber dass sie nicht vorsichtiger ist, leuchtet mir nicht ein. Wie fast alles, diese Leere beim Lesen, die große Distanz, die auch zum Lesenden bleibt, macht es mir beim Lesen wirklich schwer.

Autorin / Autor

Über Katrin Zipse

KATRIN ZIPSE wurde in Stuttgart geboren und lebt als Autorin und Hörfunkredakteurin in Baden-Baden. Sie studierte Theaterwissenschaft und Deutsche Philologie an der FU Berlin und arbeitete mehrere Jahre am Theater. Im April 2019 war sie Stipendiatin des Künstlerhaus Ahrenshoop in der NES Artist Residency in Skagaströnd. Im Herbst 2019 hat ihr der Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg ein Stipendium für ›Moosland‹ zuerkannt.

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