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Romane

Vilhelms Zimmer

3,8(66)
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Über das Buch

Tove Ditlevsens letzter Roman – ihr literarisches Vermächtnis

Lise und Vilhelm. Die stürmische Geschichte eines Paares, sie Dichterin, er Zeitungsredakteur, ihre innigen Kämpfe und ebenso innigen Versöhnungen, schließlich Trennung und der Kampf um Unabhängigkeit, den Sohn Tom, das Lebenswerk einer Frau und Künstlerin.

In Tove Ditlevsens letztem Roman steht alles auf dem Spiel. Er gilt neben der Kopenhagen-Trilogie als ihr literarisches Meisterwerk.

»Große dänische Literatur: eine Frau mit Beziehungsproblemen und wunderbar sarkastischem Humor.« Adam Soboczynski, DIE ZEIT

Editionen (1)

ISBN9783746642758
VerlagAufbau TB
Erscheinungsdatum11.02.26
Seitenzahl206

Merkmale

2 Bewertungen

UngewöhnlichGlaubwürdigNachdenklichVerstörendSpannendMittel

Rezensionen & Bewertungen

66 Bewertungen

17 Rezensionen

3,8

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  • floetenfisch
    floetenfisch

    75 Follower

    3,0

    „Vilhelms Zimmer“ ist ein radikal offener, formal wagemutiger Roman, in dem Tove Ditlevsen die Auflösung einer Ehe als psychischen Ausnahmezustand inszeniert – ein Text von großer literarischer Kraft, aber auch von verstörender Nähe. „Vilhelms Zimmer“ ist Ditlevsens letzter Roman – und er liest sich wie eine Verdichtung all ihrer Themen: Autofiktion, weibliche Abhängigkeit, psychische Krisen, das Schreiben als Überlebensversuch. Die Protagonistin Lise Mundus, ein kaum verhülltes Alter Ego der Autorin, erzählt aus einem Zustand emotionaler und mentaler Zerrüttung, nachdem ihr Mann Vilhelm sie verlassen hat. Ditlevsen nutzt eine experimentelle, fragmentierte Form, die Dialoge, Erinnerungsfetzen, innere Monologe und essayistische Passagen mischt. Die Struktur ist bewusst brüchig: Rückblenden, Gedankensprünge und abrupte Tonwechsel machen die Lektüre anspruchsvoll, aber literarisch reizvoll. Im Zentrum steht eine toxische, von Macht und Kränkung geprägte Ehe. Vilhelm, ein prominenter Chefredakteur, missgönnt Lise ihren Erfolg; Lise wiederum kreist obsessiv um ihn, selbst nachdem er sie verlassen hat. Die Einsamkeit nach der Trennung führt zu destruktiven Gedanken, die sich in drastischen Bildern und dramatischen Szenen äußern – etwa der berühmten Heiratsannonce, die Lise in einer Zeitung schaltet, um Vilhelm zu provozieren. „Vilhelms Zimmer“ ist ein radikal persönlicher, literarisch anspruchsvoller und emotional kompromissloser Roman. Er zeigt Ditlevsen auf dem Höhepunkt ihrer Kunst – und am Rand ihrer Existenz.

    30. Apr. 2026

  • jollybooktime
    jollybooktime

    56 Follower

    5,0

    "Mein einziger, leidenschaftlicher Wunsch besteht darin, das Buch meines Lebens über dich und mich zu schreiben, nicht als Racheakt, sondern einfach nur als Geschichte über eine große Liebe und deren Scheitern." (S. 199) Mit "Vilhelms Zimmer" ist Tove Ditlevsen genau das gelungen. Es wurde zudem zu einer unheilvollen Punktlandung, denn das 1975 veröffentlichte Werk war der letzte Roman der dänischen Autorin, bevor sie 1976 an einer Überdosis Tabletten starb. Ein Ende, das auf tragische Weise nicht nur die absehbare Konsequenz ihres selbstzerstörerischen Lebens war, sondern auch den literarischen Schlusspunkt setzte. Wir begegnen in Ditlevsens letztem Werk alten Bekannten wieder, die wir nicht nur aus "Gesichter" bereits kennen, sondern in denen auch ganz viel Biografisches der Autorin selbst steckt. Im Zentrum stehen Lise Mundus und ihr Mann Vilhelm, deren Ehe geprägt ist von einem toxischen Wechselspiel aus emotionaler Abhängigkeit und gegenseitigen Verletzungen. Trotz der Trennung von Vilhelm, kommt Lise emotional nie ganz aus diesem „Raum" heraus. Sein (titelgebendes) Zimmer bleibt erhalten und übt weiterhin eine Macht auf Lise aus. Mal erzählt aus der Sicht von Lise selbst, mal von einer übergeordneten Stimme und manchmal verschwimmt beides ineinander. Der Einstieg ist durch surreale Bilder im psychiatrischen Kontext, der vor allem Lises inneren Zustand spiegelt, zunächst mühsam. Die fragmentarische Erzählung sorgt zunächst für Desorientierung, doch sobald die Stränge sortiert sind, werden Bild und Handlung klarer. Es ist ein Roman wie ein Déjà-vu. Ein Unbehagen, das dich kalt umklammert. Wer Tove Ditlevsen liest, kennt diesen Zustand, wenn Wahrheit und Wahnsinn sich vermengen. Schonungslos scheint sie mit ihrer Vergangenheit, besonders mit ihrem früheren Ehemann, abzurechnen. Und doch verhindert das Mitgefühl mit Lise/Tove, ihr diese Härte übel zu nehmen. Ihre Stärke, die unter dem rissigen Wesen steckt, ist dabei ebenso spürbar wie bewundernswert.

    30. Apr. 2026

  • lesen_mit_jonas
    lesen_mit_jonas

    121 Follower

    4,5

    Ein eindringlicher letzter empfehlenswerter Roman, einer großen Schriftstellerin.

    Tove Ditlevsen - ,,Vilhelms Zimmer" Übersetzung: Ursel Allenstein Dieser letzte Roman von Ditlevsen erschien 1975. Ein Jahr später nahm sich die Autorin das Leben. Der Aufbau Verlag hat uns diese großartige dänische Autorin wieder zurück ins Gedächtnis gerufen. Das Buch beleuchtet die Geschichte einer stürmischen Beziehung zweier Menschen,die geprägt ist von Abhängigkeiten, dem Wunsch nach Unabhängigkeit, sowie großer Liebe, aber auch tiefem Hass. Hier geht es zum einen um Lise (eine erfolgreiche Autorin) und Vilhelm (ein bekannter Zeitungsredakteur). Beide haben einen gemeinsamen Sohn namens Tom. Mit den Jahren entfremdet sich das Paar immer weiter. Während er sich immer häufiger betrinkt, und dabei seine Frau ständig kritisiert und klein hält, strebt sie nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, während sie bereits einen Aufenthalt in einer Entzugsklinik gemeistert hat. Die Beziehung ist gezeichnet von Seitensprüngen, gegenseitiger wachsender Verachtung und Misstrauen. Wer die Kopenhagen-Reihe der Autorin gelesen hat, der erkennt hier starke Autobiografische Züge zum Leben von Ditlevsen. Das wird auch im kurzen Nachwort der Übersetzerin dargestellt, die hier übrigens eine fantastische Arbeit geleistet hat. Die Geschichte wird teils aus Sicht der handelnden Personen beschrieben, hat aber auch eine allwissende übergeordnete Erzählerin, die uns durch die Geschichte führt. Das hatte mich zunächst etwas verwirrt, aber nach und nach bin ich sehr gut in die Geschichte eingestiegen. Die Sprache ist einfach unglaublich poetisch und zugleich schonungslos, so wie ich es in anderen Romanen und Kurzgeschichten der Autorin bereits erlebt habe. Trotz der teils kaum nachvollziehbaren Handlungen der Figuren begleitet der Leser diese doch gespannt auf jeder Seite. Um so intensiver wirkt das gelesene mit dem Wissen um die Biografie der Autorin, auch wenn hier Fiktion und Autobiografie ineinander greifen. Besonders das Thema der Abhängigkeit in jeglicher Form ist ein zentrales Thema in allen Büchern von Tove Ditlevsen. Mit diesem letzten Werk hat sich die Autorin nochmal ein Denkmal gesetzt, was durch die neue Herausgabe nochmal neue Leser gefunden hat und hoffentlich noch weitere finden wird. Nachdem man ein Buch von Ditlevsen zugeschlagen hat, spürt man jedes Mal zunächst eine kleine Leere, während danach alle nur erdenklichen Fragen und Gedanken gleichzeitig auf den Leser hinabstürzen Ein eindringlicher letzter empfehlenswerter Roman, einer großen Schriftstellerin.

    Ein eindringlicher letzter empfehlenswerter Roman, einer großen Schriftstellerin.

    22. Aug. 2025

3 von 17 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Tove Ditlevsen

Tove Ditlevsen (1917–1976), geboren in Kopenhagen, galt lange Zeit als Schriftstellerin, die nicht in die literarischen Kreise ihrer Zeit passte. Sie stammte aus der Arbeiterklasse und schrieb offen über die Höhen und Tiefen ihres Lebens. Heute gilt sie als eine der großen literarischen Stimmen Dänemarks und Vorläuferin von Autorinnen wie Annie Ernaux und Rachel Cusk. Die »Kopenhagen-Trilogie« mit den drei Bänden »Kindheit«, »Jugend« und »Abhängigkeit« ist ihr zentrales Werk, in dem sie das Porträt einer Frau schuf, die entschieden darauf besteht, ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu leben. Die Kopenhagen-Trilogie erscheint in über dreißig Sprachen und wird international als große literarische Wiederentdeckung gefeiert.

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