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Mit Männern leben. Überlegungen zum Pelicot-Prozess

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Über das Buch

Die monströsen Verbrechen an Gisèle Pelicot, die von ihrem Mann über Jahre betäubt und von ihm und fast 70 anderen Männern vergewaltigt wurde, haben die Welt erschüttert. Das sich anschließende Gerichtsverfahren avancierte zu einem der aufsehenerregendsten Prozesse der letzten Jahrzehnte, nicht nur wegen der Schwere der Schuld, sondern weil weithin klar wurde, dass das dort Verhandelte Millionen von Frauen betrifft. Manon Garcia, eine der wichtigsten Feministinnen der neuen Generation, reiste zum Prozess nach Avignon, um diesen akribisch zu dokumentieren. Sie verbindet ihre präzisen Beobachtungen über den Verlauf des Verfahrens, die Angeklagten und deren Reaktion auf die Vorwürfe mit Überlegungen zur Rolle der Frau in der patriarchalen Gesellschaft. Und sie verknüpft sie mit eigenen Erfahrungen der alltäglichen Gefahr, Opfer zu werden. Angesichts der Abgründe männlicher Gewalt gelangt sie zu der existenziellen Frage: Wie noch mit Männern leben? Eine Reportage zum wichtigsten Gerichtsprozess unserer Zeit, gelesen von Meike Rötzer.

Editionen (2)

ISBN9783742442796
VerlagDer Audio Verlag
Erscheinungsdatum14.07.26

Rezensionen & Bewertungen

244 Bewertungen

45 Rezensionen

4,6

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  • floetenfisch
    floetenfisch

    75 Follower

    4,0

    "Mit Männern leben – Überlegungen zum Pelicot-Prozess" präsentiert sich als ein kompromissloses, analytisch präzises und zugleich zutiefst persönliches Essay. Manon Garcia nutzt darin den Avignoner Prozess gegen Dominique Pelicot als zentralen Fokus, um die Gewaltverhältnisse zwischen Männern und Frauen, die Defizite des Rechtssystems sowie die kulturellen Mechanismen zu beleuchten, durch die sexualisierte Gewalt verharmlost, verschleiert oder unsichtbar gemacht wird. Das Werk zeichnet sich durch philosophische Präzision und politische Dringlichkeit aus und ist bewusst herausfordernder konzipiert als viele herkömmliche akademische Publikationen. Garcia gelingt es, den Prozess nicht nur zu dokumentieren, sondern ihn auch epistemologisch zu durchdringen. Sie demonstriert dabei, wie Rechtsprechung, Medien und gesellschaftliche Normen ineinandergreifen, um sexualisierte Gewalt zu entpolitisieren. Besonders hervorzuheben ist Garcias Reflexion über Scham und Macht. Der von Gisèle Pelicot geprägte Satz „Die Scham muss die Seite wechseln“ avanciert zum Leitmotiv des Buches und verdeutlicht die Notwendigkeit einer Neuausrichtung gesellschaftlicher Beschämungspraktiken – weg von den Betroffenen, hin zu den Täterstrukturen. Garcia wählt keinen klassischen sozialwissenschaftlichen Ansatz, sondern eine essayistische, explorative und subjektive Herangehensweise. Sie integriert ihre persönlichen Beobachtungen im Gerichtssaal, reflektiert ihre früheren Forschungen zu Zustimmung und Unterwerfung und macht dadurch sichtbar, dass feministisches Denken stets auch ein Ringen um die passende Sprache darstellt. Garcia zeigt auf, wie der Pelicot-Prozess Kontinuitäten sexualisierter Gewalt offenbart – von historischen Fällen wie Aix-en-Provence bis zu aktuellen Debatten. Die öffentliche Prozessführung, die Videoaufnahmen im Gerichtssaal und die Präsenz von Aktivistinnen vor dem Gebäude fügen sich zu einem Panorama zusammen, das die Normalität männlicher Gewalt und die Fragilität weiblicher Sicherheit eindringlich darlegt. Die internationale Perspektive, beispielsweise durch Vergleiche mit US-amerikanischen Fällen oder medialen Dynamiken, unterstreicht, dass der Prozess kein isoliertes französisches Phänomen, sondern ein globales Muster darstellt. Es handelt sich um ein intellektuell anspruchsvolles, politisch notwendiges und literarisch eindringliches Werk. Garcia verbindet Philosophie, feministische Theorie und Prozessbeobachtung zu einer Analyse, die nicht nur den Fall Pelicot erklärt, sondern die zentrale Frage aller feministischen Debatten aufwirft: Wie können wir mit Männern leben – und zu welchem Preis?

    4 Tage vor

  • 5,0

    Erschütternd!

    Dieses Buch muss gut dosiert gelesen werden, da jeder Satz von Manon Garcia auf den Punkt ist und viel beinhaltet. Die Autorin dokumentiert den Prozess über den sexuellen Missbrauch an Madame Gisèle Pelicot durch ihren Ehemann und über 50 weiteren Männern und analysiert diesen aus einer philosophischer Betrachtung. Sie geht zum Beispiele u.a. auf den Begriff der Zustimmung ein und wirft die Frage auf, was diese unauffällig wirkenden Männer dazu getrieben hat, so abscheuliche Taten zu begehen. Dabei blickt sie auf das Patriarchat und die Vorstellungen von Männlichkeit. Sie schildert den Prozessablauf, der unter großem öffentlichen Interesse verfolgt wurde, erläutert das französische Rechtssystem und die Rechtsprechung im Strafprozess sowie dessen Hürden und Grenzen. Dieser tiefe Einblick in den Missbrauchsprozess sprengt manchmal die Grenze des Vorstellbaren. Hier tun sich menschliche Abgründe auf. Ich bin angewidert und frage mich ebenso wie die  Autorin "Kann das jedem passieren?". Die Zahlen sprechen leider Bände. Das Buch zeigt außerdem auf, dass die Gesellschaft ein größeres Bewusstsein für den Umgang mit Opfern braucht, denen oft nicht geglaubt wird, bei denen perfide eine Täter-Opfer-Umkehr begangen wird oder die stigmatisiert werden und darum oft aus Scham die Vergewaltigung nicht zur Anzeige bringen. Außerdem wirft der Fall Pelicot erneut die Frage auf, wie die Gesellschaft insgesamt mit Frauen umgeht und wie Männer in einer patriachalen Welt zu Frauen stehen, wenn sie glauben, ein Recht auf ihre Körper zu haben. Wie gehen wir mit solchen Männern um und was tun die Männer, die auf unserer Seite stehen? Ein sehr lesenswertes Buch mit interessanten Gedanken der Autorin. Erschütternd und wichtig zugleich.

    7. Apr. 2026

  • maximus94
    maximus94

    97 Follower

    5,0

    Erschreckend und erschütternd

    Ich glaube die allermeisten können sich schon aufgrund des Themas über den vielleicht bekanntesten Prozess der letzten Jahre vorstellen wieso dieses Buch niederschmetternd war. Trotz allem war die Mischung aus Erzählung im Bewusstseinsstrom gemischt mit Zitaten aus der Philosophie und harten Fakten aus der Wissenschaft fesselnd. Ich halte dieses Buch für Pflichtlektüre, auch wenn es kein einfaches Thema ist.

    11. Apr. 2026

3 von 45 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 2613%
sisthea
sisthea3 Tage vor

„Ich weiß, dass diese Frage irritierend, verletzend und unerträglich sein kann, aber mir wäre es lieber, dass sie mich verletzt, anstatt mich unablässig zu verfolgen“

Seite 3719%

1 Kommentar verdeckt

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Autorin / Autor

Über Manon Garcia

Manon Garcia, geboren 1985, ist nach Stationen in Harvard und Yale Professorin für Praktische Philosophie an der Freien Universität Berlin. In Frankreich zählt sie zu den einflussreichsten und meistgelesenen Philosophinnen ihrer Generation.

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