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Empusion. Eine natur(un)heilkundliche Schauergeschichte

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Über das Buch

1913, Niederschlesien. Am Fuße der Berge steht ein Sanatorium für Lungenkrankheiten. Mieczysław, Student aus Lemberg, hofft, dass eine neuartige Behandlung seine Schwindsucht heilen wird. Wie auf Thomas Manns »Zauberberg« sprechen die versammelten Kranken aus ganz Europa unermüdlich miteinander – mit Vorliebe bei einem Gläschen Likör. Ob es Krieg geben werde in Europa, welche Staatsform die beste sei? Und darüber, dass die Frau des Pensionswirts gerade Selbstmord begangen hat. Überhaupt kommt es häufig zu mysteriösen Todesfällen ringsum, so heißt es zumindest. Was Mieczysław nicht weiß: Dunkle Mächte haben es auch auf ihn abgesehen …

Editionen (4)

ISBN9783742428455
VerlagDer Audio Verlag
Erscheinungsdatum20.04.23

Rezensionen & Bewertungen

84 Bewertungen

12 Rezensionen

3,9

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  • marzipanhirsch
    marzipanhirsch

    122 Follower

    3,0

    Anfang des 20. Jahrhunderts, Niederschlesien. Eine Gruppe lungenkranker Männer trifft in einer Lungenheilanstalt aufeinander und neben den Fragen zu ihrer Gesundheit treibt sie auch Politik um und der gemeinsame Hass auf Frauen. Frauen werden hier als mystische, unbeherrschte, minderbegabte Wesen betrachtet und während die Herren sich Abend für Abend mit einem hauseigenen Alkoholgetränk namens "Schwärmerei" volllaufen lassen, lassen sie ihren Gedanken und Gefühlen freien Lauf. Zum Beispiel, warum sich die Ehefrau des Klinikleiters am Tag der Ankunft der neuen Patienten suizidiert hat. Aber auch andere Todesfälle beschäftigen sie, denn 1x im Jahr im November werden im Wald vor der Klinik Leichenteile gefunden..... Die Anlehnungen an Thomas Manns Zauberberg sind natürlich offensichtlich, für mich kommt noch eine Prise "Krabat" hinzu. Erzählt Ist die Geschichte toll was bei Olga Tokarczuk nicht verwundert. Ich persönlich war sehr genervt und teilweise auch abgestoßen von der Masse an misogynen Äußerungen. Auch, wenn ich die Absicht der Autorin dahinter verstehe, reproduziert und verstärkt es meiner Meinung nach diese Ansichten, da sie hier auch zu keiner Zeit eingeordnet werden. Schade! Abgesehen davon ist es eine tolle, gruselige und mystische Geschichte.

    16. Dez. 2025

  • olesliest
    olesliest

    19 Follower

    4,0

    Ein gutes Buch, das sein Potential nicht ausschöpft.

    Olga Tokarczuks „Impusion“ ist ein gutes Buch. Ich mochte die Charaktere und sei es vereinzelt nicht auf der persönlichen, so zumindest auf der dramaturgischen Ebene. Die Handlungsorte sind lebendig und die Figuren ergeben insgesamt ein stimmiges Gefüge. Trotz dessen hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, nicht vorwärts zu kommen. Zuweilen zog es sich hin. Für meinen Geschmack hat die Autorin das große Potential ihrer Geschichte nicht auf das Volle erschöpft… der Höhepunkt kam zu spät und nach dem beinahen Dahinsiechen der Geschichte war er längst überfällig und ging in seiner Kürze wie Überstürztheit etwas unter. Ich finde es wunderbar, dass die Autorin Queerness thematisiert, sie macht es aber erst zu zögerlich und am Ende viel zu überstürzt. Mieczysławs Schicksal auf den letzten Seiten schien mir beim Lesen erst herzerwärmend, aber im Nachhinein wohl eher unglaubwürdig. Doktor Semperweiss' offenherzige, aufgeklärte Rede passte irgendwie nicht so richtigen zu der zuvor angerissenen Figur. Ich wartete vergeblich darauf, dass der vielversprechende Anfang in einem erzählerischen Feuerwerk kulminiert, stattdessen ist es ein ewiges Vorbereiten auf eine Geschichte, die am Ende schnell abgefertigt wird. Es ist dennoch ein gutes Buch, aber kein Meisterwerk, wie es zum Teil angepriesen zu sein scheint. Vier Sterne sind zu viel, aber drei zu wenig…

    24. Aug. 2025

  • knigaljub
    knigaljub

    68 Follower

    5,0

    Was ich an Empusion liebe: Ich liebe es, wie Olga Tokarczuk durch ihre Natur- und Milieubeschreibungen die Lesenden hineinzieht in den Herbst 1913, sie nach Görbersdorf in das Sanatorium für Lungenkrankheiten reisen lässt. Ich liebe, dass Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein mir durch ihre Übersetzung ermöglicht haben, Tokarczuks hervorragendes Ausdrucksvermögen zu erfahren. Ich liebe, wie sich ein ganz subtiler, sich immer stärker entfaltender Schauder durch den Roman zieht. Und wie die im Text eingefügten Originalbilder das ganz wunderbar unterstreichen. Ich liebe, dass Tokarczuk die Balance zwischen Andeutungen und Auserzähltem perfekt hält: Es bleibt mysteriös, interpretierbar - und wird gleichzeitig nicht zu nebulös und beliebig. Ich liebe, dass man am Ende über Heilung nachdenken kann - obwohl Tuberkulose damals noch ziemlich tödlich war. Ich liebe, dass ich erst ganz zum Schluss so richtig verstanden habe, warum für Empusion so oft fünf Sterne regnen - und dass ich den Schauer um weitere fünf ergänzen konnte. Ich liebe die Erzählinstanzen: plurale weibliche Wesenheiten, die einem "klassischen" (männlichen) Erzähler entgegengestellt werden. Und ich liebe, so viel sei verraten, dass wir damit leben müssen, uns bis zum Schluss kein ganz klares Bild von ihnen machen zu können und uns somit in Ambiguitätstoleranz üben können. Ich liebe, dass ich den Text ohne Kenntnis des Zauberbergs von Thomas Mann, auf den er laut Klappentext "eine hintersinnige Replik" darstellt, genießen konnte - und mir vorstellen könnte, ihn noch mindestens ein weiteres Mal gewinnbringend zu lesen. Ich liebe, glaube ich, mittlerweile auch den etwas erklärungsbedürftigen Titel, denn sowohl unter den Empusen, den weiblichen Spukgestalten, als auch dem Symposium kann ich mir - erst recht in ihrer Kombination - nun etwas vorstellen. Und ich liebe, dass all das die möglicherweise empfundenen kleinen Längen mehr als wettmacht. Was ich hingegen nicht liebe: Dass anscheinend in vielen Besprechungen zum Buch der wesentliche Plot-Twist angedeutet oder sogar verraten wird. Spart euch die, wenn möglich, und lest das Buch lieber direkt.

    20. Juli 2023

3 von 12 Rezensionen

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