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Romane

Eine Nebensache

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Über das Buch

Was bewahren Geschichten? Was wird erzählt, was ausgelassen? Im Sommer 1949 wird ein palästinensisches Beduinenmädchen von israelischen Soldaten vergewaltigt, ermordet und in der Wüste verscharrt. Jahrzehnte später versucht eine junge Frau aus Ramallah, mehr über diesen Vorfall herauszufinden. Sie ist fasziniert, ja besessen davon, nicht nur wegen der Art des Verbrechens, sondern vor allem, weil es auf den Tag genau fünfundzwanzig Jahre vor ihrer Geburt begangen wurde. Ein Detail am Rande, das jedoch ihr eigenes Leben mit dem des Mädchens verknüpft. Adania Shibli verwebt die Geschichten beider Frauen zu einer eindringlichen Meditation über Krieg, Gewalt und die Frage nach Gerechtigkeit im Erzählen.

Editionen (2)

ISBN9783949203213
VerlagBerenberg Verlag GmbH
Erscheinungsdatum15.03.22
Seitenzahl128

Rezensionen & Bewertungen

52 Bewertungen

10 Rezensionen

4,2

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  • heibi
    heibi

    191 Follower

    4,0

    Für mich ein sehr dicht erzähltes schmales Büchlein. Bisher habe ich noch nie ein Buch einer palästinensischen Autorin gelesen. Ich bin aber sehr froh, diese Geschichte entdeckt zu haben. Der Text ist in 2 Teile aufgeteilt. Der erste Teil behandelt eine Sicht eines israelischen Oberfeldwebels der 1949 in der Negevwüste mit seiner Kompanie arabische Terroristen und Beduinen ausfindig machen und töten soll. Dabei überlebt bei einem Zwischenfall ein beduinisches Mädchen, welches mit in das israelische militärische Lager mit- und dort gefangen genommen wird. Der 2. Teil handelt von einer palästinensischen ICH- Erzählerin, die sich ca. 10 Jahre später, durch einen Zeitungsartikel auf diesen Vorfall aufmerksam gemacht, auf Spurensuche begibt. Der erste Teil ist eher emotionslos beschrieben . Der zweite Teil jedoch ist beherrscht von Emotionen und Panik. Einige Motive aus dem ersten Teil tauchen auch im 2. Teil wieder auf. Dies fand ich stilistisch schonmal sehr gut gemacht und hat beide so unterschiedliche Perspektiven wunderbar miteinander verbunden. Beeindruckt hat mich die Beschreibung der Empfindungen der namenlosen Protagonistin, die für ihre Spurensuche in israelische Gebiete ausreisen und dabei ganz verschiedene Checkpoints passieren musste. Die Anspannung und Panik, die sie dabei ergreift, ist sehr eindrucksvoll beschrieben. Gerne möchte ich noch mehr von palästinensischen Schriftsteller/innen lesen. Mich konnte dieses schmale Buch beeindrucken.

    16. Okt. 2024

  • agni
    agni

    158 Follower

    5,0

    Ein kurzes gewaltiges Buch gegen den Krieg und gegen Gewalt.

    Mal wieder eine überraschende Empfehlung aus einer mir unbekannten Buchhandlung. Im Buchladen am Kopernikusplatz (lt. Inhaber d. kleinste Buchhandlung in Nürnberg) habe ich diese Empfehlung bekommen. Im ersten Teil geht es um die Zeit nach der Gründung Israels. Eine Beschreibung der Landschaft, der Umstände, der unerträglichen Gewalt gegen ein Mädchen und ihrer Familie. Im zweiten Teil wird beschrieben wie eine junge Frau aus der Region versucht, mehr über diesen Fall aus der Gründungszeit heraus zubekommen. Was es braucht um Reisen zu können, wer wohin reisen darf, wie viel Grenzkontrollen es zu überwinden gilt. Lt. Buchhändler wurde das Buch sehr kontrovers diskutiert. Dazu kann ich nichts sagen. Ich habe es sehr sachlich empfunden. Ob die Beschreibungen aus der Jetztzeit richtig sind , kann ich nicht beurteilen. Auch wurde nicht auf das wieso, weshalb, warum eingegangen. Muss vielleicht auch nicht sein.

    5. Sept. 2024

  • leseeckchen
    leseeckchen

    97 Follower

    5,0

    Dieses Buch war stark! Der Schreibstil hat mich, obwohl er ruhig und unaufgeregt ist, von der ersten Seite an gefesselt. Adania Shibli schafft es mit einer präzisen, beinahe nüchternen Sprache, eine enorme emotionale Wucht zu entfalten. Ich konnte das Buch kaum zur Seite legen. Die Thematik ist hochaktuell: Fragen nach Gewalt, Besatzung, Erinnerung und der Rolle von Sprache im Umgang mit Geschichte sind heute vielleicht dringlicher denn je. „Eine Nebensache“ ist kein lautes Buch, aber ein eindringliches. Gerade seine leise, analytische Erzählweise macht die Brutalität des Geschehens umso spürbarer. Besonders erwähnenswert ist auch, dass Adania Shibli 2023 für die Frankfurter Buchmesse eingeladen war, ihre Preisverleihung aber kurzfristig abgesagt wurde. Diese Entscheidung sorgte international für Diskussionen, da viele Stimmen darin eine Ausgrenzung palästinensischer Perspektiven sahen. Umso wichtiger ist es, diesem Buch und seiner Autorin Gehör zu schenken.

    2. Nov. 2025

3 von 10 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Adania Shibli

Adania Shibli, geboren 1974 in Palästina, schreibt Romane, Theaterstücke, Kurzgeschichten und Essays und ist zudem in der akademischen Forschung und Lehre tätig. »Eine Neben sache« ist ihre erste Buchveröffentlichung auf Deutsch, die englische Übersetzung war für den National Book Award (2020) sowie für den International Booker Prize (2021) nominiert. Adania Shibli lebt in Palästina und Deutschland.

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