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Romane

E.E.

3,9(15)
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Über das Buch

Breslau 1908: Als eine der mittleren Töchter einer kinderreichen deutsch-polnischen Familie führt Erna Eltzner ein eher unauffälliges Leben. Alles ändert sich, als sie wenige Tage nach ihrem fünfzehnten Geburtstag am Mittagstisch ohnmächtig wird. Nicht nur hört sie Stimmen, auch ein Geist erscheint ihr. Frau Eltzner ist in heller Aufregung: Zeigen sich in ihrer Erna, der sie sich am nächsten fühlt von allen Kindern, die medialen Fähigkeiten, über die auch sie zu verfügen meint? Ernas Vater Friedrich Eltzner gehen die Belange seiner Kinder nicht wirklich etwas an. Doktor Löwe besucht die Kranke, wenngleich er für Übersinnliches wenig übrig hat, und rät, nach einem Exorzisten zu schicken. Der wundersame Walter Frommer wird zurate gezogen, seines Zeichens Okkultist und bewandert in esoterischen Belangen. Und Joachim Vogel, zweifellos ein Experte auf seinem Gebiet, der sehr modern über psychische Krankheiten denkt. Wenn Frau Eltzner nun zu Séancen lädt, herrscht feierliche Stille in der Wohnung. Tritt die Tochter mit den Seelen der Verstorbenen in Kontakt, ist die verwitwete Frau Schatzmann, die ihren Mann vermisst, ebenso fasziniert wie ihr Sohn Arthur, der ein großer Physiologe werden will. Handelt es sich um eine Gabe, oder ist Erna dem Wahnsinn verfallen, gar hysterisch? Die Fünfzehnjährige wird zum Phänomen, zum Fall E.E.

Editionen (1)

ISBN9783311101390
VerlagKampa Verlag
Erscheinungsdatum17.09.24
Seitenzahl304

Rezensionen & Bewertungen

15 Bewertungen

5 Rezensionen

3,9

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  • puni
    puni

    165 Follower

    4,0

    Interessant

    Breslau, 1908. Erzählt wird die Geschichte von Erna Eltzner, E.E., die im Alter von 15 Jahren erstmals Stimmen hört und Geister sieht. Olka Tokarczuk schafft es die Personen lebendig erscheinen zu lassen und gibt einen spannenden Einblick in die damalige Zeit.

    6. Jan. 2026

  • 4,5

    Psychoanalyse vs. Okkultismus 👌

    Fast 30 Jahre hat es gedauert bis E.E. ins Deutsche übersetzt wurde - schade, denn es ist ebenso lesenswert wie Tokarczuks andere (bisher von mir gelesenen) Bücher. Doch worum geht’s? Ein Ohnmachtsanfall einer 15-Jährigen ändert plötzlich alles - Erna erscheint ein Geist und sie hört Stimmen, was den Startpunkt markiert, um von ihrem Umfeld als psychisch Erkrankte wahrgenommen zu werden. Sie schicken nach einem Exorzisten - der Okkultist Walter Frommer nimmt sich ihrer an. Es werden Séancen abgehalten und ein modern denkender Experte für psychische Krankheiten zu Rate gezogen. Doch ist Erna nun eine Verrückte oder hat sie einfach die Gabe mit Geistern in Kontakt zu treten?! Multiperspektivisch jagt die Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk der Frage nach, ob die Wissenschaft fähig ist, Okkultes zu erfassen. Doch wie kommt es, dass sie über solch eine spannende Thematik schreibt? Tokarczuk arbeitete - bevor sie sich für ihren Werdegang als Schriftstellerin entschied - als Psychotherapeutin. „E.E.“ ist eines ihrer frühen Bücher, in denen sie noch als solche tätig war und sich thematisch mit Fragestellungen in ihren Büchern auseinandersetzte, die sie in ihrem Alltag mit psychisch Erkrankten beschäftigten. Was ich mich mit als erstes fragte war: Wie kam es zu dem Buchtitel „E.E.“ und wofür steht er?! Tokarczuk wurde enorm von dem Schweizer Begründer der analytischen Psychologie und Freud-Schüler C.G. Jung beeinflusst. Dieser nahm an Séancen für seine Dissertation teil und protokollierte diese. Tokarczuk lies sich davon inspirieren und erschuf ihre Romanfigur E.E, was für Erna Eltzner steht und verfrachtet sie ins Jahr 1908 in Breslau - wohingegen C.G. Jung in Zürich zugange war. Für mich als Medizinerin war „E.E.“ eine absolut spannende Lektüre, denn Tokarczuk verwebt die Psychoanalyse des frühen 20. Jahrhunderts mit Okkultismus. In feministischer Manier macht sie (fast nebenbei) auf toxische Männlichkeit aufmerksam und lässt Ambivalenzen aufleben: Tradition vs. Moderne, Wissenschaft vs. Aberglaube. Nicht nur thematisch ein Schmankerl, auch durch ihre gewohnt poetische Sprache serviert uns Tokarczuk diesen Roman wie auf einem literarischen Silbertablett. Ein absolut lesenswertes Frühwerk auf üblichem Niveau von einer meiner Lieblingsschriftstellerinnen!

    29. Dez. 2024

  • at.gilgamesch
    at.gilgamesch

    25 Follower

    4,0

    Ein psychologischer Roman, der zu Anfang des 20 Jh. spielt und ein Zeitgeistportrait zeichnet, in dem die aufstrebenden Wissenschaften mit dem Salon-Okkultismus der Bourgeoisie ringen. Illustriert die nervöse Überspanntheit der Vorkriegsjahre sehr eindrücklich. Die Charakterzeichnungen der Autorin sind gestochen scharf. Die Erzählung mäandert etwas zu ausgiebig zwischen akribischen Charakterportraits und Plot.

    28. Jan. 2025

3 von 5 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Olga Tokarczuk

Olga Tokarczuk, 1962 im polnischen Sulechów geboren, studierte Psychologie in Warschau und lebt heute in Breslau. Ihr Werk (bislang zehn Romane, drei Erzählbände und zwei Kinderbücher) wurde in 37 Sprachen übersetzt. 2019 wurde sie mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Für Die Jakobsbücher, in Polen ein Bestseller, wurde sie 2015 (zum zweiten Mal in ihrer Laufbahn) mit dem wichtigsten polnischen Literaturpreis, dem Nike-Preis, geehrt und 2018 mit dem JanMichalski-Literaturpreis. Im selben Jahr gewann sie außerdem den Man Booker International Prize für Unrast. Zum Schreiben zieht Olga Tokarczuk sich in ein abgeschiedenes Berghäuschen an der polnisch-tschechischen Grenze zurück.

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