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Romane

Krummes Holz

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Über das Buch

Ausgezeichnet mit dem ZDF-Aspekte-Literaturpreis 2024

»Krummes Holz« entwickelt einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Unbedingte Leseempfehlung!« Florian Valerius

Es ist ein drückend schwüler Sommer, in dem Jirka an den Hof seiner Eltern im Krummen Holz zurückkehrt. Mehrfach hat er die Bitte seiner älteren Schwester Malene ignoriert, ihr gegen den Vater beizustehen. Als Jirka jetzt auf dem heruntergewirtschafteten Gutshof eintrifft, scheint keiner mehr auf ihn zu warten. Vom Vater findet sich keine Spur, und von seiner dementen Großmutter und seiner unversöhnlichen Schwester schlägt ihm eine Wand des Schweigens entgegen. Nur einer spricht mit ihm – Leander, der Sohn des letzten Verwalters. Doch obwohl die Feindseligkeit seiner Schwester kaum auszuhalten ist, lässt sich mit Leanders Nähe noch schwerer umgehen. Zu intensiv sind die Erinnerungen, die sich mit jedem neuen Tag in den Vordergrund drängen. »Krummes Holz« erzählt mit flirrender Intensität von der Kraft eines Geschwisterbandes in einer glücklosen Kindheit und darüber, wie zwischen all den enttäuschten Hoffnungen die Liebe zu finden ist.

Die Jury des ZDF-aspekte-Literaturpreises:

»Nichts wächst einfach und gerade in Julja Linhofs fesselndem Anti-Heimatroman 'Krummes Holz'. In einem Alter, in dem andere von zu Hause weggehen, um fürs Leben zu lernen, kommt der 19-jährige Jirka aus dem Internat auf den Hof seiner Familie zurück. Es ist ein Zuhause, in dem niemand auf ihn wartet. In dem alten Bauernhaus dominieren Gefühlskälte und Schweigen. Die depressive Mutter ist verstorben, vom gewalttätigen Vater fehlt jede Spur, Jirkas Schwester Malene redet nicht mehr mit ihm. Und mit dem älteren Verwaltersohn Leander verbindet ihn ein Geheimnis …«

Editionen (2)

ISBN9783608966091
VerlagKlett-Cotta
Erscheinungsdatum17.02.24
Seitenzahl272

Rezensionen & Bewertungen

123 Bewertungen

37 Rezensionen

3,8

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  • 5,0

    Gefühlt, habe ich in diesem Jahr hauptsächlich Debütromane von Frauen gelesen. Auch dieser hier ist so einer. Einer der mich von der ersten Seite an gefangen genommen und umgehauen hat, mich tief in die Geschichte eingesogen hat. Dieses unglaublich atmosphärische, diese Tiefe in dem ganzen Ungesagten. Aus der Sicht von Georg, genannt Jirka, wird die Geschichte seiner Kindheit auf einem heruntergewirtschafteten Hof im Sauerland erzählt, die mich von Anfang an betroffen macht. Georg, genannt nach seinem Vater, so wie dieser nach seinem Vater benannt wurde. "Ich hatte nur einen Namen. Und der gehörte nicht mal mir, sondern meinem Vater. So wie auf den Höfen der Gegend alle erstgeborenen Söhne die Namen ihrer Väter trugen. Und die Erwartungen." Doch die Erwartungen seines Vaters kann Jirka nicht erfüllen. Weder als Sohn noch als Schüler. Als Jirka,aus Scham, nicht am Schwimmunterricht teilnehmen will, damit niemand die vielen blauen Flecken sieht, wirft ihn sein Vater ins hofeigene Wasserbecken, drückt ihn immer wieder zurück, ertränkt ihn fast. Wenn ihm sonst sein Sohn quer kommt, schließt er ihn in der Hundezwinger ein. Nur Vilém, der Vater von Leander, Flüchtlingsseele aus Sudetendeutschland und letzter Hofverwalter, hilft Jirka und gibt ihm einen eigenen Namen. Mit seiner Schwester Malene hatte er als Kind eine innige Beziehung. In Leander war er verliebt. Die Mutter früh verstorben. Als Jirka jetzt, nach 5 Jahren Internat zurück auf den Hof kommt, gibt es nur noch Leander Malene und die demente Oma Agnes, die nie eine liebende, sondern eine harte, strenge Großmutter war. "Agnes verschränkt die Arme vor der Brust. Diese Arme, die so vieles stemmen und halten. Aber nichts, gar nichts von Trost wissen." Und es gibt diese ganzen ungesagten Gefühle und Verletzungen. Dinge die der Vater tat und die hier nur fragmentarisch erwähnt werden. Doch jetzt ist der Vater verschwunden und niemand beantwortet Jirkas Fragen nach dessen Verbleib. Beklemmend folge ich der Geschichte dieser drei jungen Menschen, die in den 80iger Jahren spielt und ich rechne nach und merke, Jirka muss mit seinen 19 Jahren, mein Jahrgang sein. Ich höre dieses "woll", was mein Vater, aus dem Sauerland stammend, auch immer benutzt hat und das jetzt so fehlt. Es bewegt mich so sehr, dass Jirka seine Gefühle zu Leander nicht zu äußern wagt, diese Beschähmung eine "scheiß Schwuchtel" zu sein. Die Sprünge in den Zeiten, die für andere lese-hemmend wirkten, haben für mich dem Ganzen noch mehr Tiefe gegeben. Für mich ein ganz großartiges, melancholisches und schwermütiges Buch, was ich regelrecht verschlungen habe und was sicherlich noch lange nachwirken wird.

    12. Juli 2025

  • herz
    herz

    361 Follower

    3,0

    Sehr einfühlsam

    Ich habe das Buch schon vor ein paar Tagen beendet, brauchte aber Zeit zum Nachspüren. Georg kommt nach Jahren im Internat zurück auf den Hof seiner Eltern. Der Empfang ist nicht sehr herzlich, die Mutter schon lang verstorben. Der Vater abwesend. Georgs Schwester, die den Vater, auf dem Hof unterstützt, weiß nicht, wie sie mit ihrem Bruder umgehen soll. In Rückblenden und in der Gegenwart schafft es die Autorin sehr leise und einfühlsam zu beschreiben, was Einsamkeit in der Familie, unterdrückte Trauer und Gefühle mit den Protagonisten machen.

    24. Okt. 2024

  • antjeliest
    antjeliest

    193 Follower

    4,0

    Eindringliche Familiengeschichte

    Sauerland Ende 80er Jahre, der 19-Jährige Jirka kehrt nach 5 Jahren auf den elterlichen Gutshof zurück. Er ist vom Internat zu Besuch da, doch seine Schwester Malena, die ihn zuvor mehrfach vergeblich gebeten hatte zu kommen, reagiert nun unterkühlt. Nachdem die Mutter nach Depression und Aufenthalt in der Heilanstalt, früh verstorben ist, hatten die beiden Geschwister zusammengehalten gegen den gewalttätigen Vater und die gefühlskalte Großmutter. Nun ist der Vater verschwunden und die Großmutter auf dem Weg in die Demenz, nur Leander, der Sohn des ehemaligen Verwalters gibt sich zugänglicher. Wie in einem abgedunkelten Raum, in dem man sich zunächst orientieren muss, offenbaren sich die Geheimnisse und Geschehnisse in diesem schwülen Sommer erst nach und nach, alte Verletzungen kommen an die Oberfläche und legen eine Familiengeschichte frei, in der oft die Worte und die Liebe fehlten. Mit einer wunderbar passenden bildhaften Sprache zieht das Buch die Leser in seinen Bann - eine lohnende Lektüre.

    29. Nov. 2024

3 von 37 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Julja Linhof

Julja Linhof, geboren 1991, wuchs in Westfalen zwischen Hellwegbörde und Arnsberger Wald auf. Von 2012 bis 2015 studierte sie in Leipzig am Deutschen Literaturinstitut. Seit sie die Stadt 2015 für ihr Illustrationsstudium verlassen hat, lebt und arbeitet sie in Hamburg.

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