Blick ins Buch

Romane

Im Herzen der Katze

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Über das Buch

»Anhand von drei Generationen iranischer Frauen, die im Wahnsinn der großen Geschichte gefangen sind, hinterfragt Jina Khayyer mit kraftvollem Atem die Vorstellungen von Exil, Erbe und Emanzipation.« Leïla Slimani

Es ist Nacht in Südfrankreich. Jina sitzt an ihrem Schreibtisch, das Telefon in der Hand. Im Sekundentakt aktualisiert sich ihr Instagram-Feed. Sie liest: »Jina Mahsa Amini wurde in Teheran von der Sittenpolizei ins Koma geprügelt.« Im nächsten Moment begreift sie: Die junge Frau, die so heißt wie sie, ist tot. Im Feed folgen die Bilder: der Protestzug Tausender Menschen auf den Straßen, Mädchen und Frauen, die ihre Haare unverdeckt tragen, darunter auch Jinas Schwester Roya und ihre Nichte Nika.
Was als Versuch beginnt, die Gegenwart zu begreifen, wird zur Reise in die Vergangenheit. Denn die Ereignisse wecken in Jina Erinnerungen an ihre eigenen Aufenthalte im Iran: an die Gastfreundschaft der Menschen, den reich gedeckten Tisch der Tanten, die Begegnungen im Sammeltaxi, den Roadtrip zu Zarathustras Feuertempel in Yazd – und an eine geheime Liebe. Aber auch an die Proteste während der Grünen Bewegung 2009, an denen Jina teilnahm und die zur einschneidenden Lebenserfahrung wurden.

Im Herzen der Katze ist eine Familien- und Liebesgeschichte, die Vorstellungen von Nationalität und Zugehörigkeit, von Frausein und Freiheit hinterfragt. Mit poetischer Intensität erzählt Jina Khayyer von Mut, Solidarität und Verantwortung und vom Nachklingen einer Heimat, die sich nicht abschütteln lässt.

Editionen (4)

ISBN9783518783436
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum22.07.25
Seitenzahl300

Rezensionen & Bewertungen

287 Bewertungen

64 Rezensionen

4,5

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  • melurian
    melurian

    264 Follower

    4,5

    Aktueller denn je

    Jina Khayyer erzählt über den Iran, über den Kampf der Frauen für ihre Rechte und das Recht auf Selbstbestimmung, der blutig niedergeschlagen wurde. Ebenso erzählt sie von einem Land schön wie tausend und eine Nacht, über Gastfreundschaft und einer Kultur im Einklang mit der Wüste/Natur, und einer verbotenen Liebe. Ein bewegendes und sehnsuchtsvolles Buch - man möchte den Iran kennenlernen und erleben, gleichzeitig bleibt soviel Wut auf das Regime. Unbedingt lesen.

    27. Apr. 2026

  • theagri
    theagri

    779 Follower

    5,0

    An ihrem Schreibtisch in Frankreich sitzend liest, sieht und hört die Ich-Erzählerin Jina, in Deutschland geboren mit iranischen Eltern, bei Instagram von einer Demonstration der Frauen in Teheran. Eine junge iranisch, kurdische Frau wurde dort von der Sittenpolizei zu Tode geprügelt. Das löst Reaktionen aus, sie telefoniert mit ihrer im Iran lebenden Schwester und wir lernen ihre Familie, ihre Anschauungen, Probleme, Wünsche und Hoffnungen auf freieres Leben für ihr Land und seine Menschen kennen. Und so beginnt Jina aus der Erinnerung heraus ihre persischen Erlebnisse zu erzählen. Ausschweifend, blumig und dann wieder knapp auf den Punkt erzählt Jina Khayyer ihre Geschichte. Das Buch lässt sich nicht leicht lesen. Der Schreibstil fordert Konzentration und hat auch, besonders im Reisebericht, ein paar Längen, die es mir schwer machten dran zu bleiben, trotzdem gut sind und einen Blick auf ein unbekanntes wunderschönes und von seinen Bürgern heiß geliebtes Land ermöglichen. Trotz der unterdrückenden, grausamen Diktatur. Man spürt Jinas Sehnsucht nach dem Land in dem sie nicht leben kann, ihre Hoffnung auf freies Leben für jeden Menschen. Aber auch ihre Zerrissenheit: Wo gehört sie hin und zu wem gehört sie? Jina Khayyer lässt ein Land vor den Augen der Leser entstehen, das so sehr zwiegespalten und zerrüttet ist. Wir lesen von fürchterlichen Schicksalen und stehen ohnmächtig daneben. Ein tiefgründiges Buch, das mehr Verständnis für Menschen weckt, die nicht dort leben können, wo sie möchten. Aber auch ein Beispiel dafür, wie man sich in der Fremde integriert ohne sich selbst zu verlieren. Ihre Nichte, die den Iran nicht verlassen will, sagt: "Ich bin nicht frei, aber wenigstens bin ich nicht fremd." Bleibt nur: Danke Jina für dieses Buch und "mögen deine Hände niemals schmerzen" zu sagen.

    12. Sept. 2025

  • amygdalalimbus66
    amygdalalimbus66

    985 Follower

    4,5

    "Ein Witz ist die Decke der Wahrheit, manche Leute erfrieren, wenn sie die Wahrheit hören, also muss man die Wahrheit warm zudecken."

    Am 14.01. diesen Jahres wurde durch den iranischen Sicherheitsapparat ein sogenannter -Killswitch- ausgeführt. Die iranische Bevölkerung wurde dadurch weitestgehend von der Möglichkeit zur Internetnutzung abgekoppelt. Ausgelöst durch mutige Menschen, welche erneut und anhaltend Proteste organisieren, um für ihre Rechte, ihre Freiheit und auch für ihre Wahrheiten einzustehen. Dieses Buch kann demnach nicht aktueller sein. Ich bekam es geschenkt. Als Katzenmama sollte der Titel doch zu mir passen. In keiner Weise war ich auf den Inhalt vorbereitet. Ich möchte nicht versäumen, einzuräumen, dass dieser Roman sich sicherlich auch aus vielerlei Klischees speist. Welche vor allem westlich geprägt sind. Und doch macht er auf unfassbar wichtige Themen und Lebensumstände aufmerksam. Ich wurde gezwungen hinzusehen und mich in der realen Welt besser zu informieren. Mich kritisch mit dem Buch und der Autorin selbst auseinanderzusetzen. In Online-Reaktionen werden, sicherlich auch zu recht, -die dilettantischen Herleitungen persischer Begriffe- kritisiert. (Quelle: Omid Rezaee - iranischer Journalist). Ich maße mir auch nicht an ein Land und seine politischen Gegebenheiten zu kennen, nur weil ich einen an die Realität angelehnten und eben doch fiktionalen Roman gelesen habe. Der eindringlichen Poesie von Jina Khayyer kann ich mich nicht voll und ganz entziehen. Sie hat mich spürbar berührt. Die liebevollen, bildgewaltigen Formulierungen und Landschaftsbetrachtungen und auch die grausame und unwillkürlich beschriebene Gewalt, welche manchmal nur subtil zwischen den Zeilen vorhanden ist, mich andererseits jedoch schockiert innehalten lässt, hallen nach. Nicht nur einmal werde ich mit einer klaffenden Lücke zurückgelassen und die Gedankenbilder eines möglichen Ausganges spinnen sich automatisch weiter. Ich lasse euch selbst herausfinden, welchen tatsächlichen Bezug der Titel des Buches zum Inhalt hat. Sicherlich kein Buch für zwischendurch und doch eine klare Leseempfehlung. "Schenk dir nur schöne Gedanken. Denk ans Meer. Immer wenn mich etwas bedrückt, denke ich ans Meer, ich tauche unter und schwimme, ich schwimme, bis mein Herz wieder lacht. Die Gesundheit des Herzens ist das Wichtigste. Du darfst dir von nichts und niemandem das Herz zermalmen lassen. Du trägst das Meer in deinem Herzen. Deshalb wird dein Herz zu Wasser. Herzen, die sich beugen wie das Meer, können niemals brechen."

    "Ein Witz ist die Decke der Wahrheit, manche Leute erfrieren, wenn sie die Wahrheit hören, also muss man die Wahrheit warm zudecken."

    21. Feb. 2026

3 von 64 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 2010%
mariaanna
mariaanna15. Juni 2026

Direkt auf den ersten Seiten fast los geheult 🥺

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Autorin / Autor

Über Jina Khayyer

Jina Khayyer ist Schriftstellerin, Dichterin, Malerin und Journalistin. In Deutschland geboren, iranischer Abstammung lebt und arbeitet sie seit 2006 in Paris und in der Provence. Sie ist Autorin für die Zeitschriften The Gentlewoman, Fantastic Man und Apartamento. Zuletzt wurden ihre Gedichte und Zeichnungen in der Kunsthalle Baden-Baden im Rahmen der Gruppenausstellung Sea and Fog (2024) ausgestellt. Im Herzen der Katze ist ihr Romandebüt.

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