Blick ins Buch

Romane

Dubliner

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Über das Buch

In einer ersten Rezension las man im Juni 1914 im Manchester Guardian: »Eine Vielzahl kleiner Sünden verbirgt sich in diesen Skizzen des Dubliner Lebens. Durch James Joyce' Texte zieht langsam eine Prozession deprimierter Gestalten, kleine Angestellte, Saufbrüder, Dienstmädchen, Pensionswirtinnen, die alle ihre Fröhlichkeit durch die Sünde oder den Gedanken an die Sünde bewahren. In der ersten Skizze ist ein Priester übergeschnappt, weil er einmal einen Abendmahlskelch fallen ließ . . . Dann liebt ein Bankkassierer eine verheiratete Frau, unterdrückt seine Liebe und läßt es zu, daß die Frau dem Trunk verfällt. Ein verkommener Schmarotzer schwatzt einem Dienstmädchen zehn Schilling ab. Ein Angestellter wird dazu gebracht, die Tochter seiner Wirtin zu heiraten. Das sind die Geschichten des Mr. Joyce, aber sie sind mit echter Kunstfertigkeit geschrieben, die weder beschönigt noch verdammt, die nicht einmal moralisch abwägt. Diese Dinge sind so.«

Editionen (21)

ISBN9783518389546
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum30.05.95
Seitenzahl240

Rezensionen & Bewertungen

69 Bewertungen

9 Rezensionen

3,6

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  • arthurzturm
    arthurzturm

    171 Follower

    5,0

    Wow. Kurzgeschichten über verschiedene Dubliner Charaktere, die gefühlt auch die Seele der Stadt (oder Irlands) widerspiegeln. Einige Passagen habe ich immer wieder gelesen und auch wenn die Geschichten einfach geschrieben sind, so sind die Bilder, die Einsichten komplex und immer wieder überdenkenswert. Ich werde mir auf jeden Fall noch eine deutsche Übersetzung davon holen, um zu sehen, ob ich alles durchblickt habe.

    3. Dez. 2024

  • 3,5

    Dubliner – James Joyce ★★★½☆​​​​​​​​​​​​​​​​ Jemand, der eine Stadt hasst und nicht von ihr loskommt, schreibt anders über sie als jemand, der sie liebt. Joyce hat Dublin 1904 verlassen und nie wieder dauerhaft dort gelebt. Dubliner hat er trotzdem geschrieben – oder vielleicht deshalb. Es wirkte auf mich wie ein langer, unruhiger Abschied. Die Geschichten wachsen im Verlauf des Bandes, werden schwerer, fordernder. Die ersten ziehen einen still hinein, fast unmerklich, wie man in eine fremde Stadt gerät und plötzlich merkt, dass man ihre Straßen kennt. Gegen Ende kommen sie einem nicht mehr entgegen. Ich habe mich gegen manche gestemmt, habe weitergelesen ohne Belohnung und irgendwann verstanden, dass das der Punkt ist. Joyce interessiert sich nicht für das, was passiert, sondern für das, was sich nicht traut zu passieren. Seine Figuren stehen an Schwellen – zur echten Verbindung, zur Liebe, zu sich selbst – und weichen zurück. Seine Figuren sind Menschen, die ihr Leben nicht wirklich leben, nicht weil ihnen die Gelegenheit fehlt, sondern der Mut. Mut zur echten Verbindung, Mut zur schweren Entscheidung. Mut, sich selbst anzusehen. Sie wählen das Vertraute, das Erträgliche, das Sichere. Und Joyce schaut ihnen dabei zu, ohne sie zu verurteilen – was fast schlimmer ist. Er versteht sie. Es scheint: er kennt dieses Gefühl. „Die Toten“, die letzte Geschichte, trägt alles in sich, was das Buch aufgebaut hat. Der Schnee, der am Ende über ganz Irland fällt, hat mich länger begleitet als so mancher Roman. Ich habe dieses Buch nicht immer gemocht. Aber es hat mich nicht losgelassen.

    8. Apr. 2026

  • spir_elli
    spir_elli

    5 Follower

    5,0

    Paralyse

    Ich bin froh, dass es sich um eine Kurzgeschichtensammlung handelt, sonst hätte ich noch länger gebraucht um mich immer wieder zu motivieren. Auch wenn es mir nicht immer leicht fiel, das Buch in die Hand zu nehmen, kann ich es nur empfehlen. Joyce beschreibt die Stagnation und Paralyse in der Stadt Dublin Anfang des 20. Jahrhunderts. Er beschreibt unverblümt aber literarisch anspruchsvoll die Lebensrealitäten der Dubliner und die Unzufriedenheit. In seinen Erzählungen zeigt er den irischen Nationalstolz der Einwohner, teils kritisch, der kurz später Grundlage für die irische Unabhängigkeit bildet.

    11. Sept. 2025

3 von 9 Rezensionen

Autorin / Autor

Über James Joyce

James Joyce wurde am 2. Februar 1882 in Dublin geboren, wo er in schwierigen und ärmlichen Familienverhältnissen aufwuchs. Joyce studierte am University College von Dublin moderne Sprachen, u.a. Englisch, Französisch und Italienisch. 1902 ging er nach Paris, um ein Medizinstudium zu beginnen. Er wandte sich dort aber dem Schreiben zu und führte einen ausschweifenden Lebensstil. 1903 kehrte er nach Dublin zurück, konnte dort jedoch nicht Fuß fassen. Mit seiner Geliebten und späteren Ehefrau Nora Barnacle siedelte er 1904 auf den Kontinent über und lebte hauptsächlich in Triest. Er schrieb Kurzgeschichten und überarbeitete seinen ersten Roman Stephen Hero, der später als A Portrait of the Artist as a Young Man (Porträt des Künstlers als junger Mann) veröffentlicht wurde. 1914 erschien Joyces erste Kurzgeschichtensammlung Dubliners. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog er mit seiner Familie nach Zürich, wo sein bekanntestes Werk Ulysses entstand. Der Roman wurde 1918-1920 in Auszügen in der amerikanischen Zeitschrift »The Little Review« abgedruckt; 1921 wurde er wegen obszöner Inhalte verboten. 1922 erschien Ulysses schließlich in (zensierter) Buchform in der Pariser Buchhandlung »Shakespeare and Company«. 1920 zog Joyce auf Einladung seines Freundes Ezra Pound nach Paris, wo er bis zu Frankreichs Besetzung im Zweiten Weltkrieg lebte. Dort entstand sein letzter Roman Finnegan’s Wake (Finnegans Totenwache), der 1939 veröffentlicht wurde. James Joyce starb am 13. Januar 1941 in Zürich.

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