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Romane

Lolita

3,7(631)
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Über das Buch

Editionen (12)

ISBN9783498092979
VerlagRowohlt
Erscheinungsdatum01.07.76
Seitenzahl448

Rezensionen & Bewertungen

631 Bewertungen

106 Rezensionen

3,7

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  • lenasbuecherherz
    lenasbuecherherz

    561 Follower

    5,0

    Ein umstrittener Klassiker, mit brillanter Erzählkunst und poetischer Sprache allerdings verstörender Thematik.

    Was hat mich dieses Kunstwerk gefordert, abgestoßen fasziniert und mich sehr beschäftigt. Vladimir Nabokov wählt in seinem Roman Lolita eine interessante Schreibweise. Der Erzähler spricht direkt zu seinen Lesern und schafft dadurch eine eindringliche Nähe, wobei es unangenehm wird denn was uns der Erzähler so berichtet ist teilweise so abscheulich das man sich davon distanzieren möchte. Das ganze verpackt er in eine wunderschöne Sprache, von der ich nicht genug haben konnte. Die ganze Tragik um Lolita ist so furchtbar, wie gerne hätte ich das Mädchen in Sicherheit gewusst. Den Nachwort fand ich sehr interessant und wichtig für die Geschichte, denn dadurch gewinnt dieses Werk noch mehr an seiner Bedeutung.

    Ein umstrittener Klassiker, mit brillanter Erzählkunst und poetischer Sprache allerdings verstörender Thematik.

    5. Apr. 2026

  • dunis.lesefutter
    dunis.lesefutter

    422 Follower

    4,0

    Das war alles andere als einfach

    Dies ist keine Empfehlung! Dies ist ein Kennenlernen, ein Auseinandernehmen und Analysieren des umstrittenen Klassikers. Und das wird nicht einfach. „Warum hat sie DAS gelesen?“ Vielleicht fragen sich das Einige von euch. Die Antwort ist einfacher, als man denkt- ich wollte mitreden können, wenn es um Lob und Kritik für dieses Werk geht. Sich selbst ein Bild zu machen, ist immer das Klügste, bevor man den Mund öffnet. Und diese Erfahrung kann mir keiner absprechen. Humbert Humbert, ein unzuverlässiger Ich-Erzähler, der seine Obsession für die zwölfjährige Dolores Haze schildert, widert mich an! Er tut alles, aber wirklich auch alles, um dem Objekt seiner Begierde näher zu kommen. Lolita tauft er sie, „seine Nymphette“, und sein Streben, Handeln und Denken dreht sich nur um das Kind. Er heiratet die Mutter, um Dolores näher sein zu können, ist schuld an deren Tod und hat ab da freie Hand. In ekelhaft süßlichem Ton, versucht er uns davon zu überzeugen, wie normal diese Leidenschaft ist und dass die übergriffige Tat alternativlos sein wird Schlimmer noch – er macht sich dabei auch noch zum Opfer eines, aus seiner Sicht, verführerischen Mädchens. Das Manipulative an diesem Text war noch schlimmer als der jahrelange Missbrauch. Der Roman zeigt, wie Machtmissbrauch und Selbsttäuschung funktionieren. Wobei ich Letzteres dem Täter wirklich nicht abnehme. Er weiß schon genau, was er da macht. Das Buch wird explizit, zwar nur umschreibend, doch in seinen Bildern so deutlich, dass man jederzeit genau weiß, was der Erzähler meint. Die kunstvolle Sprache (die mir oft zu viel wurde) steht in einem starken Kontrast zu den verstörenden Ereignissen der Handlung. Dadurch entsteht eine ständige Spannung zwischen der Lieblichkeit der Erzählweise und den moralischen Abgründen des Inhalts. Wir sind permanent im Kopf des Täters und so sehr er auch versucht, mich mit seinem schmeichelnden Singsang einzulullen, schafft er das noch nicht mal peripher. Irgendwann kippt die Stimmung. Dolores wird älter und benennt mit einer überraschenden Deutlichkeit, was ihr angetan wird. Diese Erkenntnisse hab ich an manchen Stellen richtig gefeiert. Das ist wichtig für den Text. Sie ist eine starke Persönlichkeit und das wird oft in den Hintergrund gedrängt, wenn es um diesen Roman geht. Ein Fehlen dieser entlarvenden Aussagen würde mich sehr an der Motivation Nabokovs zweifeln lassen. So aber entblößt er seinen Protagonisten entgegen dessen Willen. Um nicht zu spoilern fasse ich das Ende kurz zusammen. Humbert Humbert wird nervöser und damit auch hektischer. Er versucht die Sandburg, die er sich gebaut hat, vor der steigenden Flut zu schützen. Und so sehr er sich auch abmüht, langsam, aber sicher zerbröselt sie vor seinen Augen. Es wird wild und endet in einer Szene, die zwischen Drama und Slapstick changiert. Der stilistische Bruch in der Mitte zeigt, was für ein guter Schriftsteller, der Autor ist. Phasenweise offenbart sich sogar Genialität in diesem Werk. Nabokov hat kleine Rätseleien eingebaut, Bezüge, die man kaum zur Kenntnis nimmt und die am Ende einen Kontext herstellen, bei dem man sich fragt, warum man nicht schon früher drauf gekommen ist. Eigentlich ein Buch, dass man nicht nur einmal lesen sollte, um all die kleinen Hinweise zu entdecken. Ich muss aber sagen dass ich diesen Ritt nicht noch mal bestreiten möchte. Was mir die Lektüre wirklich oft gezeigt hat, ist, wie wichtig es ist sich damit auseinanderzusetzen, dass Täter nach außen hin das Image eines vertrauensvollen und herzensguten Menschen pflegen. Man kann hoffen, dass Personen aus dem eigenen Umfeld ihr wahres Ich zeigen – wissen kann man es nie! Ich selber bin schon Tätern begegnet, von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie zu Übergriffen fähig sind. Man wird in seinen Grundfesten erschüttert. Und ja, ich halte es für richtig, dieses Wissen im normalen Leben weitestgehend auszublenden, sonst hat man gar keinen Kontakt mehr zu anderen Menschen. Das Buch regt aber auch zur Reflektion an. Wie oft habt ihr in der Vergangenheit den Begriff „Lolita“ in einem „positiveren“ Zusammenhang gehört? Wie oft wurden Frauen, Mädchen, Kinder mit diesem Titel versehen, um genau das auszudrücken, was sich Humbert Humbert wünscht? Verführt werden von einer Minderjährigen! Ich bin ja schon was älter, und in meiner Jugend war das ein geflügeltes Wort für „süße Mädchen“, die alte Männerherzen erfreuen und denen unterstellt wurde eine manipulative Absicht zu hegen. Klares Gaslighting also und eine große Täter-Opfer Umkehr. Popkulturell ausgeschlachtet durch Film und Musik hat sich in unsere gesellschaftliche DNA eine Interpretation eingebrannt, die das Opfer zur Täterin macht und nicht ein missbrauchtes Kind labelt. Zum Glück wandelt sich das gerade, aber wir sollten uns alle bewusst machen, besonders ältere Menschen unter uns und ganz besonders Männer, wie wir Projektionen fördern, die Tätern Rechtfertigungen liefern. Nabokov hat mit diesem Werk durchaus gehadert. Erst wollte er es nicht veröffentlichen, dann fand er keinen Verleger. 1955 wurde es dann von einem kleinen Pariser Publizisten herausgegeben und dank Graham Greene, der das Buch als wichtigsten Roman des Jahres bewarb, stürzte sich die breite Leserschaft auf diesen Text. Es wurde verboten, ist es zum Teil immer noch und auch hier auf Bookstagram bekommt man nicht selten einen drüber, wenn man es zeigt. Um dem vorzubeugen sei euch gesagt: dieses Buch ist hinreichend erforscht und wenn man die Lebensumstände des Autors zu Rate zieht, so lässt sich nicht entdecken, dass er es für die Tätergruppe geschrieben hat. Es ist eine Hommage an die amerikanisch-englische Sprache und die USA von vor 80 Jahren. Es ist ganz sicher eine Warnung und ein gewagtes Experiment. Wie eingangs erwähnt, spreche ich diesmal keine Empfehlung aus und überlasse Euch selbst einzuordnen, ob ihr dieses heftige und doch leicht zugängliche Werk selber entdecken möchtet. Für mich ist die Reise aber noch nicht ganz zu Ende. Schon bald werden Elisabeth und ich uns intensiv dem Mädchen widmen, dass in die Fänge von Humbert Humbert geriet und ihre Sichtweise ebenfalls zum Besten gibt. Lea Ruckpaul hat ihr in „Bye Bye Lolita“ eine Stimme gegeben, und diese wartet nun darauf unsere Leserunde aufzupolieren.

    2. Juli 2026

  • jinx
    jinx

    878 Follower

    3,0

    Lolita sollte für uns alle - Eltern, Sozialarbeiter, Erzieher - Anlass sein, uns mit noch größerer Wachsamkeit und Hellsicht der Aufgabe zu widmen, eine gesündere Generation in einer weniger unsicheren Welt großzuziehen. 🪻🌸🪻🌸🪻🌸🪻🌸🪻🌸🪻🌸🪻🌸

    Lolita stand schon sehr lange auf meiner Liste der Bücher die ich unbedingt lesen wollte. Bücher die so verschieden wahrgenommen werden und gefühlt von der Hälfte gehasst wird, wärend der Rest es verehrt interessieren mich sehr. Einfach weil ich es spannend finde, wo ich mich nach dem Lesen wieder finden werde. Lolita ist keine einfache Kost in vielerlei Hinsicht. Da die meisten wissen worum es sich bei der Geschichte handelt, verwundert das nicht. Aber ich möchte hier auf etwas anderes eingehen und hervorheben: Nabokov hat einen unfassbar schönen Schreibstil den ich mir in der modernen Literatur mehr wünschen würde. Die Eleganz mit der er unfassbare Dinge beschreibt ist faszinierend. Ich sass mehr als einmal vor dem Buch, angewiedert von der Szene, aber entzückt von der Kunst des Schreibens. Das meine Bewertung nicht höher ausfällt liegt daran das ich viele Stellen im Buch, obwohl ich die Wortgewandtheit geliebt habe, als sehr zäh und etwas langweilig empfand. Aber genug davon: hier zwei Vorgeschmäcker der Schreibkunst die euch in Lolita erwartet: "Er riet mir, Golf zu spielen, war aber schließlich bereit, mir etwas zu geben, das angeblich «wirklich wirken» würde; er ging an seinen Medizinschrank und nahm eine Phiole voll violettblauer Kapseln mit einem Purpurstreifen an einem Ende heraus; nach seinen Worten handelte es sich um ein neues Mittel, gerade erst auf den Markt gekommen und nicht für Neurotiker bestimmt, welche schon ein geschickt verabfolgter Schluck Wasser beruhigen könne, sondern nur für schlaflose große Künstler, die jede Nacht ein paar Stunden lang sterben müssten, um Jahrhunderte zu leben." Und zum Abschluss: "Moral ist für den Sterblichen der Preis, Dass er von sterblich Schönem weiß."

    Lolita sollte für uns alle - Eltern, Sozialarbeiter, Erzieher - Anlass sein, uns mit noch größerer Wachsamkeit und Hellsicht der Aufgabe zu widmen, eine gesündere Generation in einer weniger unsicheren Welt großzuziehen. 

🪻🌸🪻🌸🪻🌸🪻🌸🪻🌸🪻🌸🪻🌸

    21. Mai 2025

3 von 106 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Vladimir Nabokov

Vladimir Nabokov wird am 22. April 1899 in St. Petersburg geboren. Nach der Oktoberrevolution flieht die Familie 1919 nach Westeuropa. 1919-1922 in Cambridge Studium der russischen und französischen Literatur. 1922-1937 in Berlin, erste Veröffentlichungen, meist unter dem Pseudonym W. Sirin. 1937-1940 nach der Flucht aus Nazideutschland in Südfrankreich und in Paris, seit 1940 in den USA. 1961-1977 wohnt Nabokov im Palace Hotel in Montreux. Er stirbt am 2. Juli 1977.

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