Blick ins Buch

Romane

Dschinns

4,5(2017)
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Über das Buch

Eine Familie, eingeholt von Vergangenheit und Gegenwart

Dreißig Jahre hat Hüseyin in Deutschland gearbeitet, nun erfüllt er sich endlich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. Nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach. Fatma Aydemirs großer Gesellschaftsroman erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. Was sie jedoch vereint: das Gefühl, dass sie in Hüseyins Wohnung jemand beobachtet. Voller Wucht und Schönheit fragt ›Dschinns‹ nach dem Gebilde Familie, den Blick tief hineingerichtet in die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte und weit voraus.

Editionen (6)

ISBN9783423148818
Verlagdtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum14.09.23
Seitenzahl368

Merkmale

8 Bewertungen

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Rezensionen & Bewertungen

2017 Bewertungen

338 Rezensionen

4,5

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  • mart.pohl
    mart.pohl

    388 Follower

    4,0

    Berührender und intensiver Einblick in das Schicksal einer türkischen Gastfamilie zwischen Tradition und Moderne

    Fast dreißig Jahre hat sich der Hüseyin in Deutschland kaputtgearbeitet, die meiste Zeit am Schmelzofen einer Metallfabrik. Nachdem seine Kinder aus dem gröbsten heraus sind, will der Familienvater mit seiner Frau Emine Deutschland verlassen, "dieses kalte, herzlose Land", das seit der Wiedervereinigung nur noch mit sich selbst beschäftigt ist. Dann möchte er nach Istanbul in die frisch renovierte Wohnung ziehen, die er von seinen Ersparnissen gekauft hat. Doch eine Woche vor seinem sechzigsten Geburtstag stirbt Hüseyin an einem Herzinfarkt, knapp vor der Frührente. Sein Tod wird zum Anlass, dass sich die Familie in Rekordzeit einfindet. Nach dem islamischen Ritus muss er spätestens nach achtundvierzig Stunden beerdigt sein. Und so werden seine Kinder aus ihrem Alltag gerissen, müssen Flüge buchen, Fahrten unternehmen, Vorhaben abbrechen. Der Leser lernt in einzelnen Kapiteln die Kinder Hüseyin, ihre Kindheitstraumata, ihre schwierigen Lebenssituationen kennen. Insbesondere die intensive und tragische Lebensgeschichte der Töchter und der Ehefrau haben mich überzeugt und fasziniert, die Geschichte der Brüder bleibt dagegen ein bisschen blass. Auch die Fülle der behandelten Themen, wie sexuelle Identität, Liebe, Gewalt in der Ehe, Selbstbestimmung, Geschlechterrollen, Rassismus, Gewalt in der Ehe, Alkoholismus usw. führt dazu, dass wichtige Themen nur angerissen werden, ohne wirklich in die Tiefe zu gehen. Trotzdem bekommt man einen berührenden und intensiven Einblick in das Schicksal einer türkischen Gastfamilie zwischen Tradition und Moderne. Empfehlenswert!

    6. Apr. 2025

  • weinphilosoph
    weinphilosoph

    578 Follower

    5,0

    Es gibt Gedanken, die nur im Dunkeln zu uns kommen.

    Ein Buch mit Nachhall. Fatma Aydemir schafft es, die familiären Verbindungen der Figuren in ihrem Buch so eindrücklich zu umschreiben, dass man sich mit den einzigen Mitgliedern der Familie sehr verbunden fühlen kann. Die Trauer über den plötzlichen Tod des Familienvaters aus der Perspektive der Kinder sowie der Mutter/Ehefrau an einem fremden Ort (der Türkei) der, nach Jahrzehnten in Deutschland, keinem mehr eine wirkliche Heimat zu sein scheint, eint alle Familienmitglieder in den unterschiedlichsten Stadien des Lebens. Die Altersunterschiede der einzelnen Kinder machen eine deutlich gespaltene Meinung zu dem Familienleben und der patriarchalen Herrschaft des Vaters in diesem Gefüge von Kapitel zu Kapitel deutlicher. Fast jedes Kapitel ist einem der Familienmitglieder gewidmet, sodass man einen tiefen Einblick in deren Seelen, Beweggründe und Gefühle des familiären Zusammenhalts erhält. Fragen des alltäglichen Lebens, der eigenen Sexualität, weiblicher Selbstbestimmung, Identität und Integration werden so raumgreifend, dass das Buch in der Komplexität der psychologischen Tiefe zusätzlich noch hochpolitisch ist. Chapeau, Fatma Aydemir. Trotz allem bleiben, gerade zwischenmenschlich, noch viele Fragen unbeantwortet und lassen viel Raum für Spekulationen und die gesamte Geschichte hält einen riesigen Plot Twist hinterm Berg (im Kurdischen Teil der Türkei). Aber auf keiner Seite kam Langeweile auf und man hatte immer das Gefühl, ein Stück des Puzzles in der Hand zu halten. Eine ganz klare Leseempfehlung, denn dieses Buch wird lange nachhallen.

    15. Aug. 2025

  • mina25
    mina25

    295 Follower

    4,5

    Unbedingt lesen!

    Das Buch „Dschinns“ überzeugt durch eine einzigartige Erzählweise in der zweiten Person und durch die vielschichtigen Perspektiven der Familienmitglieder. Diese Kombination schafft eine tiefgründige und fesselnde Atmosphäre, die das Lesen zu einem besonderen Erlebnis macht.

    21. Jan. 2026

3 von 338 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 247%
krissy_highfive
krissy_highfive24. Nov. 2025

Das 1. Kapitel war sehr gut geschrieben. Bin gespannt, wie es weitergeht!

Seite 7420%

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Autorin / Autor

Über Fatma Aydemir

Fatma Aydemir, 1986 in Karlsruhe geboren, ist Redakteurin bei der ›taz‹ und schreibt als freie Autorin für zahlreiche Zeitschriften, darunter das ›Missy Magazine‹. Ihr Debütroman ›Ellbogen‹ (2017) wurde mit dem Klaus-Michael-Kühne-Preis und dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. Für ›Dschinns‹ (2022) erhielt sie den Robert-Gernhardt-Preis. Sie lebt in Berlin.

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