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Zum Leuchtturm

3,6(94)
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Deutsch
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Über das Buch

Kaum hatte Virginia Woolf im Oktober 1924 das Manuskript zu ›Mrs Dalloway‹ abgeschlossen, da sah sie bereits den »Alten Mann« vor sich, den Mr Ramsay aus ›Zum Leuchtturm‹, das Porträt ihres Vaters Sir Leslie Stephen. Im Januar 1927 war das Manuskript abgeschlossen. »Ich schreibe jetzt so schnell und leicht, wie ich nur je in meinem Leben geschrieben habe...«, vermerkt sie in ihrem Tagebuch. Wie in ›Mrs Dalloway‹ steht im Mittelpunkt dieses Romans eine Frau, die sehr schöne, von verschleierter Trauer erfüllte Mrs Ramsay, der Virginia Woolf Züge ihrer geliebten Mutter gibt. Mrs Ramsay hat die Begabung, Menschen, die sie umgeben - die Familie, die aus ihrem ichbezogenen Mann und acht Kindern besteht, sowie Sommergäste in einem abgeschiedenen Ferienhaus auf den Hebriden -, intuitiv zu verstehen und miteinander zu verbinden. Das Verhalten dieser Menschen mit- und gegeneinander, die kleinen Ereignisse, Erinnerungen, Visionen, Beobachtungen bilden im Spiegel des Bewußtseinsstroms die Handlung des Romans. Konsequent ist die Komposition in drei Teilen. Die im ersten Teil geplante, aber mißglückte Fahrt zum Leuchtturm, die zehn Jahre später im dritten Teil nachgeholt wird, bildet motivisch eine von vielen Klammern. Dieser Roman, den Leonard Woolf ein »philosophisches Gedicht« nannte, ist nach Meinung vieler Literaturkenner in der Virtuosität der Erzähltechnik ihr vollkommenster Roman.

Editionen (12)

ISBN9783100925534
VerlagS. FISCHER
Erscheinungsdatum01.12.91
Seitenzahl234

Rezensionen & Bewertungen

94 Bewertungen

11 Rezensionen

3,6

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  • nancyspencer
    nancyspencer

    41 Follower

    5,0

    Ein glitzerndes, schillerndes Juwel von einem Buch!

    Dieser Roman stand lange ungelesen bei mir im Regal. Kühn mutet uns Virginia Woolf schon auf den ersten Seiten die sperrigsten Sätze zu. Beinahe hätte ich direkt am Anfang aufgegeben. Doch dann mit einem groben Wissen um das Setting (Ferienhaus auf einer hebridischen Insel, Familie Ramsay mit sage und schreibe 8 Kindern plus Personal und noch zahlreichen Freunden der Familie, das Meer, der ersehnte Ausflug zum Leuchtturm) ließ ich den Anspruch los, alles sofort verstehen und deuten zu können und ließ mich auf ihren berühmten Stream of Consciousness ein. Und dann schwebte ich wundersam getragen von ihrer erfrischenden, lebendigen, assoziativen Sprache mitten in der Geschichte. Mal den Gedanken der einen, mal denen der anderen Figur folgend. Im Mittelpunkt Mrs Ramsay und ihr leicht übellauniger Mann, drum herum die Kinder und Gäste. Handlung und Plot stehen nicht im Vordergrund. Eher Gedanken über das Leben, menschliche Beziehungen und deren Ambivalenzen und typisch weibliches und männliches in der Gesellschaft. Zart, frisch und liebevoll beobachtet, poetisch, feministisch, stellenweise witzig, klug, bildhaft und philosophisch. Ich wollte Virginia Woolfs Romane immer toll finden, hatte mich aber bisher nicht rangetraut oder war doch mehrfach am Experimentellen ihres Stils gescheitert (Orlando, The Waves). Ich dachte, das wunderbar tolle ist doch zu enigmatisch für mich. Doch „To The Lighthouse“ hat sich mir nun doch überraschend gut und leicht erschlossen und ich bin sehr froh einen Zugang zur literarischen Welt dieser Schriftstellerin gefunden zu haben. Ich empfehle jedem einen Versuch!

    9. Jan. 2026

  • palomita
    palomita

    3 Follower

    4,0

    Es braucht ein bisschen, damit warm zu werden, aber es lohnt sich

    Anfangs war es recht schwierig, in das Buch einzusteigen, dem Schreibstil und den Perspektivwechseln zu folgen, gerade auf Englisch. Mit der Zeit gewöhnt man sich jedoch daran und entdeckt die wunderbare, poetische und nachdenkliche Welt der Charaktere, ihre Gedankengänge und die kleinen, alltäglichen Probleme, Ärgernisse, Wünsche und Sehnsüchte. Der Fokus liegt oftmals auf der Innenwelt der Charaktere und ihren eigenen Überlegungen zu der Welt und den Personen um sie herum. Viel Zeit wird für teils banal erscheinende "Kleinigkeiten" angewandt, weshalb sich das Buch hauptsächlich auf zwei Tage sowie den diese verbindende Zeitabschnitt von mehreren Jahren fokussiert.

    25. Juni 2026

  • gedankenlabor
    gedankenlabor

    289 Follower

    4,0

    𝒲𝑒𝓇𝒷𝓊𝓃𝑔[Rezensionsexemplar] >>...Es war sonderbar, dachte sie, wie man, war man allein, sich zu Dingen hingezogen fühlte, unbelebten Dingen, Bäumen, Flüssen, Blumen; das Gefühl hatte, dass man in ihnen zum Ausdruck kam; das Gefühl hatte, dass sie zu einem selbst wurden; das Gefühl hatte, dass sie einen kannten, in gewisser Weise man selbst waren, eine irrationale Zärtlichkeit für sie empfand...<< "Zum Leuchtturm" von Virginia Woolf war für mich wieder einmal eine ganz besondere Lektüre aus ihrer Feder, die für mich mitunter an der ein oder anderen Stelle die Zeit angehalten, mich innehalten lassen hat.  Während wir die Familie Ramsay und ihre Gäste bei der Planung und Verschiebung der Reise zum Leuchtturm auf einer schottischen Insel begleiten (was sich über gute 10 Jahre erstreckt), erfahren wir gleichzeitig aus verschiedenen Sichtweisen, und dennoch hauptsächlich aus der Sicht von Lily Briscoe, die uns Lesern mitunter Nähe, aber auch für manches die nötige Distanz bietet um den Blick über die Familie und letztlich jeden einzelnen schweifen zu lassen.  Tatsächlich passiert innerhalb dieser Geschichte nicht übermäßig viel, für mich standen wieder einmal die Details im Vordergrund, die Virginia Woolf teilweise mit wunderbaren Formulierungen und aus ihrer Seele heraus beschreibt. Für mich war auch in dieser Geschichte wieder einiges autobiografisches zu erkennen, was sie wie schon in MRS: Dalloway liebevoll und mit viel Melancholie eingeflochten hat.  Für mich persönlich war diese Geschichte wieder ein ganz besonderer Lesegenuss mit vielen Punkten zum Nachdenken, gleichzeitig ein Abtauchen in eine andere Zeit, in Persönlichkeiten, die in der Tiefe so vieles bereit halten ... einfach wundervoll, dennoch auch tragisch und kritisch innerhalb familiärer und gesellschaftlicher Hinsicht.  ✒Wer die besondere Schreibweise von Virginia Woolf mag, dem kann ich dieses Buch sehr ans Herz legen! 💖📖 >>...Es war, als ob das Wasser hinausströmte und Gedankensegel setzte, die auf dem trockenen Land ins Stocken geraten waren,...<<

    7. Nov. 2022

3 von 11 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Virginia Woolf

Virginia Woolf wurde am 25. Januar 1882 als Tochter des Biographen und Literaten Sir Leslie Stephen in London geboren. Zusammen mit ihrem Mann, dem Kritiker Leonard Woolf, gründete sie 1917 den Verlag The Hogarth Press. Ihre Romane stellen sie als Schriftstellerin neben James Joyce und Marcel Proust. Zugleich war sie eine der lebendigsten Essayistinnen ihrer Zeit und hinterließ ein umfangreiches Tagebuch- und Briefwerk. Virginia Woolf nahm sich am 28. März 1941 in dem Fluß Ouse bei Lewes (Sussex) das Leben.

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