Zitronen
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Author Description
Valerie Fritsch, geboren 1989, arbeitet als freie Autorin und bereist die Welt. Beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2015 wurde sie mit dem Kelag-Preis und dem Publikumspreis ausgezeichnet. 2020 erhielt sie den Brüder-Grimm-Preis für Literatur. Sie lebt in Graz und Wien.
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Ich bin wohl einfach zu wählerisch
Habe das Buch auf Social Media gefunden und was soll ich sagen. Das Cover und der Titel haben mich gecatched. Auch die Story war viel versprechend. Das Buch war sprachlich nicht flüssig aber evtl literarisch künstlerisch geschrieben. Vielleicht ist es auch ein Meisterwerk. Ich fand es tatsächlich eher anstrengend zu lesen. Also halte ich mich in Zukunft fern von Literaturwundern und geh zurück zu meinen stumpfen simplen Büchern.
Abgebrochen
Ein Roman über das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom und damit einem sehr interessanten Thema. Jedoch für mich nicht zufriedenstellend umgesetzt. Ich habe mich wirklich bemüht, aber dieses Buch hat mich jeden Nerv gekostet. Ich konnte keine 10 Seiten am Stück lesen ohne einzuschlafen. Sprachlich gespickt mit vielen Metaphern und gleichzeitig einem eher nüchtern-objektivem Erzählstil. Das hat bei mir absolut keine Lesefreude erzeugt. Vor allem die Metapher waren einfach nur anstrengend. Nach drei Wochen habe ich dann auch endlich mal Teil II erreicht, der sprachlich viel angenehmer war. Jedoch habe ich mittlerweile komplett das Interesse verloren, meine Leihfrist abgelaufen und für mich das Zeichen endlich abzubrechen. Wunderschönes Cover, ansonsten war der Roman leider nichts für mich.

Dieses kurze Buch (180 Seiten) ist nichts zum schnellen Weglesen! Beim Lesen begegnet man einer sehr düsteren Atmosphäre, einem Dorf, in dem es viel Schlechtes und wenig Gutes zu geben scheint. Die Sprache ist intensiv, beobachtend und voller Symbolik. Es gibt hervorragende Charakterstudien der einzelnen Personen, es ist wirklich im Einzelnen verständlich, wie sie sich entwickeln. Thematisch ist es ein Familienroman, es geht um Gewalt in der Familie und in Beziehungen und ganz zentral um das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Hin und wieder bin ich beim Lesen an die Grenzen der Verständnis gekommen, einige Personen sind schwierig zu ertragen in ihrem Selbstmitleid, ihrer Passivität, ihrer fehlenden Veränderung. Und gleichzeitig wird es auch wieder verständlich. Sind wir die Summe unserer Erfahrungen? Wo beginnt Eigenverantwortung und wer schafft es, diese wahrzunehmen? Irgendwann im Buch taucht noch eine starke Frauenfigur auf. Über sie habe ich mich gefreut. Danke an @tom.blabal für das gemeinsame Lesen! Einiges ist mir erst dadurch bewusst geworden, dass wir zusammen hingeschaut haben.
"Nichts ist so bedrohlich wie Zärtlichkeit dort, wo sie nicht hingehört." "Dem Vater fiel er in die Hände, der Mutter in die weit ausgebreiteten Arme." "Es gab nichts, was es nicht gab, aber es gab vieles, was es nicht hätte geben dürfen, wenn man die Welt für eine schöne halten wollte." Ein intensiver Roman über das Münchhausen-Stellvertreter-Sympton. Sprachgewaltig wird das Leben von August Drach beschrieben, seine von Gewalt geprägte Kindheit, die gestörte Mutter-Kind-Beziehung und der vermeintliche Ausbruch aus diesem Leben auf der Suche nach dem eigenen Glück und Liebe. Ich mochte das Buch sehr gerne, alleine schon aufgrund des poetischen Schreibstils und der wunderschön konstruierten Sätze.
August wird als Kind von seinem Vater regelmäßig verprügelt und gedemütigt. Als sein Vater die Familie verlässt, beginnt die Mutter August krank zu machen, um ihn dann hingebungsvoll zu pflegen. Aber auch das hat irgendwann ein Ende und als junger Erwachsener lebt August in der Stadt, wo er den Menschen Lügen über seine Herkunft erzählt. Doch dann verliebt er sich ... Ich will an dieser Stelle inhaltlich nicht zu viel verraten, weil das Buch auch sehr kurz ist. Es ist wie ein literarischer Bericht einer Charakterentwicklung, die für mich nachvollziehbar war, und mit Sätzen, die mir mit ihrer Klarheit und Wahrheit den Atem geraubt haben. Das Buch erfordert Konzentration und man muss sich darauf einlassen. Für mich war es ein überraschendes kleines Highlight.
Allein die Worte wie sie geschrieben sind sind der Hammer
Ich habe „Zitronen“ eher zufällig entdeckt – eine Empfehlung auf Instagram, hübsch verpackt in ein paar Sätzen, aber ehrlich gesagt wusste ich anfangs überhaupt nicht, was mich mit diesem Titel verbinden sollte. „Zitronen“ – was soll das bedeuten? Was steckt dahinter? Doch die Frau, die es empfohlen hat, hat etwas in mir angestupst, und ich dachte mir: Gut, gib diesem Buch eine Chance. Und ich kann euch sagen: Ich war nicht vorbereitet. Es geht um einen Jungen, der in einem Umfeld aufwächst, das ihm eigentlich Schutz bieten sollte – doch stattdessen wird er von seinem Vater misshandelt, nicht nur körperlich, sondern auch mit einer bedrückenden Gleichgültigkeit, die fast noch schlimmer ist. Die Mutter sieht zu, lässt es geschehen, als wäre sie selbst zu starr vor Angst, Ohnmacht oder innerer Lähmung, um einzugreifen. Und als der Vater eines Tages einfach verschwindet, ändert sich alles – auf eine Weise, die ich beim Lesen kaum ertragen konnte. Was diesen Jungen am Ende durchmachen muss … wie es sein Leben, sein Denken, sein Sein prägt … Das hat mich tief getroffen. Ich habe das Buch zwischendurch weggelegt, ein paar Minuten in die Leere gestarrt und musste wieder neu atmen. Es ist lange her, dass mich ein Text derart verletzt hat – im positiven Sinne. Dieses leise, schleichende Stechen im Herzen, das bleibt, auch wenn man längst auf der nächsten Seite ist. Aber – und das hat mich am meisten überrascht – nicht die Geschichte an sich hat mich so aus der Bahn geworfen. Sondern Valerie Fritschs Sprache. Ich weiß nicht, wie sie das macht. Ihre Worte haben eine Kraft, die ich selten erlebt habe. Sie sind wie feine Schnitte, zart und gleichzeitig brutal. Poetisch, aber nie überladen. Jeder Satz ein kleines kunstvolles Messer, das genau weiß, wo es treffen muss. Während ich bei anderen Büchern meist wegen der Handlung emotional werde, waren es hier schlicht und einfach die Worte selbst, die mich berührt, erschüttert, fast körperlich getroffen haben. Es ist ein Schmerz, den man nicht sofort ablegen kann. Ein Text, der nachhallt – tief, lange, unaufdringlich, aber unüberhörbar. Ich glaube, dieses Buch wird mich noch sehr begleiten, in stillen Momenten auftauchen und mich daran erinnern, wie verletzlich und gleichzeitig wie unendlich stark Sprache sein kann. Ich kann euch „Zitronen“ wirklich nur wärmstens empfehlen. Wenn ihr es bereits gelesen habt oder es noch lesen werdet – schreibt mir unbedingt, wie es euch damit ging. Ich bin wirklich gespannt, ob diese Worte auch in euch so viel ausgelöst haben wie in mir. ---
Ein trügerisches Cover, denn das Buch ist düster und gehaltvoll
Bücher unter 200 Seiten frühstücke ich am Wochenende einfach so weg. Bei diesem Buch war mir das nicht möglich. Jeder Satz ist so gehaltvoll, dass er langsam zerkaut, erst über Zunge und Gaumen und dann ins Gehirn wandern musste. Jedes Wort ist und muss langsam verdaut werden. Somit wurde „Zitronen“ zu einem intensiven Lese-Erlebnis. August wächst in einem Elternhaus auf, dass von Gewalt geprägt ist. Sein Vater ist grob und brutal. Es scheint keinen Tropfen Liebe in ihm zu geben. Und egal, was der kleine Jungeunternimmt, wie schnell er rennt und wie gut er sich versteckt, die Prügel des Vaters, erreicht ihn zuverlässig. Seine Mutter hingegen war ambivalent, schützt ihn nicht, aber überschüttete ihn mit Fürsorge, wenn der Vater abwesend war. „Augusts Mutter war eine seltsame Person, der man ihre Schrulligkeit nicht übel nehmen konnte, weil sie so gern besonders sein wollte, dass sie gar nicht bemerkte, dass die Leute sie bloß eigenartig fanden.“(S.18) Nachdem der Vater verschwindet, leidet August unter der Mutter im Sinne des Münchhausen- by- Proxy- Syndroms agiert. Der Junge entwickelt sich also zu einem Erwachsenen, der nie wahre Liebe erfahren hat. Er verlässt das Elternhaus und auch das Dorf seiner Kindheit, wählt einen Beruf der näher am Tod als am Leben ist und erfährt eine große Liebe mit der er nicht umgehen kann. Am Ende kehrt er zurück. Seine Augen öffnen sich und er zieht einen Schlussstrich, der mir plötzlich und unerwartet Herzrasen beschert hat. Soweit kann man den Plot kurz zusammenfassen. Was man nicht transportieren kann, ist die besondere Art der Sprache mit der dieser Roman literarisch glänzt. Die fehlende wörtliche Rede verstärkt die Poesie der Grausamkeit, die August hier widerfährt. sie hält aber auch Distanz und lässt uns wie in einem Luftschiff über das Geschehen schweben. ich war nicht in den Figuren, sondern hatte phasenweise das Gefühl ein grausames Märchen erzählt zu bekommen. Dabei mäandert Fritsch auch auf Nebenschauplätze die mir manchmal die Konzentration raubten. Ob die Geschichte rund um das vermisste Mädchen, oder die Vergangenheit von Herrn Sappara, die Seitenstränge wirken wie Abgründe die eigene Bücher füllen könnten. Insgesamt sind wir hier in einem Kosmos unterwegs, in dem Menschen wegschauen oder durch das wegschauen Anderer ins verderben gestürzt werden. Eine große Stärke der Autorin ist ihre Fähigkeit, Atmosphäre durch Beschreibung herzustellen. Der Roman kitzelt unsere Sinne und lässt Gerüche und Geräusche lebendig werden. Das helle sommerliche Cover führt allerdings in die Irre, denn diese Geschichte ist voller Düsternis und Schwere, die Lebensrealitäten widerspiegeln, die in unserer Gesellschaft keine Seltenheit sind. Der Protagonist erinnerte mich manches Mal an Jean Baptist Grenouille und auch der Stil lässt mich oft an Süskinds „Das Parfüm“ denken, obwohl Handlung und Setting nicht wirklich vergleichbar sind. Die richtige Lektüre für Herbsttage, an denen wir uns literarisch anspruchsvoll gruseln möchten. Und warum war dieser Roman eigentlich nicht mindestens auf der Longlist? Ist mir ein Rätsel.
"Nirgends war auch nur ein Wort zu hören, denn wo die Fäuste sprachen, schwieg der Mensch." Und es schwiegen alle, die mitansahen, oder ahnten, dass August von seinem Vater misshandelt wurde. Auch die Mutter, sie nahm ihn zwar tröstend in die Arme, aber verhinderte nichts. Als der Vater ging, brauchte die Mutter eine neue Form der Mütterlichkeit und fand sie im Münchausen-Stellvertreter-Syndrom. "....aber nichts ist so bedrohlich wie Zärtlichkeit, da wo sie nicht hingehört..." Jahre später begleiten wir den erwachsenen August und man sagt ja immer der Mensch hat verschiedene Möglichkeiten sich zu entwickeln und zu entscheiden. Aber trifft das wirklich auf einen Menschen mit dieser Vergangenheit zu? Für mich hätten es ein paar Erzählstränge, abseits der Geschichte von August, weniger sein können, da verlor mich der Roman manchmal ein bisschen. Der Schreibstil ist ganz besonders eindrücklich und schmerzhaft, war mir aber manchmal zu abstrakt.
Falsche Mutterliebe
Diesen Roman sollte man trotz seiner Kürze nicht leichtfertig lesen, denn bei Zitronen handelt es sich um einen überaus bedrückenden Roman zum Thema Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Die Autorin Valerie Fritsch zeichnet hier mit unglaublich schönem und poetischem Schreibstil ein düsteres Bild mit einigen sehr fragwürdigen Charakteren. Ausschlaggebend ist jedoch der plötzlich verschwundene Vater, der die kleine Familie allein zurücklässt. Die Nähe und Liebe der Mutter war bis dahin immer darauf fokussiert gewesen, das Kind zu trösten, sobald es unter der Brutalität des Vaters zu leiden hatte. Mit einem gesunden, fröhlichen Kind kann sie leider nicht umgehen, und so scheint die „Krankheit“ des Kindes die einzige Möglichkeit zu sein, das bisher funktionierende System aufrechtzuerhalten. „Alles wurde anders in diesem Sommer. Seit der Vater und mit ihm die blauen Flecken auf Augusts Körper verschwunden waren, fragte die Mutter nicht mehr, wen er lieber habe, breitete die Arme nicht mehr aus für ihn, strich ihm nicht mehr über den Kopf, und als sie sich doch einmal an einer ungelenken Zärtlichkeit ohne Grund versuchte, zuckte August genauso sehr zurück wie sie selbst im Augenblick der Berührung.“ Die Hauptfigur August hat daraufhin keine Chance auf eine normale Kindheit oder darauf, eine gesunde Persönlichkeit zu entwickeln. Später führt das dazu, dass auch er im Erwachsenenleben mehr als fragwürdige Entscheidungen trifft. Ich bin froh, dass ich dieses Buch im Buddyread lesen konnte. Zum einen hat es wunderschöne Symboliken, wie beispielsweise die Äpfel und Zitronen, über die man philosophieren kann. Zum anderen ist es durch die poetische Sprache zwar unglaublich schön, aber ebenso wenig leicht zu lesen. Man verbringt also mehr Zeit in dieser düsteren Atmosphäre, als man zu Beginn des Buches annimmt. Gesellschaft tut hier also sehr gut 😉 Danke @laroute auch für deinen scharfen Blick auf die Charaktere. Dieses Buch ist sehr schwer zu bewerten. Sprache und Inhalt sind stimmig, dennoch ist es kein angenehmes Leseerlebnis. Wie sagt man so schön: Gibt dir das Leben Zitronen...naja passt hier leider nicht ganz 😉
August Drach hat keine leichte Kindheit. Die Rolle seines Vaters ist "bloß die eines Betrunkenen, der versuchte, einen Nüchternen zu spielen". Er ist aggressiv und schlägt seinen Sohn immer wieder, eigentlich liebt er nur seine beiden Hunde. Zweifelhaften Trost findet August bei seiner Mutter, die ihn jedoch nur um ihrer selbst Willen tröstet. "Dem Vater fiel er in die Hände, der Mutter in die weit ausgebreiteten Arme. Die Eltern waren ein Kippbild aus Schutz und Bedrohung, ein janusköpfiges Wesen, das einen erst mit kaltem, dann mit mitleidigem Gesicht ansah." (S. 28) Als der Vater die Familie wortlos verlässt, bleibt er zurück mit seiner zutiefst gekränkten Mutter, die für die Anerkennung durch die Dorfgemeinschaft damit beginnt, ihrem Jungen heimlich Medikamente zu verabreichen, damit sie als starke, liebende, pflegende Mutter dasteht. Der zweite Teil des Buches wendet sich dem erwachsenen August zu, der sich schwer tut mit seinen Emotionen, keinen Menschen an sich heranlässt und sich mit Lügenkonstrukten vor zu viel Nähe "schützt". "Jahre später war August Drach ein junger Mann, der seine Wut und die Gewissheit, jedem anderen auf der Welt unterlegen zu sein, hinter einem Lächeln verbarg, um das Vertrauen der Menschen, die ihn umgeben, nicht zu verlieren." (S. 91) Bis er Ava trifft und durch sie die Liebe kennenlernt. Aber schafft der Versehrte es, eine stabile Beziehung aufzubauen oder zerbricht alles an der nicht aufgearbeiteten Vergangenheit? 🍋 Die Geschichte von August wird mich so schnell nicht loslassen. Das liegt zum Einen an der Geschichte selbst. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, bei dem ich so sehr mit dem Protagonisten gelitten habe, wie mit August. Der Vater, der physische Gewalt ausübt, die Mutter, die psychisch selbst höchst labil ist und ihre eigenen Unsicherheiten am Sohn auslebt, haben mich oft nach Luft schnappen lassen. Zum Anderen liegt es am Schreibstil von Valerie Fritsch, der so unglaublich bildhaft und einzigartig ist, dass er auf mich eine enorme Sogwirkung entwickelt hat, welche mich das Buch - trotz der Schwere der Kost - an einem Tag lesen ließ. 🍋 Anfangs habe ich viel überlegt, wieso das Buch "Zitronen" heißt. Die Früchte ziehen sich aber tatsächlich durch das Buch und begleiten August, auch in Erinnerung an sein schönstes Kindheitserlebnis. Vermutlich ist es dennoch zweideutig von der Autorin gewählt, denn für August ist das Leben größtenteils nur als bitter zu beschreiben. 🍋 Trotz der wirklich ans Herz gehenden Thematik ist dieser Roman für mich ein Highlight und wenn Ihr mit den o.g. Themen klarkommt, kann ich ihn Euch nur ans Herz legen.
Ein interessantes Buch mit heftigen Themen. In dem Roman 'Zitronen' von Valerie Fritsch begleiten wir den jungen August Drach als erstes durch eine harte und gewaltgeprägte Kindheit, dann durch eine 'krankheitsgeprägte' Jugend und danach erleben wir seinen Einstieg ins Erwachsenenenalter. Durch seine schreckliche Kindheit geschädigt, verläuft auch Augusts restliches Leben nicht gerade rund. Es werden in diesem Buch äußerst zerrüttete Familienverhältnisse aufgezeigt, mit einer Mutter die am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidet und ihrem Kind nur dann beistehen und Liebe zeigen kann wenn es krank ist. Dies führt zu verstörenden Taten ihrerseits. Ich muss zugeben, dass ich mit dem Buch etwas zu kämpfen hatte. Sprachlich war es recht poetisch geschrieben und wirkte wie aus einem Guss so in einem durch erzählt. Das machte es mir nicht gerade einfach beim lesen und mir fehlten die 'Atempausen' um alles mal sacken zu lassen. August Drach, der Protagonist, tat mir natürlich leid aber ich fand keinen Bezug zu ihm. Durchaus kein schlechtes Buch, aber mich konnte es leider nicht erreichen.

"Zitronen" ist ein sprachgewaltiger Roman über das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, der mich leider nicht wirklich erreichen konnte und durch die verschachtelten Sätze anstrengend zu lesen. Dabei ist das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom sehr gut beschrieben - und dennoch hat das Buch mein Herz nicht berührt. Manchmal war es einfach zuviel und ich fühlte mich streckenweise überfordert den Gedankengängen des Protagonisten zu folgen. Zum Ende hin verpufft die Tragödie mit einem eher müden Knall und hinterlässt einen faden Nachgeschmack.
Diese Buch hat mich wirklich durchgerüttelt. An manchen Stellen war ich total fasziniert von der Bildsprache, fast schon sprachlos, wie sie Gefühle und Gedanken in Worte fasst. Anderer haben mich die verschachtelten Sätze und die Schwere der Themen echt angestrengt. Aber genau das hat es auch so stark gemacht. Stellenweise verstörend, gleichzeitig in den Bann ziehend.
Valerie Fritschs #zitronen 🍋 ist in der Tat ein sprachgewaltiges Werk, das die Wunden der Kindheit und die Unausweichlichkeit von Schmerz und Scheitern eindrucksvoll beleuchtet. Im Zentrum steht August Drach, dessen Leben von Gewalt, Misshandlung und emotionaler Manipulation geprägt ist. Der Vater ist brutal, die Mutter erdrückt ihn mit ihrem Münchhausen-Syndrom – und August selbst bleibt zwischen Fürsorge und Grausamkeit gefangen. Die Chance, sich zu befreien, erhält er erst, als er vom Blitz getroffen wird, doch selbst diese zweite Chance führt nur zu weiterem Scheitern. Valerie Fritsch arbeitet mit einer dichten, poetischen Sprache, die die psychologischen Zustände der Figuren auf subtile Weise erfasst. Es sind keine einfachen Erklärungen, sondern kraftvolle Metaphern und introspektive Reflexionen, die das Innenleben der Figuren offenlegen und die Spannungen gleichzeitig empfundener, aber widersprüchlicher Gefühle beschreiben. „Wie aber hielt man Abstand, wenn man sich nahekam, und wie die Nähe aus? Wie erfüllte man sein Verlangen nach einem Du, ohne sein Ich zu verlieren?“ Die sprachliche Präzision und Bildhaftigkeit fordern uns Lesende auf besondere Weise heraus. Die tief emotionale, fast schon metaphysische Darstellung der inneren Zustände ihrer Figuren, beschrieben durch verschachtelte, ausladende Sätze, erzeugen dabei eine beständige Atmosphäre der Bedrohung und Unsicherheit. Jede Ablenkung, jeder gedankliche Ausflug, droht, den Faden zu verlieren. Aber Durchhalten lohnt sich! Die strukturelle Komplexität unterstreicht in aller Härte die Verirrung und Orientierungslosigkeit. Die sprachliche Struktur selbst wird dabei zum Träger der inneren Zerrissenheit. Am Ende bleibt Fritschs Werk ohne einfache Antworten. Es gibt kein Happy End, sondern eine schonungslose Auseinandersetzung mit Trauma und Verlust. Doch gerade diese Authentizität, diese Weigerung, den Figuren eine erlösende Katharsis zu gönnen, macht „Zitronen“ zu einem wirklich outstanding literarischen Werk.

ZITRONEN Valerie Fritsch Der junge August Drach wächst alles andere als behütet auf: Sein Vater schlägt ihn, egal was er macht. Sagt er die Wahrheit, ist es genauso falsch, als wenn er löge. Er kann es ihm einfach nicht recht machen. Seine Mutter beschützt ihn nicht - tut so, als wenn es sie nicht beträfe. Erst wenn der Vater von ihm ablässt, nimmt sie ihn zärtlich in den Arm. „Dem Vater fiel er in die Hände, der Mutter in die weit ausgebreiteten Arme.“ (S. 67) Seine Kindheit verändert sich, als sein Vater ohne ein Wort des Abschieds seine Familie verlässt. Erst scheint sich alles für August zum Guten zu wenden, doch dann wird er krank. Die vermeintliche Medizin, die seine Mutter ihm verabreicht, macht ihn müde und träge und lässt ihn tageweise durchschlafen. Als Dr. Otto, der neue Freund seiner Mutter, bei ihr ein Rezeptblock mit seiner gefälschten Unterschrift findet, hat er es in der Hand, August zu helfen. Ob er hilft, müsst ihr herausfinden. Die Gewalt, die sich in Valerie Fritschs poetischen und wundervollen Schreibstil versteckt, hat mich zutiefst schockiert. Wie kann etwas so Böses in so feinen Zeilen verpackt sein? Das Schicksal des jungen Augusts hat mich zu Beginn tief berührt. Doch im Laufe des Buches und geprägt von seinen Eltern, entwickelt er sich einfach in eine falsche Richtung und wird mir zum Ende regelrecht unsympathisch. Am Ende des Buches war ich einfach nur froh, dass das Kapitel August für mich abgeschlossen war. Fazit: Wundervoll poetisch, außergewöhnlich, verwirrend, großartige Stellen, aber nicht durchgehend gut. 3½-4/ 5

Krass…
Wäre ich nicht auf der Lesung von Valerie Fritsch gewesen, hätte ich dieses Buch nie so lesen und verstehen können. Das Buch ist schwer, sehr schwer zu verdauen. Ich finde, dass dieses Buch für viele Lehrkräfte ein „Muss“ sein soll, damit vielleicht doch etwas mehr geschaut wird, nach den zerbrechlichen Seelen. Wie dieses Buch entstanden ist, ist einfach bemerkenswert, mit soviel Hintergrund Informationen und investierter Zeit. Die letzten Seiten des Buches, werden musikalisch von meinem schnarchendem Hund begleitet.💤❤️

Mit poetischer Melancholie erzählt Valerie Fritsch in ‘Zitronen’ mit jedem Wort und jedem Satz präzise und eindringlich die Geschichte von August Drach. Der erste Teil des Romans beschreibt die Kindheit von August. Er wird als Kind von seinem Vater geschlagen, während seine schwermütige Mutter dies stillschweigend akzeptiert, bis der Vater verschwindet. Mit dem Verschwinden des Vaters verschwinden auch die blauen Flecken. Stattdessen wird August kränklich. Wenn Lily Drach den Halt verliert, macht sie ihren Sohn krank. Kaum ist er ein fröhliches und unbeschwertes Kind, wird er krank und ist auf die Pflege seiner Mutter angewiesen. “Er brauchte den Mantel des Schweigens, der daheim an der Garderobe zwischen den anderen Jacken und Westen hing, benötigte die vier undurchsichtigen Wände des Hauses, die die Welt von ihm fernhielten, und die behauptete Normalität, die ohne Welt in diesem Haus herrschte. Es war die Wohlfühlzohne der Gewalt.“ - Valerie Fritsch - Der zweite Romanabschnitt bezieht sich auf den jungen, erwachsenen August und seine Autonomieentwicklung. Valerie Fritsch erfasst wortgewaltig und zielgenau die Konsequenzen des elterlichen Missbrauchs und schafft damit ein fulminantes und konsequentes Ende der Geschichte. Durch präzise Wortgestaltung wird ‘Zitronen’ zu einem empathischen Meisterwerk poetischer Schreibkunst. Valerie Fritsch trifft für die Themen, die Momente, die Entwicklungen sowie jede einzelne Figur den richtigen Ton. Aus meiner Perspektive sind Konzentration und Begeisterung für Sprache für den Genuss von ‘Zitronen’ unabdingbar. Sowohl thematisch als auch sprachlich ist ‘Zitronen’ kein entspannter Roman für gemütliche Lesestunden. Für mich ist der Roman vielmehr eine Form von Kunst, die ganz bewusst betrachtet werden darf.
Das Buch erzählt die Geschichte von August und seiner rauen, zerrütteten Familie. Der Vater gewaltätig, die Mutter manipulativ - Als der Vater verschwindet und August krank wird kann seine Mutter ihm Liebe zeigen wie nie zuvor - schnell rast die Beziehung in das Münchhausen by Proxy Syndrom und wir begleiten August auch in seinem Erwachsenenalter weiter bis zu seinem Wiedertreffen mit seiner Mutter. So interessant ich den Klappentext auch fand- das Buch konnte mich nicht wirklich abholen. Der Schreibstil war mir zu poetisch, die Sätze zu lang und ich hatte das Gefühl, das gesamte Buch bestünde aus nur einem fortlaufendem Absatz. Aufgrund dessen konnte ich nur schwer eine Beziehung zum Protagonisten herstellen. Das Ende konnte mich dann noch etwas überzeugen, auch wenn das Ende wie auch die ganze Geschichte um August erschütternd ist, war es ein Befreiungsschlag für August sowie dem Leser.
Das Buchcover spiegelt den Inhalt des Buches wieder - Zerrissenheit!
Der Roman behandelt die Lebensgeschichte von August - ein kleiner junge, misshandelt vom Vater, manipuliert und krank gemacht von der Mutter. Beide Eltern mit psychischen Störungen leben ein Leben, dass Sie eigentlich nicht führen wollen. Diese Ereignisse aus seiner Kindheit prägen August zutiefst. Kann er sich von den unsichtbaren Ketten seine Vergangenheit lösen? Die Autorin schafft es das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom in die Geschichte einzubinden, ohne es reißerisch und dramatisch auszuschlachten. Trotz der schwere des Themas ist der Roman inhaltlich nicht auf diese Krankheit beschränkt. Auch der Sprachstil scheint mit dem Inhalt des Buches zerrissen zu sein. Der Roman ist rau, herzlos und erschütternd. Ganz im Gegenteil zu den wundervoll und poetischen Formulierungen und die unvergleichliche Sprachgewandtheit, die dieses Buch so einzigartig machen. Auf den Sprachstil musste ich mich zunächst erst einlassen. Die Erzählung lebt von vielen Details und einer bildhaften Sprache. Ansonsten hat mich alleine die Geschichte nicht umgehauen bzw. gepackt. Es ist die Schönheit der Sprache und auch der Schmerz den die Autorin vermittelt, die das Buch lesenswert macht.

"Irgendwann holt die Vergangenheit jeden ein. Alles kommt wieder, nichts lässt einen los." (S. 185) Als August Drach mit siebzehn Jahren vom Blitz getroffen wird, scheint dies seine Rettung. Hinter ihm liegen Jahre der Erniedrigung und Unterdrückung. Erst ist es der jähzornige Vater, der sich an ihm abarbeitet. Die Mutter weiß die Grausamkeiten in Fürsorge umzuwandeln. "Dem Vater fiel er in die Hände, der Mutter in die weit ausgebreiteten Arme." (S. 28) Nachdem der Vater von einem Tag auf den anderen Frau und Kind verlässt, übernimmt die Mutter eine neue Rolle der Quälenden. Ohne die Wutausbrüche des Vaters ist ihre tröstende Liebe nichts mehr wert. Fortan versucht sie, ihren Sohn mit unters Essen gemischten Medikamenten, giftigen Substanzen oder einfach nur Dreck stets kränkelnd und hilfsbedürftig zu halten. Durch einen Blitzschlag wird August von den Manipulationen seiner Mutter befreit. Er verlässt das heimische Bergdorf und beginnt ein neues Leben in der Stadt. Doch Vertrauen in sich und andere zu haben, ist für August eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Seinen Mitmenschen tischt er daher Lügen auf, um möglichst wenig von sich preisgeben zu müssen. Erst seine große Liebe Ava löst den inneren Knoten. Tief in ihm bleiben dennoch Verlustängste und Eifersucht, denen er mit einem altbekannten Muster entgegentritt: Er wird krank, fügt sich selber Leid zu, um gepflegt zu werden. Unsicherheiten und Risse im Glück versucht er, mit Dramen zu kitten. Unbemerkt trägt er das von seiner Mutter verabreichte Gift weiter in seine Beziehung. Der einst Vergiftete wird selbst zum Gift. Bis ihm eines Tages bewusst wird, was es war, das die Mutter ihm angetan hatte. Valerie Fritsch erzählt Augusts Geschichte leise und eindringlich. Geradezu malerisch kommt ihr Text daher. Wie eine Galerie reiht sie die mal schmutzig grauen, mal sonnig gelben Bilder auf. Oftmals scheinen sie mir aus der Zeit gefallen, doch die Geschichte ist eine moderne. Sie zeigt, welchen Schaden Manipulation und Lügen anrichten können und wie fragil Menschen und Beziehungen durch sie werden.
Valerie Fritsch hat mit "Zitronen" ein kleines literarisches Juwel geschaffen, das thematisch wahnsinnig schmerzhaft zu ertragen ist (TW: körperliche Misshandlung, Stellvertreter-Münchhausen-Syndrom) und einen mit sprachlicher Schönheit zugleich wie eine sanfte Umarmung durch das schwere Schicksal von August trägt, dem Zärtlichkeit in Anwesenheit von Brutalität nur allzu gegenwärtig ist.

Valerie Fritschs Roman "Zitronen" erzählt die bewegende und verstörende Geschichte von August Drach, einem Jungen, der in einem Umfeld aufwächst, das sowohl Hölle als auch Paradies ist. In einem Haus am Dorfrand, geprägt von den Grauen des Missbrauchs durch seinen Vater und der manipulativen Liebe seiner Mutter, lernt August, mit den Widersprüchen von Zärtlichkeit und Gewalt umzugehen. Valerie Fritsch, geboren 1989 in Graz, ist eine gefeierte Autorin und Künstlerin, die bereits mit mehreren Preisen, darunter dem Brüder-Grimm-Preis, ausgezeichnet wurde. "Zitronen" ist Teil der übermorgen Buchreihe, die sich auf moderne, spannende und tiefgründige Literatur konzentriert und darauf abzielt, die Vielfalt und Qualität der Gegenwartsliteratur hervorzuheben. Worum geht's genau? In "Zitronen" entfaltet sich die Geschichte von August Drach, der in einem emotional instabilen Umfeld aufwächst. Sein Vater ist enttäuscht von seinem Leben und zeigt nur Zuneigung zu den Hunden, während seine Mutter, zunächst liebevoll, ihm heimlich Medikamente ins Essen mischt, um ihn zu kontrollieren und Aufmerksamkeit zu gewinnen. Als August schließlich in der Lage ist, aus dem Griff seiner Mutter auszubrechen und ein eigenes Leben zu führen, bleibt die Frage, wie er die Narben seiner Kindheit überwinden kann. Der Roman thematisiert die Komplexität von Liebe und Grausamkeit und lädt dazu ein, über die Auswirkungen von Kindheitstraumata nachzudenken. Meine Meinung Die Diskussion um das Buch in meiner Instagram-Buchbubble war äußerst polarisiert. Während einige begeistert von der Erzählweise waren, konnten andere nicht viel damit anfangen. Da das Buch für den Österreichischen Buchpreis 2024 nominiert wurde, wollte ich mir selbst ein Bild davon machen. Der Umschlag ist ein wahrer Blickfang: Er symbolisiert die Zerrissenheit der Geschichte – auf den ersten Blick aufgeräumt und in strahlenden Farben, offenbart sich bei genauerem Hinsehen eine zerbrochene, scharfe Ordnung. Der Titel „Zitronen“ weckt Assoziationen von Sommer, hat aber auch eine herbe, saure Note. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir anfangs nicht leicht. Der sehr eigenwillige und beschreibende Stil der Autorin erforderte etwas Eingewöhnungszeit, aber der Inhalt entpuppte sich als faszinierend. Während die Erzählung zu Beginn etwas gemächlich verläuft, zieht das Tempo gegen Ende plötzlich an – für mich persönlich fast zu abrupt. Ich habe viele Stellen im Buch markiert, die besonders eindrucksvoll waren. Fritsch thematisiert eindrucksvoll die Koexistenz von Grausamkeit und Fürsorge sowie von Gewalt und Zärtlichkeit in einer kühlen, distanzierten Sprache, die die Erlebnisse des Protagonisten noch bedrückender erscheinen lässt. Sie verzichtet auf übertriebene Dramatik oder sentimentale Ausbrüche und bleibt neutral, während sie die Geschichte in einem fast chronologischen Stil präsentiert, der durch kraftvolle Metaphern aufgebrochen wird. Inmitten dieser dunklen Erzählung stellen die Zitronen einen Hoffnungsschimmer dar, der in der traurigen Geschichte leuchtet. Das Zitronensymbol zieht sich durch das gesamte Werk, bleibt dabei jedoch unaufdringlich und voller Bedeutung. Besonders eindrucksvoll wird es in der Beschreibung eines Urlaubs in dem Land, wo die Zitronen blühen, in dem August schließlich aufblüht und das Leben neu entdeckt. Das Bild der Zitronen begleitet ihn sein ganzes Leben lang. Fritsch thematisiert schwierige Themen wie Kindesmissbrauch und deren verheerende Folgen, die an manchen Stellen kaum auszuhalten sind. Einige Episoden sind detailreich, während andere lückenhaft bleiben, was die fragmentierte Natur von Augusts Erinnerungen widerspiegelt. Insgesamt hat mir das Buch gefallen, auch wenn es nicht leicht zu verdauen ist. Valerie Fritsch schafft es, ein komplexes Thema mit einer eindringlichen Sprache zu verbinden und hinterlässt beim Leser einen bleibenden Eindruck. Dennoch hätten einige Aspekte der Erzählweise, insbesondere der abrupte Wechsel im Tempo, verbessert werden können. Fazit "Zitronen" von Valerie Fritsch ist eine bewegende und tiefgründige Erzählung über die Auswirkungen von Kindesmissbrauch und die Komplexität von Liebe und Grausamkeit. Trotz des eigenwilligen Stils und des teilweise abrupten Tempos verdient das Buch eine Bewertung von 4 von 5 Sternen, da es auf eindringliche Weise auf wichtige Themen aufmerksam macht.
Eine erschreckend tragische Geschichte rund um das Münchhausen-(Stellvertreter-)Sydrom
Dieses Buch war, obwohl es wenige Seiten hat, vollgepackt mit sehr vielen kleinen Geschichten. In psychologischer Sicht war es sehr interessant über das Syndrom zu lesen und macht einem klar: „Es gibt nichts, was es nicht gibt!“ Ich fand anfangs die Sprache schwer zu verstehen, jedoch kommt man da nach einer Weile rein.
Wow! Das muss ich bei 15% aus Selbstschutz abbrechen. Nicht aufgrund des heftigen Inhaltes sondern aufgrund der Sprache und des Stils, die für mich der reinste Psychoterror sind. Hier ein längeres Zitat, das für mich die Überforderung und Toxizität des Textes verdeutlicht : „Schuld schien keine persönliche Leistung in dieser Welt, aber eine fremde Zuweisung, ein Päckchen, das man nicht ablehnen konnte, ein Stein, der einem jede Nacht heimlich tief in die Hosentasche gesteckt wurde, so dass man tags darauf unter seinem Gewicht zusammensank. Alle belogen einander, und nicht zuletzt sich selbst, in diesem Haus, und jede weitere Lüge machte sie gierig, auch die nächste zu glauben .Alles wird gut, hörte August die Eltern sagen. Es war ein Glauben gegen alle Wahrscheinlichkeit, eine Hoffnung gegen jede Erfahrung. Es bedurfte einer Vergesslichkeit, einer Erinnerungslücke, die nach einem schönen Moment den schlechten, der ihm vorangegangen war, verschlang. Die Mutter sagte kein Wort gegen den Vater, stellte sich seinem Wüten nie entgegen, schaute lethargisch in sich selbst hinein, aber eilte, kaum war es vorbei, geschäftig und mit roten Wangen zu August, um ihn mit Zärtlichkeiten zu überschütten. Fast schien sie froh, endlich Gelegenheit gefunden zu haben für ihren Trost, es war, als habe sie die entschlossenen Handgriffe ihrer großen Trägheit für gerade jene Augenblicke abgespart, in denen sie einen blauen Fleck mit Franzbranntwein abrieb oder dem weinenden Kind eine süße Milchkaramelle in den Mund steckte.“ Das ist die reinste Symbol, Metaphern und Adjektivschlacht. Zu dicht, erschlagend, überfrachtet. Zu stark aufgeladen. Der gesamte Text (bis zu den gelesenen 15%) ist so! Keine Erholung! Psychologisch komplex, aber, alles wird durch den Erzähler eingeordnet, interpretiert und mit Bedeutungen versiegelt. Mir nimmt es die Interpretationsfreude, die geistige Beweglichkeit. Ich kann mich hier nur an der Sprache berauschen. Und die ist für mich wie ein Treffen in einer Großgruppe. Von sämtlichen Seiten hämmern Gespräche, Gedanken, Stimmen auf dich ein. Das zu filtern, ist mir nicht möglich. Ich stehe mit solch einer Anlage des Textes kurz vorm Meltdown. Interessant ist, dass mich der Text, solange er ohne die dunklen, gewalttätigen Seiten vor sich hinschwebt, ganz schnell langweilt (Abschalten, Langeweile hier schon als Selbstschutz?) und im hallo wach Moment, der mich zwingt aufmerksam zu sein, die Flut der benannten Symbolik etc. nicht mehr ausbremsen kann und mich an die Wand der ausladenden Bedeutungszuweisung klatscht. Eine Schönheit die zu viel will, blendend strahlt, Migräne und aus. Schachmatt.
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Author Description
Valerie Fritsch, geboren 1989, arbeitet als freie Autorin und bereist die Welt. Beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2015 wurde sie mit dem Kelag-Preis und dem Publikumspreis ausgezeichnet. 2020 erhielt sie den Brüder-Grimm-Preis für Literatur. Sie lebt in Graz und Wien.
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Ich bin wohl einfach zu wählerisch
Habe das Buch auf Social Media gefunden und was soll ich sagen. Das Cover und der Titel haben mich gecatched. Auch die Story war viel versprechend. Das Buch war sprachlich nicht flüssig aber evtl literarisch künstlerisch geschrieben. Vielleicht ist es auch ein Meisterwerk. Ich fand es tatsächlich eher anstrengend zu lesen. Also halte ich mich in Zukunft fern von Literaturwundern und geh zurück zu meinen stumpfen simplen Büchern.
Abgebrochen
Ein Roman über das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom und damit einem sehr interessanten Thema. Jedoch für mich nicht zufriedenstellend umgesetzt. Ich habe mich wirklich bemüht, aber dieses Buch hat mich jeden Nerv gekostet. Ich konnte keine 10 Seiten am Stück lesen ohne einzuschlafen. Sprachlich gespickt mit vielen Metaphern und gleichzeitig einem eher nüchtern-objektivem Erzählstil. Das hat bei mir absolut keine Lesefreude erzeugt. Vor allem die Metapher waren einfach nur anstrengend. Nach drei Wochen habe ich dann auch endlich mal Teil II erreicht, der sprachlich viel angenehmer war. Jedoch habe ich mittlerweile komplett das Interesse verloren, meine Leihfrist abgelaufen und für mich das Zeichen endlich abzubrechen. Wunderschönes Cover, ansonsten war der Roman leider nichts für mich.

Dieses kurze Buch (180 Seiten) ist nichts zum schnellen Weglesen! Beim Lesen begegnet man einer sehr düsteren Atmosphäre, einem Dorf, in dem es viel Schlechtes und wenig Gutes zu geben scheint. Die Sprache ist intensiv, beobachtend und voller Symbolik. Es gibt hervorragende Charakterstudien der einzelnen Personen, es ist wirklich im Einzelnen verständlich, wie sie sich entwickeln. Thematisch ist es ein Familienroman, es geht um Gewalt in der Familie und in Beziehungen und ganz zentral um das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Hin und wieder bin ich beim Lesen an die Grenzen der Verständnis gekommen, einige Personen sind schwierig zu ertragen in ihrem Selbstmitleid, ihrer Passivität, ihrer fehlenden Veränderung. Und gleichzeitig wird es auch wieder verständlich. Sind wir die Summe unserer Erfahrungen? Wo beginnt Eigenverantwortung und wer schafft es, diese wahrzunehmen? Irgendwann im Buch taucht noch eine starke Frauenfigur auf. Über sie habe ich mich gefreut. Danke an @tom.blabal für das gemeinsame Lesen! Einiges ist mir erst dadurch bewusst geworden, dass wir zusammen hingeschaut haben.
"Nichts ist so bedrohlich wie Zärtlichkeit dort, wo sie nicht hingehört." "Dem Vater fiel er in die Hände, der Mutter in die weit ausgebreiteten Arme." "Es gab nichts, was es nicht gab, aber es gab vieles, was es nicht hätte geben dürfen, wenn man die Welt für eine schöne halten wollte." Ein intensiver Roman über das Münchhausen-Stellvertreter-Sympton. Sprachgewaltig wird das Leben von August Drach beschrieben, seine von Gewalt geprägte Kindheit, die gestörte Mutter-Kind-Beziehung und der vermeintliche Ausbruch aus diesem Leben auf der Suche nach dem eigenen Glück und Liebe. Ich mochte das Buch sehr gerne, alleine schon aufgrund des poetischen Schreibstils und der wunderschön konstruierten Sätze.
August wird als Kind von seinem Vater regelmäßig verprügelt und gedemütigt. Als sein Vater die Familie verlässt, beginnt die Mutter August krank zu machen, um ihn dann hingebungsvoll zu pflegen. Aber auch das hat irgendwann ein Ende und als junger Erwachsener lebt August in der Stadt, wo er den Menschen Lügen über seine Herkunft erzählt. Doch dann verliebt er sich ... Ich will an dieser Stelle inhaltlich nicht zu viel verraten, weil das Buch auch sehr kurz ist. Es ist wie ein literarischer Bericht einer Charakterentwicklung, die für mich nachvollziehbar war, und mit Sätzen, die mir mit ihrer Klarheit und Wahrheit den Atem geraubt haben. Das Buch erfordert Konzentration und man muss sich darauf einlassen. Für mich war es ein überraschendes kleines Highlight.
Allein die Worte wie sie geschrieben sind sind der Hammer
Ich habe „Zitronen“ eher zufällig entdeckt – eine Empfehlung auf Instagram, hübsch verpackt in ein paar Sätzen, aber ehrlich gesagt wusste ich anfangs überhaupt nicht, was mich mit diesem Titel verbinden sollte. „Zitronen“ – was soll das bedeuten? Was steckt dahinter? Doch die Frau, die es empfohlen hat, hat etwas in mir angestupst, und ich dachte mir: Gut, gib diesem Buch eine Chance. Und ich kann euch sagen: Ich war nicht vorbereitet. Es geht um einen Jungen, der in einem Umfeld aufwächst, das ihm eigentlich Schutz bieten sollte – doch stattdessen wird er von seinem Vater misshandelt, nicht nur körperlich, sondern auch mit einer bedrückenden Gleichgültigkeit, die fast noch schlimmer ist. Die Mutter sieht zu, lässt es geschehen, als wäre sie selbst zu starr vor Angst, Ohnmacht oder innerer Lähmung, um einzugreifen. Und als der Vater eines Tages einfach verschwindet, ändert sich alles – auf eine Weise, die ich beim Lesen kaum ertragen konnte. Was diesen Jungen am Ende durchmachen muss … wie es sein Leben, sein Denken, sein Sein prägt … Das hat mich tief getroffen. Ich habe das Buch zwischendurch weggelegt, ein paar Minuten in die Leere gestarrt und musste wieder neu atmen. Es ist lange her, dass mich ein Text derart verletzt hat – im positiven Sinne. Dieses leise, schleichende Stechen im Herzen, das bleibt, auch wenn man längst auf der nächsten Seite ist. Aber – und das hat mich am meisten überrascht – nicht die Geschichte an sich hat mich so aus der Bahn geworfen. Sondern Valerie Fritschs Sprache. Ich weiß nicht, wie sie das macht. Ihre Worte haben eine Kraft, die ich selten erlebt habe. Sie sind wie feine Schnitte, zart und gleichzeitig brutal. Poetisch, aber nie überladen. Jeder Satz ein kleines kunstvolles Messer, das genau weiß, wo es treffen muss. Während ich bei anderen Büchern meist wegen der Handlung emotional werde, waren es hier schlicht und einfach die Worte selbst, die mich berührt, erschüttert, fast körperlich getroffen haben. Es ist ein Schmerz, den man nicht sofort ablegen kann. Ein Text, der nachhallt – tief, lange, unaufdringlich, aber unüberhörbar. Ich glaube, dieses Buch wird mich noch sehr begleiten, in stillen Momenten auftauchen und mich daran erinnern, wie verletzlich und gleichzeitig wie unendlich stark Sprache sein kann. Ich kann euch „Zitronen“ wirklich nur wärmstens empfehlen. Wenn ihr es bereits gelesen habt oder es noch lesen werdet – schreibt mir unbedingt, wie es euch damit ging. Ich bin wirklich gespannt, ob diese Worte auch in euch so viel ausgelöst haben wie in mir. ---
Ein trügerisches Cover, denn das Buch ist düster und gehaltvoll
Bücher unter 200 Seiten frühstücke ich am Wochenende einfach so weg. Bei diesem Buch war mir das nicht möglich. Jeder Satz ist so gehaltvoll, dass er langsam zerkaut, erst über Zunge und Gaumen und dann ins Gehirn wandern musste. Jedes Wort ist und muss langsam verdaut werden. Somit wurde „Zitronen“ zu einem intensiven Lese-Erlebnis. August wächst in einem Elternhaus auf, dass von Gewalt geprägt ist. Sein Vater ist grob und brutal. Es scheint keinen Tropfen Liebe in ihm zu geben. Und egal, was der kleine Jungeunternimmt, wie schnell er rennt und wie gut er sich versteckt, die Prügel des Vaters, erreicht ihn zuverlässig. Seine Mutter hingegen war ambivalent, schützt ihn nicht, aber überschüttete ihn mit Fürsorge, wenn der Vater abwesend war. „Augusts Mutter war eine seltsame Person, der man ihre Schrulligkeit nicht übel nehmen konnte, weil sie so gern besonders sein wollte, dass sie gar nicht bemerkte, dass die Leute sie bloß eigenartig fanden.“(S.18) Nachdem der Vater verschwindet, leidet August unter der Mutter im Sinne des Münchhausen- by- Proxy- Syndroms agiert. Der Junge entwickelt sich also zu einem Erwachsenen, der nie wahre Liebe erfahren hat. Er verlässt das Elternhaus und auch das Dorf seiner Kindheit, wählt einen Beruf der näher am Tod als am Leben ist und erfährt eine große Liebe mit der er nicht umgehen kann. Am Ende kehrt er zurück. Seine Augen öffnen sich und er zieht einen Schlussstrich, der mir plötzlich und unerwartet Herzrasen beschert hat. Soweit kann man den Plot kurz zusammenfassen. Was man nicht transportieren kann, ist die besondere Art der Sprache mit der dieser Roman literarisch glänzt. Die fehlende wörtliche Rede verstärkt die Poesie der Grausamkeit, die August hier widerfährt. sie hält aber auch Distanz und lässt uns wie in einem Luftschiff über das Geschehen schweben. ich war nicht in den Figuren, sondern hatte phasenweise das Gefühl ein grausames Märchen erzählt zu bekommen. Dabei mäandert Fritsch auch auf Nebenschauplätze die mir manchmal die Konzentration raubten. Ob die Geschichte rund um das vermisste Mädchen, oder die Vergangenheit von Herrn Sappara, die Seitenstränge wirken wie Abgründe die eigene Bücher füllen könnten. Insgesamt sind wir hier in einem Kosmos unterwegs, in dem Menschen wegschauen oder durch das wegschauen Anderer ins verderben gestürzt werden. Eine große Stärke der Autorin ist ihre Fähigkeit, Atmosphäre durch Beschreibung herzustellen. Der Roman kitzelt unsere Sinne und lässt Gerüche und Geräusche lebendig werden. Das helle sommerliche Cover führt allerdings in die Irre, denn diese Geschichte ist voller Düsternis und Schwere, die Lebensrealitäten widerspiegeln, die in unserer Gesellschaft keine Seltenheit sind. Der Protagonist erinnerte mich manches Mal an Jean Baptist Grenouille und auch der Stil lässt mich oft an Süskinds „Das Parfüm“ denken, obwohl Handlung und Setting nicht wirklich vergleichbar sind. Die richtige Lektüre für Herbsttage, an denen wir uns literarisch anspruchsvoll gruseln möchten. Und warum war dieser Roman eigentlich nicht mindestens auf der Longlist? Ist mir ein Rätsel.
"Nirgends war auch nur ein Wort zu hören, denn wo die Fäuste sprachen, schwieg der Mensch." Und es schwiegen alle, die mitansahen, oder ahnten, dass August von seinem Vater misshandelt wurde. Auch die Mutter, sie nahm ihn zwar tröstend in die Arme, aber verhinderte nichts. Als der Vater ging, brauchte die Mutter eine neue Form der Mütterlichkeit und fand sie im Münchausen-Stellvertreter-Syndrom. "....aber nichts ist so bedrohlich wie Zärtlichkeit, da wo sie nicht hingehört..." Jahre später begleiten wir den erwachsenen August und man sagt ja immer der Mensch hat verschiedene Möglichkeiten sich zu entwickeln und zu entscheiden. Aber trifft das wirklich auf einen Menschen mit dieser Vergangenheit zu? Für mich hätten es ein paar Erzählstränge, abseits der Geschichte von August, weniger sein können, da verlor mich der Roman manchmal ein bisschen. Der Schreibstil ist ganz besonders eindrücklich und schmerzhaft, war mir aber manchmal zu abstrakt.
Falsche Mutterliebe
Diesen Roman sollte man trotz seiner Kürze nicht leichtfertig lesen, denn bei Zitronen handelt es sich um einen überaus bedrückenden Roman zum Thema Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Die Autorin Valerie Fritsch zeichnet hier mit unglaublich schönem und poetischem Schreibstil ein düsteres Bild mit einigen sehr fragwürdigen Charakteren. Ausschlaggebend ist jedoch der plötzlich verschwundene Vater, der die kleine Familie allein zurücklässt. Die Nähe und Liebe der Mutter war bis dahin immer darauf fokussiert gewesen, das Kind zu trösten, sobald es unter der Brutalität des Vaters zu leiden hatte. Mit einem gesunden, fröhlichen Kind kann sie leider nicht umgehen, und so scheint die „Krankheit“ des Kindes die einzige Möglichkeit zu sein, das bisher funktionierende System aufrechtzuerhalten. „Alles wurde anders in diesem Sommer. Seit der Vater und mit ihm die blauen Flecken auf Augusts Körper verschwunden waren, fragte die Mutter nicht mehr, wen er lieber habe, breitete die Arme nicht mehr aus für ihn, strich ihm nicht mehr über den Kopf, und als sie sich doch einmal an einer ungelenken Zärtlichkeit ohne Grund versuchte, zuckte August genauso sehr zurück wie sie selbst im Augenblick der Berührung.“ Die Hauptfigur August hat daraufhin keine Chance auf eine normale Kindheit oder darauf, eine gesunde Persönlichkeit zu entwickeln. Später führt das dazu, dass auch er im Erwachsenenleben mehr als fragwürdige Entscheidungen trifft. Ich bin froh, dass ich dieses Buch im Buddyread lesen konnte. Zum einen hat es wunderschöne Symboliken, wie beispielsweise die Äpfel und Zitronen, über die man philosophieren kann. Zum anderen ist es durch die poetische Sprache zwar unglaublich schön, aber ebenso wenig leicht zu lesen. Man verbringt also mehr Zeit in dieser düsteren Atmosphäre, als man zu Beginn des Buches annimmt. Gesellschaft tut hier also sehr gut 😉 Danke @laroute auch für deinen scharfen Blick auf die Charaktere. Dieses Buch ist sehr schwer zu bewerten. Sprache und Inhalt sind stimmig, dennoch ist es kein angenehmes Leseerlebnis. Wie sagt man so schön: Gibt dir das Leben Zitronen...naja passt hier leider nicht ganz 😉
August Drach hat keine leichte Kindheit. Die Rolle seines Vaters ist "bloß die eines Betrunkenen, der versuchte, einen Nüchternen zu spielen". Er ist aggressiv und schlägt seinen Sohn immer wieder, eigentlich liebt er nur seine beiden Hunde. Zweifelhaften Trost findet August bei seiner Mutter, die ihn jedoch nur um ihrer selbst Willen tröstet. "Dem Vater fiel er in die Hände, der Mutter in die weit ausgebreiteten Arme. Die Eltern waren ein Kippbild aus Schutz und Bedrohung, ein janusköpfiges Wesen, das einen erst mit kaltem, dann mit mitleidigem Gesicht ansah." (S. 28) Als der Vater die Familie wortlos verlässt, bleibt er zurück mit seiner zutiefst gekränkten Mutter, die für die Anerkennung durch die Dorfgemeinschaft damit beginnt, ihrem Jungen heimlich Medikamente zu verabreichen, damit sie als starke, liebende, pflegende Mutter dasteht. Der zweite Teil des Buches wendet sich dem erwachsenen August zu, der sich schwer tut mit seinen Emotionen, keinen Menschen an sich heranlässt und sich mit Lügenkonstrukten vor zu viel Nähe "schützt". "Jahre später war August Drach ein junger Mann, der seine Wut und die Gewissheit, jedem anderen auf der Welt unterlegen zu sein, hinter einem Lächeln verbarg, um das Vertrauen der Menschen, die ihn umgeben, nicht zu verlieren." (S. 91) Bis er Ava trifft und durch sie die Liebe kennenlernt. Aber schafft der Versehrte es, eine stabile Beziehung aufzubauen oder zerbricht alles an der nicht aufgearbeiteten Vergangenheit? 🍋 Die Geschichte von August wird mich so schnell nicht loslassen. Das liegt zum Einen an der Geschichte selbst. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, bei dem ich so sehr mit dem Protagonisten gelitten habe, wie mit August. Der Vater, der physische Gewalt ausübt, die Mutter, die psychisch selbst höchst labil ist und ihre eigenen Unsicherheiten am Sohn auslebt, haben mich oft nach Luft schnappen lassen. Zum Anderen liegt es am Schreibstil von Valerie Fritsch, der so unglaublich bildhaft und einzigartig ist, dass er auf mich eine enorme Sogwirkung entwickelt hat, welche mich das Buch - trotz der Schwere der Kost - an einem Tag lesen ließ. 🍋 Anfangs habe ich viel überlegt, wieso das Buch "Zitronen" heißt. Die Früchte ziehen sich aber tatsächlich durch das Buch und begleiten August, auch in Erinnerung an sein schönstes Kindheitserlebnis. Vermutlich ist es dennoch zweideutig von der Autorin gewählt, denn für August ist das Leben größtenteils nur als bitter zu beschreiben. 🍋 Trotz der wirklich ans Herz gehenden Thematik ist dieser Roman für mich ein Highlight und wenn Ihr mit den o.g. Themen klarkommt, kann ich ihn Euch nur ans Herz legen.
Ein interessantes Buch mit heftigen Themen. In dem Roman 'Zitronen' von Valerie Fritsch begleiten wir den jungen August Drach als erstes durch eine harte und gewaltgeprägte Kindheit, dann durch eine 'krankheitsgeprägte' Jugend und danach erleben wir seinen Einstieg ins Erwachsenenenalter. Durch seine schreckliche Kindheit geschädigt, verläuft auch Augusts restliches Leben nicht gerade rund. Es werden in diesem Buch äußerst zerrüttete Familienverhältnisse aufgezeigt, mit einer Mutter die am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidet und ihrem Kind nur dann beistehen und Liebe zeigen kann wenn es krank ist. Dies führt zu verstörenden Taten ihrerseits. Ich muss zugeben, dass ich mit dem Buch etwas zu kämpfen hatte. Sprachlich war es recht poetisch geschrieben und wirkte wie aus einem Guss so in einem durch erzählt. Das machte es mir nicht gerade einfach beim lesen und mir fehlten die 'Atempausen' um alles mal sacken zu lassen. August Drach, der Protagonist, tat mir natürlich leid aber ich fand keinen Bezug zu ihm. Durchaus kein schlechtes Buch, aber mich konnte es leider nicht erreichen.

"Zitronen" ist ein sprachgewaltiger Roman über das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, der mich leider nicht wirklich erreichen konnte und durch die verschachtelten Sätze anstrengend zu lesen. Dabei ist das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom sehr gut beschrieben - und dennoch hat das Buch mein Herz nicht berührt. Manchmal war es einfach zuviel und ich fühlte mich streckenweise überfordert den Gedankengängen des Protagonisten zu folgen. Zum Ende hin verpufft die Tragödie mit einem eher müden Knall und hinterlässt einen faden Nachgeschmack.
Diese Buch hat mich wirklich durchgerüttelt. An manchen Stellen war ich total fasziniert von der Bildsprache, fast schon sprachlos, wie sie Gefühle und Gedanken in Worte fasst. Anderer haben mich die verschachtelten Sätze und die Schwere der Themen echt angestrengt. Aber genau das hat es auch so stark gemacht. Stellenweise verstörend, gleichzeitig in den Bann ziehend.
Valerie Fritschs #zitronen 🍋 ist in der Tat ein sprachgewaltiges Werk, das die Wunden der Kindheit und die Unausweichlichkeit von Schmerz und Scheitern eindrucksvoll beleuchtet. Im Zentrum steht August Drach, dessen Leben von Gewalt, Misshandlung und emotionaler Manipulation geprägt ist. Der Vater ist brutal, die Mutter erdrückt ihn mit ihrem Münchhausen-Syndrom – und August selbst bleibt zwischen Fürsorge und Grausamkeit gefangen. Die Chance, sich zu befreien, erhält er erst, als er vom Blitz getroffen wird, doch selbst diese zweite Chance führt nur zu weiterem Scheitern. Valerie Fritsch arbeitet mit einer dichten, poetischen Sprache, die die psychologischen Zustände der Figuren auf subtile Weise erfasst. Es sind keine einfachen Erklärungen, sondern kraftvolle Metaphern und introspektive Reflexionen, die das Innenleben der Figuren offenlegen und die Spannungen gleichzeitig empfundener, aber widersprüchlicher Gefühle beschreiben. „Wie aber hielt man Abstand, wenn man sich nahekam, und wie die Nähe aus? Wie erfüllte man sein Verlangen nach einem Du, ohne sein Ich zu verlieren?“ Die sprachliche Präzision und Bildhaftigkeit fordern uns Lesende auf besondere Weise heraus. Die tief emotionale, fast schon metaphysische Darstellung der inneren Zustände ihrer Figuren, beschrieben durch verschachtelte, ausladende Sätze, erzeugen dabei eine beständige Atmosphäre der Bedrohung und Unsicherheit. Jede Ablenkung, jeder gedankliche Ausflug, droht, den Faden zu verlieren. Aber Durchhalten lohnt sich! Die strukturelle Komplexität unterstreicht in aller Härte die Verirrung und Orientierungslosigkeit. Die sprachliche Struktur selbst wird dabei zum Träger der inneren Zerrissenheit. Am Ende bleibt Fritschs Werk ohne einfache Antworten. Es gibt kein Happy End, sondern eine schonungslose Auseinandersetzung mit Trauma und Verlust. Doch gerade diese Authentizität, diese Weigerung, den Figuren eine erlösende Katharsis zu gönnen, macht „Zitronen“ zu einem wirklich outstanding literarischen Werk.

ZITRONEN Valerie Fritsch Der junge August Drach wächst alles andere als behütet auf: Sein Vater schlägt ihn, egal was er macht. Sagt er die Wahrheit, ist es genauso falsch, als wenn er löge. Er kann es ihm einfach nicht recht machen. Seine Mutter beschützt ihn nicht - tut so, als wenn es sie nicht beträfe. Erst wenn der Vater von ihm ablässt, nimmt sie ihn zärtlich in den Arm. „Dem Vater fiel er in die Hände, der Mutter in die weit ausgebreiteten Arme.“ (S. 67) Seine Kindheit verändert sich, als sein Vater ohne ein Wort des Abschieds seine Familie verlässt. Erst scheint sich alles für August zum Guten zu wenden, doch dann wird er krank. Die vermeintliche Medizin, die seine Mutter ihm verabreicht, macht ihn müde und träge und lässt ihn tageweise durchschlafen. Als Dr. Otto, der neue Freund seiner Mutter, bei ihr ein Rezeptblock mit seiner gefälschten Unterschrift findet, hat er es in der Hand, August zu helfen. Ob er hilft, müsst ihr herausfinden. Die Gewalt, die sich in Valerie Fritschs poetischen und wundervollen Schreibstil versteckt, hat mich zutiefst schockiert. Wie kann etwas so Böses in so feinen Zeilen verpackt sein? Das Schicksal des jungen Augusts hat mich zu Beginn tief berührt. Doch im Laufe des Buches und geprägt von seinen Eltern, entwickelt er sich einfach in eine falsche Richtung und wird mir zum Ende regelrecht unsympathisch. Am Ende des Buches war ich einfach nur froh, dass das Kapitel August für mich abgeschlossen war. Fazit: Wundervoll poetisch, außergewöhnlich, verwirrend, großartige Stellen, aber nicht durchgehend gut. 3½-4/ 5

Krass…
Wäre ich nicht auf der Lesung von Valerie Fritsch gewesen, hätte ich dieses Buch nie so lesen und verstehen können. Das Buch ist schwer, sehr schwer zu verdauen. Ich finde, dass dieses Buch für viele Lehrkräfte ein „Muss“ sein soll, damit vielleicht doch etwas mehr geschaut wird, nach den zerbrechlichen Seelen. Wie dieses Buch entstanden ist, ist einfach bemerkenswert, mit soviel Hintergrund Informationen und investierter Zeit. Die letzten Seiten des Buches, werden musikalisch von meinem schnarchendem Hund begleitet.💤❤️

Mit poetischer Melancholie erzählt Valerie Fritsch in ‘Zitronen’ mit jedem Wort und jedem Satz präzise und eindringlich die Geschichte von August Drach. Der erste Teil des Romans beschreibt die Kindheit von August. Er wird als Kind von seinem Vater geschlagen, während seine schwermütige Mutter dies stillschweigend akzeptiert, bis der Vater verschwindet. Mit dem Verschwinden des Vaters verschwinden auch die blauen Flecken. Stattdessen wird August kränklich. Wenn Lily Drach den Halt verliert, macht sie ihren Sohn krank. Kaum ist er ein fröhliches und unbeschwertes Kind, wird er krank und ist auf die Pflege seiner Mutter angewiesen. “Er brauchte den Mantel des Schweigens, der daheim an der Garderobe zwischen den anderen Jacken und Westen hing, benötigte die vier undurchsichtigen Wände des Hauses, die die Welt von ihm fernhielten, und die behauptete Normalität, die ohne Welt in diesem Haus herrschte. Es war die Wohlfühlzohne der Gewalt.“ - Valerie Fritsch - Der zweite Romanabschnitt bezieht sich auf den jungen, erwachsenen August und seine Autonomieentwicklung. Valerie Fritsch erfasst wortgewaltig und zielgenau die Konsequenzen des elterlichen Missbrauchs und schafft damit ein fulminantes und konsequentes Ende der Geschichte. Durch präzise Wortgestaltung wird ‘Zitronen’ zu einem empathischen Meisterwerk poetischer Schreibkunst. Valerie Fritsch trifft für die Themen, die Momente, die Entwicklungen sowie jede einzelne Figur den richtigen Ton. Aus meiner Perspektive sind Konzentration und Begeisterung für Sprache für den Genuss von ‘Zitronen’ unabdingbar. Sowohl thematisch als auch sprachlich ist ‘Zitronen’ kein entspannter Roman für gemütliche Lesestunden. Für mich ist der Roman vielmehr eine Form von Kunst, die ganz bewusst betrachtet werden darf.
Das Buch erzählt die Geschichte von August und seiner rauen, zerrütteten Familie. Der Vater gewaltätig, die Mutter manipulativ - Als der Vater verschwindet und August krank wird kann seine Mutter ihm Liebe zeigen wie nie zuvor - schnell rast die Beziehung in das Münchhausen by Proxy Syndrom und wir begleiten August auch in seinem Erwachsenenalter weiter bis zu seinem Wiedertreffen mit seiner Mutter. So interessant ich den Klappentext auch fand- das Buch konnte mich nicht wirklich abholen. Der Schreibstil war mir zu poetisch, die Sätze zu lang und ich hatte das Gefühl, das gesamte Buch bestünde aus nur einem fortlaufendem Absatz. Aufgrund dessen konnte ich nur schwer eine Beziehung zum Protagonisten herstellen. Das Ende konnte mich dann noch etwas überzeugen, auch wenn das Ende wie auch die ganze Geschichte um August erschütternd ist, war es ein Befreiungsschlag für August sowie dem Leser.
Das Buchcover spiegelt den Inhalt des Buches wieder - Zerrissenheit!
Der Roman behandelt die Lebensgeschichte von August - ein kleiner junge, misshandelt vom Vater, manipuliert und krank gemacht von der Mutter. Beide Eltern mit psychischen Störungen leben ein Leben, dass Sie eigentlich nicht führen wollen. Diese Ereignisse aus seiner Kindheit prägen August zutiefst. Kann er sich von den unsichtbaren Ketten seine Vergangenheit lösen? Die Autorin schafft es das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom in die Geschichte einzubinden, ohne es reißerisch und dramatisch auszuschlachten. Trotz der schwere des Themas ist der Roman inhaltlich nicht auf diese Krankheit beschränkt. Auch der Sprachstil scheint mit dem Inhalt des Buches zerrissen zu sein. Der Roman ist rau, herzlos und erschütternd. Ganz im Gegenteil zu den wundervoll und poetischen Formulierungen und die unvergleichliche Sprachgewandtheit, die dieses Buch so einzigartig machen. Auf den Sprachstil musste ich mich zunächst erst einlassen. Die Erzählung lebt von vielen Details und einer bildhaften Sprache. Ansonsten hat mich alleine die Geschichte nicht umgehauen bzw. gepackt. Es ist die Schönheit der Sprache und auch der Schmerz den die Autorin vermittelt, die das Buch lesenswert macht.

"Irgendwann holt die Vergangenheit jeden ein. Alles kommt wieder, nichts lässt einen los." (S. 185) Als August Drach mit siebzehn Jahren vom Blitz getroffen wird, scheint dies seine Rettung. Hinter ihm liegen Jahre der Erniedrigung und Unterdrückung. Erst ist es der jähzornige Vater, der sich an ihm abarbeitet. Die Mutter weiß die Grausamkeiten in Fürsorge umzuwandeln. "Dem Vater fiel er in die Hände, der Mutter in die weit ausgebreiteten Arme." (S. 28) Nachdem der Vater von einem Tag auf den anderen Frau und Kind verlässt, übernimmt die Mutter eine neue Rolle der Quälenden. Ohne die Wutausbrüche des Vaters ist ihre tröstende Liebe nichts mehr wert. Fortan versucht sie, ihren Sohn mit unters Essen gemischten Medikamenten, giftigen Substanzen oder einfach nur Dreck stets kränkelnd und hilfsbedürftig zu halten. Durch einen Blitzschlag wird August von den Manipulationen seiner Mutter befreit. Er verlässt das heimische Bergdorf und beginnt ein neues Leben in der Stadt. Doch Vertrauen in sich und andere zu haben, ist für August eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Seinen Mitmenschen tischt er daher Lügen auf, um möglichst wenig von sich preisgeben zu müssen. Erst seine große Liebe Ava löst den inneren Knoten. Tief in ihm bleiben dennoch Verlustängste und Eifersucht, denen er mit einem altbekannten Muster entgegentritt: Er wird krank, fügt sich selber Leid zu, um gepflegt zu werden. Unsicherheiten und Risse im Glück versucht er, mit Dramen zu kitten. Unbemerkt trägt er das von seiner Mutter verabreichte Gift weiter in seine Beziehung. Der einst Vergiftete wird selbst zum Gift. Bis ihm eines Tages bewusst wird, was es war, das die Mutter ihm angetan hatte. Valerie Fritsch erzählt Augusts Geschichte leise und eindringlich. Geradezu malerisch kommt ihr Text daher. Wie eine Galerie reiht sie die mal schmutzig grauen, mal sonnig gelben Bilder auf. Oftmals scheinen sie mir aus der Zeit gefallen, doch die Geschichte ist eine moderne. Sie zeigt, welchen Schaden Manipulation und Lügen anrichten können und wie fragil Menschen und Beziehungen durch sie werden.
Valerie Fritsch hat mit "Zitronen" ein kleines literarisches Juwel geschaffen, das thematisch wahnsinnig schmerzhaft zu ertragen ist (TW: körperliche Misshandlung, Stellvertreter-Münchhausen-Syndrom) und einen mit sprachlicher Schönheit zugleich wie eine sanfte Umarmung durch das schwere Schicksal von August trägt, dem Zärtlichkeit in Anwesenheit von Brutalität nur allzu gegenwärtig ist.

Valerie Fritschs Roman "Zitronen" erzählt die bewegende und verstörende Geschichte von August Drach, einem Jungen, der in einem Umfeld aufwächst, das sowohl Hölle als auch Paradies ist. In einem Haus am Dorfrand, geprägt von den Grauen des Missbrauchs durch seinen Vater und der manipulativen Liebe seiner Mutter, lernt August, mit den Widersprüchen von Zärtlichkeit und Gewalt umzugehen. Valerie Fritsch, geboren 1989 in Graz, ist eine gefeierte Autorin und Künstlerin, die bereits mit mehreren Preisen, darunter dem Brüder-Grimm-Preis, ausgezeichnet wurde. "Zitronen" ist Teil der übermorgen Buchreihe, die sich auf moderne, spannende und tiefgründige Literatur konzentriert und darauf abzielt, die Vielfalt und Qualität der Gegenwartsliteratur hervorzuheben. Worum geht's genau? In "Zitronen" entfaltet sich die Geschichte von August Drach, der in einem emotional instabilen Umfeld aufwächst. Sein Vater ist enttäuscht von seinem Leben und zeigt nur Zuneigung zu den Hunden, während seine Mutter, zunächst liebevoll, ihm heimlich Medikamente ins Essen mischt, um ihn zu kontrollieren und Aufmerksamkeit zu gewinnen. Als August schließlich in der Lage ist, aus dem Griff seiner Mutter auszubrechen und ein eigenes Leben zu führen, bleibt die Frage, wie er die Narben seiner Kindheit überwinden kann. Der Roman thematisiert die Komplexität von Liebe und Grausamkeit und lädt dazu ein, über die Auswirkungen von Kindheitstraumata nachzudenken. Meine Meinung Die Diskussion um das Buch in meiner Instagram-Buchbubble war äußerst polarisiert. Während einige begeistert von der Erzählweise waren, konnten andere nicht viel damit anfangen. Da das Buch für den Österreichischen Buchpreis 2024 nominiert wurde, wollte ich mir selbst ein Bild davon machen. Der Umschlag ist ein wahrer Blickfang: Er symbolisiert die Zerrissenheit der Geschichte – auf den ersten Blick aufgeräumt und in strahlenden Farben, offenbart sich bei genauerem Hinsehen eine zerbrochene, scharfe Ordnung. Der Titel „Zitronen“ weckt Assoziationen von Sommer, hat aber auch eine herbe, saure Note. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir anfangs nicht leicht. Der sehr eigenwillige und beschreibende Stil der Autorin erforderte etwas Eingewöhnungszeit, aber der Inhalt entpuppte sich als faszinierend. Während die Erzählung zu Beginn etwas gemächlich verläuft, zieht das Tempo gegen Ende plötzlich an – für mich persönlich fast zu abrupt. Ich habe viele Stellen im Buch markiert, die besonders eindrucksvoll waren. Fritsch thematisiert eindrucksvoll die Koexistenz von Grausamkeit und Fürsorge sowie von Gewalt und Zärtlichkeit in einer kühlen, distanzierten Sprache, die die Erlebnisse des Protagonisten noch bedrückender erscheinen lässt. Sie verzichtet auf übertriebene Dramatik oder sentimentale Ausbrüche und bleibt neutral, während sie die Geschichte in einem fast chronologischen Stil präsentiert, der durch kraftvolle Metaphern aufgebrochen wird. Inmitten dieser dunklen Erzählung stellen die Zitronen einen Hoffnungsschimmer dar, der in der traurigen Geschichte leuchtet. Das Zitronensymbol zieht sich durch das gesamte Werk, bleibt dabei jedoch unaufdringlich und voller Bedeutung. Besonders eindrucksvoll wird es in der Beschreibung eines Urlaubs in dem Land, wo die Zitronen blühen, in dem August schließlich aufblüht und das Leben neu entdeckt. Das Bild der Zitronen begleitet ihn sein ganzes Leben lang. Fritsch thematisiert schwierige Themen wie Kindesmissbrauch und deren verheerende Folgen, die an manchen Stellen kaum auszuhalten sind. Einige Episoden sind detailreich, während andere lückenhaft bleiben, was die fragmentierte Natur von Augusts Erinnerungen widerspiegelt. Insgesamt hat mir das Buch gefallen, auch wenn es nicht leicht zu verdauen ist. Valerie Fritsch schafft es, ein komplexes Thema mit einer eindringlichen Sprache zu verbinden und hinterlässt beim Leser einen bleibenden Eindruck. Dennoch hätten einige Aspekte der Erzählweise, insbesondere der abrupte Wechsel im Tempo, verbessert werden können. Fazit "Zitronen" von Valerie Fritsch ist eine bewegende und tiefgründige Erzählung über die Auswirkungen von Kindesmissbrauch und die Komplexität von Liebe und Grausamkeit. Trotz des eigenwilligen Stils und des teilweise abrupten Tempos verdient das Buch eine Bewertung von 4 von 5 Sternen, da es auf eindringliche Weise auf wichtige Themen aufmerksam macht.
Eine erschreckend tragische Geschichte rund um das Münchhausen-(Stellvertreter-)Sydrom
Dieses Buch war, obwohl es wenige Seiten hat, vollgepackt mit sehr vielen kleinen Geschichten. In psychologischer Sicht war es sehr interessant über das Syndrom zu lesen und macht einem klar: „Es gibt nichts, was es nicht gibt!“ Ich fand anfangs die Sprache schwer zu verstehen, jedoch kommt man da nach einer Weile rein.
Wow! Das muss ich bei 15% aus Selbstschutz abbrechen. Nicht aufgrund des heftigen Inhaltes sondern aufgrund der Sprache und des Stils, die für mich der reinste Psychoterror sind. Hier ein längeres Zitat, das für mich die Überforderung und Toxizität des Textes verdeutlicht : „Schuld schien keine persönliche Leistung in dieser Welt, aber eine fremde Zuweisung, ein Päckchen, das man nicht ablehnen konnte, ein Stein, der einem jede Nacht heimlich tief in die Hosentasche gesteckt wurde, so dass man tags darauf unter seinem Gewicht zusammensank. Alle belogen einander, und nicht zuletzt sich selbst, in diesem Haus, und jede weitere Lüge machte sie gierig, auch die nächste zu glauben .Alles wird gut, hörte August die Eltern sagen. Es war ein Glauben gegen alle Wahrscheinlichkeit, eine Hoffnung gegen jede Erfahrung. Es bedurfte einer Vergesslichkeit, einer Erinnerungslücke, die nach einem schönen Moment den schlechten, der ihm vorangegangen war, verschlang. Die Mutter sagte kein Wort gegen den Vater, stellte sich seinem Wüten nie entgegen, schaute lethargisch in sich selbst hinein, aber eilte, kaum war es vorbei, geschäftig und mit roten Wangen zu August, um ihn mit Zärtlichkeiten zu überschütten. Fast schien sie froh, endlich Gelegenheit gefunden zu haben für ihren Trost, es war, als habe sie die entschlossenen Handgriffe ihrer großen Trägheit für gerade jene Augenblicke abgespart, in denen sie einen blauen Fleck mit Franzbranntwein abrieb oder dem weinenden Kind eine süße Milchkaramelle in den Mund steckte.“ Das ist die reinste Symbol, Metaphern und Adjektivschlacht. Zu dicht, erschlagend, überfrachtet. Zu stark aufgeladen. Der gesamte Text (bis zu den gelesenen 15%) ist so! Keine Erholung! Psychologisch komplex, aber, alles wird durch den Erzähler eingeordnet, interpretiert und mit Bedeutungen versiegelt. Mir nimmt es die Interpretationsfreude, die geistige Beweglichkeit. Ich kann mich hier nur an der Sprache berauschen. Und die ist für mich wie ein Treffen in einer Großgruppe. Von sämtlichen Seiten hämmern Gespräche, Gedanken, Stimmen auf dich ein. Das zu filtern, ist mir nicht möglich. Ich stehe mit solch einer Anlage des Textes kurz vorm Meltdown. Interessant ist, dass mich der Text, solange er ohne die dunklen, gewalttätigen Seiten vor sich hinschwebt, ganz schnell langweilt (Abschalten, Langeweile hier schon als Selbstschutz?) und im hallo wach Moment, der mich zwingt aufmerksam zu sein, die Flut der benannten Symbolik etc. nicht mehr ausbremsen kann und mich an die Wand der ausladenden Bedeutungszuweisung klatscht. Eine Schönheit die zu viel will, blendend strahlt, Migräne und aus. Schachmatt.
















































