20. Sept.
Rating:5

Stern 111 beginnt kurz nach dem Mauerfall in Gera, als Carls Eltern in den Westen gehen. Carl, der eigentlich die Wohnung seiner Eltern hüten soll, geht wenig später nach Berlin, wo er erst im Auto seiner Eltern lebt, aber durch Zufälle Anschluss an eine Gruppe Hausbesetzer findet und so an eine Wohnung im Prenzlauer Berg und Arbeit in einer Untergrundkneipe kommt (wobei er eigentlich Gedichte schreibt). Eines Tages trifft er auch seine Schulfreundin Effi wieder und beginnt mit ihr eine Beziehung. Währenddessen versuchen sich seine Eltern erst getrennt voneinander in Westdeutschland durchzuschlagen, bis sie es wieder zueinander schaffen und trotzdem der Weg zu einer Wohnung und Arbeit noch holprig ist. Mir hat dieses Buch gut gefallen, es beschreibt recht atmosphärisch die unmittelbare Nachwendezeit in Berlin, aber auch die Erlebnisse von Carls Eltern, die ein geheimes Ziel vor Augen haben, dass dem Leser und Carl erst spät enthüllt wird.

Stern 111
Stern 111by Lutz SeilerSuhrkamp
28. Juli
Rating:5

Ein junger Mann der eigentlich die Wohnung seiner Eltern hütten soll, die in den Westen aufgebrochen sind, geht 89/90 aus Thüringen nach Berlin um Dichter zu werden. Grandios erzählt.

Stern 111
Stern 111by Lutz SeilerSuhrkamp
24. Juli
Rating:4

Ein Suhrkamp zwischendurch 🤩

Sehr skurril, irgendwie witzig, wahrscheinlich zu hoch für mich 🤪 Welche Bedeutung hat die Ziege oder ist es doch nur eine Ziege? Begonnen habe ich Stern 111 lange bevor Herr Seiler den Büchner Preis gewonnen hat. Aufgeben stand nie zur Debatte!

Stern 111
Stern 111by Lutz SeilerSuhrkamp
7. Mai
Rating:5

Der junge Protagonist, Carl, sucht, im Berlin während der Umwälzungen kurz vor der Wiedervereinigung, als dichtender Maurer, als Wände verputzender und kellnernder Dichter - er wäre es gern - seinen Platz, in einer sich rasant verändernden Gesellschaft, während seine Eltern, Inge und Walther, sogenannte Geheimnisträger im Osten, unmittelbar nach dem Mauerfall im Westen ihren Weg in die Freiheit suchen, "ab Gießen getrennt, um ihre Chancen zu erhöhen, wie sie sagten", wenn auch über Büsum, ja, Büsum! "Die Eltern sollten es einmal besser haben...!? Irgendetwas stimmte nicht an diesem Satz." Man lasse sich diese Praline schriftstellerischer Prosa, in bestem Ostthüringisch, auf der Zunge zergehen! Und es tauchen reichlich skurrile Figuren auf, aber auch "Rico" Schmidt fehlt nicht, der, kollektives Gedächtnis, ebenso gut Nancy oder Ronny hätte heißen können. Einige verschwinden wieder. Viele der Figuren bleiben jedoch, so wie viele der beschriebenen Dinge, nicht zuletzt, weil sie etwas sehr persönliches zugeschrieben bekommen: "Die Briefe seiner Mutter sahen müde aus." Es ist ein sanftes Buch, ein lyrisches Buch, mit dem Blick für Details. Es erzählt eine Geschichte, die verlässlich mit feinsinnigem Humor und reichlich surrealen und absurden Passagen überrascht und so auf brillante Art die Empfindung der unmittelbar auf den Mauerfall folgenden Zeit einfängt.

Stern 111
Stern 111by Lutz SeilerSuhrkamp