Sterben lernen auf Japanisch
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Description
Book Information
Author Description
Milena Michiko Flašar hat in Wien und Berlin Germanistik und Romanistik studiert. Sie ist die Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters. Ihr Roman "Ich nannte ihn Krawatte" wurde über 100.000 Mal verkauft, als Theaterstück am Maxim Gorki Theater uraufgeführt und mehrfach ausgezeichnet. Er stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen von ihr die Romane "Herr Katō spielt Familie" und "Oben Erde, unten Himmel". Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Wien.
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Mit „Sterben lernen auf Japanisch“ legt Milena Michiko Flašar einen stillen, warmen und hochreflektierten Essay vor, der gleichzeitig Reisebericht, philosophische Meditation und persönliche Spurensuche ist. Das Buch wirkt wie ein zartes Leuchten an einem dunklen Ort: Es spricht vom Tod – und macht das Leben spürbarer. Flašar wird oft gefragt, warum der Tod ihr Schreiben begleitet. Auf ihrem Flug nach Japan holt diese Frage sie ein, und sie beschließt, ihr nicht länger auszuweichen. Bereits hier beginnt der Ton des Buches: ein leises Staunen über die Zerbrechlichkeit des Lebens, gemischt mit einer feinen, poetischen Hellsicht. Murakamis Kurzgeschichte im Bordprogramm, das Bewusstsein über die Verletzlichkeit des Flugzeugs – all das wird zu einem Moment der Erkenntnis: Wir sind zerbrechlich. Wir verdrängen es nur. Flašar stellt eine entscheidende Unterscheidung ins Zentrum: Wir werden geboren, aber wir sterben. Beide Prozesse sind aktiv, körperlich, fordernd – doch während wir für alles im Leben lernen, üben, vorbereitet werden, gibt es für das Sterben keine Schulung. Vielleicht, so ihr Gedanke, sollten wir genau das ändern. Japan ist Flašars zweite Heimat und erscheint in diesem Essay nicht als exotische Kulisse, sondern als kultureller Spiegel. Die japanische Beziehung zur Vergänglichkeit ist uralt, tief verwurzelt im Bewusstsein eines Landes, das auf dem Pazifischen Feuerring liegt und mit der ständigen Möglichkeit von Katastrophen lebt. Achtsamkeit vor der Endlichkeit zeigt sich dort in Ritualen, poetischen Haikus und alltäglichen Haltungen – nicht in kitschiger Todesromantik, sondern in einer schlichten Akzeptanz, dass Leben und Sterben zusammengehören. Flašar führt ihre Leser*innen durch Osaka, Kyoto und Tokio; in verlassenen Thermalbädern, stillen Tempeln und überfüllten Partymeilen begegnet sie nicht nur den Schatten der Endlichkeit, sondern auch einer tiefen, fast heiteren Lebenslust. Mit Empathie beschreibt sie die „Guri Shita Kids“, Jugendliche, die freiwillig auf der Straße leben, sowie die Einsamkeit alter Menschen, die in Japan zum gesellschaftlichen Problem geworden ist: Kodokushi, der einsame Tod. Der Besuch bei ihrer Tante, die diesem Schicksal nur knapp entkam, wird zu einem der emotionalen Höhepunkte des Buches. Flašars Essay wechselt elegant zwischen Beobachtung, kulturhistorischer Einbettung und autobiografischem Nachsinnen. Sie erzählt von Aufbahrungsriten, der 49-tägigen Trauerzeit, den Schutzamuletten, die am Ende des Jahres verbrannt werden. Sie sammelt Eindrücke wie Fundstücke, die sich zu einem Mosaik zusammensetzen: ein japanischer Blick auf die Endlichkeit, der nicht erschrecken soll, sondern den Respekt vor dem Leben vertieft. Besonders berührend sind die Passagen, in denen sie von Güte, Achtsamkeit und Anteilnahme spricht – Werte, die in einer alternden Gesellschaft immer dringlicher werden. Das Buch fragt, wie wir mit den Sterbenden umgehen, und zugleich: Wie gehen wir mit den Lebenden um, die am Rand stehen – den Einsamen, den Überforderten, den Verlorenen? Flašars Sprache ist wie gewohnt zart, kristallin, präzise. Sie schreibt mit einer Mischung aus literarischer Sensibilität und philosophischer Klarheit, die ihren Texten etwas Schwebendes verleiht. Die Beobachtungen sind liebevoll und zugleich kritisch, die Reflexionen sanft, aber tief. Nur selten verlieren sich die Gedanken im Essayhaften, doch diese offenen Ränder gehören zu Flašars Art des Schreibens: Sie argumentiert nicht – sie spricht und lädt ein. Der einzige kleine Bruch im Lesefluss entsteht, wie ein Kritiker anmerkt, durch unübersetzte englische Zitate; ein Hinweis, der nicht unberechtigt ist. „Sterben lernen auf Japanisch“ ist kein Ratgeber und keine kulturwissenschaftliche Studie, sondern ein leiser, eindrucksvoller Versuch, sich der eigenen Sterblichkeit anzunähern – durch Beobachtung, durch Reise, durch Erinnern. Flašar zeigt, dass die Beschäftigung mit dem Tod kein Akt der Schwermut ist, sondern ein Weg zu größerer Lebensfreude, Wachheit und Mitgefühl. Ein zärtlicher, kluger, heilsamer Essay, der den Blick weitet und tröstet. Ein Buch, das man langsam lesen möchte – und gern zweimal.

Ein sprachlich schöner Text, der zwar ab und zu vom Thema abkommt, aber in angenehmem Maße. Es wäre zu viel verlangt, wenn man nach 140 Seiten tatsächlich wüsste, wie das mit dem Sterben nun geht. Dennoch waren für mich wertvolle Impulse und schöne Zitate dabei, an die ich noch öfter denken werde.
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Milena Michiko Flašar hat in Wien und Berlin Germanistik und Romanistik studiert. Sie ist die Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters. Ihr Roman "Ich nannte ihn Krawatte" wurde über 100.000 Mal verkauft, als Theaterstück am Maxim Gorki Theater uraufgeführt und mehrfach ausgezeichnet. Er stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen von ihr die Romane "Herr Katō spielt Familie" und "Oben Erde, unten Himmel". Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Wien.
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Mit „Sterben lernen auf Japanisch“ legt Milena Michiko Flašar einen stillen, warmen und hochreflektierten Essay vor, der gleichzeitig Reisebericht, philosophische Meditation und persönliche Spurensuche ist. Das Buch wirkt wie ein zartes Leuchten an einem dunklen Ort: Es spricht vom Tod – und macht das Leben spürbarer. Flašar wird oft gefragt, warum der Tod ihr Schreiben begleitet. Auf ihrem Flug nach Japan holt diese Frage sie ein, und sie beschließt, ihr nicht länger auszuweichen. Bereits hier beginnt der Ton des Buches: ein leises Staunen über die Zerbrechlichkeit des Lebens, gemischt mit einer feinen, poetischen Hellsicht. Murakamis Kurzgeschichte im Bordprogramm, das Bewusstsein über die Verletzlichkeit des Flugzeugs – all das wird zu einem Moment der Erkenntnis: Wir sind zerbrechlich. Wir verdrängen es nur. Flašar stellt eine entscheidende Unterscheidung ins Zentrum: Wir werden geboren, aber wir sterben. Beide Prozesse sind aktiv, körperlich, fordernd – doch während wir für alles im Leben lernen, üben, vorbereitet werden, gibt es für das Sterben keine Schulung. Vielleicht, so ihr Gedanke, sollten wir genau das ändern. Japan ist Flašars zweite Heimat und erscheint in diesem Essay nicht als exotische Kulisse, sondern als kultureller Spiegel. Die japanische Beziehung zur Vergänglichkeit ist uralt, tief verwurzelt im Bewusstsein eines Landes, das auf dem Pazifischen Feuerring liegt und mit der ständigen Möglichkeit von Katastrophen lebt. Achtsamkeit vor der Endlichkeit zeigt sich dort in Ritualen, poetischen Haikus und alltäglichen Haltungen – nicht in kitschiger Todesromantik, sondern in einer schlichten Akzeptanz, dass Leben und Sterben zusammengehören. Flašar führt ihre Leser*innen durch Osaka, Kyoto und Tokio; in verlassenen Thermalbädern, stillen Tempeln und überfüllten Partymeilen begegnet sie nicht nur den Schatten der Endlichkeit, sondern auch einer tiefen, fast heiteren Lebenslust. Mit Empathie beschreibt sie die „Guri Shita Kids“, Jugendliche, die freiwillig auf der Straße leben, sowie die Einsamkeit alter Menschen, die in Japan zum gesellschaftlichen Problem geworden ist: Kodokushi, der einsame Tod. Der Besuch bei ihrer Tante, die diesem Schicksal nur knapp entkam, wird zu einem der emotionalen Höhepunkte des Buches. Flašars Essay wechselt elegant zwischen Beobachtung, kulturhistorischer Einbettung und autobiografischem Nachsinnen. Sie erzählt von Aufbahrungsriten, der 49-tägigen Trauerzeit, den Schutzamuletten, die am Ende des Jahres verbrannt werden. Sie sammelt Eindrücke wie Fundstücke, die sich zu einem Mosaik zusammensetzen: ein japanischer Blick auf die Endlichkeit, der nicht erschrecken soll, sondern den Respekt vor dem Leben vertieft. Besonders berührend sind die Passagen, in denen sie von Güte, Achtsamkeit und Anteilnahme spricht – Werte, die in einer alternden Gesellschaft immer dringlicher werden. Das Buch fragt, wie wir mit den Sterbenden umgehen, und zugleich: Wie gehen wir mit den Lebenden um, die am Rand stehen – den Einsamen, den Überforderten, den Verlorenen? Flašars Sprache ist wie gewohnt zart, kristallin, präzise. Sie schreibt mit einer Mischung aus literarischer Sensibilität und philosophischer Klarheit, die ihren Texten etwas Schwebendes verleiht. Die Beobachtungen sind liebevoll und zugleich kritisch, die Reflexionen sanft, aber tief. Nur selten verlieren sich die Gedanken im Essayhaften, doch diese offenen Ränder gehören zu Flašars Art des Schreibens: Sie argumentiert nicht – sie spricht und lädt ein. Der einzige kleine Bruch im Lesefluss entsteht, wie ein Kritiker anmerkt, durch unübersetzte englische Zitate; ein Hinweis, der nicht unberechtigt ist. „Sterben lernen auf Japanisch“ ist kein Ratgeber und keine kulturwissenschaftliche Studie, sondern ein leiser, eindrucksvoller Versuch, sich der eigenen Sterblichkeit anzunähern – durch Beobachtung, durch Reise, durch Erinnern. Flašar zeigt, dass die Beschäftigung mit dem Tod kein Akt der Schwermut ist, sondern ein Weg zu größerer Lebensfreude, Wachheit und Mitgefühl. Ein zärtlicher, kluger, heilsamer Essay, der den Blick weitet und tröstet. Ein Buch, das man langsam lesen möchte – und gern zweimal.







