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3.929
Russische Science FictionSpektrumActionPhilosophie

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Description

Als die Menschen eines Tages ein von Außerirdischen installiertes Teleportationssystem entdecken, beginnt für Privatdetektiv Martin Dugin das Abenteuer seines Lebens: Denn dieses System ermöglicht es, in Sekunden die Abgründe zwischen den Planeten der Galaxis zu überwinden. Eine perfekte Möglichkeit also für jene, die den Zuständen auf der Erde entfliehen wollen - aus welchen Gründen auch immer. Vom Autor der Bestseller "Wächter der Nacht" und "Wächter des Tages" - das mehrfach preisgekrönte Science-Fiction-Meisterwerk. Ein atemberaubender Trip durch die Galaxis, mit dem Sergej Lukianenko seinen Ruhm als bester russischer Fantastik-Autor der Gegenwart begründete.

Book Information

Main Genre
Sci-Fi
Sub Genre
N/A
Format
Other book format
Pages
704
Price
14.40 €

Posts

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All
4

Aufbruch in neue Welten mit den grundlegenden Fragen des Lebens

Hier steckt die Liebe im Detail wenn es um das Beschreiben der verschiedenen Welten, Zivilisationen und ihrer Lebenswege geht. Kreativ wurde man mit ganz grundlegenden Fragen zu Gott, der Liebe und dem Sinn des Lebens konfrontiert. Die Darstellung der Beziehung zwischen Mann und Frau bzw. das dargestellte Rollenbild ist an vielen Stellen mit modernen westlichen Werten nicht vereinbar und wirkt verstörend, woran die Qualität des Buches für mich leidet.

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"Eines Tages werden auf der Erde rätselhafte Tore entdeckt, die Teil eines gigantischen Teleportationssystems zu sein scheinen: Wer durch die Tore geht, findet sich auf Lichtjahre entfernten Planeten wieder. Doch wer hat dieses interstellare Transportsystem geschaffen? Und was sollen die Menschen damit anfangen?" Wer hat sich diesen Klappentext erdacht? Die Tore sind bereits Realität, die Menschheit als Tourist fleißig im All unterwegs (zumindest, wer es schafft, mit einer Geschichte die 'Schließer' genannten Aliens, die die Tore gebracht haben, zum Durchgang zu überzeugen), unter ihnen der Privatdetektiv Martin Dugin. Mit ihm beginnt der Roman und eigentlich auch erst der Klappentext, denn sein Auftrag, das Mädchen Irina zu finden, ist der übergreifende Plot, nicht das Wischiwaschi dort oben. Eine spannende Anfangslage und Lukianenko enttäuscht mit den erdachten Rassen und Beschreibungen ferner Welten nicht, auch wenn sie alle etwas menschenähnlich sind. Aber wir Leser sind nun mal Menschen und die Zielgruppe, von dieser Warte aus ist es okay. Nicht jedes Science Fiction-Buch muss Außerirdische vollkommen fremdartig konzipieren oder mit den Zukunftsvisionen schockieren. Nein, ob nun Aranker oder Geddarn, auch in ihrer Fremdartigkeit sind die Rassen hier sehr menschlich und verfolgen dieselben Ziele und dasselbe Streben wie die Menschen. Das, worum es Lukianenko geht, ist ohnehin ein anderes Thema als das Entdecken ferner Welten. Durch die Geschichten, die Martin den Schließern immer wieder erzählt, und dem Problem mit dem Mädchen Irina werden Fragen zu den Menschen an sich aufgeworfen, große, philosophische Fragen, auf die es im Buch keine leichte Antwort gibt, nicht zuletzt durch den Stil, der manchmal etwas sperrig ist. "Der Mensch muss noch viele Werge beschreiten", fuhr Martin fort. "Er stürzt sich auf alles, das nach seinem Dafürhalten einen Sinn bergen konnte. Er versuchte zu kämpfen, er versuchte, etwas zu erbauen. Er liebte und er hasste, schuf und zerstörte. Und erst als sein Leben sich dem Ende zuneigte, erkannte der Mensch die tiefere Wahrheit. Das Leben hat keinen Sinn. Der Sinn bedeutet stets Unfreiheit. Der Sinn formt stets jenen harten Rahmen, in den wir einander hineinjagen. Wir behaupten, der Sinn läge im Geld. Wir behaupten, der Sinn läge in der Liebe. Wir behaupten, der Sinn läge im Glauben. Doch all das sind nur Rahmen. Im Leben gibt es keinen Sinn, und darin liegt sein höherer Sinn, sein höherer Wert. Im Leben gibt es kein Finale, das wir unbedingt erreichen müssten - und das ist wichtiger als Tausende ersonnener Sinndefinitionen." (S. 371) Auch außerhalb der erzählten Geschichten beschäftigt diese Frage Martin neben seinen Abenteuern ungemein. Er lernt die seelenlosen Aranker kennen, die vogelähnlichen Schealier und die kurzlebigen Dio-Daos. Jede Rasse hat ihre Besonderheiten und bleibt durch besondere Eigenschaften im Gedächtnis, vor allem die intelligenten Amöben, mit denen es wieder sehr philosophisch wird: "[...] Es legte sich Verstand zu. Es begriff die Welt. Weshalb?" "Das ist das natürliche Bedürfnis des Verstands. Der Wunsch, die ihn umgebende Welt zu erschließen ..." "Quatsch", fiel ihm die Amöbe scharf ins Wort. "Das einzige natürliche Bedürfnis des Verstands ist es, seine Existenz maximal in die Länge zu ziehen. Die Welt zu erschließen dient nur der Gewährleistung der Sicherheit. Ich stelle dir eine andere Frage: Wozu braucht man den Verstand? Nicht den primitiven, tierischen Instinkt, sondern den Verstand? Ich hoffe, du bist in der Lage, diese beiden Begriffe auseinanderzuhalten." "Das bin ich", beteuerte Martin. "Den Verstand braucht man für die Sicherheit, die du angeführt hast. Ein Wesen, das sich abstrakte Fragen stellen kann, hat weitaus größere Chancen zu überleben." "Nur langfristig. Gut, nehmen wir einmal an, eine Kette von Zufällen habe den Instinkt um den Verstand ergänzt. Aber die meisten der sogenannten intelligenten Wesen stört der Verstand letzten Endes. Ihnen reicht das instinktive Handeln völlig aus. Damit führen sie einfache Arbeiten aus, kommen den Anforderungen der sozialen Gemeinschaft nach, empfinden Vergnügen beim Essen, bei der Fortpflanzen und bei körperlichen Betätigungen anderer Art. Tiere leben vortrefflich in Herden, freuen sich ihrer Existenz und leiden nicht unter den negativen Aspekten des Verstandes." Martin lachte unfroh auf. "Stimmt, du hast recht. Ein großer Teil der Menschheit würde hervorragend mit rein instinktivem Handeln zurande kommen. Ihr Verstand schlummert. Ich nehme an, bei den meisten humanoiden Zivilisationen ist es nicht anders. Aber was folgt daraus?" "Wozu braucht man den Verstand?" "Als Mittel des Überlebens ..." "Wozu braucht man den Verstand?", blaffte Pawlik. "Um idiotische Fragen zu stellen!", brüllte Martin. "Um sich mit Fragen über den Sinn des Lebens zu quälen! Um den Tod zu fürchten! Um sich Gott auszudenken!" "Schon besser", befand die Amöbe sanft. (S. 442 f.) Neben den philosophischen Stellen gibt es natürlich auch einige lustige, etwa, wenn Martin versucht, einem Dio-Dao die Vorzüge von Science-Fiction-Literatur zu erklären, oder sein Onkel, nachdem Martin ihm gebeichtet hat, dass er für den Tod eines Menschen verantwortlich ist, sofort mit Ratschlägen zu Salpetersäure ankommt, um die Leiche zu entsorgen. Gerade wenn die Außerirdischen reden, wird es häufig lustig, oder bei Aussagen wie: "Leicht panisch begriff Martin, dass die letzte Nacht ihr einziges Gesprächsthema darstellte. Das war natürlich nicht schlimm. Wenn Sex unweigerlich nach geistigem Austausch verlangte, hätte die Bevölkerung auf der Erde längst aufgehört zu wachsen." (S. 451) Ich habe noch sehr viel mehr positive Zitate, auch zu dem unweigerlich russischen Aspekt des Buches, der zwar ungewohnt, aber auch sehr angenehm ist. So versteht man noch viel besser, wie geprägt unsere Literatur sonst ist von amerikanischen Vorstellungen. Martin ist kein Held in dem Sinne, er rebelliert nicht gegen den Geheimdienst seines Landes oder gegen das Böse, er ist einfach ein ruhiger Mann, der gern für seinen Onkel kocht, sein Geld als Detektiv zwischen den Welten verdient und sehr gern seitenlang über russische Küche erzählt. Mein wirklicher Kritikpunkt ist jedoch nicht, wie langatmig das dadurch manchmal wird, oder die dadrin steckende Meinung ("Der Mensch ist ein Allesfresser. Unter den Bedingungen eines milden, warmen Klimas, bei geringer Bewegung und seltenem Vollzug des Geschlechtsverkehrs ist er durchaus in der Lage, mit pflanzlicher Nahrung auszukommen. Freilich nur, wenn diese im Übermaß vorhanden und körperliche Arbeit durch den Eintritt ins Nirwana abgelöst wird." S. 622). Lukianenko mag ein Russe sein und ein SciFi-Buch für andere männliche Russen seines Alters schreiben, aber es hätte dem Buch unglaublich gut getan, wenn er mal mit einer intelligenten Frau Rücksprache gehalten hätte. Dann wäre das Buch nämlich vielleicht etwas weniger sexistisch und frauendegradierend! Wer darauf Wert legt, dass das Buch den Bechdel-Test besteht oder ansonsten gern Ann Leckie oder Ähnliches liest, wird mit "Spektrum" absolut nicht glücklich und sollte die Finger davon lassen. Im gesamten Roman gibt es nur eine nennenswerte Frauenfigur, die siebzehnjährige Irina, das Mädchen, das zu suchen Martin von ihrem Vater beauftragt wurde. Anfangs als naiv und dumm bezeichnet, mit durchweg abwertenden Charaktereigenschaften, ändert sich das erst, als sie anfängt, mit Martin zu schlafen. Etwas, das vollkommen ohne Charaktermotivation oder Erklärungen erfolgt und rein der Phantasie eines Mannes zu entspringen scheint, der sich nicht damit zufrieden geben will, dass der männliche Hauptcharakter sonst keinen Sex bekommt im Roman. Vom Altersunterschied der beiden mal abgesehen (sowas ist mir im Grunde egal), herrscht ein furchtbares Ungleichgewicht zwischen den beiden, das sich auch durch das restliche Buch zieht. So gibt es eine Alienrasse, in der nur die Männer intelligent sind, und tierische Weibchen begatten, die bislang nicht zu Verstand gekommen sind. Gäbe es auch nur einen Ansatzpunkt, der das Frauenbild positiver gestaltet, hätte es mich vielleicht nicht mit einer solchen Gänsehaut hinterlassen ... oder dem Bedürfnis, nach diesem Absatz die Bewertung auf zwei Sterne zu korrigieren. Oder einen. Denn dieser Aspekt von "Spektrum" geht gar nicht. Ich hoffe sehr, dass seine anderen Romane etwas weniger frauenfeindlich sind, und werde bis dahin erst mal zu ein paar Büchern greifen, in denen es mehr als eine einzige Frau, die dann auch noch das Sexualobjekt des Protagonisten wird, gibt.

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