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Mit „Schatten Eis“, das im Gmeiner Verlag erschienen ist, erschafft Anne Nordby, eine deutsche Autorin, die unter einem Pseudonym schreibt, einen düsteren Nordic-Noir-Thriller, der klassische Ermittlungsarbeit mit grönländischer Mythologie verbindet. Statt auf pausenlose Action zu setzen, entwickelt der Roman seine Spannung langsam und bedrückend. Bei 24 % hatte die Geschichte sich immer noch nicht entfaltet. Eine kalte, unheilvolle Stimmung, die sich konsequent bis zum Ende hält, legt sich jedoch früh über der Handlung. Im Mittelpunkt steht Marit Rauch Iversen, eine Ermittlerin bei der Polizei in Kopenhagen, die über die seltene Fähigkeit verfügt, Gesichter außergewöhnlich präzise wiederzuerkennen. Diese besondere Begabung macht sie sofort zu einer interessanten Hauptfigur, weil sie sich angenehm von den üblichen Thriller-Ermittlern unterscheidet. Gleichzeitig trägt Marit schwere Erinnerungen aus ihrer Kindheit mit sich. Der Verlust ihrer Familie in Grönland und die Geschichten über den unheilvollen Anngiaq – eine dunkle Erscheinung aus der grönländischen Mythologie – verfolgen sie bis in die Gegenwart. Gerade diese Verbindung aus persönlichem Trauma und aktuellen Ermittlungen verleiht der Figur viel Tiefe. Die Handlung entwickelt sich rund um mehrere grausame Morde in Kopenhagen, die politischen Hintergrund haben, und die offenbar mit einem lange verborgenen Geheimnis aus Grönland zusammenhängen. Besonders gelungen ist dabei, wie Anne Nordby Realität und Mythos miteinander verschwimmen lässt. Lange bleibt unklar, ob tatsächlich etwas Übernatürliches hinter den Ereignissen steckt oder ob die eigentliche Gefahr von Menschen ausgeht. Dadurch entsteht eine permanente Unsicherheit, die den Spannungsaufbau verstärkt. Der Roman lebt weniger von schnellen Wendungen als von unterschwelliger Bedrohung und psychologischem Druck. Allerdings bringt genau dieser starke Fokus auf grönländische Kultur und Sprache auch Probleme mit sich. Viele Namen, Begriffe und Bezeichnungen wirken für deutschsprachige Leser zunächst sehr fremd und unterbrechen den Lesefluss teilweise erheblich. Zwar enthält das Buch ein Glossar mit Übersetzungen und Erklärungen aus grönländischen und dänischen, doch gerade im E-Book ist das ständige Nachschlagen umständlich und reißt immer wieder aus der Handlung heraus. Hinzu kommt, dass sich viele grönländische und dänische Namen optisch stark ähneln und deshalb nicht immer leicht auseinanderzuhalten sind. Besonders bei Nebenfiguren sorgt das schnell für Verwirrung, was den Zugang zur Geschichte unnötig erschwert und stellenweise den Lesespaß bremst. Trotz dieser Schwächen bleibt „Schatten Eis“ ein ungewöhnlicher Thriller, der sich durch seine mythologischen Elemente und die bedrückende Atmosphäre deutlich von vielen anderen Romanen unterscheidet. Wer langsame, psychologisch geprägte Spannung und nordische Schauplätze mag, findet hier eine intensive Geschichte mit einer faszinierenden Grundidee.
May 14, 2026
Mit „Schatten Eis“, das im Gmeiner Verlag erschienen ist, erschafft Anne Nordby, eine deutsche Autorin, die unter einem Pseudonym schreibt, einen düsteren Nordic-Noir-Thriller, der klassische Ermittlungsarbeit mit grönländischer Mythologie verbindet. Statt auf pausenlose Action zu setzen, entwickelt der Roman seine Spannung langsam und bedrückend. Bei 24 % hatte die Geschichte sich immer noch nicht entfaltet. Eine kalte, unheilvolle Stimmung, die sich konsequent bis zum Ende hält, legt sich jedoch früh über der Handlung. Im Mittelpunkt steht Marit Rauch Iversen, eine Ermittlerin bei der Polizei in Kopenhagen, die über die seltene Fähigkeit verfügt, Gesichter außergewöhnlich präzise wiederzuerkennen. Diese besondere Begabung macht sie sofort zu einer interessanten Hauptfigur, weil sie sich angenehm von den üblichen Thriller-Ermittlern unterscheidet. Gleichzeitig trägt Marit schwere Erinnerungen aus ihrer Kindheit mit sich. Der Verlust ihrer Familie in Grönland und die Geschichten über den unheilvollen Anngiaq – eine dunkle Erscheinung aus der grönländischen Mythologie – verfolgen sie bis in die Gegenwart. Gerade diese Verbindung aus persönlichem Trauma und aktuellen Ermittlungen verleiht der Figur viel Tiefe. Die Handlung entwickelt sich rund um mehrere grausame Morde in Kopenhagen, die politischen Hintergrund haben, und die offenbar mit einem lange verborgenen Geheimnis aus Grönland zusammenhängen. Besonders gelungen ist dabei, wie Anne Nordby Realität und Mythos miteinander verschwimmen lässt. Lange bleibt unklar, ob tatsächlich etwas Übernatürliches hinter den Ereignissen steckt oder ob die eigentliche Gefahr von Menschen ausgeht. Dadurch entsteht eine permanente Unsicherheit, die den Spannungsaufbau verstärkt. Der Roman lebt weniger von schnellen Wendungen als von unterschwelliger Bedrohung und psychologischem Druck. Allerdings bringt genau dieser starke Fokus auf grönländische Kultur und Sprache auch Probleme mit sich. Viele Namen, Begriffe und Bezeichnungen wirken für deutschsprachige Leser zunächst sehr fremd und unterbrechen den Lesefluss teilweise erheblich. Zwar enthält das Buch ein Glossar mit Übersetzungen und Erklärungen aus grönländischen und dänischen, doch gerade im E-Book ist das ständige Nachschlagen umständlich und reißt immer wieder aus der Handlung heraus. Hinzu kommt, dass sich viele grönländische und dänische Namen optisch stark ähneln und deshalb nicht immer leicht auseinanderzuhalten sind. Besonders bei Nebenfiguren sorgt das schnell für Verwirrung, was den Zugang zur Geschichte unnötig erschwert und stellenweise den Lesespaß bremst. Trotz dieser Schwächen bleibt „Schatten Eis“ ein ungewöhnlicher Thriller, der sich durch seine mythologischen Elemente und die bedrückende Atmosphäre deutlich von vielen anderen Romanen unterscheidet. Wer langsame, psychologisch geprägte Spannung und nordische Schauplätze mag, findet hier eine intensive Geschichte mit einer faszinierenden Grundidee.
May 14, 2026







