Sanfte Radikalität

Sanfte Radikalität

Hardback
4.021

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Description

»Klug beobachtet, eisheiß geschlussfolgert. Jagoda Marinić beschreibt unsere Zeit, wie sie sein sollte.« Robert Habeck

Die letzten Jahre waren geprägt von einer Aufbruchstimmung und dem Selbstbewusstsein vieler Minderheiten, gesellschaftlichen Wandel vor allem durch laute Töne und harte Forderungen voranbringen zu können. Die einen sahen darin die große Chance, die Machtverhältnisse umzukehren, die anderen eine große Gefahr, eine Art » woke Wutpropaganda« , die das Bestehende zersetzen will.

Seit über zehn Jahren engagiert sich Jagoda Marinić für den Aufbau einer diverseren Gesellschaft . In Heidelberg hat sie das Interkulturelle Zentrum Heidelberg mit aufgebaut und das International Welcome Center mit konzipiert. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen macht sie nun Vorschläge, wie wir aus dieser Radikalität herauskommen. Wie geht Wandel vor Ort ? Was bietet unsere Zeit an Möglichkeiten jenseits von Positionierungen auf Instagramkacheln , wie werden wir Menschen wieder zu handelenden Subjekten, statt uns in den Empörungsspiralen der sozialen Medien zu verlieren?

Ausgehend von Begriffen wie » Sehen «, » Identität «, » Streit «, mit denen wir über Gesellschaft sprechen und Prozesse beschreiben, erzählt sie, wie es möglich wurde, ihre Ideen Wirklichkeit werden zu lassen und Menschen für ihren Traum zu begeistern – mit sanfter Radikalität.

»Das Alleinstellungsmerkmal von Zukunft ist Anders, Veränderung, Neu. Darüber reden können schon nicht viele, es umsetzen noch weniger. Hier nun geht Jagoda Marinić auf ein Date mit Utopie und Realität, schaut mal amüsiert, mal verzweifelt dabei zu, wie Zukunft aus dem Ei schlüpft.« Florence Gaub

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Hardback
Pages
160
Price
20.60 €

Author Description

JAGODA MARINIC, geboren 1977, ist Schriftstellerin, Publizistin und Podcasterin. Sie ist Kolumnistin für den »stern«, international publizierte sie in der »New York Times«. Zudem ist sie Host des erfolgreichen ARD-Podcast »FREIHEIT DELUXE« und wurde mit der Moderation in ihrem »arte«-Talk »Das Buch meines Lebens« für den Grimme-Preis nominiert. 2022 wurde sie als Kulturjournalistin des Jahres ausgezeichnet. Zehn Jahre lang baute sie als Kulturmanagerin das Interkulturelle Zentrum in Heidelberg auf, wo sie heute außerdem das feeLit - Internationales Literaturfestival kuratiert.

Posts

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All
4

Leise, nachdrücklich, betrachtenswert

"Wie lernfähig bleibt der Einzelne und geht es ihm im Diskurs um die Dominanz seiner eigenen Positionen oder, um die Lernerfahrung, eine Vielheit von Positionen kennenzulernen, mit dem Ziel, im Einklang zu koexistieren? (S. 62)" Das ist, meiner Meinung nach, eine Frage aus dem Buch von Jagoda Marinić (geb. 1977), die sich jeder zuweilen Stellen sollte und die dazu führt, dass sich ein anderer Blick nicht nur auf andere Positionen, sondern auch die eigene ergibt. Die Schriftstellerin schreibt in ihrem Buch von den Erfahrungen, die sie in ihrer Arbeit für eine diversere Gesellschaft gesammelt hat und versucht einen Weg aufzuzeigen, wie sich aus der derzeitigen Lage mit immer weiter verhärtenden Fronten in der Gesellschaft möglicherweise entkommen lässt. Ihre Sprache ist leise, sachlich und dennoch nachdrücklich. Ihre mit Bedacht geäußerten Gedankengänge, Erfahrungen und Ideen finden sanft Einlass, scheinen zunächst kaum von Gewicht und hallen dann immer lauter, eindrücklicher und radikaler nach, je länger sie nachwirken, je mehr sie sich entfalten und Raum einnehmen. Titel und Inhalt stimmen daher auf erstaunlich gut komponierte Art überein ohne forciert zu wirken. Besonders nachdrücklich hallt in mir die Erinnerung daran nach, was Demokratie überhaupt bedeutet. Dass es der Kern von Demokratie ist, verschiedene Meinungen, Ideen, Lebensformen nebeneinander existieren zu lassen. Demokratie ist Pluralität und Koexistenz! Deswegen erscheint es wichtig von einem polarisierenden Diskurs abzurücken und einen Diskurs zu führen bzw. noch viel wichtiger aktiv Lösungen zu erarbeiten, wie wir als Menschen trotz unterschiedlicher Meinungen friedlich mit- und nebeneinander existieren können. Ich werde diesen Gedanken und noch einige andere für mich aus diesem Buch mitnehmen und mich zuweilen daran erinnern. Das Buch hat mir gut gefallen.

Leise,  nachdrücklich, betrachtenswert
5

Klar, klug, kraftvoll

Sanfte Radikalität ist eines dieser Bücher, das einen wach macht – ohne zu schreien. Jagoda Marinic schreibt mit einer Stimme, die gleichzeitig ruhig und entschlossen ist. Ihre Gedanken über Zugehörigkeit, Identität, Gesellschaft und Sprache sind so präzise, so menschlich und dabei immer respektvoll unbequem. Ich habe beim Lesen oft genickt, manchmal geschluckt, und ganz oft gedacht: Genau das brauchen wir mehr – Dialoge, die nicht nur kritisieren, sondern auch verbinden wollen. Was mich besonders berührt hat, war ihr Glaube an Veränderung – nicht durch Lautstärke, sondern durch Haltung. Ein Buch, das inspiriert, ermutigt und nachwirkt. Sanft, ja. Aber auch radikal wichtig. #SanfteRadikalität #JagodaMarinic #KlartextMitHerz #GesellschaftLesen #ZuhörenVerstehenVerändern #BücherDieMutMachen

3

Habe etwas anderes erwartet

Bin zwiegespalten. Einerseits hat das Buch viele gute Ansätze - andererseits fehlt irgendwie eine genaue Analyse von "Demokratie" und was sich die Autorin genau drunter vorstellt. Immerhin ist dieser Begriff mittlerweile sehr entleert und kann von jedem einfach für seine Agenda genutzt werden. Ich habe das Gefühl, man versucht hier zwar u.a. Ansätze darzulegen, um Demokratie demokratischer zu machen, was ich im Prinzip richtig finde, denn so demokratisch wie immer getan wird ist unser System gar nicht. Jedoch fehlt bei diesem Aspekt wie gesagt die genaue Definition. Zudem wird auch nicht auf die Probleme eingegangen, die das System derzeit legitimiert. Weiterhin hat das Buch kaum Struktur und teils ewig lange Sätze, die sich selbst für mich (habe damit normalerweise kein Problem) anstrengend lesen ließen. Es ging dann auch viel um "inneraktivistische" Differenzen, wo sie zwar ein paar valide Punkte macht, ich mir aber vorkam wie in einer eskalierenden Social Media Diskussion, was eigentlich im Grunde kritisiert, aber dann fast genauso reproduziert (?) und das alles auch noch sehr sprunghaft. Bin ein bisschen verwirrt zurückgeblieben. 🤔

1

Nach dem Prolog hätte Ende sein können…

Der Prolog hat für mich einen starken und packenden Auftakt dargestellt. Für einen kurzen Moment dachte ich: >Dieses Buch ist ein Must-read für alle Persönlichkeiten unsere Gesellschaft!<. Auch in dem Kapitel „Sehen“ werden grundlegend starke Thesen aufgestellt, doch es sind auch erste Zeichen des übrigens Buches zu erkennen. Während das Buch und die Schreibweise einen Allgemeingültigkeitsanspruch stellen, beschreibt es inhaltlich mehr die Probleme legitimierter bzw. privilegierter marginalisierter Menschen. Das Alter und die Stagnation der Autorin lassen sich also in ihren Inhalten, sowie in ihrer Sprache erkennen. Das Anders sein wird negativ dargestellt und es lässt sich eine Angst herauslesen selbst als anders dargestellt oder gelesen zu werden. Es werden sprunghaft Situationen und Erlebnisse dargestellt. Jedoch wird eine distanzierte Sprache angewandt die eine Konversation auf der Metaebene anstrebt. Zweifelsohne ein Widerspruch. Das Kapitel „Streit“ vermittelt einen Hass auf jugendlichen Aktivismus, die Annahme Radikalisierung sei kein strukturelles Problem und unverständliche Kritik an Safespaces die eher wirken wie eine Neid. Progressive die besser sein wollen als andere Progressive brauchen wir nicht. Besonders spannend wird es dann im Kapitel „Self-Esteem“, wo der Autorin mehr oder weniger Auffällt, dass ihr Anspruch der Allgemeingültigkeit nicht der Realität entspricht. Sie begründet all ihre nicht gestützten Argumente nun doch mit ihrer Herkunft von der sie sich zuvor dringend lösen wollte. Besonders S.138 Z.18 f. haben mich zum Lachen gebracht (nicht auf die positive Weise). Schließlich widerspricht sie sich selbst und die von ihr angewandte Sprache manipuliert Lesende zu ihren Gunsten. Es bleibt die Frage: „Was hat all das mit sanfter Radikalität zu tun?“ Daher meine oben zu sehende Umbenennung. Als Werk ihrer Erfahrung und Schlüsse daraus wäre es erträglicher gewesen. 20€ legitimieren weder dieses Buch noch die Kopfschmerzen. Vielleicht aber die wilden Gespräche die ich daraufhin geführt habe.

Nach dem Prolog hätte Ende sein können…
3

Zu diesem Buch entwickelte ich eine komplizierte Beziehung. Eigentlich ging ich davon aus, zu erfahren, wie ich mehr meine eigene sanfte Radikalität anzapfen kann, um diese bewusst anzuwenden. Dazu gibt es in diesem Buch aber nichts. Es geht zum einen mehr um Marinićs eigene sanfte Radikalität und die Projekte, die sie damit zustande gebracht hat, und zum anderen beschäftigt sich die Autorin mehr mit den internen Problemen von "linkseingestellten" Menschen. So kam es, dass mir dieses Werk zum einen sehr, sehr viel zum Nachdenken gegeben hat, zum anderen bin ich aber auch etwas enttäuscht, weil sich die Autorin kritisch über die internen Streitereien äussert, aber mit ihrem Schreiben auch ihren Teil dazu beträgt. Ich bin beeindruckt von den Sichtweisen, die mir Marinić hier vor Augen geführt hat. Vor allem, da ich den Rassmis gegen Menschen aus dem ehemaligen Yugoslawien direkt mitbekommen habe. Auch dass weisse alte Männer nicht unbedingt weisse alte Männer sein müssen, sondern auch aktiv etwas zur Diskussion beitragen können. Manchmal kam der Text aber auch zu sehr aus der Richtung einer Abrechnung, zu viel von verletztem Stolz kam zum Ausdruck, sodass ich mich als lesende Person wie in einem schlechten Frustgespräch vorkam. Und wie schon erwähnt, hätte ich gerne mehr darüber erfahren, wie sanfte Radikalität ins eigene Leben eingewoben werden kann. Das muss ich wohl selber herausfinden.

5

Sätze, die hängen bleiben.

Kurz gesagt: wenn ihr was erreichen wollt, müsst ihr euch auf andere einlassen. Eine Binse, könnte man meinen. Aber offensichtlich eine, die wenige Menschen verstehen. Jagoda unterbreitet sie mit so schönen Sätzen, die hängen bleiben. Und sie hat Beispiele aus ihrer Praxis. Das macht das Leseerlebnis lebendig und frisch. Keine oberschlauen Weisheiten sondern authentische Erkenntnisse.

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