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Ein Anarchist zu Besuch im Kapitalismus
Shevek ist Anarres geboren, einem Wüstenplaneten der gemeinsam mit dem Nachbarn Urras einen Doppelplaneten bildet. Urras ist ein wunderschöner Planet, mit Wäldern, Städten und Tieren, aber auch mit einer starken Hierarchie, Superreichen und einer Arbeiterklasse im Elend. Vor 170 Jahren wanderten die Anarchisten aus, um auf dem bisher nur im Bergbau genutzten Nachbarplaneten ein neues Leben aufzubauen. Sie sind arm, aber solidarisch und frei, sie essen und hungern gemeinsam. So zumindest in der Theorie, denn Shevek stellt im Laufe seines Lebens fest: über öffentliche Meinungen wird doch Herrschaft ausgeübt und kaum jemand lehnt die Arbeitsaufträge ab, die sie oder ihm angeboten werden, auch wenn diese eine lange Trennung von der Familie bedeuten. Als der Physiker eine Einladung nach Urras bekommt, um einen Preis entgegenzunehmen, lernt er auch die dortige Welt des Überflusses und das Elend der Arbeiter:innen kennen. Wie häufig in old-timey science fiction steht nicht eine actiongeladene Handlung sondern eine Idee im Vordergrund, und die gefällt mir sehr gut, die Utopie einer Welt ohne Privateigentum und Herrschaft, in der man frei ist, sich immer wieder neu zu entscheiden, wo man lebt und was man arbeitet, in der unangenehme Tätigkeiten solidarisch geteilt werden ist wunderbar und auch dass das Buch die Schwierigkeiten darstellt und nicht verklärt gefällt mir gut (etwa dass ein solidarisches Teilen deutlich leichter fällt, solange es für alle genug gibt und wie stark die Menschen aus Anarres ihre eigenen Gedanken und Handlungen kontrollieren). Auch sprachlich fand ich es spannend: Privateigentum wird so sehr verurteilt, dass sogar Possessivpronomen vermieden werden (der Vater und das Taschentuch, das ich benutze statt mein Vater oder mein Taschentuch). Ich habe es sehr gern gelesen und mich keine Sekunde gelangweilt 🥰
Sep 12, 2025
Ein Anarchist zu Besuch im Kapitalismus
Shevek ist Anarres geboren, einem Wüstenplaneten der gemeinsam mit dem Nachbarn Urras einen Doppelplaneten bildet. Urras ist ein wunderschöner Planet, mit Wäldern, Städten und Tieren, aber auch mit einer starken Hierarchie, Superreichen und einer Arbeiterklasse im Elend. Vor 170 Jahren wanderten die Anarchisten aus, um auf dem bisher nur im Bergbau genutzten Nachbarplaneten ein neues Leben aufzubauen. Sie sind arm, aber solidarisch und frei, sie essen und hungern gemeinsam. So zumindest in der Theorie, denn Shevek stellt im Laufe seines Lebens fest: über öffentliche Meinungen wird doch Herrschaft ausgeübt und kaum jemand lehnt die Arbeitsaufträge ab, die sie oder ihm angeboten werden, auch wenn diese eine lange Trennung von der Familie bedeuten. Als der Physiker eine Einladung nach Urras bekommt, um einen Preis entgegenzunehmen, lernt er auch die dortige Welt des Überflusses und das Elend der Arbeiter:innen kennen. Wie häufig in old-timey science fiction steht nicht eine actiongeladene Handlung sondern eine Idee im Vordergrund, und die gefällt mir sehr gut, die Utopie einer Welt ohne Privateigentum und Herrschaft, in der man frei ist, sich immer wieder neu zu entscheiden, wo man lebt und was man arbeitet, in der unangenehme Tätigkeiten solidarisch geteilt werden ist wunderbar und auch dass das Buch die Schwierigkeiten darstellt und nicht verklärt gefällt mir gut (etwa dass ein solidarisches Teilen deutlich leichter fällt, solange es für alle genug gibt und wie stark die Menschen aus Anarres ihre eigenen Gedanken und Handlungen kontrollieren). Auch sprachlich fand ich es spannend: Privateigentum wird so sehr verurteilt, dass sogar Possessivpronomen vermieden werden (der Vater und das Taschentuch, das ich benutze statt mein Vater oder mein Taschentuch). Ich habe es sehr gern gelesen und mich keine Sekunde gelangweilt 🥰
Sep 12, 2025






