Nullerjahre
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Description
Die Nachwendezeit zwischen den Stralsunder Plattenbauten – während viele Erwachsene die Suche nach einem Platz im neuen System aufgeben, suchen sich Hendrik und seine Freunde Auswege aus der Langeweile. Und andere Vorbilder.
Langsam zerfallen die Frontlinien der Baseballschlägerjahre, die Springerstiefel werden von Turnschuhen abgelöst, Rechtsrock von Gangsterrap, die Optionen bleiben dieselben: Fressen oder gefressen werden. Im Kindergarten, in der Schule und im Fußballverein haben sie gelernt, dass der Klügere nur so lange nachgibt, bis er der Dümmere ist. Und so ist das Ziel klar: härter werden. Stumpfer werden. Die Mittel finden sich – Kraftsport, Drogen, Rap.
Hendrik Bolz erzählt von den ostdeutschen Nullerjahren, und erklärt uns ein Stück bundesrepublikanische Gegenwart.
»Eine Mischung aus Popliteratur, Coming-of-Age-Geschichte, Memoiren und sozialwissenschaftlicher Recherche« Bayerischer Rundfunk
Book Information
Author Description
Hendrik Bolz wurde 1988 in Leipzig geboren, wuchs in Stralsund auf und zog später nach Berlin. Er setzte ein Studium in den Sand, schloss ein anderes ab und schaffte schließlich den Durchbruch mit der Band Zugezogen Maskulin. Heute ist er u. a. Host des preisgekrönten Podcasts »Springerstiefel« und freier Autor. Sein Debüt »Nullerjahre« war ein Bestseller.
Posts
Dieses Buch lässt mich ein wenig sprachlos zurück. Nachdem ich kürzlich bereits an der Premiere von „Mit der Faust in die Welt schlagen“ im Kino teilnehmen durfte, war mir die Thematik einer trostlosen Jugend in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung nicht fremd. Nichtsdestotrotz ist es immer wieder erschreckend zu lesen, wie sich so eine Perspektivlosigkeit, gepaart mit der Tristesse der Umgebung aus Arbeitslosigkeit, rassistischem und sexistischem Gedankengut, auf das Sozialverhalten junger Menschen auswirkt. Diese Umstände beschreibt Hendrik Bolz in Nullerjahre so anschaulich, dass man durchgängig das Gefühl hat, selbst in diesen Plattenbauten in Stralsund zu verwahrlosen. Dieses Verhalten findet in den Gedanken der Protagonisten keine Reflexion oder ein Umlenken, auch wenn das Outro dieses bei Hendrik selbst vermuten lässt. Das macht dieses Buch jedoch nur umso ehrlicher, kann aber auf bestimmte Personengruppen sicherlich verstörend wirken. Eine sehr anschauliche Erzählweise aus der Ich-Perspektive lässt dieses Buch und die Jugend von Hendrik Bolz sehr einfach in die Köpfe der lesenden Person kommen. Umso mehr man sich mit einer derartigen Thematik beschäftigt, desto klarer kann man sich vorstellen, warum es auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung noch so eine gedankliche Kluft zwischen West- und Ostdeutschland gibt und man lange noch nicht in den Köpfen der Menschen ein geeintes Deutschland hat. Auch wenn politische Themen eher grob angerissen werden, ist dieses Buch ein interessantes Fallbeispiel für die Politisierung von jungen Menschen außerhalb der eigenen sozialen Sphären; jedenfalls wenn man nicht gerade aus einer Drogen, Alkohol und Gewalt verherrlichenden Szene kommt. Kein Buch für jemanden mit schwachen Nerven, aber mehr als aufschlussreich. Einzig die Zeitsprünge in einigen Kapiteln scheinen ein wenig verworren und lassen einen daran zweifeln, ob diese wirklich so zusammengehören. Aber die Gesamtgeschichte lässt vermuten, dass es die Umstände der berauschenden Substanzen auch wenig zulassen, einen reinen Kopf zu haben.
Ein Blick in die raue Seele der Nullerjahre
Ein Buch, das mich neugierig gemacht hat – weil ich selbst ein Nullerjahre-Kind bin, weil auch ich mit sechs nach Neubrandenburg gezogen bin, weil ich den Osten von innen kenne. Einige der Erfahrungen, die Henrik Bolz beschreibt, sind mir tatsächlich vertraut. Die grauen Fassaden, die orientierungslose Wut, die suchende Jugend. Aber vieles war für mich auch weit weg: Die Gewalt, der harte Drogenkonsum, diese ständige Aggression. Meine Welt war ruhiger, reflektierter, vielleicht auch geschützter. Was mir gefehlt hat, war die Sprache. Sie hat mich nicht mitgenommen – zu direkt, zu plakativ, manchmal fast atemlos. Vielleicht war das Absicht, vielleicht sollte genau das den Takt dieser verlorenen Jahre abbilden. Für mich blieb es trotzdem oft zu flach. Nullerjahre war für mich deshalb weniger ein literarisches Erlebnis als ein Wiedersehen mit einem Ort – aber ohne das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.

MV und seine gruseligsten Seiten
Hendrik Bolz erzählt beeindruckend über die seiner Jugend, zwischen Nazis, Drogen, Gewalt und irgendwie bisschen Selbstfindung. Es war sehr gut geschrieben, man konnte es flüssig lesen und es sehr gut verstehen, vor allem , wenn man auch Mv kommt (wie ich). Die gleichen Probleme gab es 10 Jahre später nämlich auch noch, wenn auch nicht mehr ganz so extrem, wie im Buch beschrieben. Super Buch.
krasse empfehlung
extrem nahbarer schreibstil: wir lernen die hauptcharaktere und ihre jugendliche, herausfordernde lebensrealität extrem authentisch kennen und das buch schafft es dennoch, trotz aller harten themen, den inhalt gut zugänglich und angenehm lesbar zu machen. eine tolle art und weise & gelungene verschriftlichung schwerer kindheitserfahrungen in ostdeutschland
Strukturell und stilistisch nicht überzeugend, thematisch nicht ausgegoren. Der Roman wird sehr schnell sehr zäh — immer wieder werden ähnliche Episoden erzählt, gleichzeitig gibt es diverse inhaltliche Lücken. Sprachlich ist der Roman ebenfalls flach. Der Erzähler berichtet repetitiv, weder in poetischer Sprache noch in einer überzeugenden, authentischen Stimme, von seinen Jugenderlebnissen - puh.
Gewalt in den Nullerjahren
Das ist ein nachträglicher Bericht, ich habe das Buch schon vor ca. 1,5 Jahren gelesen. Es hat mir so gut gefallen, dass ich immer mal wieder daran denken muss und es jetzt auch zu meinen Lieblingsbüchern sortiert habe. Es ist ein hartes Buch über Gewalt, es ist vulgär und lässt nichts aus. Was ich besonders mag ist, dass es nichts beschönigt und nichts auslässt. Ähnlich zu Christiane F. Wir Kinder vom Bahnhof Zoo könnte man eine abschreckende Wirkung vermuten. Aber genau wie bei diesem Buch geht es nicht nur um Abschreckung, sondern auch um Aufklärung. Es regt nämlich zum Nachdenken an. Wie war es eigentlich in Mecklenburg, im Osten, in Stralsund in den „Nullerjahren“? Die Antwort: Perspektivlosogkeit, Armut, Drogen, Nazis und Gewalt. So erzählt zumindest Bolz aus seiner Kindheit und Jugend, wie er selbst gemobbt hat und gleichzeitig Angst hatte. Wie ein Junge sein musste und dass er nicht weinen durfte. Die literarische Darstellung hat mich ebenfalls sehr überzeugt. Da Hendrik Bolz auch Rapper ist, geschieht in diesem Buch alles sehr schnell, durch Ellipsen, Wiederholungen und einem schnellen Rhythmus. Für mich ist das Buch so stark, dass ich Lust habe, es noch einmal zu lesen.
Ein Buch wie ein Fiebertraum
Vorweg muss ich sagen, dass mich das Buch stark beschäftigt hat, da ich sowohl in den Nullerjahren als auch in einem neuen Flächenbundesland aufgewachsen bin und die Handlung dennoch nicht weiter von meiner Lebenswelt hätte entfernt sein können. Inhaltlich fand ich das Buch aufgrund der dargestellten körperlichen und sprachlichen Gewalt teilweise schwer zu ertragen. Jedoch nicht so, dass ich das Buch zur Seite legen wollte, sondern wissen wollte, wie es weitergeht und ob der Protagonist den Absprung schafft. Ein wirklich wichtiges Buch, dass zwar eine Erklärung für viele heutige Entwicklungen in Deutschland bietet, aber letztlich sprachlich nicht immer überzeugen kann. Häufig wird mit denselben Stilmitteln gearbeitet und mir persönlich, gab es ein paar Wiederholungen des Abrutschens und noch tiefer Abgleitens in die Gewalt- und Drogenspirale zu viel - die ich leider gegen Ende nicht mehr glaubwürdig fand. Insbesondere mit der Entwicklung der Figur zum Ende hin. Nichtsdestotrotz besitzt dieses Buch eine gewisse gesellschaftliche Relevanz - nicht nur für Menschen, die nach der Wende geboren wurden, sondern besonders auch für all jene, denen das Verständnis für den ehemaligen Osten fehlt.
Harter Tobak
Puh, das war intensiv und oft kaum auszuhalten. Öfter war ich kurz davor abzubrechen, wenn die Spirale aus Drogen, Gewalt und vulgärer Sprache sich über lange Passagen zog. Hendrik Bolz legt hier ein Zeugnis ab, das die Jugend der Nachwendezeit im Ostdetschland skizziert. Ein Strudel aus dem 'sich betäuben', immer der stärkere sein zu müssen, bloß nichts fühlen dürfen. Noch geprägt von den Ausläufern einer DDR Erziehung und gleichzeitig schon einem zurückgelassen fühlen in der neuen Welt des geeinten Deutschlands. Das Fehlen beinahe sämtlicher Erwähnung von Eltern (und damit der Möglichkeit, dieser Jugend Halt, Richtung und Hoffnung zu geben) spricht eine so deutliche Sprache. Vieles hab ich selbst so erlebt, wenn auch glücklicherweise nicht in einem solchen Ausmaß. Gefühle von Scham, Wunsch nach Abstand und schlicht Verdrängung. Kein Buch für zarte Nerven, das aber hilft, hier und da die Entwicklungen im Osten bis heute etwas nachzuvollziehen. Auch weil Bolz immer wieder Fakten zum politischen Status der jeweiligen Zeit einfließen lässt.
Alter! 1A Buch. Sollte wirklich Pflichtlektüre im Unterricht werden!!! Ich kann die Kritik hier größtenteils wirklich nicht nachvollziehen… Das Buch ist unfassbar schön geschrieben, sodass man sich perfekt hineinversetzen und mitfühlen kann. Die harten Fakten im Buch bringen einen wahrhaften Lehrcharakter mit sich. Die Songzitate und andere Zusätze erfrischen das Buch auch noch einmal zusätzlich. Es gibt sogar eine Playlist! Das Schlusswort ist unfassbar schön und hilft mir dem Buch abzuschließen und es noch einmal zu reflektieren und einzuordnen. Ich werde es definitiv nochmal lesen. Großartig!
Erschütternd. Dieses Buch macht nachdenklich!
Dieses Buch reiht sich in meine Leseerlebnisse der letzten Monate ein und ergänzt die Erzählungen von Clemens Meyer und Domenico Müllensiefen. Zeitlich spielt Nullerjahre ca. 10 Jahre später zu Beginn des neuen Jahrtausends in einer Plattenbausiedlung in Stralsund. Eine Jugend geprägt von Drogen, Gewaltexzessen gegen jeden der Schwäche zeigt und die Abwesenheit von Liebe. Es ist streckenweise nur schwer auszuhalten. Der Autor verarbeitet hier seine eigenen Erfahrungen der Jugend und blickt zurück, nachdem er 13 Jahre zuvor nach Berlin zum Studieren ging. Mit einer großen Offenheit und sehr ehrlich beschreibt er sich als einen Teil der harten Jungs, der auch zuschlägt, sich daran aufgeilt und Unmengen an Drogen konsumiert. Ich habe mich streckenweise gefragt, wie er diesem Sumpf überhaupt entfliehen konnte, wie er den Absprung geschafft hat. Den Abschluss des Buches macht ein Nachwort von Manja Präkels, die ihre Jugen in der Nachwendezeit in der ostdeutschen Provinz verbracht hat, geprägt von der Angst vor den Glatzen und deren stumpfen Gewalt. Sie ordnet das Buch in ihre Erfahrungen ein. Maja Präsens Buch "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß" ist auch sehr zu empfehlen. Fazit: Kein Buch für besinnliche Stunden unterm Weihnachtsbaum, aber ein wichtiger Beitrag, um die Geschehnisse im Osten der Republik nach der Wende und bis heute zu verstehen.

Gute Story leider nicht mein Stil
Das Buch Nullerjahre ist definitiv nichts für schwache Nerven! Der Autor und Protagonist Hendrik (btw der Typ von Zugezogen Maskulin) erzählt über seine Kindheit und Jugend in Mecklenburg Vorpommern. Geprägt von Gewalt, Drogen und Rassismus. Was als wahnsinnig interessante Erzählung beginnt zieht sich sehr in die Länge. Das hat aber nichts mit der Geschichte an sich zu tun, sondern mit dem Schreibstil. Ich denke wem der Schreibstil gefällt hat hier ein absolut gutes Buch für sich gefunden. Meins war’s nicht. Schade!
Rückblick auf eine Jugend im Sumpf von Gewalt und Drogen. Schonunglos brutal berichtet Hendrik Bolz über sein Aufwachsen in einem ostdeutschen Plattenbaugebiet, dessen sozialräümliche Ressourcen durch Wegzug und Segregation zunehmend verschwinden. Zwischen Leerstand und Verfall entwickelt sich hier eine jugendliche Subkultur, die quasi ohne Elterngeneration aufwächst, weil diese in den Fallstricken der Nachwendezeit hängen geblieben ist. Das Recht des Stärkeren scheint das einzige, was Halt gibt und Zusammengehörigkeit stiftet. Interessant, allerdings auch zuweilen kaum zu ertragen, ist dabei vor allem die Perspektive aus dem Innenkreis einer gewaltverherrlichenden Jugendgruppe heraus. Teilweise stilistisch etwas zu dick aufgetragen und leider auch einige Wortwiederholungen und Grammatikfehler, die so nicht hätten sein müssen.
Ein mitreißender Erlebnisbericht
Es ist schon erstaunlich: Eine Kindheit und Jugend, die nahezu zeitgleich mit meiner stattfand, gerade mal ein Bundesland weiter nordöstlich. Die Referenzen, die Ereignisse, das ist mir alles sehr nah. Aber im Laufe der Erzählung ließ mich jedes Umblättern nur noch ungläubiger zurück. Dabei finde ich den Erzählstil im Stile eines Gedankenstroms großartig. Dadurch ist man ganz nah dran an den Charakteren, den Protagonisten und Antagonisten im Alltag des Autors. Und der lässt einen viele Emotionen durchleben. Vor allem eine, die immer, mehr oder minder subtil, unter der Oberfläche mitschwingt: Angst. Vor anderen, vor sich selbst. Und vor der Ungewissheit, welcher Scheiß wohl als nächstes passieren wird. Große Leseempfehlung!
Hart, prägnant, ungeschönt geradeaus. Ähnlich wie seine Musik ist auch das Buch sprachlich sehr direkt, nichts für Feinschmecker, passt aber um so besser zur Geschichte und zu der Zeit. Die Nullerjahre in einer ostdeutschen Plattenbausiedlung waren eben so. Und so treibt der sprachliche Rhythmus einen von Seite zu Seite. Viele Begebenheiten hat man ähnlich damals selbst erlebt, nur teilweise auf der anderen Seite. Spannend zu lesen.
Es hat mich tatsächlich in meine Kindheit versetzt, nicht in allen Zügen aber besonders am Anfang konnte ich mich gut identifizieren. Allerdings wurde es dann sehr von Alkohol und Drogen dominiert und war mehr und mehr genervt von den ständigen wortwiederholungen. Ja es kann dazu beitragen auch die heutige ostdeutsche Sichtweise auf die Politik zu begründen, aber das Buch macht es sich auch sehr einfach.
Eine verstörende Gewalt- und Drogenspirale
Eine durchaus authentische Biographie, die Bolz hier erzählt über das Aufwachsen im Osten Deutschlands. Eine Kindheit, Jugend und frühes Erwachsenendasein geprägt von Gewalt, Drogen, Antisemitismus, Rassismus, Sexismus. Zwischendurch ist sehr schwierig zu verarbeiten und die Triggerwarnungen zu Beginn des Buches sind durchaus angemessen. Doch, so authentisch dies alles ist, so handelt es sich bei dem Buch quasi nur um reine Abfolgen von Beschreibungen über Gewalt- und Drogenexzesse bis hin zu stärken depressiven Episoden. Und das alles, wenn man von den seltenen historischen Kontexteinschüben absieht, ohne jede Einordnung oder Reflexion des Autors über seine Taten. Auch werden die direkten familiären Umstände nie betrachtet. Wie war das Elternhaus, wo woran direkte Verwandte? Alle im selben Strudel gefangen? Man weiß es schlicht nicht, sein Leben besteht nur aus seinen Freunden, die mit ihm in den Abgrund gleiten. So bleibt das Buch in seiner Summe leider gefangen in einer trostlosen, deprimierenden Stimmung einer sehr deprimierenden Kindheit. Ich gestehe dem Autor zu, dass er sich ziemlich sicher während des Schreibens sehr viel mit dem Geschriebenen und seiner eigenen Kindheit auseinandergesetzt hat, nur kommt dies im Text quasi nicht rüber. Schade, da wäre mehr drin gewesen, da die Thematik und die Umstände so ungemein wichtig sind.
Postwende-Tristesse
Eine Jugend in der ostdeutschen Provinz der Nachwendezeit. Manches scheint gar nicht so verschieden zur Jugend in Westdeutschland. Musiker und Songzitate erinnere ich auch so aus meiner Jungend. Menschen die Onkelz und Bushido gehört haben. Bestimmte Verhaltensweisen waren auch gar nicht so anders: Ob es die Slacker waren, die sich mit der Bong vor KingofQueens in Geborgenheit kifften, oder später die hypermaskulinen Pumper, die Stärke durch Gewalt zeigen wollten. Deswegen würde ich einen Teil der Erfahrungen, die im Buch beschrieben wird auch gar nicht unbedingt als spezifische Ost-Erfahrung beschreiben, sondern er als eine Erfahrung von Klasse/Mileu und Habitus. Hendrik Bolz beschreibt seine Jugendfreunde aus dem Stralsunder Plattenbauviertel und seine neuen Freunde aus Berlin Kreuzberg. Als sie auf einander Treffen ist das „zu viel“ für die neuen Berliner Freunde. Die anfängliche Euphorie für die Schönheit der Ostsee und die Stralsunder Altstadt weicht bei den neuen Freunden über Nazi-Tattoos und derber Sprache bei den alten Freunden. „Was ist jetzt, Hendrik? Fährst du mit uns oder mit bleibst du hier bei deinen asozialen PennerFreunden?“ (S.331) Das ist wie ein Schlag in die Magengrube, da fühlt man sich wie zwischen den Stühlen. Bestimmte Erfahrungen des Sozialabbaus in Folge der Agenda 2010 werden beschrieben: Hartzen, etc. Es potenziert sich aber sicher auch eine Zerstörung des Arbeitsmarktes durch den Umbau der Ostwirtschaft durch die Treuhand. Ein Nährboden für die Rechten. In so einem Zusammenhang erscheint die NPD sozialer als die SPD (S. 222).
Ein Must have der Kinder der Neunzigerjahre👍
Kurzweilig und flüssig geschrieben und ja ich habe gelacht und in den eigenen Erinnerungen geschwelgt… Wenig blumig geschrieben, schonungslos ehrlich und mit den Worten eines Jungen/Mannes welcher neugierig auf die Zeit und die Veränderung ist/war. Hat mich mehr als abgeholt und darüber oft nachdenken lassen, was die Generation welche in beiden Deutschen Staaten aufgewachsen ist, erlebt hat. Die Unsicherheit, das Ungewisse, dennoch mutig und jung genug den eigenen Weg zu gehen- das zeichnet diese Generation aus. Danke für dieses Buch und die Erwähnung von längst vergangenen Ereignissen, welche ich schon lange wieder vergessen hatte, negativ aber auch die vielen guten Erinnerungen, auch an meine Jugendzeit.
Dringender Tipp: Hörbuch hören, das Hendrik Bolz selber eingesprochen hat! Viele Passagen sind rhythmisch, im Sprechgesang geschrieben. Der Sound kommt vorgelesen deutlich besser rüber. Literarisch ist das keine Heldenleistung. Ist auch völlig wurscht, weil die authentischen Szenen : Alkoholexzesse, Drogenrausch, Gewalt, die Hoffnungslosigkeit, das Überleben wollen, der Slang und die Beleidigungen, so krass gut beschrieben werden, dass der experimentelle, wiederholende, teils abgehackte, fragmentarische Stil perfekt dazu passt. Die Info Einschübe zur Politik und Sozial-Gesellschaftlichen Lage in den einzelnen Jahren passten für mich gut rein. Hab da nix als schablonenhaft oder gewollt empfunden. Interessant ist, dass die Eltern nicht vorhanden sind oder wenn, nur am Rand als überfordert, Saufnasen und nicht hilfreich erwähnt werden. Eine Jugend, die komplett sich selbst überlassen wurde. Wer jetzt so gar nichts mit der Rapkultur anfangen kann, hat vielleicht nicht ganz so viel Spaß an dem Schreibstil
Harter Tobak
Uff. Schon lange nicht mehr hat mich ein Buch noch nach dem Lesen so beschäftigt wie 'Nullerjahre'. Diesen Roman zu lesen, macht keinen Spaß. Es macht keine Freude, sich durch die Kindheit und Jugend des "Zugezogen Maskulin"-Rappers Hendrik Bolz in Stralsund im Osten Deutschlands zu lesen. Im Gegenteil, es beklemmt, es schmerzt, es ekelt an und es ist sehr schwer zu ertragen. Doch genau deswegen ist es auch wichtig: um zu verstehen, wie das Leben in einem Teil der ehemaligen DDR für viele Menschen in den Nullerjahren gewesen ist. Was es konkret bedeutet, wenn man davon redet, dass Menschen "abgehängt" und perspektivlos seien. Bolz berichtet schonungslos, aber fiktionalisiert, von einem Leben inmitten von Gewalt und Abhärtung. Toxische Männlichkeitsbilder gehen Hand in Hand mit Mobbing und Ausgrenzung von allen vermeintlich Schwächeren. Rassismus, Antisemitismus und Misogynie gehören zum guten Ton, wer da nicht mitzieht, ist raus. Erst Drogen schaffen es, die Gewalt bis zu einem gewissen Punkt abzulösen. Inmitten der Erzählung stellt der Autor auch immer wieder Bezug her zu den politisch und wirtschaftlich bedingten strukturellen Problemen im Osten. Er bettet den geschilderten Rassismus ein in erschreckende Statistiken und macht damit deutlich, dass seine Schilderung lediglich ein Beispiel von vielen ist. Wie bereits erwähnt, hat mich das Buch noch lange beschäftigt - die eindringlichen Bilder um die sinnlose Gewalt lassen mich nicht los. Daneben ist es aber auch noch ein Zeitzeugnis der Popkultur der Nullerjahre - fast schon akribisch werden sämtliche wichtige Rap- und Popstars sowie Songs eingearbeitet, die in der Zeit für viele identitätsstiftend waren. Ich hätte mir vom Buch gewünscht, dass manche Lücken noch mehr gefüllt werden, so waren mir manche Entscheidungssprünge des Erzählers zu groß. Ansonsten möchte ich euch bitten, die Warnung ernstzunehmen, die der Autor selbst als Vorwort vorangestellt hat: "Dieses Buch berichtet aus einer Welt, von der man schwer erzählen kann, ohne den Rassismus, den Antisemitismus, die Misogynie, die Homophobie und die Gewalt sprachlich zu reproduzieren, die in ihr zentrale Ordnungsprinzipien waren. Diese Ambivalenz sollte niemand aushalten müssen, der sich nicht bewusst dafür entschieden hat." CN: Rassismus, Gewalt, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Tierquälerei, Suchterkrankung, Drogenmissbrauch, Rechtsextremismus, Mobbing, Gewalt, Mord, Gewalt ggü. Obdachlosen, Alkoholismus, Fettfeindlichkeit, Suizid, Sexismus, Ableismus, I-Wort, toxische Männlichkeit, Panikattacken
Empfehlenswert!
Unfassbar gut gezeichnetes Bild der 00er Jahre. Habe mich in meine eigene Jugend zurückversetzt gefühlt und konnte die Worte und das Erlebte richtig spüren. Dieses Buch zeigt gekonnt auf, wie man als Jugendlicher die 00er Jahre erlebt hat - und das nicht nur im Osten. Ähnliche Vibes waren damals auch im tiefsten Osten Bayerns spürbar, weshalb ich mich dem Buch wahrscheinlich auch so verbunden fühle. Starkes Literaturerlebnis und absolut empfehlenswert.
„Nullerjahre - Jugend in blühenden Landschaften“ von Hendrik Bolz ist für mich eine Reise in meine eigene Jugend gewesen und ein Buch, welches mich selber viel zum Nachdenken und Reflektieren bewegt hat. Ich selber bin Baujahr 1986, aufgewachsen in einer 6500 Einwohner*innen-Kleinstadt an der Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern. Ich kann vieles von dem, was Hendrik Bolz in seinem Buch nachvollziehen und habe einiges auch in unserer Kleinstadt so erlebt: junge Rechtsradikale, welche auf dem Marktplatz im April den „Führergeburtstag“ feiern und vor allen durch kurze Haare und Alkoholkonsum auffallen. Junge Menschen, die draußen in Gruppen erst Gas ziehen und später anfangen zu kiffen und andere Drogen zu konsumieren, je älter sie werden. Eltern von Freund*innen und Bekannten, welche mit diesen ganzen Jahren nach der Wende überfordert sind und ihre Kinder sich deswegen alleine überlassen. Harte Fußballkämpfe auf dem Bolzplatz, Ausgrenzung, Abgrenzung, Onkels hören und Deutschrap und die Toten Hosen pumpen. Hendrik Bolz beschreibt in seinem Buch eine Zeit für Jugendliche und junge Erwachsene, wie sie wahrscheinlich viele erlebt haben. Gerade in den neuen Bundesländern, gerade dort, wo die versprochenen blühenden Landschaften sich eher auf die Blumenwiesen, als auf den Aufstieg der Menschen bezog. Ich kann das Buch den Menschen in meiner Generation nur empfehlen, weil es deutlich macht, welches Gefühl von Freiheit, Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht so viele damals spürten. Ich selber habe das alles früh hinter mir gelassen. Mein Kanal waren nicht die Drogen und die Hoffnungslosigkeit, sondern der Wechsel in die größere Stadt, aufs Sportgymnasium und der Eifer mit Leistungssport später Erfolgreich zu sein. Wo wäre ich wohl gelandet, wenn der Sport nicht gewesen wäre, welche Wege wäre ich dann gegangen. Diese Fragen schwirren durch meinem Kopf am Ende dieses Buches.
Triggerwarnung: Gewaltverherrlichung, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Diskriminierung, Rassismus, Sexismus uvm. Was wird aus Jugendlichen, die um die 2000er Jahrtausendwende im Osten Deutschlands, genauer gesagt in Stralsund, aufwachsen: ohne Halt, ohne Struktur, ohne Orientierung, ohne Freude, ohne Werte? Eine mögliche Antwort darauf gibt Hendrik Bolz in seinem Debütroman „Nullerjahre“. Dieses Debüt ist ein Brett! Es ist authentisch, schonungslos, hässlich und schwer zu ertragen. Und genau deshalb so wichtig! Denn es beschreibt aus meiner Sicht NICHT NUR ostdeutsche Phänomene.
Authentische Jugenderfahrungen aus dem vernachlässigten Teil Deutschlands.
Selten habe ich ein Buch gelesen, dass so authentisch ist und gleichzeitig so viele Überschneidungen mit dem eigenen Erwachsenwerden hat. Durch häufig genutzte Wiederholung wie beispielsweise vom Herzschlag (BUM BUM BUM BUM BUM) schafft man es sich in die Person richtig rein zu Versetzen. Aus dem Leseflow wird man immer wieder gerissen, indem Vorgeschichten eingebaut werden, Textzeilen aus prägenden Liedern zitiert werden oder Statistiken, die zeigen, dass es wirklich so war und keine einfache Übertreibung.
Abgebrochen - Ich bin mir sicher, dass das Buch zu Recht ein Spiegel Bestseller ist, nur war es sprachlich nicht meins, die Erzählweise holte mich nicht ab. Und, wie ich anhand des Klappentext vermutet habe, ist es mir auch zu politisch. Schade, denn auch ich bin in den Nullerjahren gross geworden und hätte ansonsten gerne ein bisschen in dieser Zeit damals rumgestöbert.
Eine Geschichte die auf jeden Fall Gehör verdient. Perspektivlosigkeit & Gewalt, das Aufwachsen einer Jugend der Nullerjahre, Nachwende Kinder. Ich wollte das Buch sehr gerne lesen & es hat auch viele kritische Gedanken getriggert, alles in allem hätten aber 150 statt 330 Seiten gereicht und leider wurde der Schreibstil irgendwann sehr zäh. Die eingebauten Wiederholungen (sowohl in Handlung als auch Erzählweise) machten die Leseerfahrung irgendwann einfach stumpf und langweilig. Schlussendlich wollte ich das Buch zuende lesen, aber es war mehr aufgebaut wie einzelne zusammenhangslose, sich wiederholende Tagebucheinträge & quälte mich schlussendlich etwas
Schade, die Geschichte hätte Potential zur Schullektüre
Das Hendrik Bolz kein Autor ist, leuchtet ein. Dennoch hätte man sich Hilfe beim Schreiben holen können. Die Geschichte ist ganz schöner Tobak, heftig und ehrlich. Ab Seite 200 verkümmert es etwas zu einem Drogenexzess. Der Schreibstil erinnert etwas an einen 8. Klässler. Was fehlt ist ernsthafte Selbstreflektion und der Weg zur Überwindung des Traumas. Wenn man das korrigieren würde und das Buch nicht gefahrlaufen würde, durch die fehlende Bewertung als "erstrebenswert" für junge biegsame Jugendliche zu wirken, fände ich es eine gute Schullektüre. Eine Leseempfehlung auszusprechen fällt mir deswegen ebenfalls schwer. Es zeigt sich wieder gut gemeint, ist nicht gleich gut gemacht. Schade.
Wichtige, treffende Geschichte mit einzigartigem Schreibstil.
Dieses Buch hat mich sehr getroffen. Hendrik Bolz erzählt nicht nur seine Geschichte, wie es war in den 00er Jahren in MV aufzuwachsen, sondern lässt einen diese durch seinen treibenden Schreibstil auch fühlen. Was meiner Meinung nach wirklich eine Kunst ist, denn ich hätte mich im Normalfall nicht mit den "Charakteren" wahrscheinlich nicht identifizieren können, jedoch bekommt man so gute Einblicke in das Umfeld, durch Zahlen und Fakten aus der Zeit, dass man ein Verständnis dafür bekommt. Vielleicht liegt das aber auch an meinen eigenen Bezug dazu. Und wem es nicht so geht, versteht es dann spätestens beim Lesen des Nachworts.
Hörbuch hören!!
Das wurde von Hendrik Bolz selber gesprochen und wird teilweise im Sprechgesang erzählt. Da ist das Hörerlebnis viel besser, als wenn man es nur im Buch liest. Es kommt auch viel Musik aus den 90ern und 2000ern vor. Teilweise sehr erschreckend was Henrik aus seiner Jugend berichtet (Drogenkonsum, Gewalt..)aber auch sehr unterhaltsam. Hab ich so noch nicht gelesen. Kann man sich mal anhören.

Dieses Buch ist wie ein Schlag in die Fresse. Eine unfassbare Intensität, mit der Hendrik Bolz sein aufwachsen im Stralsund der Nullerjahre beschreibt. Trostlosigkeit, Drogen und Gewalt prägen seine Jugend, ein Sumpf in den so viele Jugendliche reingezogen werden. Nullerjahre ist ein wilder Ritt, start to finish. Es entwickelt einen Sog, und hat mich noch Wochen nach dem Lesen beschäftigt. Ganz weit oben in den Jahresfavoriten!
3,5 Der Wechsel zwischen Hör- und Buch war wild. Hendrik Bolzs beruhigte Stimme dazu, hat viel mit mir gemacht. Ich mochte die zeitlich, geschichtlichen Bezüge sehr, war mir aber ein bisschen zu wenig Einordnung in z.B. die familiäre Situation. Was haben denn seine Eltern dazu gesagt?? All in gutes Buch, das ehrlich und authentisch beschreibt, wie es in den 00er Jahren (vor allem im nordöstlichen Teil Deutschlands) war aufzuwachsen.
Schonungslos, roh und ehrlich: Nullerjahre zeigt, wie soziale Härte und Orientierungslosigkeit Biografien prägen – unbequem und lange nachwirkend.
Mit Nullerjahre legt Hendrik Bolz ein eindringliches, unbequemes Buch vor, das sich zwischen autobiografischem Roman und gesellschaftlicher Milieustudie bewegt. Schonungslos und ohne nostalgische Verklärung erzählt er vom Aufwachsen in den ostdeutschen Plattenbausiedlungen der Nachwendezeit – einer Welt, in der Orientierungslosigkeit, soziale Härte und Gewalt zum Alltag gehören. Im Zentrum steht der junge Hendrik, der gemeinsam mit seinen Freunden versucht, einen Platz in einer Realität zu finden, die ihnen kaum Perspektiven bietet. Während viele Erwachsene an der Umstellung auf das neue System scheitern oder resignieren, suchen die Jugendlichen ihre Vorbilder anderswo: im Kraftsport, in Drogen, in Rapmusik. Die Frontlinien der sogenannten Baseballschlägerjahre beginnen zwar zu bröckeln, doch die zugrunde liegenden Strukturen bleiben bestehen. Gewalt, Dominanz und das Prinzip „fressen oder gefressen werden“ bestimmen weiterhin das soziale Miteinander. Besonders überzeugend ist die Perspektive, aus der Bolz erzählt. Der Roman verzichtet auf rückblickende Moralisierung oder erklärende Kommentare. Stattdessen wird die Geschichte aus der unmittelbaren Wahrnehmung eines Heranwachsenden geschildert. Gerade diese Nähe macht den Text so eindringlich: Die Leser*innen erleben eine Welt, in der Härte nicht aus Grausamkeit entsteht, sondern als erlernte Überlebensstrategie. Gewalt wird nicht glorifiziert, sondern als logische Konsequenz sozialer Prägung gezeigt. Der Schreibstil ist roh, direkt und schnörkellos. Bolz nutzt eine klare, teilweise beinahe dokumentarische Sprache, die den Alltag in Schule, Kindergarten und Fußballverein ungeschönt abbildet. Gleichzeitig entsteht aus dieser Nüchternheit eine große literarische Kraft. Emotionen werden nicht ausformuliert, sondern ergeben sich aus Situationen, Dialogen und Handlungen. Das erzeugt Distanz – und zugleich eine tiefe Beklemmung. Zentral ist das Thema der Identitätssuche. Musik, insbesondere Rap, wird zum Ausdrucksmittel, zur Projektionsfläche und zum Ausweg aus der empfundenen Bedeutungslosigkeit. Sie bietet Halt und Struktur, wo familiäre oder gesellschaftliche Orientierung fehlt. Bolz zeigt dabei eindrücklich, wie begrenzt die Handlungsspielräume seiner Figuren sind – und wie sehr soziale Herkunft Lebenswege vorzeichnet. Nullerjahre ist kein Buch, das Nähe über Sympathie erzeugt. Vielmehr konfrontiert es mit einer Realität, die oft unangenehm ist und sich einfachen Erklärungen verweigert. Gerade darin liegt seine Stärke. Der Roman fordert dazu auf, die Entstehungsbedingungen heutiger gesellschaftlicher Spannungen ernst zu nehmen, ohne sie zu entschuldigen oder zu vereinfachen. Fazit: Nullerjahre ist ein kraftvoller, kompromissloser Roman über das Aufwachsen in einer orientierungslosen Zeit. Hendrik Bolz gelingt es, persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlicher Analyse zu verbinden und ein eindringliches Bild der ostdeutschen Nullerjahre zu zeichnen. Ein wichtiges Buch für Leser*innen, die sich für deutsche Gegenwartsliteratur, soziale Prägung und die Nachwirkungen der Wende interessieren – unbequem, ehrlich und lange nachhallend.
"Nullerjahre" von Hendrik Bolz ist schonungslos direkt und beschreibt diese Zeit ohne Verklärung: hart, roh, gewaltgeprägt. Mein erster Eindruck war Ablehnung, weil der Ton sehr brutal wirkt. Mit Abstand musste ich feststellen, dass die Darstellung tatsächlich der Realität dieser Jahre entspricht und Erinnerungen wachruft, die man verdrängt hat. Aus dieser Perspektive ist das Buch sehr stark und wichtig.
"Nullerjahre" von Hendrik Bolz hat mich erst vor den Kopf gestoßen – und dann erwischt. Ich wollte spontan schlecht bewerten. Wirklich. Der Ton ist brutal, roh, teilweise unangenehm direkt. Ich dachte zuerst: Das ist zu hart, zu extrem, zu negativ. Aber dann habe ich gemerkt, warum es sich so heftig anfühlt: weil es stimmt. Ich bin selbst aus dieser Zeit, ich war in diesem Alter, in genau dieser Realität. Und dieser Begriff „Nullerjahre“ hat mich ehrlich gesagt fast geschockt – aber gleichzeitig hat er es exakt getroffen. Diese Mischung aus Orientierungslosigkeit, Härte, Gewalt, Kälte, Abstumpfung, Überleben – all das hat er nicht nur beschrieben, sondern gefühlt wieder hingestellt wie ein Spiegel, den man eigentlich gar nicht mehr in die Hand nehmen wollte. Am Anfang dachte ich: Das Buch übertreibt. Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto unangenehmer klar wurde mir aber: Nein, das hat nicht übertrieben. Das war wirklich so. Es ist nur lange her. Und wir haben vieles davon weggeschoben, weichgezeichnet, vergessen. Das Buch hat Erinnerungen geweckt, die ich eigentlich gar nicht mehr anfassen wollte. Es erzählt die Wahrheit, aber auf die brutalste mögliche Weise. Ohne Schutzschicht. Ohne Nostalgie. Und genau das macht es literarisch so stark. Im Rückblick muss ich sagen: Das ist ein Stück Zeitdokument und gleichzeitig ein Schlag in den Magen. Und gerade deshalb, für mich, ein Meisterwerk.
Ostdeutsche Geschichten warten auf ihre Bearbeitung. Das ist nicht nur das Gefühl, das Hendrik Bolz für seine ganz eigene Geschichte tief im Inneren spürt, das gilt auch generell für uns alle, für die deutsche Gesellschaft, in der der Osten Deutschlands die letzten Jahrzehnte oft unsachlich und von oben herab als Sorgenkind behandelt wurde, ohne wirklich genau hinzusehen. Autoren wie Clemens Meyer und Daniel Schulz tragen wichtige Perspektiven zur Annäherung bei, zum Verständnis, zum Gesehenwerden. Wer Einblick bekommen hat in das Leipzig, das Berlin, die ostdeutsche Provinz der Nachwendejahre merkt, wie tief solche Erlebnisse und Prägungen gehen und wie wenig sich diese wegwischen, gar vergessen lassen. Mit “Nullerjahre” steuert der Rapper Hendrik Bolz, der als Testo mit Grim 104 das Duo “Zugezogen Maskulin” bildet, ein weiteres, wichtiges Puzzleteil zu dieser Ost-West-Debatte bei. Er wächst im stralsunder Plattenbauviertel Knieper West auf und legt sich sehr schnell seine eigenen Überlebensstrategien zurecht: Bloß nicht weinen, bloß keine Schwäche zeigen, nicht aus der Reihe tanzen, sonst hat man sehr schnell eine Faust im Gesicht. Während im Hort und in der Schule alte Methoden der DDR ausrangieren, treten offen rechtsradikale Vorbilder auf die Bildfläche. Hendrik schlingert, will dazugehören und dröhnt sich mit seinen Kumpels fast täglich zu, während die Mahnungen der Lehrer bald schon nicht mehr ziehen. Nur nicht zum Opfer werden, nur nicht zum Opfer werden. Mal wabern euphorische Rauschzustände, mal ergreift bekiffte Lethargie Besitz. Zwischendurch sprenkelt der Autor Statistiken und Fakten im Nachrichtenstil ein, teilweise schwenkt er in hartem Kontrast hin und her und stellt seine damalige Realität den Arbeitslosenzahlen oder politischen Maßnahmen gegenüber. Mit Referenzen auf Klamottenmarken, Musik und TV gibt Hendrik Bolz seiner Erzählung eindeutig den Anstrich der Nullerjahre meiner eigenen Erinnerung - und doch könnten unsere Welten nicht unterschiedlicher sein. Dieser Effekt ist gut gelungen, allgemein wird man besonders im Hörbuch mit fast mantraartigen Wiederholungen durch die Handlung getrieben, rastlos, panisch, euphorisch, atmen atmen atmen. Allerdings trägt sich die Erzählweise nicht auf die ganze Länge. Ich hätte mir zeitweise doch mehr Einbettung der Fakten in die Handlung gewünscht, der Effekt des Gegenüberstellens nutzt sich auf die Dauer ab. Mir erschloss sich auch nicht, wie Hendrik in diesem Umfeld noch sein Abitur schaffen und zum Studium nach Berlin gehen kann. Von seinen Eltern erfahren wir überhaupt nichts, die Eltern anderer sind maximal Randnotizen. Dieser Aspekt hat mir in den sich irgendwann wiederholenden Drogen- und Gewalterfahrungen und dem Einfluss des toxisch männlichen Umfelds gefehlt. Auch wenn dies wahrscheinlich bewusst als Leerstelle gehalten wurde, kann man sich kaum erschließen, warum gerade er den Absprung noch geschafft hat, woher er die Motivation nahm, das Gymnasium nach einem Schulverweis weiter durchzuziehen. Dennoch: Geschichten wie diese müssen erzählt und gehört werden. Hendrik Bolz tut dies schonungslos und mitreißend und bei einem Meister des gesprochenen Wortes wie ihm ist das Hörbuch ein Muss!
Unangenehm brutal in Sprache und Inhalt
Eindrücklich Beschreibung der Nullerjahre in Stralsund. Das rohe Vokabular erinnert an die eigene Jugend im Ostberliner Plattenbau zu ähnlicher Zeit und die beschriebenen Zustände lassen Dankbarkeit aufkommen, diese nur teilweise und kurz so ähnlich mitbekommen zu haben.
Description
Die Nachwendezeit zwischen den Stralsunder Plattenbauten – während viele Erwachsene die Suche nach einem Platz im neuen System aufgeben, suchen sich Hendrik und seine Freunde Auswege aus der Langeweile. Und andere Vorbilder.
Langsam zerfallen die Frontlinien der Baseballschlägerjahre, die Springerstiefel werden von Turnschuhen abgelöst, Rechtsrock von Gangsterrap, die Optionen bleiben dieselben: Fressen oder gefressen werden. Im Kindergarten, in der Schule und im Fußballverein haben sie gelernt, dass der Klügere nur so lange nachgibt, bis er der Dümmere ist. Und so ist das Ziel klar: härter werden. Stumpfer werden. Die Mittel finden sich – Kraftsport, Drogen, Rap.
Hendrik Bolz erzählt von den ostdeutschen Nullerjahren, und erklärt uns ein Stück bundesrepublikanische Gegenwart.
»Eine Mischung aus Popliteratur, Coming-of-Age-Geschichte, Memoiren und sozialwissenschaftlicher Recherche« Bayerischer Rundfunk
Book Information
Author Description
Hendrik Bolz wurde 1988 in Leipzig geboren, wuchs in Stralsund auf und zog später nach Berlin. Er setzte ein Studium in den Sand, schloss ein anderes ab und schaffte schließlich den Durchbruch mit der Band Zugezogen Maskulin. Heute ist er u. a. Host des preisgekrönten Podcasts »Springerstiefel« und freier Autor. Sein Debüt »Nullerjahre« war ein Bestseller.
Posts
Dieses Buch lässt mich ein wenig sprachlos zurück. Nachdem ich kürzlich bereits an der Premiere von „Mit der Faust in die Welt schlagen“ im Kino teilnehmen durfte, war mir die Thematik einer trostlosen Jugend in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung nicht fremd. Nichtsdestotrotz ist es immer wieder erschreckend zu lesen, wie sich so eine Perspektivlosigkeit, gepaart mit der Tristesse der Umgebung aus Arbeitslosigkeit, rassistischem und sexistischem Gedankengut, auf das Sozialverhalten junger Menschen auswirkt. Diese Umstände beschreibt Hendrik Bolz in Nullerjahre so anschaulich, dass man durchgängig das Gefühl hat, selbst in diesen Plattenbauten in Stralsund zu verwahrlosen. Dieses Verhalten findet in den Gedanken der Protagonisten keine Reflexion oder ein Umlenken, auch wenn das Outro dieses bei Hendrik selbst vermuten lässt. Das macht dieses Buch jedoch nur umso ehrlicher, kann aber auf bestimmte Personengruppen sicherlich verstörend wirken. Eine sehr anschauliche Erzählweise aus der Ich-Perspektive lässt dieses Buch und die Jugend von Hendrik Bolz sehr einfach in die Köpfe der lesenden Person kommen. Umso mehr man sich mit einer derartigen Thematik beschäftigt, desto klarer kann man sich vorstellen, warum es auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung noch so eine gedankliche Kluft zwischen West- und Ostdeutschland gibt und man lange noch nicht in den Köpfen der Menschen ein geeintes Deutschland hat. Auch wenn politische Themen eher grob angerissen werden, ist dieses Buch ein interessantes Fallbeispiel für die Politisierung von jungen Menschen außerhalb der eigenen sozialen Sphären; jedenfalls wenn man nicht gerade aus einer Drogen, Alkohol und Gewalt verherrlichenden Szene kommt. Kein Buch für jemanden mit schwachen Nerven, aber mehr als aufschlussreich. Einzig die Zeitsprünge in einigen Kapiteln scheinen ein wenig verworren und lassen einen daran zweifeln, ob diese wirklich so zusammengehören. Aber die Gesamtgeschichte lässt vermuten, dass es die Umstände der berauschenden Substanzen auch wenig zulassen, einen reinen Kopf zu haben.
Ein Blick in die raue Seele der Nullerjahre
Ein Buch, das mich neugierig gemacht hat – weil ich selbst ein Nullerjahre-Kind bin, weil auch ich mit sechs nach Neubrandenburg gezogen bin, weil ich den Osten von innen kenne. Einige der Erfahrungen, die Henrik Bolz beschreibt, sind mir tatsächlich vertraut. Die grauen Fassaden, die orientierungslose Wut, die suchende Jugend. Aber vieles war für mich auch weit weg: Die Gewalt, der harte Drogenkonsum, diese ständige Aggression. Meine Welt war ruhiger, reflektierter, vielleicht auch geschützter. Was mir gefehlt hat, war die Sprache. Sie hat mich nicht mitgenommen – zu direkt, zu plakativ, manchmal fast atemlos. Vielleicht war das Absicht, vielleicht sollte genau das den Takt dieser verlorenen Jahre abbilden. Für mich blieb es trotzdem oft zu flach. Nullerjahre war für mich deshalb weniger ein literarisches Erlebnis als ein Wiedersehen mit einem Ort – aber ohne das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.

MV und seine gruseligsten Seiten
Hendrik Bolz erzählt beeindruckend über die seiner Jugend, zwischen Nazis, Drogen, Gewalt und irgendwie bisschen Selbstfindung. Es war sehr gut geschrieben, man konnte es flüssig lesen und es sehr gut verstehen, vor allem , wenn man auch Mv kommt (wie ich). Die gleichen Probleme gab es 10 Jahre später nämlich auch noch, wenn auch nicht mehr ganz so extrem, wie im Buch beschrieben. Super Buch.
krasse empfehlung
extrem nahbarer schreibstil: wir lernen die hauptcharaktere und ihre jugendliche, herausfordernde lebensrealität extrem authentisch kennen und das buch schafft es dennoch, trotz aller harten themen, den inhalt gut zugänglich und angenehm lesbar zu machen. eine tolle art und weise & gelungene verschriftlichung schwerer kindheitserfahrungen in ostdeutschland
Strukturell und stilistisch nicht überzeugend, thematisch nicht ausgegoren. Der Roman wird sehr schnell sehr zäh — immer wieder werden ähnliche Episoden erzählt, gleichzeitig gibt es diverse inhaltliche Lücken. Sprachlich ist der Roman ebenfalls flach. Der Erzähler berichtet repetitiv, weder in poetischer Sprache noch in einer überzeugenden, authentischen Stimme, von seinen Jugenderlebnissen - puh.
Gewalt in den Nullerjahren
Das ist ein nachträglicher Bericht, ich habe das Buch schon vor ca. 1,5 Jahren gelesen. Es hat mir so gut gefallen, dass ich immer mal wieder daran denken muss und es jetzt auch zu meinen Lieblingsbüchern sortiert habe. Es ist ein hartes Buch über Gewalt, es ist vulgär und lässt nichts aus. Was ich besonders mag ist, dass es nichts beschönigt und nichts auslässt. Ähnlich zu Christiane F. Wir Kinder vom Bahnhof Zoo könnte man eine abschreckende Wirkung vermuten. Aber genau wie bei diesem Buch geht es nicht nur um Abschreckung, sondern auch um Aufklärung. Es regt nämlich zum Nachdenken an. Wie war es eigentlich in Mecklenburg, im Osten, in Stralsund in den „Nullerjahren“? Die Antwort: Perspektivlosogkeit, Armut, Drogen, Nazis und Gewalt. So erzählt zumindest Bolz aus seiner Kindheit und Jugend, wie er selbst gemobbt hat und gleichzeitig Angst hatte. Wie ein Junge sein musste und dass er nicht weinen durfte. Die literarische Darstellung hat mich ebenfalls sehr überzeugt. Da Hendrik Bolz auch Rapper ist, geschieht in diesem Buch alles sehr schnell, durch Ellipsen, Wiederholungen und einem schnellen Rhythmus. Für mich ist das Buch so stark, dass ich Lust habe, es noch einmal zu lesen.
Ein Buch wie ein Fiebertraum
Vorweg muss ich sagen, dass mich das Buch stark beschäftigt hat, da ich sowohl in den Nullerjahren als auch in einem neuen Flächenbundesland aufgewachsen bin und die Handlung dennoch nicht weiter von meiner Lebenswelt hätte entfernt sein können. Inhaltlich fand ich das Buch aufgrund der dargestellten körperlichen und sprachlichen Gewalt teilweise schwer zu ertragen. Jedoch nicht so, dass ich das Buch zur Seite legen wollte, sondern wissen wollte, wie es weitergeht und ob der Protagonist den Absprung schafft. Ein wirklich wichtiges Buch, dass zwar eine Erklärung für viele heutige Entwicklungen in Deutschland bietet, aber letztlich sprachlich nicht immer überzeugen kann. Häufig wird mit denselben Stilmitteln gearbeitet und mir persönlich, gab es ein paar Wiederholungen des Abrutschens und noch tiefer Abgleitens in die Gewalt- und Drogenspirale zu viel - die ich leider gegen Ende nicht mehr glaubwürdig fand. Insbesondere mit der Entwicklung der Figur zum Ende hin. Nichtsdestotrotz besitzt dieses Buch eine gewisse gesellschaftliche Relevanz - nicht nur für Menschen, die nach der Wende geboren wurden, sondern besonders auch für all jene, denen das Verständnis für den ehemaligen Osten fehlt.
Harter Tobak
Puh, das war intensiv und oft kaum auszuhalten. Öfter war ich kurz davor abzubrechen, wenn die Spirale aus Drogen, Gewalt und vulgärer Sprache sich über lange Passagen zog. Hendrik Bolz legt hier ein Zeugnis ab, das die Jugend der Nachwendezeit im Ostdetschland skizziert. Ein Strudel aus dem 'sich betäuben', immer der stärkere sein zu müssen, bloß nichts fühlen dürfen. Noch geprägt von den Ausläufern einer DDR Erziehung und gleichzeitig schon einem zurückgelassen fühlen in der neuen Welt des geeinten Deutschlands. Das Fehlen beinahe sämtlicher Erwähnung von Eltern (und damit der Möglichkeit, dieser Jugend Halt, Richtung und Hoffnung zu geben) spricht eine so deutliche Sprache. Vieles hab ich selbst so erlebt, wenn auch glücklicherweise nicht in einem solchen Ausmaß. Gefühle von Scham, Wunsch nach Abstand und schlicht Verdrängung. Kein Buch für zarte Nerven, das aber hilft, hier und da die Entwicklungen im Osten bis heute etwas nachzuvollziehen. Auch weil Bolz immer wieder Fakten zum politischen Status der jeweiligen Zeit einfließen lässt.
Alter! 1A Buch. Sollte wirklich Pflichtlektüre im Unterricht werden!!! Ich kann die Kritik hier größtenteils wirklich nicht nachvollziehen… Das Buch ist unfassbar schön geschrieben, sodass man sich perfekt hineinversetzen und mitfühlen kann. Die harten Fakten im Buch bringen einen wahrhaften Lehrcharakter mit sich. Die Songzitate und andere Zusätze erfrischen das Buch auch noch einmal zusätzlich. Es gibt sogar eine Playlist! Das Schlusswort ist unfassbar schön und hilft mir dem Buch abzuschließen und es noch einmal zu reflektieren und einzuordnen. Ich werde es definitiv nochmal lesen. Großartig!
Erschütternd. Dieses Buch macht nachdenklich!
Dieses Buch reiht sich in meine Leseerlebnisse der letzten Monate ein und ergänzt die Erzählungen von Clemens Meyer und Domenico Müllensiefen. Zeitlich spielt Nullerjahre ca. 10 Jahre später zu Beginn des neuen Jahrtausends in einer Plattenbausiedlung in Stralsund. Eine Jugend geprägt von Drogen, Gewaltexzessen gegen jeden der Schwäche zeigt und die Abwesenheit von Liebe. Es ist streckenweise nur schwer auszuhalten. Der Autor verarbeitet hier seine eigenen Erfahrungen der Jugend und blickt zurück, nachdem er 13 Jahre zuvor nach Berlin zum Studieren ging. Mit einer großen Offenheit und sehr ehrlich beschreibt er sich als einen Teil der harten Jungs, der auch zuschlägt, sich daran aufgeilt und Unmengen an Drogen konsumiert. Ich habe mich streckenweise gefragt, wie er diesem Sumpf überhaupt entfliehen konnte, wie er den Absprung geschafft hat. Den Abschluss des Buches macht ein Nachwort von Manja Präkels, die ihre Jugen in der Nachwendezeit in der ostdeutschen Provinz verbracht hat, geprägt von der Angst vor den Glatzen und deren stumpfen Gewalt. Sie ordnet das Buch in ihre Erfahrungen ein. Maja Präsens Buch "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß" ist auch sehr zu empfehlen. Fazit: Kein Buch für besinnliche Stunden unterm Weihnachtsbaum, aber ein wichtiger Beitrag, um die Geschehnisse im Osten der Republik nach der Wende und bis heute zu verstehen.

Gute Story leider nicht mein Stil
Das Buch Nullerjahre ist definitiv nichts für schwache Nerven! Der Autor und Protagonist Hendrik (btw der Typ von Zugezogen Maskulin) erzählt über seine Kindheit und Jugend in Mecklenburg Vorpommern. Geprägt von Gewalt, Drogen und Rassismus. Was als wahnsinnig interessante Erzählung beginnt zieht sich sehr in die Länge. Das hat aber nichts mit der Geschichte an sich zu tun, sondern mit dem Schreibstil. Ich denke wem der Schreibstil gefällt hat hier ein absolut gutes Buch für sich gefunden. Meins war’s nicht. Schade!
Rückblick auf eine Jugend im Sumpf von Gewalt und Drogen. Schonunglos brutal berichtet Hendrik Bolz über sein Aufwachsen in einem ostdeutschen Plattenbaugebiet, dessen sozialräümliche Ressourcen durch Wegzug und Segregation zunehmend verschwinden. Zwischen Leerstand und Verfall entwickelt sich hier eine jugendliche Subkultur, die quasi ohne Elterngeneration aufwächst, weil diese in den Fallstricken der Nachwendezeit hängen geblieben ist. Das Recht des Stärkeren scheint das einzige, was Halt gibt und Zusammengehörigkeit stiftet. Interessant, allerdings auch zuweilen kaum zu ertragen, ist dabei vor allem die Perspektive aus dem Innenkreis einer gewaltverherrlichenden Jugendgruppe heraus. Teilweise stilistisch etwas zu dick aufgetragen und leider auch einige Wortwiederholungen und Grammatikfehler, die so nicht hätten sein müssen.
Ein mitreißender Erlebnisbericht
Es ist schon erstaunlich: Eine Kindheit und Jugend, die nahezu zeitgleich mit meiner stattfand, gerade mal ein Bundesland weiter nordöstlich. Die Referenzen, die Ereignisse, das ist mir alles sehr nah. Aber im Laufe der Erzählung ließ mich jedes Umblättern nur noch ungläubiger zurück. Dabei finde ich den Erzählstil im Stile eines Gedankenstroms großartig. Dadurch ist man ganz nah dran an den Charakteren, den Protagonisten und Antagonisten im Alltag des Autors. Und der lässt einen viele Emotionen durchleben. Vor allem eine, die immer, mehr oder minder subtil, unter der Oberfläche mitschwingt: Angst. Vor anderen, vor sich selbst. Und vor der Ungewissheit, welcher Scheiß wohl als nächstes passieren wird. Große Leseempfehlung!
Hart, prägnant, ungeschönt geradeaus. Ähnlich wie seine Musik ist auch das Buch sprachlich sehr direkt, nichts für Feinschmecker, passt aber um so besser zur Geschichte und zu der Zeit. Die Nullerjahre in einer ostdeutschen Plattenbausiedlung waren eben so. Und so treibt der sprachliche Rhythmus einen von Seite zu Seite. Viele Begebenheiten hat man ähnlich damals selbst erlebt, nur teilweise auf der anderen Seite. Spannend zu lesen.
Es hat mich tatsächlich in meine Kindheit versetzt, nicht in allen Zügen aber besonders am Anfang konnte ich mich gut identifizieren. Allerdings wurde es dann sehr von Alkohol und Drogen dominiert und war mehr und mehr genervt von den ständigen wortwiederholungen. Ja es kann dazu beitragen auch die heutige ostdeutsche Sichtweise auf die Politik zu begründen, aber das Buch macht es sich auch sehr einfach.
Eine verstörende Gewalt- und Drogenspirale
Eine durchaus authentische Biographie, die Bolz hier erzählt über das Aufwachsen im Osten Deutschlands. Eine Kindheit, Jugend und frühes Erwachsenendasein geprägt von Gewalt, Drogen, Antisemitismus, Rassismus, Sexismus. Zwischendurch ist sehr schwierig zu verarbeiten und die Triggerwarnungen zu Beginn des Buches sind durchaus angemessen. Doch, so authentisch dies alles ist, so handelt es sich bei dem Buch quasi nur um reine Abfolgen von Beschreibungen über Gewalt- und Drogenexzesse bis hin zu stärken depressiven Episoden. Und das alles, wenn man von den seltenen historischen Kontexteinschüben absieht, ohne jede Einordnung oder Reflexion des Autors über seine Taten. Auch werden die direkten familiären Umstände nie betrachtet. Wie war das Elternhaus, wo woran direkte Verwandte? Alle im selben Strudel gefangen? Man weiß es schlicht nicht, sein Leben besteht nur aus seinen Freunden, die mit ihm in den Abgrund gleiten. So bleibt das Buch in seiner Summe leider gefangen in einer trostlosen, deprimierenden Stimmung einer sehr deprimierenden Kindheit. Ich gestehe dem Autor zu, dass er sich ziemlich sicher während des Schreibens sehr viel mit dem Geschriebenen und seiner eigenen Kindheit auseinandergesetzt hat, nur kommt dies im Text quasi nicht rüber. Schade, da wäre mehr drin gewesen, da die Thematik und die Umstände so ungemein wichtig sind.
Postwende-Tristesse
Eine Jugend in der ostdeutschen Provinz der Nachwendezeit. Manches scheint gar nicht so verschieden zur Jugend in Westdeutschland. Musiker und Songzitate erinnere ich auch so aus meiner Jungend. Menschen die Onkelz und Bushido gehört haben. Bestimmte Verhaltensweisen waren auch gar nicht so anders: Ob es die Slacker waren, die sich mit der Bong vor KingofQueens in Geborgenheit kifften, oder später die hypermaskulinen Pumper, die Stärke durch Gewalt zeigen wollten. Deswegen würde ich einen Teil der Erfahrungen, die im Buch beschrieben wird auch gar nicht unbedingt als spezifische Ost-Erfahrung beschreiben, sondern er als eine Erfahrung von Klasse/Mileu und Habitus. Hendrik Bolz beschreibt seine Jugendfreunde aus dem Stralsunder Plattenbauviertel und seine neuen Freunde aus Berlin Kreuzberg. Als sie auf einander Treffen ist das „zu viel“ für die neuen Berliner Freunde. Die anfängliche Euphorie für die Schönheit der Ostsee und die Stralsunder Altstadt weicht bei den neuen Freunden über Nazi-Tattoos und derber Sprache bei den alten Freunden. „Was ist jetzt, Hendrik? Fährst du mit uns oder mit bleibst du hier bei deinen asozialen PennerFreunden?“ (S.331) Das ist wie ein Schlag in die Magengrube, da fühlt man sich wie zwischen den Stühlen. Bestimmte Erfahrungen des Sozialabbaus in Folge der Agenda 2010 werden beschrieben: Hartzen, etc. Es potenziert sich aber sicher auch eine Zerstörung des Arbeitsmarktes durch den Umbau der Ostwirtschaft durch die Treuhand. Ein Nährboden für die Rechten. In so einem Zusammenhang erscheint die NPD sozialer als die SPD (S. 222).
Ein Must have der Kinder der Neunzigerjahre👍
Kurzweilig und flüssig geschrieben und ja ich habe gelacht und in den eigenen Erinnerungen geschwelgt… Wenig blumig geschrieben, schonungslos ehrlich und mit den Worten eines Jungen/Mannes welcher neugierig auf die Zeit und die Veränderung ist/war. Hat mich mehr als abgeholt und darüber oft nachdenken lassen, was die Generation welche in beiden Deutschen Staaten aufgewachsen ist, erlebt hat. Die Unsicherheit, das Ungewisse, dennoch mutig und jung genug den eigenen Weg zu gehen- das zeichnet diese Generation aus. Danke für dieses Buch und die Erwähnung von längst vergangenen Ereignissen, welche ich schon lange wieder vergessen hatte, negativ aber auch die vielen guten Erinnerungen, auch an meine Jugendzeit.
Dringender Tipp: Hörbuch hören, das Hendrik Bolz selber eingesprochen hat! Viele Passagen sind rhythmisch, im Sprechgesang geschrieben. Der Sound kommt vorgelesen deutlich besser rüber. Literarisch ist das keine Heldenleistung. Ist auch völlig wurscht, weil die authentischen Szenen : Alkoholexzesse, Drogenrausch, Gewalt, die Hoffnungslosigkeit, das Überleben wollen, der Slang und die Beleidigungen, so krass gut beschrieben werden, dass der experimentelle, wiederholende, teils abgehackte, fragmentarische Stil perfekt dazu passt. Die Info Einschübe zur Politik und Sozial-Gesellschaftlichen Lage in den einzelnen Jahren passten für mich gut rein. Hab da nix als schablonenhaft oder gewollt empfunden. Interessant ist, dass die Eltern nicht vorhanden sind oder wenn, nur am Rand als überfordert, Saufnasen und nicht hilfreich erwähnt werden. Eine Jugend, die komplett sich selbst überlassen wurde. Wer jetzt so gar nichts mit der Rapkultur anfangen kann, hat vielleicht nicht ganz so viel Spaß an dem Schreibstil
Harter Tobak
Uff. Schon lange nicht mehr hat mich ein Buch noch nach dem Lesen so beschäftigt wie 'Nullerjahre'. Diesen Roman zu lesen, macht keinen Spaß. Es macht keine Freude, sich durch die Kindheit und Jugend des "Zugezogen Maskulin"-Rappers Hendrik Bolz in Stralsund im Osten Deutschlands zu lesen. Im Gegenteil, es beklemmt, es schmerzt, es ekelt an und es ist sehr schwer zu ertragen. Doch genau deswegen ist es auch wichtig: um zu verstehen, wie das Leben in einem Teil der ehemaligen DDR für viele Menschen in den Nullerjahren gewesen ist. Was es konkret bedeutet, wenn man davon redet, dass Menschen "abgehängt" und perspektivlos seien. Bolz berichtet schonungslos, aber fiktionalisiert, von einem Leben inmitten von Gewalt und Abhärtung. Toxische Männlichkeitsbilder gehen Hand in Hand mit Mobbing und Ausgrenzung von allen vermeintlich Schwächeren. Rassismus, Antisemitismus und Misogynie gehören zum guten Ton, wer da nicht mitzieht, ist raus. Erst Drogen schaffen es, die Gewalt bis zu einem gewissen Punkt abzulösen. Inmitten der Erzählung stellt der Autor auch immer wieder Bezug her zu den politisch und wirtschaftlich bedingten strukturellen Problemen im Osten. Er bettet den geschilderten Rassismus ein in erschreckende Statistiken und macht damit deutlich, dass seine Schilderung lediglich ein Beispiel von vielen ist. Wie bereits erwähnt, hat mich das Buch noch lange beschäftigt - die eindringlichen Bilder um die sinnlose Gewalt lassen mich nicht los. Daneben ist es aber auch noch ein Zeitzeugnis der Popkultur der Nullerjahre - fast schon akribisch werden sämtliche wichtige Rap- und Popstars sowie Songs eingearbeitet, die in der Zeit für viele identitätsstiftend waren. Ich hätte mir vom Buch gewünscht, dass manche Lücken noch mehr gefüllt werden, so waren mir manche Entscheidungssprünge des Erzählers zu groß. Ansonsten möchte ich euch bitten, die Warnung ernstzunehmen, die der Autor selbst als Vorwort vorangestellt hat: "Dieses Buch berichtet aus einer Welt, von der man schwer erzählen kann, ohne den Rassismus, den Antisemitismus, die Misogynie, die Homophobie und die Gewalt sprachlich zu reproduzieren, die in ihr zentrale Ordnungsprinzipien waren. Diese Ambivalenz sollte niemand aushalten müssen, der sich nicht bewusst dafür entschieden hat." CN: Rassismus, Gewalt, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Tierquälerei, Suchterkrankung, Drogenmissbrauch, Rechtsextremismus, Mobbing, Gewalt, Mord, Gewalt ggü. Obdachlosen, Alkoholismus, Fettfeindlichkeit, Suizid, Sexismus, Ableismus, I-Wort, toxische Männlichkeit, Panikattacken
Empfehlenswert!
Unfassbar gut gezeichnetes Bild der 00er Jahre. Habe mich in meine eigene Jugend zurückversetzt gefühlt und konnte die Worte und das Erlebte richtig spüren. Dieses Buch zeigt gekonnt auf, wie man als Jugendlicher die 00er Jahre erlebt hat - und das nicht nur im Osten. Ähnliche Vibes waren damals auch im tiefsten Osten Bayerns spürbar, weshalb ich mich dem Buch wahrscheinlich auch so verbunden fühle. Starkes Literaturerlebnis und absolut empfehlenswert.
„Nullerjahre - Jugend in blühenden Landschaften“ von Hendrik Bolz ist für mich eine Reise in meine eigene Jugend gewesen und ein Buch, welches mich selber viel zum Nachdenken und Reflektieren bewegt hat. Ich selber bin Baujahr 1986, aufgewachsen in einer 6500 Einwohner*innen-Kleinstadt an der Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern. Ich kann vieles von dem, was Hendrik Bolz in seinem Buch nachvollziehen und habe einiges auch in unserer Kleinstadt so erlebt: junge Rechtsradikale, welche auf dem Marktplatz im April den „Führergeburtstag“ feiern und vor allen durch kurze Haare und Alkoholkonsum auffallen. Junge Menschen, die draußen in Gruppen erst Gas ziehen und später anfangen zu kiffen und andere Drogen zu konsumieren, je älter sie werden. Eltern von Freund*innen und Bekannten, welche mit diesen ganzen Jahren nach der Wende überfordert sind und ihre Kinder sich deswegen alleine überlassen. Harte Fußballkämpfe auf dem Bolzplatz, Ausgrenzung, Abgrenzung, Onkels hören und Deutschrap und die Toten Hosen pumpen. Hendrik Bolz beschreibt in seinem Buch eine Zeit für Jugendliche und junge Erwachsene, wie sie wahrscheinlich viele erlebt haben. Gerade in den neuen Bundesländern, gerade dort, wo die versprochenen blühenden Landschaften sich eher auf die Blumenwiesen, als auf den Aufstieg der Menschen bezog. Ich kann das Buch den Menschen in meiner Generation nur empfehlen, weil es deutlich macht, welches Gefühl von Freiheit, Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht so viele damals spürten. Ich selber habe das alles früh hinter mir gelassen. Mein Kanal waren nicht die Drogen und die Hoffnungslosigkeit, sondern der Wechsel in die größere Stadt, aufs Sportgymnasium und der Eifer mit Leistungssport später Erfolgreich zu sein. Wo wäre ich wohl gelandet, wenn der Sport nicht gewesen wäre, welche Wege wäre ich dann gegangen. Diese Fragen schwirren durch meinem Kopf am Ende dieses Buches.
Triggerwarnung: Gewaltverherrlichung, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Diskriminierung, Rassismus, Sexismus uvm. Was wird aus Jugendlichen, die um die 2000er Jahrtausendwende im Osten Deutschlands, genauer gesagt in Stralsund, aufwachsen: ohne Halt, ohne Struktur, ohne Orientierung, ohne Freude, ohne Werte? Eine mögliche Antwort darauf gibt Hendrik Bolz in seinem Debütroman „Nullerjahre“. Dieses Debüt ist ein Brett! Es ist authentisch, schonungslos, hässlich und schwer zu ertragen. Und genau deshalb so wichtig! Denn es beschreibt aus meiner Sicht NICHT NUR ostdeutsche Phänomene.
Authentische Jugenderfahrungen aus dem vernachlässigten Teil Deutschlands.
Selten habe ich ein Buch gelesen, dass so authentisch ist und gleichzeitig so viele Überschneidungen mit dem eigenen Erwachsenwerden hat. Durch häufig genutzte Wiederholung wie beispielsweise vom Herzschlag (BUM BUM BUM BUM BUM) schafft man es sich in die Person richtig rein zu Versetzen. Aus dem Leseflow wird man immer wieder gerissen, indem Vorgeschichten eingebaut werden, Textzeilen aus prägenden Liedern zitiert werden oder Statistiken, die zeigen, dass es wirklich so war und keine einfache Übertreibung.
Abgebrochen - Ich bin mir sicher, dass das Buch zu Recht ein Spiegel Bestseller ist, nur war es sprachlich nicht meins, die Erzählweise holte mich nicht ab. Und, wie ich anhand des Klappentext vermutet habe, ist es mir auch zu politisch. Schade, denn auch ich bin in den Nullerjahren gross geworden und hätte ansonsten gerne ein bisschen in dieser Zeit damals rumgestöbert.
Eine Geschichte die auf jeden Fall Gehör verdient. Perspektivlosigkeit & Gewalt, das Aufwachsen einer Jugend der Nullerjahre, Nachwende Kinder. Ich wollte das Buch sehr gerne lesen & es hat auch viele kritische Gedanken getriggert, alles in allem hätten aber 150 statt 330 Seiten gereicht und leider wurde der Schreibstil irgendwann sehr zäh. Die eingebauten Wiederholungen (sowohl in Handlung als auch Erzählweise) machten die Leseerfahrung irgendwann einfach stumpf und langweilig. Schlussendlich wollte ich das Buch zuende lesen, aber es war mehr aufgebaut wie einzelne zusammenhangslose, sich wiederholende Tagebucheinträge & quälte mich schlussendlich etwas
Schade, die Geschichte hätte Potential zur Schullektüre
Das Hendrik Bolz kein Autor ist, leuchtet ein. Dennoch hätte man sich Hilfe beim Schreiben holen können. Die Geschichte ist ganz schöner Tobak, heftig und ehrlich. Ab Seite 200 verkümmert es etwas zu einem Drogenexzess. Der Schreibstil erinnert etwas an einen 8. Klässler. Was fehlt ist ernsthafte Selbstreflektion und der Weg zur Überwindung des Traumas. Wenn man das korrigieren würde und das Buch nicht gefahrlaufen würde, durch die fehlende Bewertung als "erstrebenswert" für junge biegsame Jugendliche zu wirken, fände ich es eine gute Schullektüre. Eine Leseempfehlung auszusprechen fällt mir deswegen ebenfalls schwer. Es zeigt sich wieder gut gemeint, ist nicht gleich gut gemacht. Schade.
Wichtige, treffende Geschichte mit einzigartigem Schreibstil.
Dieses Buch hat mich sehr getroffen. Hendrik Bolz erzählt nicht nur seine Geschichte, wie es war in den 00er Jahren in MV aufzuwachsen, sondern lässt einen diese durch seinen treibenden Schreibstil auch fühlen. Was meiner Meinung nach wirklich eine Kunst ist, denn ich hätte mich im Normalfall nicht mit den "Charakteren" wahrscheinlich nicht identifizieren können, jedoch bekommt man so gute Einblicke in das Umfeld, durch Zahlen und Fakten aus der Zeit, dass man ein Verständnis dafür bekommt. Vielleicht liegt das aber auch an meinen eigenen Bezug dazu. Und wem es nicht so geht, versteht es dann spätestens beim Lesen des Nachworts.
Hörbuch hören!!
Das wurde von Hendrik Bolz selber gesprochen und wird teilweise im Sprechgesang erzählt. Da ist das Hörerlebnis viel besser, als wenn man es nur im Buch liest. Es kommt auch viel Musik aus den 90ern und 2000ern vor. Teilweise sehr erschreckend was Henrik aus seiner Jugend berichtet (Drogenkonsum, Gewalt..)aber auch sehr unterhaltsam. Hab ich so noch nicht gelesen. Kann man sich mal anhören.

Dieses Buch ist wie ein Schlag in die Fresse. Eine unfassbare Intensität, mit der Hendrik Bolz sein aufwachsen im Stralsund der Nullerjahre beschreibt. Trostlosigkeit, Drogen und Gewalt prägen seine Jugend, ein Sumpf in den so viele Jugendliche reingezogen werden. Nullerjahre ist ein wilder Ritt, start to finish. Es entwickelt einen Sog, und hat mich noch Wochen nach dem Lesen beschäftigt. Ganz weit oben in den Jahresfavoriten!
3,5 Der Wechsel zwischen Hör- und Buch war wild. Hendrik Bolzs beruhigte Stimme dazu, hat viel mit mir gemacht. Ich mochte die zeitlich, geschichtlichen Bezüge sehr, war mir aber ein bisschen zu wenig Einordnung in z.B. die familiäre Situation. Was haben denn seine Eltern dazu gesagt?? All in gutes Buch, das ehrlich und authentisch beschreibt, wie es in den 00er Jahren (vor allem im nordöstlichen Teil Deutschlands) war aufzuwachsen.
Schonungslos, roh und ehrlich: Nullerjahre zeigt, wie soziale Härte und Orientierungslosigkeit Biografien prägen – unbequem und lange nachwirkend.
Mit Nullerjahre legt Hendrik Bolz ein eindringliches, unbequemes Buch vor, das sich zwischen autobiografischem Roman und gesellschaftlicher Milieustudie bewegt. Schonungslos und ohne nostalgische Verklärung erzählt er vom Aufwachsen in den ostdeutschen Plattenbausiedlungen der Nachwendezeit – einer Welt, in der Orientierungslosigkeit, soziale Härte und Gewalt zum Alltag gehören. Im Zentrum steht der junge Hendrik, der gemeinsam mit seinen Freunden versucht, einen Platz in einer Realität zu finden, die ihnen kaum Perspektiven bietet. Während viele Erwachsene an der Umstellung auf das neue System scheitern oder resignieren, suchen die Jugendlichen ihre Vorbilder anderswo: im Kraftsport, in Drogen, in Rapmusik. Die Frontlinien der sogenannten Baseballschlägerjahre beginnen zwar zu bröckeln, doch die zugrunde liegenden Strukturen bleiben bestehen. Gewalt, Dominanz und das Prinzip „fressen oder gefressen werden“ bestimmen weiterhin das soziale Miteinander. Besonders überzeugend ist die Perspektive, aus der Bolz erzählt. Der Roman verzichtet auf rückblickende Moralisierung oder erklärende Kommentare. Stattdessen wird die Geschichte aus der unmittelbaren Wahrnehmung eines Heranwachsenden geschildert. Gerade diese Nähe macht den Text so eindringlich: Die Leser*innen erleben eine Welt, in der Härte nicht aus Grausamkeit entsteht, sondern als erlernte Überlebensstrategie. Gewalt wird nicht glorifiziert, sondern als logische Konsequenz sozialer Prägung gezeigt. Der Schreibstil ist roh, direkt und schnörkellos. Bolz nutzt eine klare, teilweise beinahe dokumentarische Sprache, die den Alltag in Schule, Kindergarten und Fußballverein ungeschönt abbildet. Gleichzeitig entsteht aus dieser Nüchternheit eine große literarische Kraft. Emotionen werden nicht ausformuliert, sondern ergeben sich aus Situationen, Dialogen und Handlungen. Das erzeugt Distanz – und zugleich eine tiefe Beklemmung. Zentral ist das Thema der Identitätssuche. Musik, insbesondere Rap, wird zum Ausdrucksmittel, zur Projektionsfläche und zum Ausweg aus der empfundenen Bedeutungslosigkeit. Sie bietet Halt und Struktur, wo familiäre oder gesellschaftliche Orientierung fehlt. Bolz zeigt dabei eindrücklich, wie begrenzt die Handlungsspielräume seiner Figuren sind – und wie sehr soziale Herkunft Lebenswege vorzeichnet. Nullerjahre ist kein Buch, das Nähe über Sympathie erzeugt. Vielmehr konfrontiert es mit einer Realität, die oft unangenehm ist und sich einfachen Erklärungen verweigert. Gerade darin liegt seine Stärke. Der Roman fordert dazu auf, die Entstehungsbedingungen heutiger gesellschaftlicher Spannungen ernst zu nehmen, ohne sie zu entschuldigen oder zu vereinfachen. Fazit: Nullerjahre ist ein kraftvoller, kompromissloser Roman über das Aufwachsen in einer orientierungslosen Zeit. Hendrik Bolz gelingt es, persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlicher Analyse zu verbinden und ein eindringliches Bild der ostdeutschen Nullerjahre zu zeichnen. Ein wichtiges Buch für Leser*innen, die sich für deutsche Gegenwartsliteratur, soziale Prägung und die Nachwirkungen der Wende interessieren – unbequem, ehrlich und lange nachhallend.
"Nullerjahre" von Hendrik Bolz ist schonungslos direkt und beschreibt diese Zeit ohne Verklärung: hart, roh, gewaltgeprägt. Mein erster Eindruck war Ablehnung, weil der Ton sehr brutal wirkt. Mit Abstand musste ich feststellen, dass die Darstellung tatsächlich der Realität dieser Jahre entspricht und Erinnerungen wachruft, die man verdrängt hat. Aus dieser Perspektive ist das Buch sehr stark und wichtig.
"Nullerjahre" von Hendrik Bolz hat mich erst vor den Kopf gestoßen – und dann erwischt. Ich wollte spontan schlecht bewerten. Wirklich. Der Ton ist brutal, roh, teilweise unangenehm direkt. Ich dachte zuerst: Das ist zu hart, zu extrem, zu negativ. Aber dann habe ich gemerkt, warum es sich so heftig anfühlt: weil es stimmt. Ich bin selbst aus dieser Zeit, ich war in diesem Alter, in genau dieser Realität. Und dieser Begriff „Nullerjahre“ hat mich ehrlich gesagt fast geschockt – aber gleichzeitig hat er es exakt getroffen. Diese Mischung aus Orientierungslosigkeit, Härte, Gewalt, Kälte, Abstumpfung, Überleben – all das hat er nicht nur beschrieben, sondern gefühlt wieder hingestellt wie ein Spiegel, den man eigentlich gar nicht mehr in die Hand nehmen wollte. Am Anfang dachte ich: Das Buch übertreibt. Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto unangenehmer klar wurde mir aber: Nein, das hat nicht übertrieben. Das war wirklich so. Es ist nur lange her. Und wir haben vieles davon weggeschoben, weichgezeichnet, vergessen. Das Buch hat Erinnerungen geweckt, die ich eigentlich gar nicht mehr anfassen wollte. Es erzählt die Wahrheit, aber auf die brutalste mögliche Weise. Ohne Schutzschicht. Ohne Nostalgie. Und genau das macht es literarisch so stark. Im Rückblick muss ich sagen: Das ist ein Stück Zeitdokument und gleichzeitig ein Schlag in den Magen. Und gerade deshalb, für mich, ein Meisterwerk.
Ostdeutsche Geschichten warten auf ihre Bearbeitung. Das ist nicht nur das Gefühl, das Hendrik Bolz für seine ganz eigene Geschichte tief im Inneren spürt, das gilt auch generell für uns alle, für die deutsche Gesellschaft, in der der Osten Deutschlands die letzten Jahrzehnte oft unsachlich und von oben herab als Sorgenkind behandelt wurde, ohne wirklich genau hinzusehen. Autoren wie Clemens Meyer und Daniel Schulz tragen wichtige Perspektiven zur Annäherung bei, zum Verständnis, zum Gesehenwerden. Wer Einblick bekommen hat in das Leipzig, das Berlin, die ostdeutsche Provinz der Nachwendejahre merkt, wie tief solche Erlebnisse und Prägungen gehen und wie wenig sich diese wegwischen, gar vergessen lassen. Mit “Nullerjahre” steuert der Rapper Hendrik Bolz, der als Testo mit Grim 104 das Duo “Zugezogen Maskulin” bildet, ein weiteres, wichtiges Puzzleteil zu dieser Ost-West-Debatte bei. Er wächst im stralsunder Plattenbauviertel Knieper West auf und legt sich sehr schnell seine eigenen Überlebensstrategien zurecht: Bloß nicht weinen, bloß keine Schwäche zeigen, nicht aus der Reihe tanzen, sonst hat man sehr schnell eine Faust im Gesicht. Während im Hort und in der Schule alte Methoden der DDR ausrangieren, treten offen rechtsradikale Vorbilder auf die Bildfläche. Hendrik schlingert, will dazugehören und dröhnt sich mit seinen Kumpels fast täglich zu, während die Mahnungen der Lehrer bald schon nicht mehr ziehen. Nur nicht zum Opfer werden, nur nicht zum Opfer werden. Mal wabern euphorische Rauschzustände, mal ergreift bekiffte Lethargie Besitz. Zwischendurch sprenkelt der Autor Statistiken und Fakten im Nachrichtenstil ein, teilweise schwenkt er in hartem Kontrast hin und her und stellt seine damalige Realität den Arbeitslosenzahlen oder politischen Maßnahmen gegenüber. Mit Referenzen auf Klamottenmarken, Musik und TV gibt Hendrik Bolz seiner Erzählung eindeutig den Anstrich der Nullerjahre meiner eigenen Erinnerung - und doch könnten unsere Welten nicht unterschiedlicher sein. Dieser Effekt ist gut gelungen, allgemein wird man besonders im Hörbuch mit fast mantraartigen Wiederholungen durch die Handlung getrieben, rastlos, panisch, euphorisch, atmen atmen atmen. Allerdings trägt sich die Erzählweise nicht auf die ganze Länge. Ich hätte mir zeitweise doch mehr Einbettung der Fakten in die Handlung gewünscht, der Effekt des Gegenüberstellens nutzt sich auf die Dauer ab. Mir erschloss sich auch nicht, wie Hendrik in diesem Umfeld noch sein Abitur schaffen und zum Studium nach Berlin gehen kann. Von seinen Eltern erfahren wir überhaupt nichts, die Eltern anderer sind maximal Randnotizen. Dieser Aspekt hat mir in den sich irgendwann wiederholenden Drogen- und Gewalterfahrungen und dem Einfluss des toxisch männlichen Umfelds gefehlt. Auch wenn dies wahrscheinlich bewusst als Leerstelle gehalten wurde, kann man sich kaum erschließen, warum gerade er den Absprung noch geschafft hat, woher er die Motivation nahm, das Gymnasium nach einem Schulverweis weiter durchzuziehen. Dennoch: Geschichten wie diese müssen erzählt und gehört werden. Hendrik Bolz tut dies schonungslos und mitreißend und bei einem Meister des gesprochenen Wortes wie ihm ist das Hörbuch ein Muss!
Unangenehm brutal in Sprache und Inhalt
Eindrücklich Beschreibung der Nullerjahre in Stralsund. Das rohe Vokabular erinnert an die eigene Jugend im Ostberliner Plattenbau zu ähnlicher Zeit und die beschriebenen Zustände lassen Dankbarkeit aufkommen, diese nur teilweise und kurz so ähnlich mitbekommen zu haben.


















































