Neonregen

Neonregen

Softcover
3.815
Dave RobicheauxModerne Amerikanische LiteraturPolizeiDave Robicheaux, Radikaler Cop

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Book Information

Main Genre
N/A
Sub Genre
N/A
Format
Softcover
Pages
N/A
Price
10.90 €

Posts

6
All
4.5

James Lee Burkes Neonregen ist weit mehr als ein Krimi. Es ist ein richtig guter, klassischer Hardboiled Krimi mit gerechtem Polizisten mit einem Alkoholproblem. Hinter der rauen Oberfläche entfaltet sich ein komplexes Südstaatenpanorama, das in seiner moralischen Düsternis an William Faulkner erinnert.

Wie bei Faulkner durchzieht das Erbe von Schuld, Gewalt und Rassismus die Figuren und die Landschaften Louisianas. Dave Robicheaux, der desillusionierte Detective, steht im Zentrum einer Welt, in der Erlösung kaum möglich scheint. Besonders stark fand ich, dass Burke politische Realität in die Krimiform integriert hat. Denn dass die CIA Waffen an die Contras in Nicaragua liefert, und am Kokain gut mit verdient, während Sucht, Korruption und Heuchelei ungestraft bleiben, verleiht dem Roman eine historische Tiefe. Offenbar war das kein Thema in den amerikanischen Medien jener Zeit. Neonregen liest sich dadurch nicht nur als Thriller, sondern als moralischer Kommentar zur US-Gesellschaft der 1980er-Jahre. Burkes Sprache ist zugleich poetisch und brutal, durchzogen von Südstaatenmelancholie und religiöser Symbolik. Und sehr beschreibend, man fühlt sich in das News Orleans der 80er versetzt. Neonregen steht so exemplarisch für einen Autor, der Genregrenzen sprengt und den Kriminalroman zur literarischen Chronik amerikanischer Abgründe macht. Pageturner, lesenswert.

4

Hardboiled Klassiker

Eine junge Frau wird tot aus den Sümpfen Louisianas gezogen, ihr Tod als Ertrinken deklariert. Nur Lieutenant Dave Robicheaux will das nicht so hinnehmen und sticht in ein Wespennest. Schnell findet er sich selbst als Zielscheibe der Verbrecher wider … Eigentlich ist es für mich längst überfällig, die Reihe um Dave Robicheaux zu lesen, für Fans von Hardboiled Krimis ist sie im Grunde ein absolutes Muss. Und ja, schon im ersten Band merkt man direkt, warum. Robicheaux, Ex-Alkoholiker, verlassen von der Ehefrau, ist ein absolutes Paradebeispiel für den gebrochenen Lonely Wolf Ermittler. Trotz allem aber, wie Annie es an einer Stelle sagt, ‚ein anständiger Kerl‘. Oder zumindest versucht er stellenweise einer zu sein. Dem anständig sein kommen immer wieder die bösen Jungs dazwischen, der Alkohol, ein paar Tote, die eigenen Kollegen. Man erkennt darin die Blaupause für viele seiner späteren ‚Kollegen‘ wie Harry Bosch, Harry Hole oder auch Benny Griessel. Burke kombiniert das Ganze dazu noch mit der schwülen Hitze der amerikanischen Südstaaten und einem verzwickten Fall um Waffenschmuggel nach Mittelamerika - vermutlich ein Plot, den man so oder so ähnlich auch heute noch schreiben könnte, die Krisenherde sind auf der Welt ja nicht weniger geworden. Aufmerksames Lesen ist gefragt um den verschlungenen Wegen zu folgen, wer mit wem zu tun hat und warum. Robicheaux‘ Gedanken schweifen dabei immer wieder ab in Richtung seiner Erlebnisse in Vietnam, werden teilweise geradezu philosophisch an manchen Stellen. Und auch die anderen Figuren geben gerne einmal die ein oder andere Binnenerzählung zum Besten. Literarisch durchaus anspruchsvoll hebt sich der Krimi dadurch von vielen in seinem Genre und vor allem von dem meisten, was in den letzten 15 Jahren so erschienen ist, deutlich ab. Genretypisch ist es wie zu erwarten ein Buch mit Gewaltszenen, Brutalität und testosterongeschwängerten Dialogen. Dazu kommt, dass ‚Neonregen‘ 1987 zum ersten Mal veröffentlicht worden ist und das merkt man der Sprach- und Gedankenwelt natürlich an. Ich persönlich kann das für mich einordnen und denke, dass der Großteil der Leserinnen und Leser, die zu diesem Buch greifen, intelligent genug sind, es im gesellschaftlichen Kontext der letzten vierzig Jahre zu sehen. Daher wird es auch auf jeden Fall sehr interessant zu beobachten, wie sich Robicheaux selbst und der ganze Kosmos, in dem diese Reihe spielt, sich im Laufe der Zeit entwickelt …

Hardboiled Klassiker
5

Ein Meisterwerk aus den Südstaaten!

Dave Robicheaux ist Lieutenant vom ersten Revier in New Orleans. Als er von seiner geplanten Ermordung hört, geht er den Gerüchten mit seinem Partner Clete auf den Grund. Schon nach kurzer Zeit geht alles schief und mit jedem Kapitel kommt Dave dem Abgrund und seiner persönlichen Hölle immer näher ... Der Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert. Es gibt keine Längen, keine Langeweile und in jeder Situation ist der Leser hautnah beim Ich-Erzähler dabei. Ein knallharter Krimi, der erst durch das spezielle Südstaatenflair zur Perfektion wird. Genau diese Umgebung bildet den perfekten Kontrast zu Mord, Korruption usw. Die Bayous mit ihrer Flora und Fauna, die alten Gebäude aus dem Bürgerkrieg oder auch die Speisen lassen alles so friedlich und harmonisch erscheinen. Dem ist nicht so, Burke ist hier eine ganz spezielle Mischung gelungen. Der Roman ist in sich abgeschlossen, also auch als Stand-alone lesbar. Insgesamt bin ich überrascht, wie gut dieses Buch ist und frage mich, warum ich es nicht früher gelesen habe. Ganz klar 5 Sterne! Diese Reihe werde ich definitiv weiter lesen!!

4

NEONREGEN ist der erste Band der Dave-Robicheaux-Krimi-Reihe von James Lee Burke. The Neon Rain, der Originaltitel, wurde 1987 in den USA veröffentlicht und spielt Ende der 80er Jahre in New Orleans, dem Süden der USA (aus dem auch der Autor stammt). Dave Robicheaux, ein Ermittler der Mordkommission in mittleren Jahren, erzählt aus der Ich-Perspektive seine Geschehnisse, welche mit der Entdeckung einer weiblichen Leiche in einem Gewässer ihren Anfang finden. Bis zur Mitte des Buches überzeugt der Stil und Plot zu 100%, denn die geschilderten Szenen und Rückblenden sind frisch, neu, spannend und rasant. Natürlich werden im Leser Fragen und Puzzleteile geweckt, die mehr als nur unterhaltsam sind, machen fast süchtig. Nach etwa der Hälfte verliert sich das Buch dann leider in seinem (anfänglich noch exzellent gewählten) "szenenartigen" Stil, d.h. Burke vergisst, einen für die zweite Hälfte nötigen roten Faden zu spinnen, d.h. dem Leser wird eine Idee, eine Richtung vorenthalten. Die dann folgenden Erlebnisse und Rückschauen wirken dadurch leider teilweise fundamentlos und manchmal etwas unpassend, was sich dann bedauerlicherweise bis zum Ende so fortzieht. Auch die sehr gelungene Charakterschaffung von Burke kann diesen Minuspunkt nicht wettmachen. Atmosphärisch ist das Buch allerdings erste Sahne, weil es einem das New Orleans und die Gegend dort der 80er Jahre sehr eindrücklich näher bringt, teilweise kann man dort "die Luft riechen"; dies ist sehr gut gemacht. Unter dem Strich ein recht unterhaltsames Buch, welches in der ersten Hälfte 5 Sterne, nach hinten raus nur 3 Sterne von mir bekommt, d.h. im Ergebnis 4 Sterne. NEONREGEN ist ein toller Krimi, der grundsätzlich überzeugt, gleichzeitig daran leidet, dass ihm die - gerade für Krimi immanent wichtige - Auflösung nur holprig gelingt.

4.5

Dave ist Ermittler in New Orleans. Auf einer privaten Bootstour entdeckt er den Leichnam eines jungen Mädchens im Wasser treibend. Die zuständige Polizeibehörde will aber nicht ermitteln, stuft den Tod als Unfall ein. Dave glaubt an ein Verbrechen und beginnt mit seinen eigenen Ermittlungen. Damit öffnet er ein Tor zu einer Hölle, die auch ihn zu verschlingen droht. Ein düsterer, tougher Krimi im Stil von Mickey Spillane oder Dashiel Hammett. Allerdings ist die Handlung wesentlich brutaler und der Hauptdarsteller eher ein Antiheld. Das Buch ist mehr als ein Krimi, die erzählerische Dichte erinnerte an Hemingway. Ein paar Schilderungen von Gewalt waren mir zu intensiv, daher nur 4,5.

2

Schlecht gealtert

Was man diesem Klassiker anrechnen kann: Atmosphäre ist extrem dicht, der Autor bringt einen direkt in die schwüle Hitze von New Orleans. Auch, dass es eine Frau in der Geschichte gibt die real beschrieben ist, mit Witz und Kante und Stärke, ist viel wert. Sie verkommt nicht zum reinen Love Interest sondern ist ein echter Charakter. Hut ab dafür! Leider rettet nichts davon die ansonsten rassistische Sprache und die ellenlangen Info-Dump-Monologe. Der Plot wird von den Figuren erklärt und das seitenweise. Schade!

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