
Hardboiled Klassiker
Eine junge Frau wird tot aus den Sümpfen Louisianas gezogen, ihr Tod als Ertrinken deklariert. Nur Lieutenant Dave Robicheaux will das nicht so hinnehmen und sticht in ein Wespennest. Schnell findet er sich selbst als Zielscheibe der Verbrecher wider … Eigentlich ist es für mich längst überfällig, die Reihe um Dave Robicheaux zu lesen, für Fans von Hardboiled Krimis ist sie im Grunde ein absolutes Muss. Und ja, schon im ersten Band merkt man direkt, warum. Robicheaux, Ex-Alkoholiker, verlassen von der Ehefrau, ist ein absolutes Paradebeispiel für den gebrochenen Lonely Wolf Ermittler. Trotz allem aber, wie Annie es an einer Stelle sagt, ‚ein anständiger Kerl‘. Oder zumindest versucht er stellenweise einer zu sein. Dem anständig sein kommen immer wieder die bösen Jungs dazwischen, der Alkohol, ein paar Tote, die eigenen Kollegen. Man erkennt darin die Blaupause für viele seiner späteren ‚Kollegen‘ wie Harry Bosch, Harry Hole oder auch Benny Griessel. Burke kombiniert das Ganze dazu noch mit der schwülen Hitze der amerikanischen Südstaaten und einem verzwickten Fall um Waffenschmuggel nach Mittelamerika - vermutlich ein Plot, den man so oder so ähnlich auch heute noch schreiben könnte, die Krisenherde sind auf der Welt ja nicht weniger geworden. Aufmerksames Lesen ist gefragt um den verschlungenen Wegen zu folgen, wer mit wem zu tun hat und warum. Robicheaux‘ Gedanken schweifen dabei immer wieder ab in Richtung seiner Erlebnisse in Vietnam, werden teilweise geradezu philosophisch an manchen Stellen. Und auch die anderen Figuren geben gerne einmal die ein oder andere Binnenerzählung zum Besten. Literarisch durchaus anspruchsvoll hebt sich der Krimi dadurch von vielen in seinem Genre und vor allem von dem meisten, was in den letzten 15 Jahren so erschienen ist, deutlich ab. Genretypisch ist es wie zu erwarten ein Buch mit Gewaltszenen, Brutalität und testosterongeschwängerten Dialogen. Dazu kommt, dass ‚Neonregen‘ 1987 zum ersten Mal veröffentlicht worden ist und das merkt man der Sprach- und Gedankenwelt natürlich an. Ich persönlich kann das für mich einordnen und denke, dass der Großteil der Leserinnen und Leser, die zu diesem Buch greifen, intelligent genug sind, es im gesellschaftlichen Kontext der letzten vierzig Jahre zu sehen. Daher wird es auch auf jeden Fall sehr interessant zu beobachten, wie sich Robicheaux selbst und der ganze Kosmos, in dem diese Reihe spielt, sich im Laufe der Zeit entwickelt …





