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MTTR

4.4(51)
Hardcover€25.00E-Book€19.99
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About the book

Ein Millenial soll Mutter werden und will alles, nur nicht die eigene deutsche Familie reproduzieren. Ein gesellschafts- und sprachkritischer Roman erzählt drei Trimester – und die Zeit danach. »Alle Befürchtungen waren wahr, und alles war gerecht gewesen.« Ein Test im Büro bringt die Gewissheit: Teresa Borsig ist schwanger. Von der Idee einer Familie fühlt sie sich gleichzeitig angezogen und abgestoßen. Da sind die Erinnerungen an ihre Kindheit, an Distanz, Disziplin und Schläge. In der Abtreibungsklinik von den Schwestern zum Schlucken der Tablette gedrängt, geht Teresa in den Widerstand: Sie will doch Mutter werden. Nein, Mama will sie werden. Kann man geben, was einem selber fehlt? Das Gesundheitssystem nimmt die Schwangere auf wie einst die Eltern. Effizient. Kalt. Man will doch nur ihr Bestes. Und ihr Baby in einem Wärmebett isolieren. Wie hoch ist die Überlebenswahrscheinlichkeit ihres Säuglings? Ärzte und Schwestern sprechen über ihren Kopf hinweg. Teresa schreit. Sie solle sich mal nicht so wichtig nehmen, sagt das Krankenhaus. »MTTR« erzählt von den Auswirkungen deutscher Nachkriegserziehung, erzählt die Unfähigkeit der Babyboomer, Gefühle zu zeigen, und wenn dann nur durch Ersatzhandlungen: Kauf, Korrektur und Sorge. Jeder Dialog ist eine Boshaftigkeit. Fast bemerkt man sie nicht, denn aktengraue Gefühlstemperatur und grobe Unbeholfenheit sind Alltag in Deutschland. Werden Millennials, wie Teresa, sie reproduzieren? MTTR: Mean Time To Recover bzw. auch Mean Time To Repair (abgekürzt jeweils MTTR) wird als die mittlere Reparaturzeit nach einem Ausfall eines Systems definiert. Diese gibt an, wie lange die Wiederherstellung des Systems im Mittel dauert. Sie ist somit ein wichtiger Parameter für die Systemverfügbarkeit. (Quelle: Wikipedia)

Editions (2)

ISBN9783835352575
PublisherWallstein Erfolgstitel - Belletristik und Sachbuch
Publication Date08/10/22
Pages421

Characteristics

1 reviews

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Reviews & Ratings

51 ratings

15 reviews

4.4

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    6 Followers

    4.5

    Grenzenlose Grenzenlosigkeit

    Teresa ist 32, verhütet nicht und nimmt Folsäure ein. Eigentlich eine klare Sache. Doch als sie von ihrem Partner Erk schwanger wird, ist ihr schnell klar, dass sie abtreiben möchte. In der Klinik beschließt sie schließlich, das Kind doch zu behalten. Als Leser:in wird durch häufige Rückblenden in Teresas Kindheit und Jugend sowie durch die Begegnung mit Teresas Eltern schnell klar, weshalb sie mit ihrer Mutterschaft hadert: Schläge, Zwang und Unterdrückung waren an der Tagesordnung. Hat Teresa die Kraft, aus ihrer Vergangenheit auszubrechen und ihrer Tochter eine gute Mutter zu sein? Das Buch hat mir einiges abverlangt, jedoch durchaus im positiven Sinne: Die Darstellung der Eltern und Schwiegereltern lassen einem als Leser:in die Haare zu Berge stehen. Man hat ständig Mitleid mit Teresa, die durchgehend herablassend und respektlos von der Elterngeneration behandelt wird. Ihr Partner Erk ist dabei der Prototyp des schwachen Mannes, der sich nicht von den Eltern emanzipieren kann und lieber des Friedens Willen immer wieder nachgibt, als seine Partnerin zu verteidigen. Auch das Klinikpersonal behandelt Teresa während der Geburt despektierlich. Auch hier greift Erk nicht ein. Die ganze Geschichte hindurch herrscht eine schwelende Atmosphäre und man fragt sich als Leser:in, wann es aus Teresa herausbricht, wann sie sich endlich wehrt, wann sie es schafft, Grenzen zu setzen. Julia Friese schafft es, die Schroffheit, das Holzschnittartige und Karikaturhafte der Figuren in der Sprache widerzuspiegeln. Sie erzählt in kurzen, abgehackten und assoziativ wirkenden Sätzen und es wird schnell klar, dass sie eine absolute Sprach-Virtuosin ist. Eine meiner Lieblingsstellen ist: „Denn wer hält schon ohne Bier die eigene Familie aus. Den Weihnachtsbaum, ja. Aber doch niemals den Stammbaum.“ (S. 291). Der Roman ist absolut lesenswert!

    Aug 26, 2024

  • frieda.frei
    frieda.frei

    108 Followers

    4.5

    Großartiges Debüt

    MTTR, Mean Time to Recover, bezeichnet die mittlere Reparaturzeit nach einem Ausfall eines Systems. Um das vorweg zu nehmen: ich glaube, ich habe selten einen ausgefuchsteren Romantitel gesehen. Natürlich ergänzt das Gehirn die Konsonanten automatisch um die vermeintlich fehlenden Vokale und macht "Mutter" daraus. Und das passt wie, entschuldigung, Arsch auf Eimer. Protagonistin Teresa Borsig macht einen Test. Er ist positiv. Sie ist schwanger. Dabei will sie doch gar nicht Mutter werden. Oder vielleicht doch? Immerhin nimmt sie schon länger vorsorglich Folsäure Tabletten ein. Mit ihrem Partner Erk ist sie noch nicht allzu lange zusammen. Die Erinnerungen an die eigene lieblose Kindheit veranlassen sie zu einem Entschluss: Teresa möchte abtreiben. In der Abtreibungsklinik kann sie die alles entscheidende Tablette aber einfach nicht schlucken. Sie entscheidet sich um und verlässt die Klinik. Sie will dieses Baby. Aber können Teresa und Erk die Mängel der eigenen Kindheit und die Methoden ihrer Eltern hinter sich lassen und eine eigene Form der Elternschaft für ihre Familie finden? In kurzen, ja manchmal fragmentarischen Sätzen erzählt die Autorin die Mutterwerdung der Protagonistin vom positiven Schwangerschaftstest bis zum Ende der Elternzeit. Genial geschildert und gleichzeitig pulstreibend fand ich dabei die Dialogsituationen mit den Eltern, den Schwiegereltern in spe, anderen werdenden Eltern im Geburtsvorbereitungskurs und dem medizinischen Personal im Krankenhaus. Alle haben eine Meinung. Alle wissen, was das Beste für Teresa und das Baby ist. Und alle übersehen und übergehen dabei die Person, die eigentlich im Zentrum dieser Schwangerschaft steht: Teresa. In kurzen Sätzen fängt die Autorin all die kleinen Gemeinheiten und Ungerechtigkeiten ein, die werdende und frisch gebackene Mütter tagtäglich begegnen, die nerven, wütend und traurig machen und oft viel zu tief verletzen. Dieses Buch hallt nach.

    Großartiges Debüt

    Oct 25, 2022

  • hamburger.lesemaus
    hamburger.lesemaus

    400 Followers

    4.5

    MTTR Julia Friese Teresa ist schwanger. Eigentlich wollte sie gar nicht schwanger werden. Sie ist erst fünf Monate mit Erks zusammen - viel zu früh, um jetzt ein gemeinsames Kind zu bekommen. Wenn man nicht verhütet, kann man schwanger werden, das ist Fakt. Warum nahm sie täglich Folsäure ein, wo man doch weiß, das Folsäure nur für schwangere Frauen ist oder für diese, die es werden wollen? Vielleicht wollte sie herausfinden, ob sie überhaupt schwanger werden kann? Schließlich konnten ihre Tanten keine Kinder bekommen - und ihre Mutter nur eins. Ein Kind, das ihre Mutter ständig berufen hat: „Mach dies nicht, tu das nicht.“ Und wenn sie nicht hörte, setzte es etwas. Und jetzt? Soll sie die gleichen Fehler wie ihre Mutter machen? Deren Fehler wiederholen? Alles aufgeben für ein Kind? „Nicht mehr ausgehen, nicht mehr leben, sich nichts mehr gönnen und auf jede Kleinigkeit verzichten - alles nur für dich!“, hört sie ihre Mutter noch immer meckern. Erks würde das Kind behalten wollen, aber Teresa entscheidet sich dagegen. Bis zu dem Tag, als sie in der Abtreibungsklinik die Tablette schlucken soll, dort entscheidet sie sich anders. Sie möchte Mutter werden und lässt uns sehr intensiv an ihrer Schwangerschaft, Geburt und dem Wochenbett teilhaben. Was für ein großartiges Buch! Zugegeben, zu Beginn hätte ich es fast abgebrochen. Dieser Schreibstil mit den viel zu kurzen Sätzen, den wirren Gedanken und dann die fehlenden Satzzeichen! Aber auf Seite 40 hatte ich mich eingelesen. Vielleicht sind Satzzeichen doch überbewertet?! Wie dem auch sei, das Buch ist ein starkes Debüt. Teilweise dachte ich, ich säße mit Loriot, Ekel Alfred und Teresas Eltern im Wohnzimmer beim Kaffee. Köstlich für uns, aber nicht für Teresa. Warum haben die jungen Leute den Eltern nicht Einhalt geboten? Fazit: Starkes Debüt und absolut kurzweilig. 5/ 5

    Sep 23, 2023

3 of 15 reviews

Author

About Julia Friese

Julia Friese wurde 1985 in Hagen geboren. Sie lebt in Berlin, arbeitet als Schriftstellerin und Kulturjournalistin, veröffentlicht in Literaturzeitschriften und Anthologien. Zuletzt erschien »life starts after breakfast« in »die horen« und »dreams« in der Anthologie »Und ich -« bei Ullstein. Ihr viel besprochenes Debüt »MTTR« erschien 2022 im Wallstein Verlag und war für den Clemens-Brentano-Preis nominiert. Für »delulu« wurde ihr das Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds zuerkannt.

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