MTTR

MTTR

Hardback
4.451
TechnokratieNachkriegsgenerationBindungstraumaPflegenotstand

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Description

Ein Millenial soll Mutter werden und will alles, nur nicht die eigene deutsche Familie reproduzieren. Ein gesellschafts- und sprachkritischer Roman erzählt drei Trimester – und die Zeit danach. »Alle Befürchtungen waren wahr, und alles war gerecht gewesen.« Ein Test im Büro bringt die Gewissheit: Teresa Borsig ist schwanger. Von der Idee einer Familie fühlt sie sich gleichzeitig angezogen und abgestoßen. Da sind die Erinnerungen an ihre Kindheit, an Distanz, Disziplin und Schläge. In der Abtreibungsklinik von den Schwestern zum Schlucken der Tablette gedrängt, geht Teresa in den Widerstand: Sie will doch Mutter werden. Nein, Mama will sie werden. Kann man geben, was einem selber fehlt? Das Gesundheitssystem nimmt die Schwangere auf wie einst die Eltern. Effizient. Kalt. Man will doch nur ihr Bestes. Und ihr Baby in einem Wärmebett isolieren. Wie hoch ist die Überlebenswahrscheinlichkeit ihres Säuglings? Ärzte und Schwestern sprechen über ihren Kopf hinweg. Teresa schreit. Sie solle sich mal nicht so wichtig nehmen, sagt das Krankenhaus. »MTTR« erzählt von den Auswirkungen deutscher Nachkriegserziehung, erzählt die Unfähigkeit der Babyboomer, Gefühle zu zeigen, und wenn dann nur durch Ersatzhandlungen: Kauf, Korrektur und Sorge. Jeder Dialog ist eine Boshaftigkeit. Fast bemerkt man sie nicht, denn aktengraue Gefühlstemperatur und grobe Unbeholfenheit sind Alltag in Deutschland. Werden Millennials, wie Teresa, sie reproduzieren? MTTR: Mean Time To Recover bzw. auch Mean Time To Repair (abgekürzt jeweils MTTR) wird als die mittlere Reparaturzeit nach einem Ausfall eines Systems definiert. Diese gibt an, wie lange die Wiederherstellung des Systems im Mittel dauert. Sie ist somit ein wichtiger Parameter für die Systemverfügbarkeit. (Quelle: Wikipedia)

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
421
Price
25.70 €

Author Description

Julia Friese wurde 1985 in Hagen geboren. Sie lebt in Berlin, arbeitet als Schriftstellerin und Kulturjournalistin, veröffentlicht in Literaturzeitschriften und Anthologien. Zuletzt erschien »life starts after breakfast« in »die horen« und »dreams« in der Anthologie »Und ich -« bei Ullstein. Ihr viel besprochenes Debüt »MTTR« erschien 2022 im Wallstein Verlag und war für den Clemens-Brentano-Preis nominiert. Für »delulu« wurde ihr das Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds zuerkannt.

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
61%
N/A
N/A
N/A
N/A
N/A
100%
77%
79%
17%

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
N/A
81%
N/A
N/A

Pace

Fast0%
Slow100%
Moderate0%
Variable0%

Writing Style

Simple0%
Complex0%
Moderate100%
Minimalistisch (100%)

Posts

15
All
4.5

Grenzenlose Grenzenlosigkeit

Teresa ist 32, verhütet nicht und nimmt Folsäure ein. Eigentlich eine klare Sache. Doch als sie von ihrem Partner Erk schwanger wird, ist ihr schnell klar, dass sie abtreiben möchte. In der Klinik beschließt sie schließlich, das Kind doch zu behalten. Als Leser:in wird durch häufige Rückblenden in Teresas Kindheit und Jugend sowie durch die Begegnung mit Teresas Eltern schnell klar, weshalb sie mit ihrer Mutterschaft hadert: Schläge, Zwang und Unterdrückung waren an der Tagesordnung. Hat Teresa die Kraft, aus ihrer Vergangenheit auszubrechen und ihrer Tochter eine gute Mutter zu sein? Das Buch hat mir einiges abverlangt, jedoch durchaus im positiven Sinne: Die Darstellung der Eltern und Schwiegereltern lassen einem als Leser:in die Haare zu Berge stehen. Man hat ständig Mitleid mit Teresa, die durchgehend herablassend und respektlos von der Elterngeneration behandelt wird. Ihr Partner Erk ist dabei der Prototyp des schwachen Mannes, der sich nicht von den Eltern emanzipieren kann und lieber des Friedens Willen immer wieder nachgibt, als seine Partnerin zu verteidigen. Auch das Klinikpersonal behandelt Teresa während der Geburt despektierlich. Auch hier greift Erk nicht ein. Die ganze Geschichte hindurch herrscht eine schwelende Atmosphäre und man fragt sich als Leser:in, wann es aus Teresa herausbricht, wann sie sich endlich wehrt, wann sie es schafft, Grenzen zu setzen. Julia Friese schafft es, die Schroffheit, das Holzschnittartige und Karikaturhafte der Figuren in der Sprache widerzuspiegeln. Sie erzählt in kurzen, abgehackten und assoziativ wirkenden Sätzen und es wird schnell klar, dass sie eine absolute Sprach-Virtuosin ist. Eine meiner Lieblingsstellen ist: „Denn wer hält schon ohne Bier die eigene Familie aus. Den Weihnachtsbaum, ja. Aber doch niemals den Stammbaum.“ (S. 291). Der Roman ist absolut lesenswert!

4.5

Großartiges Debüt

MTTR, Mean Time to Recover, bezeichnet die mittlere Reparaturzeit nach einem Ausfall eines Systems. Um das vorweg zu nehmen: ich glaube, ich habe selten einen ausgefuchsteren Romantitel gesehen. Natürlich ergänzt das Gehirn die Konsonanten automatisch um die vermeintlich fehlenden Vokale und macht "Mutter" daraus. Und das passt wie, entschuldigung, Arsch auf Eimer. Protagonistin Teresa Borsig macht einen Test. Er ist positiv. Sie ist schwanger. Dabei will sie doch gar nicht Mutter werden. Oder vielleicht doch? Immerhin nimmt sie schon länger vorsorglich Folsäure Tabletten ein. Mit ihrem Partner Erk ist sie noch nicht allzu lange zusammen. Die Erinnerungen an die eigene lieblose Kindheit veranlassen sie zu einem Entschluss: Teresa möchte abtreiben. In der Abtreibungsklinik kann sie die alles entscheidende Tablette aber einfach nicht schlucken. Sie entscheidet sich um und verlässt die Klinik. Sie will dieses Baby. Aber können Teresa und Erk die Mängel der eigenen Kindheit und die Methoden ihrer Eltern hinter sich lassen und eine eigene Form der Elternschaft für ihre Familie finden? In kurzen, ja manchmal fragmentarischen Sätzen erzählt die Autorin die Mutterwerdung der Protagonistin vom positiven Schwangerschaftstest bis zum Ende der Elternzeit. Genial geschildert und gleichzeitig pulstreibend fand ich dabei die Dialogsituationen mit den Eltern, den Schwiegereltern in spe, anderen werdenden Eltern im Geburtsvorbereitungskurs und dem medizinischen Personal im Krankenhaus. Alle haben eine Meinung. Alle wissen, was das Beste für Teresa und das Baby ist. Und alle übersehen und übergehen dabei die Person, die eigentlich im Zentrum dieser Schwangerschaft steht: Teresa. In kurzen Sätzen fängt die Autorin all die kleinen Gemeinheiten und Ungerechtigkeiten ein, die werdende und frisch gebackene Mütter tagtäglich begegnen, die nerven, wütend und traurig machen und oft viel zu tief verletzen. Dieses Buch hallt nach.

Großartiges Debüt
4.5

MTTR Julia Friese Teresa ist schwanger. Eigentlich wollte sie gar nicht schwanger werden. Sie ist erst fünf Monate mit Erks zusammen - viel zu früh, um jetzt ein gemeinsames Kind zu bekommen. Wenn man nicht verhütet, kann man schwanger werden, das ist Fakt. Warum nahm sie täglich Folsäure ein, wo man doch weiß, das Folsäure nur für schwangere Frauen ist oder für diese, die es werden wollen? Vielleicht wollte sie herausfinden, ob sie überhaupt schwanger werden kann? Schließlich konnten ihre Tanten keine Kinder bekommen - und ihre Mutter nur eins. Ein Kind, das ihre Mutter ständig berufen hat: „Mach dies nicht, tu das nicht.“ Und wenn sie nicht hörte, setzte es etwas. Und jetzt? Soll sie die gleichen Fehler wie ihre Mutter machen? Deren Fehler wiederholen? Alles aufgeben für ein Kind? „Nicht mehr ausgehen, nicht mehr leben, sich nichts mehr gönnen und auf jede Kleinigkeit verzichten - alles nur für dich!“, hört sie ihre Mutter noch immer meckern. Erks würde das Kind behalten wollen, aber Teresa entscheidet sich dagegen. Bis zu dem Tag, als sie in der Abtreibungsklinik die Tablette schlucken soll, dort entscheidet sie sich anders. Sie möchte Mutter werden und lässt uns sehr intensiv an ihrer Schwangerschaft, Geburt und dem Wochenbett teilhaben. Was für ein großartiges Buch! Zugegeben, zu Beginn hätte ich es fast abgebrochen. Dieser Schreibstil mit den viel zu kurzen Sätzen, den wirren Gedanken und dann die fehlenden Satzzeichen! Aber auf Seite 40 hatte ich mich eingelesen. Vielleicht sind Satzzeichen doch überbewertet?! Wie dem auch sei, das Buch ist ein starkes Debüt. Teilweise dachte ich, ich säße mit Loriot, Ekel Alfred und Teresas Eltern im Wohnzimmer beim Kaffee. Köstlich für uns, aber nicht für Teresa. Warum haben die jungen Leute den Eltern nicht Einhalt geboten? Fazit: Starkes Debüt und absolut kurzweilig. 5/ 5

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5

Ein starkes Buch!! Teresa ist schwanger und will zunächst abtreiben, behält dann aber das Kind. Julia Friese beschreibt in einem sehr eigenen Sprachstil, der für mich gut passte, Schwangerschaft und Geburt ehrlich und ohne rosarote Brille. Auch die Beziehung zu den gefühlskalten Eltern und Schwiegereltern fand ich sehr eindrücklich und gut beschrieben.

4

Erst etwas gewöhnungsbedürftig, dann war ich drin und absolut begeistert über den Schreibstil und was damit möglich ist, ab kurz vor Geburt dann wieder etwas schwierig- Dialoge etwas künstlich, Krankenhausaufenthalt eine Vollkatastrophe und Eltern-Generationen-Konflikt mit Großeltern seehr überspitzt übergriffig

4

Dieses Buch enthält eine fast vollständige Sammlung aller möglichen Übergriffigkeiten in der Schwangerschaft, bei der Geburt, im Wochenbett und dem ersten Lebensjahr. Was erschreckt ist, dass es auch in der Gesamheit nicht unrealistisch erscheint - Eltern, Freund*innen, Krankenhauspersonal, Geburtsvorbereitung sind nur Beispiele. Ich denke, die Schwangerschaft ist der falsche Zeitpunkt dieses Buch zu lesen. Vielleicht passt es vorher als Vorbereitung, was alles auf einen zukommen kann, oder mit etwas Abstand hinterher. Oder: als Geburtsvorbereitung für werdende Väter kann ich es mir auch gut vorstellen.

5

Theresa stellt in ihrer Mittagspause fest, dass sie schwanger ist. Zunächst will sie die Schwangerschaft abbrechen, aber dann entscheidet sie doch für das Kind und dafür eine Familie mit ihren Freund Erk zu gründen. Wir als Leser*innen begleiten Theresa nun durch die Schwangerschaft, Geburt und die ersten Monate mit dem Kind. Immer mit dabei die Stimmen ihren Eltern (selbst dann, wenn sie nicht vor Ort sind), die kalte von Gewalt geprägter Kindheit und die eigenen Selbstzweifel Am Anfang hatte ich ein paar Probleme in das Buch hineinzufinden. Theresa war mir über weite Strecken zu passiv. Was sich, nicht nur die Eltern und Schwiegereltern, ihr gegenüber über weite Teile des Buchs rausnehmen. Auch in den Schreibstil musste ich mich ebenfalls einlesen: abgebrochene Sätze und keine Kennzeichnung der wörtlichen Rede. Aber das Buch entwickelt einen starken Sog und beschreibt klar und präzise eine sehr intensive Zeit. Alles ungeschönt und unbequem. Der Konflikt mit den Eltern/Schwiegereltern ohne richtigen Zugang zu Gefühlen, die ständig nur ein „das macht man nicht“ auf den Lippen haben, ist eindringlich geschildert und auch was diese lieblose Behandlung am Ende mit einem selbst und den Blick auf andere Menschen macht. Das Buch ist grandios aber keine leichte Lektüre, insbesondere die Geburt und die Zeit im Krankenhaus haben mich sehr mitgenommen und ich musste das Buch einige Male zu Seite legen. Ich würde mich freuen, wenn dieses Buch dazu beiträgt, dass mehr über Mutter bzw. Elternschaft gesprochen wird.

4.5

Mean Time To Recover

… oder wenn man Vokale hinzufügt „Mutter“. Teresa ist schwanger und schwankt zwischen allem, ist hin- und hergerissen. Unsicherheiten, Zweifel, die eigene Kindheit und die Hoffnung, es einfach besser/richtig zu machen. Aber was ist richtig? Ein toller Debütroman von Julia Friese.

4

„Ich kann ihn nicht einziehen. Bauch und Nabel stehen unter jedem Stoff. Verraten mich, uns, verraten, dass er nicht angegessen ist. Intimstes wird der Umwelt einfach so mitgeteilt, ob ich will oder nicht.“ MTTR = Mean Time to recover: Mittlere Reparaturzeit nach Ausfallzeit eines Systems. … spannende Titelwahl … so dachte ich erst, es hieße „Mutter“ oder „Muttertier“ … macht der Buchtitel nun aber so einen perfekten Spagat zu den Inhalten des Buches. Teresa, 32 Jahre, lebt seit kurzer Zeit erst mit ihrem Freund Erk zusammen. Eigentlich möchte sie nicht Mutter werden. Dennoch treibt es sie immer wieder in Drogerien, um Folsäure und Schwangerschaftstests zu kaufen. Der Zwiespalt ist groß. Der Gedanken daran ein Kind mit Erk zu bekommen ist faszinierend und zeitgleich stößt er sie ab. Ein Kind ist ein Eindringen in die „normale“ Welt und so stürzt Teresa in ein Gedankenkarussel. Werde ich eine gute Mutter sein? Werde ich etwa so furchtbar wie meine Mutter sein? Will ich überhaupt schwanger sein? Will ich denn überhaupt eine Mutter werden? Kann ich eine Mutter sein, ein gute? Kann ich mich denn überhaupt um einen kleinen Menschen kümmern? Julia Friese hat viele wichtige Themen in die Geschichte konstruiert: eine Millenial-Frau. Eltern, die in der Nachkriegszeit erzogen wurden und auch gefühlsmäßig genau so immer noch sind. Die ihre Tochter mit Gefühlskälte erzogen haben. Sie beschreibt den Konflikt einer jungen Frau mit sich selbst und den Erwartungen der Gesellschaft. Den Generationenkonflikt zwischen Eltern und Kindern. Und was Familie mit einem Menschen anstellen kann – sowohl negativ als auch positiv. Zu Beginn in kurzen Gedanken-Sätzen (was ich etwas anstrengend empfand) der Protagonistin, gewinnt die Geschichte an Fahrt, da wir mitterleben, wie sich Teresa entwickelt und entwickeln möchte. Wie sie versucht sich gegen ihre Mutter aufzubäumen, die Entwicklung zwischen ihr und Erk … und noch vielen Ereignissen, die aus meiner Sicht aber spoilern würde. Ein besonderes Werk, das mich mitgerissen hat, ohne Mutter zu sein, und welches ich gerne ans Herz lege!

5

Theresa stellt in ihrer Mittagspause fest, dass sie schwanger ist. Zunächst will sie die Schwangerschaft abbrechen, aber dann entscheidet sie doch für das Kind und dafür eine Familie mit ihren Freund Erk zu gründen. Wir als Leser*innen begleiten Theresa nun durch die Schwangerschaft, Geburt und die ersten Monate mit dem Kind. Immer mit dabei die Stimmen ihren Eltern (selbst dann, wenn sie nicht vor Ort sind), die kalte von Gewalt geprägter Kindheit und die eigenen Selbstzweifel Am Anfang hatte ich ein paar Probleme in das Buch hineinzufinden. Theresa war mir über weite Strecken zu passiv. Was sich, nicht nur die Eltern und Schwiegereltern, ihr gegenüber über weite Teile des Buchs rausnehmen. Auch in den Schreibstil musste ich mich ebenfalls einlesen: abgebrochene Sätze und keine Kennzeichnung der wörtlichen Rede. Aber das Buch entwickelt einen starken Sog und beschreibt klar und präzise eine sehr intensive Zeit. Alles ungeschönt und unbequem. Der Konflikt mit den Eltern/Schwiegereltern ohne richtigen Zugang zu Gefühlen, die ständig nur ein „das macht man nicht“ auf den Lippen haben, ist eindringlich geschildert und auch was diese lieblose Behandlung am Ende mit einem selbst und den Blick auf andere Menschen macht. Das Buch ist grandios aber keine leichte Lektüre, insbesondere die Geburt und die Zeit im Krankenhaus haben mich sehr mitgenommen und ich musste das Buch einige Male zu Seite legen. Ich würde mich freuen, wenn dieses Buch dazu beiträgt, dass mehr über Mutter bzw. Elternschaft gesprochen wird.

5

Julia Frieses Schreibstil ist besonders - Sätze enden abrupt, bestehen manchmal sogar nur aus einem Wort. Und trotz so weniger Worte sitzt jeder Satz. Fügt sich zusammen zu einem Text, den man nur schwer aus der Hand legen kann. Der Roman ist eine Mischung aus tragisch, unterhaltsam, witzig und komisch. Am ehesten komisch. Unsere Welt ist komisch und in dieser Kinder zu bekommen scheint das Komischste zu sein, was einem passieren kann.

3.5

Ein Buch voller Hormone und Mikroaggression

Ich hätte nicht gedacht, dass ich per Buch noch mal Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett intensiv durchleben würde. Mutter sein und Mutter werden sind zwei unterschiedliche Lebensphasen. Bestimmt werden sie häufig von äußeren Einflüssen, Meinungen und Rahmenbedingungen. Haben wir überhaupt die Möglichkeit ist besser zu machen? MTTR bedeutet „Meantime to Recover/Repair“ - wer immer sich das als Titel hat einfallen lassen – Chapeau! In diesem Buch setzt sich Teresa Borsig intensiv mit ihrer zukünftigen Rolle auseinander. Sie ist schwanger und will das Kind abtreiben, überlegt es sich aber in letzter Minute anders. Ab hier dürfen wir teilnehmen, an ihren Gedanken, ihrer Vergangenheit und der Interpretation des Verhaltens anderer. Schnell habe ich gemerkt, dass Teresas Thema die Abgrenzung ist. Sie möchte vor allem nicht, wie ihre Mutter sein. Sie scheint in einer kalten Umgebung aufgewachsen zu sein und fragt sich, ob sie überhaupt in der Lage ist, ein Kind liebevoll Zu ziehen. Alles möchte sie anders machen. Zu keiner Bubble möchte sie gehören. Weder zu den Eltern, die sich intensiv auf die Geburt vorbereiten, noch zu den nachlässigen oder konservativen Müttern die Ansichten vertreten, die an das Nachkriegsdeutschland erinnern. Den ganzen Klimbim rund um das große Geschäft „Schwangerschaft“ möchte sie nicht mitnachen. Jeglicher Druck von außen beschäftigt. Sie lässt sie aber vermeintlich auch kalt. Manchmal wird das etwas unglaubwürdig. Allerdings wissen wir auch, dass immer contra zu sein, einen emotional m oft nicht weiter bringt. Genauso geht es Teresa. Wir sind auch bei der Geburt des Kindes dabei, welches sie nicht in einem der gefragten Geburtshäuser bekommt, sondern in einem herkömmlichen Krankenhaus. Und wir begleiten sie in der ersten Lebensphase ihres Kindes. Hervorragend hat Julia Friese hier die Lebensumstellung von Teresa geschildert. In kurzen, knappen Sätzen, die teilweise nicht zu Ende geführt sind manchmal nur aus einem Wort oder zwei bestehen, bohren wir uns in die neue Materie hinein. Das ist am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig, aber wirklich gut gelungen, nachdem man sich an diesen Stil gewöhnt hat. Das Buch wirkte einen unglaublichen Sog auf mich aus und mutierte wie ein Pageturner. Wir sind ganz nah dabei. Wir sind in Teresas Kopf. Wir dürfen an allen Gedanken teilhaben. Man merkt sehr schnell wie ambivalent sie denkt, wie verunsichert sie ist. Außerdem begegnen wir Menschen aus ihrer nahen Umgebung. Ihre Arbeitskollegin Yelda, die selber schon Mutter ist und die ab dem Moment von Teresa Schwangerschaft wie ein Magnet auf sie wirkt. Mit all dem Wissen und der Erfahrung. Im Gegensatz dazu wird die Beziehung zu ihrer besten Freundin Isabell schwieriger, denn sie führt ein ganz anderes Leben, weit weg von Schwangerschaftsstreifen und Windeln. Natürlich ist auch ihr Freund Erk ein nicht, unwesentlicher Bestandteil dieses Romans. Doch er bleibt mir blass und wirkt eher hilflos und fehl am Platz. Mal abgesehen davon, dass er auch nicht ehrlich im Umgang mit seiner Exfreundin ist. Wie kann er ( und später Teresa) so ein Verhalten hinnehmen? Und diese dann anschließend auch noch besuchen? Unglaublich! Am allerschlimmsten fand ich die Eltern von Theresa und Erk. Durch und durch toxisch sind Sie mit ihren Ansichten in den 60er Jahren hängen geblieben und genau das ist der Punkt, der mir an dem überhaupt Buch nicht gefällt. Es ist wirklich aus der Zeit gefallen. Es müssten ja Eltern meiner Generation sein und da finde ich mich null wieder und auch in meiner Umgebung kenne ich niemanden, der so drauf ist. Auch die Geburt, der Umgang mit der frischgebackenen Mutter im Krankenhaus sollte, wenn überhaupt nur noch sehr selten in unserer Gegenwart so vorkommen. Ich habe meine Kinder vor 30 Jahren bekommen und habe eine den Schwangeren zugewandte und innovative Geburtshilfe und Betreuung erhalten. Auch damals gab es schon Hebammen die nach Hause kamen, ganzheitliche Vorbereitungskurse, und auch ich habe meine Kinder getragen und bei mir im Bett liegen gehabt. Entweder sind in diesen 30 Jahren extreme Rückschritte in das „Wirtschaftswunder Deutschland“ passiert, oder die Autorin hat schlechte Erfahrung gemacht. Angehende Eltern sollten das Buch nur mit dem Wissen lesen, dass Geburtsstationen heutzutage sehr auf die Bedürfnisse der Gebärenden eingehen. Hier in diesem Buch sind im Krankenhaus alle ( und nicht nur da) unfreundlich, unverschämt und ignorant! Die Übergriffe, die hier teilweise im Krankenhaus stattfinden, würden heutzutage sofort Anwält auf die Matte holen. Theresa das wirkte dort wie eine rechtlose Person, mit der man machen kann, was man will, der man nichts erklären muss und die dem dortigen Personal vollkommen ausgeliefert ist. Nun gehört es zum Teil auch zu Theresas Charakterzügen nicht rechtzeitig die Hand zu einem deutlichen „STOPP“ zu heben und dafür dann irgendwann unangemessen auszuflippen. Vielleicht habt ihr es zwischen den Zeilen rauslesen können - das Personal des Buches ist durchgehend unsympathisch und trieft vor Gift und Microaggression, (bis auf vielleicht Yelda). Aber vielleicht ist das genau der Reiz des Romans, dass Kopfschüttel und nicht glauben wollen, dass das wahr ist! Mir hat es irgendwie Spaß gemacht😅 So, jetzt seid ihr gewappnet, es auch mal zu versuchen.😉

5

Eindrucksvoll, spannend, sogkräftig.

Dieses Buch hat mich in sich hinein gesogen. Theresa Borsigs Geschichte um Schwangerschaft, Entscheidungsfindung dafür oder dagegen, Geburt und Mutterschaft schafft einen differenzierten, emotionalen und gleichsam sehr klaren Zugang. Ich folgte ihr in ihren Überlegungen sehr gern, hatte gern an Ambivalenzen teil, schätzte feministische Perspektiven des Buches. Ich mochte Wut und Mut, Wut Ausdruck zu verleihen (insbesondere gegenüber (Schwieger-)Eltern und der Institution Krankenhaus. Ich mochte Zwischentöne dazu, dass es klare Empfindungen gibt, was individuell richtig ist. Und dass „individuell richtig“ dann doch oftmals mit Verhältnissen korreliert, in denen Menschen leben. Ich werde das Buch ein zweites Mal lesen.

Eindrucksvoll, spannend, sogkräftig.
5

Teresa ist schwanger. Festgestellt hat sie es auf der Damentoilette im Büro. Geplant war es nicht. Will sie überhaupt ein Kind? Kann sie die Verantwortung tragen? Was will sie für eine Mutter sein? Als sie die Entscheidung für das Kind trifft, kann sie nur eins mit Sicherheit sagen: Sie will es nicht so aufwachsen lassen, wie sie selbst aufgewachsen ist. - Mean time to recover, kurz MTTR, bedeutet soviel wie, die mittlere Wiederherstellungszeit nach einem Systemausfall. Und ich finde diesen Titel überaus passend, denn nichts anderes ist eine Schwangerschaft. Ein vorher, ob nun gut oder schlecht, funktionierendes System bricht zusammen. Tausend neue Fragen stehen im Raum, viele Ängste und eine komplett neue Situation. Nicht nur der Koof spielt verrückt, auch der Körper macht Veränderungen durch, die nicht immer einfach sind. Julia Friese erzählt schonungslos von diesen Veränderungen. In einer klaren Sprache mit überaus kurzen Sätzen. Dies hat mir besonders gut gefallen. Der Schreibstil ist schnörkellos und die ganze Geschichte sehr ehrlich. Einer Frau wird in unserer Gesellschaft nach wie vor suggeriert, dass es das höchste ist, ein Kind zu bekommen, dass Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit zu Hause wunderschön sind, und das mag für einige vielleicht auch zutreffen, aber es gibt auch eine andere Seite. Nicht jede Frau ist sich sicher, ob sie Kinder bekommen möchte, nicht jede empfindet die Schwangerschaft als toll und nicht wenige sind in der ersten Zeit komplett überfordert. Es ist schön, dass es hier so klar auf den Punkt gebracht wird. Das Zweifel, Ängste und Sorgen thematisiert werden. Auch die Beziehung zu den eigenen Eltern spielt eine große Rolle in den Fragen und Ängsten der Protagonistin. In einem lieblosen, strengen Elterhaus aufgewachsen, stellt sie sich zu Recht die Frage: Kann ich es anders machen? Kann ich meinem Kind die Mutter sein, die meine eigene nicht sein konnte? Neben dieser Betrachtung, werden auch übermotivierte Schwangere, bevormundende Eltern und übergriffige Ärzte und Pflegepersonal angesprochen und die Tatsache, dass man in der Situation manchmal als mündiger Mensch, nicht als solcher behandelt wird, dass Entscheidungen über den Kopf hinweg getroffen werden, dass man sich ausgeschlossen und hilflos fühlt. - Ein starkes Debüt, ein Highlight und eine klare Leseempfehlung.

Abbruch nach 2 Kapiteln. Entsetzlicher Schreibstil.

Abbruch nach 2 Kapiteln.
Entsetzlicher Schreibstil.
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