delulu

delulu

Hardback
3.03

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Description

»Wünschten Sie nicht auch, Sie würden sich weniger für sich interessieren?« Res hat stets geglaubt, etwas Besonderes zu sein – so wie ihr Idol Frances Scott. Doch ausgerechnet an dem Tag, als sie diese größte Popkünstlerin unserer Zeit treffen soll, endet ihr Leben abrupt. Auf der Folie von Film, Musik und Werbung der Jahrtausendwende zieht ihr Leben an ihr vorbei. Und wir tauchen ein in das Unterbewusstsein der westlichen Populärkultur. Wie selbstverständlich wird hier eine Existenz in ständiger Stimulation erwartet, die auf ein grandioses Ende hinauslaufen soll – das nie erreicht werden darf. Im Delir trifft Res endlich Frances. In Lofts und Restaurants, bei Tennis Games und großen Auftritten. Es ist das letzte Aufglühen eines Traums aus einer Zeit, in der Pop scheinbar apolitisch nichts als Hedonismus verkaufte. Weder Res, die den Traum beschreibt, noch Frances, die den Traum verkauft, bestimmen seine Spielregeln. Sie streben danach, Produkt zu werden und Marke. Aber warum denn nur? Sprachspielerisch ergründet »delulu« das gegenwärtige Begehren nach dem Gesehenwerden. Alles hängt mit allem zusammen in diesem filigran konstruierten Roman, der literally so bunt und plastisch ist wie ein Spielzeug.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
247
Price
24.70 €

Author Description

Julia Friese wurde 1985 in Hagen geboren. Sie lebt in Berlin, arbeitet als Schriftstellerin und Kulturjournalistin, veröffentlicht in Literaturzeitschriften und Anthologien. Zuletzt erschien »life starts after breakfast« in »die horen« und »dreams« in der Anthologie »Und ich -« bei Ullstein. Ihr viel besprochenes Debüt »MTTR« erschien 2022 im Wallstein Verlag und war für den Clemens-Brentano-Preis nominiert. Für »delulu« wurde ihr das Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds zuerkannt.

Posts

2
All
2.5

Muss man sich drauf einlassen können

Dieses Frühjahr ist voller literarischer Crazyness. Ich habe den Eindruck, dass mich jedes 2. Buch auf die Probe stellt, ganz nach dem Motto: Bist Du schlau genug für diese Art der Lektüre? Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob die Autor*innen mich veräppeln oder herausfordern wollen - vermutlich beides. Auch Julia Friese, die mir mit MTTR ein Highlight beschert hat, scheint ein sehr besonderen Tee getrunken zu haben, während sie dieses Buch schrieb. So viel Alice im Wunderland, Joker und Britney Spears steckt in den 247 Seiten. Da hieß es für mich irgendwann nur los- und fallen lassen in einen Rausch, der weder Plot noch lineare Erzählkunst bietet. Okay. Also… delulu. Wo fang ich an? Wahrscheinlich am besten mit einem tiefen Seufzer. delulu ist kein Buch, das man „einfach so“ liest. Die Geschichte beginnt damit, dass die Hauptfigur Res stirbt. Eigentlich will sie ihr großes Idol Frances Scott treffen. Doch eine nicht näher benannte Todesursache katapultiert uns mit ihr in einen Strudel, der psychedelischer nicht sein könnte. Wir sind plötzlich mitten im „Delir“ – ja, das ist anscheinend so eine Art popkultureller Zwischenraum zwischen Leben und Tod, durchsetzt mit Memes, Filmtropen und absurden Gedanken. Klingt abgefahren? Ist es auch. Aber nicht auf die „Oh mein Gott, das hat mein Weltbild verändert“-Art, sondern eher wie ein wilder Insta-Feed, den man nachts um 2 durchscrollt und danach vergisst, was Realität war. Ich hatte beim Lesen ständig das Gefühl, irgendwas nicht zu kapieren – und das Buch hat sich auch NULL Mühe gegeben, mir zu helfen. Figuren tauchen auf, verschwinden wieder, Gedanken springen von Nostalgie zu Feminismus zu Fanfiction zu… Müsli? Ja, Müsli kam auch irgendwie vor. Oder war das nur in meinem Kopf? Die Sprache ist teilweise genial, dann wieder komplett wirr. Manche Sätze wollte ich markieren, andere hab ich fünfmal gelesen und dachte nur: Hä?! Es fühlt sich an wie ein literarischer Fiebertraum – und ich war leider nicht immer bereit, da mitzufiebern. „Rot gelackte Durian benachbart rot gelackte Ananas. Aus den großen Früchten brechen noch größere Lampenschirme, hauchdünn wie Briefpapier, aus denen sich Damen mit über die Schultern fallenden Pelz Zigaretten drehen, bevor sie auf zerbrechlichen Absätzen über den nassen Asphalt dahingehen.“ (S.50) Capice? Dann aber auch: “Die Bühne ist dem Kinderzimmer nachempfunden , indem ich meinen ersten Song geschrieben habe, also, wie ich es mir damals vorgestellt habe. Das Kinderzimmer als Puderdose in glänzend Türkis und Sorbetgelb. Eine aufklappbare Spieldose in deren unteren Becken der Ozean liegt.“ (132)Toll! Man könnte sagen, delulu ist wie Ulysses von James Joyce – aber mit Internetzugang und Popkultur-Trauma. Beide Bücher lassen einem das Gehirn auf halber Strecke verdampfen, beide ignorieren sowas wie klare Handlung komplett. Joyce läuft halt in Dublin rumläuft und sinniert in Form von inneren Monologen, Res hingegen schwebt durch ein surreal-digitales Jenseits, das eher nach Flower Power 2014 klingt als nach literarischem Kanon. Wenn Ulysses die Bibel des literarischen Bewusstseinsstroms ist, dann ist delulu das Meme davon – mit Glitzerfilter. Julia Friese nennt es ein Requiem auf eine vergangene Zeit. Was man dem Buch aber wirklich lassen muss: Es ist vollgestopft mit kulturellen Referenzen – also so richtig. Es ist, als hätte jemand eine endlose Popkultur-Playlist auf Shuffle gestellt und den Stream direkt ins Buch kopiert. Von Britney über Abbey Road bis zu Zehner-Jahre Ästhetik und schiefen Trends ist alles dabei. Wer da nicht mindestens drei Online-Leben gelebt hat, bleibt öfter mal ratlos zurück. ich hab irgendwann aufgegeben den Spuren zu folgen, dazu waren es einfach zu viele. Aber genau das scheint auch Teil des Konzepts zu sein: Res existiert in einem Zwischenraum, in dem Identität, Erinnerungen und kulturelle Prägungen zu einem einzigen, flirrenden Brei verschwimmen. Das ist clever – theoretisch. Praktisch ist’s manchmal, als würde man einen Inside-Joke lesen, bei dem man den Ursprung nie mitbekommen hat. Wer auf stringente Storys steht oder klare Charakterentwicklungen braucht, wird hier auf halber Strecke verloren gehen. Wer aber Lust auf ein total verrücktes, überdrehtes Gedankenexperiment hat – go for it. Ich werde mich auf jeden Fall nicht direkt dem neuen Kracht zuwenden, sondern brauch jetzt erstmal was mit einem deutlichen Plot.

3

Bizarr, assoziativ, gar nicht meins

Man kann der Autorin zu gute halten dass sie sich mit diesem Roman wirklich etwas getraut hat. Schließlich ist der Text ein einmaliges Leseerlebnis, welches ich persönlich nicht genießen konnte. Mir ist bis zum Schluss nicht ganz klar was nun Realität der Protagonistin war und was sich in ihrem Kopf abgespielt hat und mit vielen der popkulturellen Referenzen konnte ich nicht so viel anfangen.

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