Mein Katalonien

Mein Katalonien

Softcover
4.420
ErinnerungReporterBarcelonaKlassiker

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Description

Ende 1936 kam Orwell als Zeitungsreporter nach Barcelona, um über den Bürgerkrieg zu berichten. Er schloß sich der Miliz P.O.U.M. an, der Arbeiterpartei der marxistischen Einigung, und kämpfte den Winter über an der Front in Aragonien. Als er wenig später mit ansehen musste, wie die Kommunisten bei der Ausschaltung der ihnen nicht genehmen Truppen Methoden der faschistischen Geheimpolizei anwandten, wurde er zu einem der erbittertsten Feinde des sowjetischen Totalitarismus.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Softcover
Pages
288
Price
15.50 €

Author Description

George Orwell wurde 1903 in Bengalen, Nordostindien, geboren. In England besuchte er als armer Stipendiat eine Eliteschule. Er gesellte sich als Tellerwäscher, Hilfslehrer, Hopfenpflücker und als Buch- und Gemischtwarenhändler zum Proletariat, dessen Leben er in Reportagen und Büchern beschrieb. Orwell starb 1950 in London.

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The Spanish Civil War has popped up lately in a couple of books that I have read, so I thought a non fiction account would be interesting. And it's interesting to read about Orwell's perspective of his time in Spain, but it's also a narrow point of view. In addition, his writing style is at times so flippant that it really clashed with the description of a war.

Man muss sich Hommage an Katalonien als das vorstellen, was es ist: ein Buch, das gleichzeitig überfordert, ernüchtert und – ja, man darf das sagen – unterhält. George Orwell war ein Mann, dem man alles zutrauen konnte, nur keine Verklärung. Seine Berichte vom spanischen Bürgerkrieg sind so illusionslos, dass sie selbst den letzten revolutionären Romantiker gründlich ernüchtern dürften. Orwell reiste 1936 nicht als Abenteuerurlauber oder Kriegsberichterstatter mit nostalgischen Hemingway-Allüren nach Spanien, sondern als Sozialist mit dem Willen, gegen den Faschismus zu kämpfen. Dass er sich dabei bald in einem absurden Dickicht aus Intrigen, Denunziationen und ideologischen Grabenkämpfen wiederfand, war nicht Teil des Plans – aber der Kern seiner Erfahrung. Es gehört zu den großen Leistungen dieses Buches, dass Orwell die republikanische Seite nicht mit der Aura moralischer Überlegenheit umgibt. Er zeigt stattdessen ein Lager, das vor allem mit sich selbst beschäftigt war. Kommunisten, Anarchisten, Sozialisten – alle waren auf der Suche nach dem jeweils nächsten Verräter. Während Franco im Süden vorrückte, vernichteten sich in Barcelona die Linken gegenseitig mit einer Energie, die man sich gegen den eigentlichen Gegner gewünscht hätte. Diese Szenen lesen sich manchmal wie ein Protokoll kollektiver Selbstsabotage – eine Mischung aus Kafka und Monty Python. Man darf nicht vergessen: Orwell schrieb seine Erinnerungen nur wenige Monate nach seiner Rückkehr, voller Zorn und immer noch benommen von den Ereignissen. Er verzichtet weitgehend auf rückblickende Einordnungen. Für den heutigen Leser bedeutet das: Wer keinen Grundkurs Spanischer Bürgerkrieg belegt hat, wird bei all den Akronymen und Parteien rasch den Überblick verlieren. Aber das ist verzeihlich, denn Orwell ging es weniger um akademische Präzision als um Zeugenschaft. Seine Stärke liegt nicht in den politischen Kapiteln, die oft spröde und redundant wirken, sondern in den lakonischen Beschreibungen des Frontalltags. Orwell erzählt von uralten Gewehren, die beim Schießen auseinanderfielen, von Latrinen, in denen sich Ratten und Soldaten den Platz teilten, und von der stoischen Geduld, mit der alle Beteiligten darauf warteten, dass endlich etwas passierte. Die meisten Kriegstage bestanden aus Hunger, Läusen und Langeweile – bis ihn schließlich ein Geschoss in den Hals traf und das Leben in Sekunden in einen schmalen Grat zwischen Bewusstsein und Ohnmacht verwandelte. Dass Orwell in diesen Momenten nicht in heroische Phrasen verfällt, sondern mit beinahe nüchterner Neugier beschreibt, wie es ist, angeschossen zu werden, zeichnet ihn aus. Er macht keinen Hehl daraus, dass der Krieg eine schmutzige, deprimierende Angelegenheit ist, in der die großen Ideale am schnellsten verdunsten. Literarisch ist Hommage an Katalonien kein vollendetes Kunstwerk. Es ist ein rauer, ungehobelter Text, eher Reportage als Literatur. Wer das Buch mit Orwells Romanen vergleicht, wird enttäuscht sein: Hier gibt es keine kunstvoll konstruierten Allegorien wie in Animal Farm, keine dystopischen Visionen wie in 1984. Stattdessen bekommt man die Perspektive eines Mannes, der im Schützengraben kauerte und irgendwann verstand, dass auch die gerechte Sache durch Borniertheit und Machtgier korrumpiert wird. Und genau deshalb lohnt es sich, dieses Buch zu lesen. Orwell war kein Strategiedichter. Er war ein Moralist. Seine größte Stärke ist nicht literarischer Feinsinn, sondern ein fast schmerzhafter Wille zur Wahrhaftigkeit. Er wollte die Dinge so zeigen, wie sie waren – ein unübersichtliches Chaos, in dem am Ende vor allem das eigene Gewissen der letzte verlässliche Kompass bleibt. Fazit: Man kann Orwell vieles vorwerfen – Pathos, Pedanterie, gelegentliche Selbstgerechtigkeit. Aber nie Unehrlichkeit. Mein Bericht aus dem Spanischen Bürgerkrieg ist kein leichtes Buch, weder inhaltlich noch formal. Es ist sperrig, redundant, teilweise ermüdend. Aber es ist auch ein Dokument von unschätzbarem Wert. Wer verstehen will, warum der Idealismus des 20. Jahrhunderts so oft in Bitterkeit umschlug, sollte es lesen. Und wer wissen will, wie es klingt, wenn ein Schriftsteller nicht für den Effekt, sondern für die Wahrheit schreibt, erst recht.

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