The Road to Wigan Pier
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Published with an introduction by Richard Hoggart in Penguin Modern Classics.
'It is easy to see why the book created and still creates so sharp an impact ... exceptional immediacy, freshness and vigour, opinionated and bold ... Above all, it is a study of poverty and, behind that, of the strength of class-divisions'
Richard Hoggart
Book Information
Posts
George Orwell dürfte zu den Autoren des 20. Jahrhunderts gehören, den die meisten kennen, und zwar für seine beiden bekanntesten Werke „1984“ und „Animal Farm“. Doch Orwell verfasste nicht nur Fiktion, sondern war auch als Journalist tätig und verfasste Essays und Sachbücher, die von seiner politischen Ausrichtung als Sozialist geprägt sind. Das aus dem Jahr 1937 stammende „The Road to Wigan Pier“ ist eines dieser Sachbücher. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert, im ersten Teil beschreibt Orwell das Leben der armen Arbeiter, der zweite Teil ist theoretischer angelegt und befasst sich mit dem demokratischen Sozialismus als nach Orwells Ansicht einzige zukunftsträchtige Staatsform. Der erste Teil ist sowohl inhaltlich als auch stilistisch überzeugend und fesselnd. Hier kommen Orwells schriftstellerisches Talent und sein beißender Humor voll zur Geltung und die Sprache liest sich wunderbar. Orwell begab sich selbst in ein Arbeiterwohnheim und beschreibt die entsetzlichen Lebensbedingungen der Unterschicht, sowohl von Alleinstehenden als auch von Familien. Er spricht Ungerechtigkeiten an, wie die Tatsache, dass die Bergleute ihre Lampen selbst bezahlen mussten. Ich wurde des Öfteren daran erinnert, wie es Hartz IV-Empfängern heute geht, so gab es damals in Großbritannien einen sogenannten „Means Test“: „The Means Test ist very strictly enforced, and you are liable to be refused relief at the slightest hint that you are getting money from another source“. (S. 74) Die behördlichen Auflagen für die finanzielle Unterstützung kann man durchaus als pure Schikane bezeichnen. Kommt uns das irgendwie bekannt vor? Ist es nicht ein Armutszeugnis, dass unsere heutige Gesellschaft da offenbar nicht allzu viele Fortschritte gemacht hat? Orwell nennt nahezu absurde Beispiele, so wurde einem Mann, der in der Abwesenheit seines Nachbarn dessen Hühner fütterte, unterstellt, dann habe er ja eine Arbeit. Orwell begab sich außerdem in ein Bergwerk, dessen Arbeitsbedingungen nahezu unerträglich anmuten, und weist darauf hin, welch Aufwand hinter einem so selbstverständlich genutzten Produkt wie der Kohle steckt. Der ganze erste Teil ist hervorragender, ansprechend geschriebener Journalismus, dessen Lektüre mir nur durch einen Satz etwas vermiest wurde, in dem Orwell daran erinnert, dass es sich hierbei schließlich um anständige Engländer handelte und nicht um „gypsies“ (also „Zigeuner“). Auch Orwell war also nicht frei von Rassismus, was er an späterer Stelle aber auch einräumt und diskutiert. Im zweiten Teil konnte ich Orwell aber über große Strecken hinweg nicht folgen. Es ist einige Wochen her, dass ich das Buch gelesen habe, daher gelingt es mir eventuell nicht mehr, die Argumentation ganz nachzuvollziehen, ich werde es versuchen. Nicht nur äußert Orwell unhaltbare Vorurteile gegen Vegetarier, Pazifisten, Feministen usw., die sich häufig zum Sozialismus hingezogen fühlen: „… that the mere words ‚Socialism‘ and ‚Communism‘ draw towards them with magnetic force every fruit-juice drinker, nudist, sandal-wearer, sex-maniac, Quaker, ‚Nature Cure‘ quack, pacifist and feminist in England.“ (Seite 168) Er zeigt auch eine feindliche Einstellung gegenüber Maschinen, die ich nicht teilen kann und die auch schlicht durch den technologischen Fortschritt widerlegbar ist, etwa, dass Autos oder Flugzeuge so perfektioniert würden, dass jeder sie bedienen könne (da sind wir zumindest NOCH nicht), dass sie den Menschen jeglicher Beschäftigung berauben würden, ihn verweichlichen ließen, da es keinerlei Anlass mehr gäbe, sich körperlich zu betätigen (*räusper* Sport). Nach Orwells Einschätzung braucht der Mensch Arbeit und ist es unwesentlich, ob es sich dabei um Feldarbeit oder Klavier spielen handelt, der Klavierspieler empfände das Klavierspielen als Arbeit, der Feldarbeiter die Feldarbeit. Aber da genau liegt der Knackpunkt, im idealen, utopischen Falle geben Maschinen den Menschen die Freiheit, der Betätigung nachzugehen, die seiner Neigung entspricht (Star Trek lässt grüßen). Orwell argumentiert, niemand würde freiwillig mehr Mühe in eine Arbeit stecken als nötig, aber das ist Unsinn, wäre dem so, gäbe es weder Kunsthandwerk noch Gartenarbeit, Werken oder Kochen als Hobby. (Solche Fertigkeiten sollten auch auf keinen Fall verloren gehen, sonst enden wir in einer Dystopie in Forsters „The Machine Stops“.) Des Weiteren ist es keineswegs so, dass menschliche Fertigkeiten aufgrund von Maschinen nicht mehr nötig sind, sie verändern sich lediglich, verlangen hochspezialisierte Kenntnisse zur Bedienung und Herstellung der entsprechenden Geräte. So kann ich im Gegensatz zum ersten Teil, dem ich sehr gerne volle 5 Sterne gebe, für den 2. Teil nur 3 Sterne vergeben. Er ist wesentlich mühevoller zu lesen und enthält einiges, was fragwürdig ist, andererseits hat mich selten ein Text so zum Nachdenken, Markieren und Anfertigen von Notizen bewegt.
Description
Published with an introduction by Richard Hoggart in Penguin Modern Classics.
'It is easy to see why the book created and still creates so sharp an impact ... exceptional immediacy, freshness and vigour, opinionated and bold ... Above all, it is a study of poverty and, behind that, of the strength of class-divisions'
Richard Hoggart
Book Information
Posts
George Orwell dürfte zu den Autoren des 20. Jahrhunderts gehören, den die meisten kennen, und zwar für seine beiden bekanntesten Werke „1984“ und „Animal Farm“. Doch Orwell verfasste nicht nur Fiktion, sondern war auch als Journalist tätig und verfasste Essays und Sachbücher, die von seiner politischen Ausrichtung als Sozialist geprägt sind. Das aus dem Jahr 1937 stammende „The Road to Wigan Pier“ ist eines dieser Sachbücher. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert, im ersten Teil beschreibt Orwell das Leben der armen Arbeiter, der zweite Teil ist theoretischer angelegt und befasst sich mit dem demokratischen Sozialismus als nach Orwells Ansicht einzige zukunftsträchtige Staatsform. Der erste Teil ist sowohl inhaltlich als auch stilistisch überzeugend und fesselnd. Hier kommen Orwells schriftstellerisches Talent und sein beißender Humor voll zur Geltung und die Sprache liest sich wunderbar. Orwell begab sich selbst in ein Arbeiterwohnheim und beschreibt die entsetzlichen Lebensbedingungen der Unterschicht, sowohl von Alleinstehenden als auch von Familien. Er spricht Ungerechtigkeiten an, wie die Tatsache, dass die Bergleute ihre Lampen selbst bezahlen mussten. Ich wurde des Öfteren daran erinnert, wie es Hartz IV-Empfängern heute geht, so gab es damals in Großbritannien einen sogenannten „Means Test“: „The Means Test ist very strictly enforced, and you are liable to be refused relief at the slightest hint that you are getting money from another source“. (S. 74) Die behördlichen Auflagen für die finanzielle Unterstützung kann man durchaus als pure Schikane bezeichnen. Kommt uns das irgendwie bekannt vor? Ist es nicht ein Armutszeugnis, dass unsere heutige Gesellschaft da offenbar nicht allzu viele Fortschritte gemacht hat? Orwell nennt nahezu absurde Beispiele, so wurde einem Mann, der in der Abwesenheit seines Nachbarn dessen Hühner fütterte, unterstellt, dann habe er ja eine Arbeit. Orwell begab sich außerdem in ein Bergwerk, dessen Arbeitsbedingungen nahezu unerträglich anmuten, und weist darauf hin, welch Aufwand hinter einem so selbstverständlich genutzten Produkt wie der Kohle steckt. Der ganze erste Teil ist hervorragender, ansprechend geschriebener Journalismus, dessen Lektüre mir nur durch einen Satz etwas vermiest wurde, in dem Orwell daran erinnert, dass es sich hierbei schließlich um anständige Engländer handelte und nicht um „gypsies“ (also „Zigeuner“). Auch Orwell war also nicht frei von Rassismus, was er an späterer Stelle aber auch einräumt und diskutiert. Im zweiten Teil konnte ich Orwell aber über große Strecken hinweg nicht folgen. Es ist einige Wochen her, dass ich das Buch gelesen habe, daher gelingt es mir eventuell nicht mehr, die Argumentation ganz nachzuvollziehen, ich werde es versuchen. Nicht nur äußert Orwell unhaltbare Vorurteile gegen Vegetarier, Pazifisten, Feministen usw., die sich häufig zum Sozialismus hingezogen fühlen: „… that the mere words ‚Socialism‘ and ‚Communism‘ draw towards them with magnetic force every fruit-juice drinker, nudist, sandal-wearer, sex-maniac, Quaker, ‚Nature Cure‘ quack, pacifist and feminist in England.“ (Seite 168) Er zeigt auch eine feindliche Einstellung gegenüber Maschinen, die ich nicht teilen kann und die auch schlicht durch den technologischen Fortschritt widerlegbar ist, etwa, dass Autos oder Flugzeuge so perfektioniert würden, dass jeder sie bedienen könne (da sind wir zumindest NOCH nicht), dass sie den Menschen jeglicher Beschäftigung berauben würden, ihn verweichlichen ließen, da es keinerlei Anlass mehr gäbe, sich körperlich zu betätigen (*räusper* Sport). Nach Orwells Einschätzung braucht der Mensch Arbeit und ist es unwesentlich, ob es sich dabei um Feldarbeit oder Klavier spielen handelt, der Klavierspieler empfände das Klavierspielen als Arbeit, der Feldarbeiter die Feldarbeit. Aber da genau liegt der Knackpunkt, im idealen, utopischen Falle geben Maschinen den Menschen die Freiheit, der Betätigung nachzugehen, die seiner Neigung entspricht (Star Trek lässt grüßen). Orwell argumentiert, niemand würde freiwillig mehr Mühe in eine Arbeit stecken als nötig, aber das ist Unsinn, wäre dem so, gäbe es weder Kunsthandwerk noch Gartenarbeit, Werken oder Kochen als Hobby. (Solche Fertigkeiten sollten auch auf keinen Fall verloren gehen, sonst enden wir in einer Dystopie in Forsters „The Machine Stops“.) Des Weiteren ist es keineswegs so, dass menschliche Fertigkeiten aufgrund von Maschinen nicht mehr nötig sind, sie verändern sich lediglich, verlangen hochspezialisierte Kenntnisse zur Bedienung und Herstellung der entsprechenden Geräte. So kann ich im Gegensatz zum ersten Teil, dem ich sehr gerne volle 5 Sterne gebe, für den 2. Teil nur 3 Sterne vergeben. Er ist wesentlich mühevoller zu lesen und enthält einiges, was fragwürdig ist, andererseits hat mich selten ein Text so zum Nachdenken, Markieren und Anfertigen von Notizen bewegt.




