Licht zwischen den Bäumen (Steidl Pocket)

Licht zwischen den Bäumen (Steidl Pocket)

Softcover
4.39

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Description

Am liebsten würde die vierzehnjährige Libby Gallagher den Sommer wie immer mit ihrer Freundin Sage verbringen. In ihrem heimlichen Königreich im Wald lauwarmes Bier trinken, reden und Menthol-Zigaretten rauchen. Doch diese Ferien fangen gar nicht gut an. Auf der Fahrt von der Schule nach Hause herrscht im Auto dicke Luft. Die fünf Geschwister liegen sich in den Haaren, und Libbys kleinere Schwester Ellen bringt die Mutter zur Weißglut. So sehr, dass sie am Straßenrand anhält und ihre Tochter auffordert, auszusteigen. Sollen die anderen Geschwister protestieren wie sie wollen, die Mutter legt den Gang ein und tritt aufs Gaspedal. Im schwindenden Tageslicht, im dunklen Schatten der Bäume bleibt die zwölfjährige Ellen zurück. Die Entscheidung eines Augenblicks, die alles verändert.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Softcover
Pages
352
Price
18.50 €

Author Description

Una Mannion wuchs mit sieben Geschwistern in Philadelphia, Pennsylvania auf. Viele Sommer ihrer Kindheit verbrachte sie in Irland, dem Heimatland ihres Vaters. In den 1990er Jahren siedelte Una Mannion ins County Sligo über. Sie lehrt am Institute of Technology in Sligo und gibt gemeinsam mit Louise Kennedy und Eoin McNamee die Literaturzeitschrift The Cormorant heraus. Für ihre Gedichte und Kurzgeschichten wurde sie mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. 2021 erschien bei Steidl ihr erster Roman Licht zwischen den Bäumen.

Posts

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!! SPOILER !! (Unten in der Rezi) Ein Sommer voller Schweigen, in dem zwei Kinder lernen, stark zu sein, weil niemand sonst es für sie ist.

Dieses Buch hat mich direkt von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen – ohne Umwege wird man mitten ins Geschehen geworfen. Es ist kein laut erzähltes Buch, sondern eines, das in seiner stillen Intensität wirkt. Was mich besonders berührt hat, ist das ungesagte Band zwischen den Geschwistern. Die Art, wie sie schweigend zusammenhalten, Verantwortung übernehmen, still erwachsen werden, weil die Mutter entweder schläft oder arbeitet. Diese selbstverständliche Überforderung von Kindern, die zu früh funktionieren müssen, hallt lange nach. Ich konnte nicht nachvollziehen, wie die Mutter ihre Kinder in den Ferien so alleinlassen konnte. Und vielleicht liegt gerade darin die Stärke dieses Romans: Er lässt Raum für Wut, Ratlosigkeit und Mitgefühl zugleich. Der Schreibstil intensiv, aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Libby macht das Erlebte greifbar. Die Geschichte spielt im Sommer 1966, und man spürt jede Szene, als wäre man selbst dabei. Die bildhaften Beschreibungen sind so stark, dass ich Gerüche, Lichtstimmungen und Gefühle regelrecht ‚mitgeschmeckt’ habe. Ein stilles, eindringliches Buch über das, was unausgesprochen bleibt – und das doch nie wirklich verschwindet. Sehr zu empfehlen ist auch ihr anderer Roman: „Sag mir was ich bin.“ 🙏🏼

5

Wow! Das war toll!

„Noch ein Wort und du kannst zu Fuß gehen!“ Und Ellen muss aussteigen und bei Anbruch der Dunkelheit kilometerweit nach Hause laufen. Dieses Ereignis löst eine Welle von weiteren Ereignissen aus. Es ist ein Krimi, ein Coming-of-age-Roman, ein Familiendrama. Es ist vielschichtig und psychologisch intelligent und immer wieder spannend! Es geht um eine etwas zerrüttete Familie mit fünf Kindern, einem toten Vater und einer egoistischen Mutter, um einen merkwürdigen und zwielichtigen Jugendlichen, der angeblich Haustiere tötet, um einen gruseligen weißhaarigen Mann aus dem Nachbarort, um eine enge Mädchenfreundschaft, die an den familiären Unterschieden und der Pubertät zu zerbrechen droht, um Geschwisterliebe und um Amerika. Hier eine wunderschöne Passage, in der sich die 14-jährige Ich-Erzählerin Libby an ihren Vater erinnert: „An seinem letzten Weihnachten hatte er für uns alle ein Buch ausgesucht. Noch heute stelle ich ihn mir vor, wie er dort in dem New Yorker Buchladen steht und die Bücher aussucht, die uns gefallen könnten, die Karten auswählt und das Geschenkpapier, und wie er die Geschenke dann schließlich einpackt: das Papier faltet, den Tesafilm abreißt und Schleifen bindet, mit seinen dicken Fingern, die sich eher dafür eignen, Maschinen zu bedienen und Betonblöcke zu schleppen. Für Marie hatte er den zweiten Band von Rock On! gekauft, einem illustrierten Lexikon der Rockmusik. (…) Thomas bekam Sterne und Planeten: Die Geheimnisse des Nachthimmels, das er auch weiterhin im Geschenkpapier eingeschlagen ließ - keine von uns durfte es auch nur berühren. Ellens Buch handelte von Kunstgeschichte und war mit einem Aquarellkasten und Pinseln versehen; für Beatrice hatte er ein Buch über die verschiedenen Hunderassen mit Aufklebern besorgt. Mir schoss auf einmal die Frage durch den Kopf, ob er an der Kasse wohl erzählt hatte, dass die Bücher für seine Kinder waren. Ich stellte mir vor, wie er mit seiner Tüte voller Geschenke in der U-Bahn zurück in die Bronx saß, zwischen all den anderen Weihnachtseinkäufern, und plötzlich war mir dort im Auto, als bekäme ich keine Luft mehr. Wenn ich ihm bloß erzählen könnte, dass jedes dieser Bücher inzwischen für uns stand, dass wir das Bild, das er jeweils von uns hatte, nicht mehr abstreifen konnten, nicht aufhören konnten, ihm zu entsprechen.“

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