!! SPOILER !! (Unten in der Rezi) Ein Sommer voller Schweigen, in dem zwei Kinder lernen, stark zu sein, weil niemand sonst es für sie ist.
Dieses Buch hat mich direkt von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen – ohne Umwege wird man mitten ins Geschehen geworfen. Es ist kein laut erzähltes Buch, sondern eines, das in seiner stillen Intensität wirkt. Was mich besonders berührt hat, ist das ungesagte Band zwischen den Geschwistern. Die Art, wie sie schweigend zusammenhalten, Verantwortung übernehmen, still erwachsen werden, weil die Mutter entweder schläft oder arbeitet. Diese selbstverständliche Überforderung von Kindern, die zu früh funktionieren müssen, hallt lange nach. Ich konnte nicht nachvollziehen, wie die Mutter ihre Kinder in den Ferien so alleinlassen konnte. Und vielleicht liegt gerade darin die Stärke dieses Romans: Er lässt Raum für Wut, Ratlosigkeit und Mitgefühl zugleich. Der Schreibstil intensiv, aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Libby macht das Erlebte greifbar. Die Geschichte spielt im Sommer 1966, und man spürt jede Szene, als wäre man selbst dabei. Die bildhaften Beschreibungen sind so stark, dass ich Gerüche, Lichtstimmungen und Gefühle regelrecht ‚mitgeschmeckt’ habe. Ein stilles, eindringliches Buch über das, was unausgesprochen bleibt – und das doch nie wirklich verschwindet. Sehr zu empfehlen ist auch ihr anderer Roman: „Sag mir was ich bin.“ 🙏🏼

