Letzter Akt
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Book Information
Author Description
ANDREAS SCHÄFER, 1969 in Hamburg geboren, in Frankfurt/Main aufgewachsen, lebt heute mit seiner Familie in Berlin. Er schreibt Romane, Essays, Libretti und Radiofeatures. Sein Debüt ›Auf dem Weg nach Messara‹ wurde u. a. mit dem Bremer Literaturförderpreis ausgezeichnet. Es folgten die Romane (alle DuMont) ›Wir vier‹ (2010), der u. a. für den Deutschen Buchpreis nominiert war, ›Gesichter‹ (2013), der Spiegel-Bestseller ›Das Gartenzimmer› (2020) und zuletzt ›Die Schuhe meines Vaters‹ (2022).
Posts
Wenn Kunst auf Kunst trifft!
Es gibt Kunst und Kunst. Die Kunst des Schauspiels und die Kunst der Malerei. Wenn beide Gebiete aufeinander treffen, dann wird etwas schönes daraus…oder? Die Schauspielerin Dora trifft auf den Maler Vincent. Nach einem schlechten Tag bzw. Aufführung fühlt die sich beim ihm sehr aufgehoben. Er weiß nicht, wer sie ist - Anfangs. Beide verbringen viel Zeit miteinander. Doch Vincent ist sehr seiner Malerei hinterher. Er arbeitet lieber als lange zu kuscheln. Doch beiden gefällt es, bis Dora herausfindet, dass Vincent ein Kind hat. Sie fühlt sich verraten aber er hat ihr nie Anlass dafür gegeben, so zu agieren. Als sie ihn bittet, sie zu malen, fällt es ihm schwer. Denn sein letztes Portrait - seine Ex und Mutter seiner Tochter. Das Bild wird gemalt, es wird begutachtet und Dora bekommt einen Nervenzusammenbruch. Die Vergangenheit holt sie ein und sie muss sich eingestehen, ihr größtes Leid hat sie nie überwunden. Es war ein sehr interessantes Buch. Doch für mich vieles unschlüssig und nicht so richtig nachvollziehbar. Lückenhaft. Dora ist keine einfache Person und auch Vincent ist eher ruhig und teilt sich ungerne mit. Allem in allem, bleibt es lesenswert. 😀
Entdeckung 👌
London im Jahr 2005: Nach langen Jahren vor der Kamera kehrt die Schauspielerin Dora auf die Theaterbühne zurück. Mit Anfang vierzig blickt sie auf eine beachtliche Karriere zurück, doch hinter dem Applaus verbirgt sich eine leise Unruhe. Am Abend der Premiere begegnet sie in einer Bar dem Maler Victor. Einem Mann, der sie nicht kennt und nichts von ihrem Ruhm weiß. Gerade diese Unbefangenheit zieht Dora in seinen Bann. In der Begegnung mit Victor erkennt sie eine Möglichkeit, sich zu entziehen: den Erwartungen ihrer Mutter, die unablässig aus Frankfurt anruft, dem Drängen ihrer Agentin, neue Rollen anzunehmen, und den übergriffigen Annäherungen eines Kollegen, der ihre Grenzen missachtet. Für einen Moment scheint es, als könne sie in Victors Gegenwart jemand anderes sein. Oder vielleicht endlich sie selbst. Nach einigen Wochen bittet Dora ihn, sie zu malen. Doch als sie das fertige Bild betrachtet, gerät ihr Innerstes ins Wanken. In den Farben und Formen glaubt sie etwas wiederzuerkennen, das sie längst verdrängt hatte. Vergessene Erinnerungen brechen hervor und stellen alles infrage, was sie über sich selbst zu wissen glaubte. Letzter Akt entfaltet auf eindringliche Weise das Wechselspiel zwischen Kunst und Leben und erzählt mit feiner Sensibilität von einem Aufbruch, der zugleich Befreiung und Zumutung ist und der Doras Welt unwiderruflich verändert. Mit feiner Zurückhaltung legt Andreas Schäfer einen kaum greifbaren Schatten über die Liebesgeschichte. Ein leises Unbehagen, das sich allmählich verdichtet. „Fokussieren und ausblenden“ – diese Technik hat Dora einst von einem Regisseur übernommen, ein Handwerk, das ihr auf der Bühne und vor der Kamera stets Sicherheit gab. Doch was im Spiel mühelos gelingt, entzieht sich ihr im wirklichen Leben: Dort lassen sich Gefühle nicht einfach schärfen oder ausblenden. Die Kontrolle, die sie einst beherrschte, beginnt zu bröckeln. Auf drei ineinander verschränkten Zeitebenen entfaltet Andreas Schäfer ein Geflecht zentraler Motive, die seit jeher das Nachdenken über Kunst prägen: das Spiel mit Schein und Maskerade, die tastende Suche nach dem eigenen Selbst sowie die trügerische und zugleich bewahrende Kraft der Erinnerung. In diesem vielschichtigen Erzählen verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Inszenierung, bis sich schließlich die Frage aufdrängt, in welchem Maß Kunst das Leben spiegelt, oder es überhaupt erst formt.
Wenn Kunst plötzlich zurückblickt
Manche Bücher kommen nicht mit Pauken und Trompeten um die Ecke, sondern setzen sich leise neben einen, bestellen einen Kaffee und sagen irgendwann so einen Satz, der plötzlich sitzt. Letzter Akt ist genau so ein Roman. Ruhig, fein, ein bisschen melancholisch und trotzdem mit einer Wucht, die man erst merkt, wenn man schon längst mitten drinsteckt. Dora hat eigentlich alles, was nach Erfolg aussieht. Filmkarriere, Bühne, Applaus, dieses ganze glänzende Zeug. Aber unter der Oberfläche knirscht es ordentlich. Ihre Mutter nervt am Telefon, die Agentin will mehr aus ihr machen, der Kollege überschreitet Grenzen und Dora selbst wirkt manchmal, als würde sie ihr eigenes Leben nur noch spielen. Ganz ehrlich, das hat mich mehr gepackt, als ich erwartet hätte. Dann taucht Victor auf, dieser Maler, der sie nicht sofort als berühmte Schauspielerin einsortiert. Herrlich irritierend. Für Dora ist das fast wie Urlaub von sich selbst. Doch als er sie malt, wird aus Kunst plötzlich kein hübscher Spiegel, sondern eher ein Vorschlaghammer mit Rahmen. Da dachte ich nur: Na super, einmal kurz entspannen wollen und zack, Trauma mit Tiefgang. Andreas Schäfer schreibt das nicht laut, nicht dramatisch auf Knopfdruck, sondern sehr feinfühlig. Man muss sich auf das Tempo einlassen, sonst wartet man vielleicht auf den großen Knall und übersieht die kleinen Risse. Genau da liegt aber die Stärke des Romans. Letzter Akt ist ein stilles, kluges und emotionales Buch über Kunst, Erinnerung und die Frage, wie lange man vor sich selbst weglaufen kann. Kein schneller Snack, eher ein gutes Glas Rotwein mit Nachhall.

Description
Book Information
Author Description
ANDREAS SCHÄFER, 1969 in Hamburg geboren, in Frankfurt/Main aufgewachsen, lebt heute mit seiner Familie in Berlin. Er schreibt Romane, Essays, Libretti und Radiofeatures. Sein Debüt ›Auf dem Weg nach Messara‹ wurde u. a. mit dem Bremer Literaturförderpreis ausgezeichnet. Es folgten die Romane (alle DuMont) ›Wir vier‹ (2010), der u. a. für den Deutschen Buchpreis nominiert war, ›Gesichter‹ (2013), der Spiegel-Bestseller ›Das Gartenzimmer› (2020) und zuletzt ›Die Schuhe meines Vaters‹ (2022).
Posts
Wenn Kunst auf Kunst trifft!
Es gibt Kunst und Kunst. Die Kunst des Schauspiels und die Kunst der Malerei. Wenn beide Gebiete aufeinander treffen, dann wird etwas schönes daraus…oder? Die Schauspielerin Dora trifft auf den Maler Vincent. Nach einem schlechten Tag bzw. Aufführung fühlt die sich beim ihm sehr aufgehoben. Er weiß nicht, wer sie ist - Anfangs. Beide verbringen viel Zeit miteinander. Doch Vincent ist sehr seiner Malerei hinterher. Er arbeitet lieber als lange zu kuscheln. Doch beiden gefällt es, bis Dora herausfindet, dass Vincent ein Kind hat. Sie fühlt sich verraten aber er hat ihr nie Anlass dafür gegeben, so zu agieren. Als sie ihn bittet, sie zu malen, fällt es ihm schwer. Denn sein letztes Portrait - seine Ex und Mutter seiner Tochter. Das Bild wird gemalt, es wird begutachtet und Dora bekommt einen Nervenzusammenbruch. Die Vergangenheit holt sie ein und sie muss sich eingestehen, ihr größtes Leid hat sie nie überwunden. Es war ein sehr interessantes Buch. Doch für mich vieles unschlüssig und nicht so richtig nachvollziehbar. Lückenhaft. Dora ist keine einfache Person und auch Vincent ist eher ruhig und teilt sich ungerne mit. Allem in allem, bleibt es lesenswert. 😀
Entdeckung 👌
London im Jahr 2005: Nach langen Jahren vor der Kamera kehrt die Schauspielerin Dora auf die Theaterbühne zurück. Mit Anfang vierzig blickt sie auf eine beachtliche Karriere zurück, doch hinter dem Applaus verbirgt sich eine leise Unruhe. Am Abend der Premiere begegnet sie in einer Bar dem Maler Victor. Einem Mann, der sie nicht kennt und nichts von ihrem Ruhm weiß. Gerade diese Unbefangenheit zieht Dora in seinen Bann. In der Begegnung mit Victor erkennt sie eine Möglichkeit, sich zu entziehen: den Erwartungen ihrer Mutter, die unablässig aus Frankfurt anruft, dem Drängen ihrer Agentin, neue Rollen anzunehmen, und den übergriffigen Annäherungen eines Kollegen, der ihre Grenzen missachtet. Für einen Moment scheint es, als könne sie in Victors Gegenwart jemand anderes sein. Oder vielleicht endlich sie selbst. Nach einigen Wochen bittet Dora ihn, sie zu malen. Doch als sie das fertige Bild betrachtet, gerät ihr Innerstes ins Wanken. In den Farben und Formen glaubt sie etwas wiederzuerkennen, das sie längst verdrängt hatte. Vergessene Erinnerungen brechen hervor und stellen alles infrage, was sie über sich selbst zu wissen glaubte. Letzter Akt entfaltet auf eindringliche Weise das Wechselspiel zwischen Kunst und Leben und erzählt mit feiner Sensibilität von einem Aufbruch, der zugleich Befreiung und Zumutung ist und der Doras Welt unwiderruflich verändert. Mit feiner Zurückhaltung legt Andreas Schäfer einen kaum greifbaren Schatten über die Liebesgeschichte. Ein leises Unbehagen, das sich allmählich verdichtet. „Fokussieren und ausblenden“ – diese Technik hat Dora einst von einem Regisseur übernommen, ein Handwerk, das ihr auf der Bühne und vor der Kamera stets Sicherheit gab. Doch was im Spiel mühelos gelingt, entzieht sich ihr im wirklichen Leben: Dort lassen sich Gefühle nicht einfach schärfen oder ausblenden. Die Kontrolle, die sie einst beherrschte, beginnt zu bröckeln. Auf drei ineinander verschränkten Zeitebenen entfaltet Andreas Schäfer ein Geflecht zentraler Motive, die seit jeher das Nachdenken über Kunst prägen: das Spiel mit Schein und Maskerade, die tastende Suche nach dem eigenen Selbst sowie die trügerische und zugleich bewahrende Kraft der Erinnerung. In diesem vielschichtigen Erzählen verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Inszenierung, bis sich schließlich die Frage aufdrängt, in welchem Maß Kunst das Leben spiegelt, oder es überhaupt erst formt.
Wenn Kunst plötzlich zurückblickt
Manche Bücher kommen nicht mit Pauken und Trompeten um die Ecke, sondern setzen sich leise neben einen, bestellen einen Kaffee und sagen irgendwann so einen Satz, der plötzlich sitzt. Letzter Akt ist genau so ein Roman. Ruhig, fein, ein bisschen melancholisch und trotzdem mit einer Wucht, die man erst merkt, wenn man schon längst mitten drinsteckt. Dora hat eigentlich alles, was nach Erfolg aussieht. Filmkarriere, Bühne, Applaus, dieses ganze glänzende Zeug. Aber unter der Oberfläche knirscht es ordentlich. Ihre Mutter nervt am Telefon, die Agentin will mehr aus ihr machen, der Kollege überschreitet Grenzen und Dora selbst wirkt manchmal, als würde sie ihr eigenes Leben nur noch spielen. Ganz ehrlich, das hat mich mehr gepackt, als ich erwartet hätte. Dann taucht Victor auf, dieser Maler, der sie nicht sofort als berühmte Schauspielerin einsortiert. Herrlich irritierend. Für Dora ist das fast wie Urlaub von sich selbst. Doch als er sie malt, wird aus Kunst plötzlich kein hübscher Spiegel, sondern eher ein Vorschlaghammer mit Rahmen. Da dachte ich nur: Na super, einmal kurz entspannen wollen und zack, Trauma mit Tiefgang. Andreas Schäfer schreibt das nicht laut, nicht dramatisch auf Knopfdruck, sondern sehr feinfühlig. Man muss sich auf das Tempo einlassen, sonst wartet man vielleicht auf den großen Knall und übersieht die kleinen Risse. Genau da liegt aber die Stärke des Romans. Letzter Akt ist ein stilles, kluges und emotionales Buch über Kunst, Erinnerung und die Frage, wie lange man vor sich selbst weglaufen kann. Kein schneller Snack, eher ein gutes Glas Rotwein mit Nachhall.









