Kreutzersonate / Eine Frage der Schuld

Kreutzersonate / Eine Frage der Schuld

Hardback
3.011
DramaKlassikerWeltliteraturMoral

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Description

Ein weltliterarischer Rosenkrieg Mit seiner «Kreutzersonate» schockierte Lew Tolstoi nicht nur seine Leser, sondern auch seine Ehefrau. Die antwortete mit einem eigenen Roman, und ein beispielloser weltliterarischer Rosenkrieg begann. Tolstois umstrittene Erzählung – in der ersten Neuübersetzung seit über fünfzig Jahren – tritt hier in einen faszinierenden Dialog mit Sofja Tolstajas bewegendem Ehedrama. Das Landgut des Ehepaars Tolstoi war häufig Schauplatz heftiger Meinungsverschiedenheiten. Mit der berühmten «Kreutzersonate» verlagerte sich die Kontroverse auf eine literarische Ebene. Lew Tolstoi erzählt darin die irritierende Geschichte eines innerlich zerrissenen Menschen, den die Eifersucht zu einer unfassbaren Tat treibt – und der seine Ehefrau für sein Verderben verantwortlich macht. Das Buch war ein Skandal: Lew Tolstoi (1818–1910) offenbarte damit eine erschütternde Einstellung der Ehe und den Frauen gegenüber, die Welt sah sich als Zeuge einer persönlichen Abrechnung des Autors mit seiner Ehefrau. In ihrer literarischen Replik zeichnet Sofja Tolstaja (1844–1919) das das einfühlsame, differenzierte Porträt eines Paares und rückt das Werk ihres Mannes in ein neues Licht. «Eine Frage der Schuld» handelt von der fatalen Entfremdung zwischen Eheleuten, von Enttäuschungen und fehlendem Vertrauen. Den Roman zu veröffentlichen, wagte sie zu Lebzeiten jedoch nicht. «Im Vergleich der ‹Kreutzersonate› mit Sofja Tolstajas funkelndem Werk kann man den Abgrund ermessen, der die beiden schreibenden Eheleute voneinander trennte.» (NZZ)

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Hardback
Pages
432
Price
20.60 €

Author Description

Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910) entstammte einem alten russischen Adelsgeschlecht. Er wurde auf dem väterlichen Gut Jasnaja Poljana geboren und wuchs nach dem frühen Tod beider Eltern in der Obhut einer Tante auf. 1851-1856 leistete er seinen Militärdienst im Kaukasus ab. Sein Erstlingswerk, eine autobiographische Skizze, wurde 1852 veröffentlicht und hatte bereits großen Erfolg. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa heiratete er 1862 die sechzehn Jahre jüngere Sofja Andrejewna Behrs. Das Paar zog sich nach Jasnaja Poljana zurück, wo Tolstoi seine großen Werke schrieb, die ihn weltberühmt machten: «Krieg und Frieden» (1864-1869) und «Anna Karenina» (1873-1876). In den 1880er Jahren wandte Tolstoi sich rigoros christlichem Denken und Handeln zu. Alle Kunst, die nicht moralischen Zwecken diente, lehnte er fortan ab. Der Eindruck des Elends des Moskauer Großstadtproletariats veranlasste ihn zur Konzeption einer sozialrevolutionären Lehre, die ihm die Bewunderung seiner Zeitgenossen bis hin zu Mahatma Gandhi eintrug, die aber zu einem Konflikt mit der Kirche führte. Auch in seine Familie reichte der Konflikt hinein: Die letzten Jahre seiner Ehe bis zu seinem Tod waren von Meinungsverschiedenheiten über die richtige Lebensweise und nicht zuletzt über Geldangelegenheiten überschattet. Lew Tolstoi starb am 20. November 1910 in der Bahnstation Astapowo, nachdem er seine Familie verlassen hatte.

Posts

4
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3

Wem die Rezension zu lang ist, findet am Ende ein Fazit. Meine Rezension: Tolstois "Die Kreutzer-Sonate" ist ein Werk, das sich unmissverständlich mit den dunklen Seiten menschlicher Beziehungen auseinandersetzt – und dabei den Leser zum Nachdenken (und Widerspruch) herausfordert. Das Buch beeindruckt in erster Linie durch seine sprachliche Kraft und die radikale Intensität, mit der es die Gedankenwelt des Protagonisten offenlegt. Die subjektive Erzählweise erzeugt eine bedrückende Atmosphäre, die einen förmlich in den Wahnsinn der Figur hineinzieht. Auch künstlerisch ist das Werk stellenweise wirklich verblüffend, mit einer Dichte und Präzision, die den Leser immer wieder innehalten lässt. Doch abseits dieser Qualitäten stößt man schnell auf eine Reihe von moralischen und psychologischen Thesen, die sowohl schockieren als auch zum Widerspruch anregen. Während man beim Lesen das Gefühl hat, den eigenen Verstand bis zum Äußersten zu beanspruchen, ruft Tolstois Sicht auf Liebe, Ehe und Sexualität sowohl Empörung als auch Zustimmung hervor. An vielen Stellen möchte man laut ausrufen: "Das ist wahr!" oder "Das ist unsinnig!" Es sind genau diese extremen Aussagen, die das Werk so provokant machen. Fazit: Tolstois "Die Kreutzer-Sonate" ist ein sprachlich meisterhaftes Werk, das den Leser mit seiner emotionalen Intensität mitreißt. Es regt zum Nachdenken an, fordert heraus und bleibt durch seine provokanten Ansichten unvergesslich. Trotzdem bleibt es für mich inhaltlich streitbar – aus dieser Mischung von Faszination und Widerstand ziehe ich 3 von 5 Sternen.

1

Erst langweiliges moralinsaures Gejammer, dann zwar fesselnder, aber viel zu einseitig und mysogyn.

4

Auch ein Klassiker darf fragwürdigen Inhalts sein Nun, Leo – was hast Du zu deiner Verteidigung zu sagen? Da schreibst du ein Jahrhundertwerk á la „Anna Karenina“ und veröffentlichst dann Jahre später die diskussionswürdige „Kreutzersonate“??? Nun gut, man muss einem der größten Literaten Russlands auch mal einen kleinen (literarischen) Fauxpas durchgehen lassen. Und ganz so negativ, wie die einleitende Übertreibung suggerieren könnte, ist die „Kreutzersonate“ nun auch wieder nicht *g*. Nicht umsonst gilt sie ja als Klassiker und wurde jetzt in einem fröhlichen Grünton (im Nachhinein wird mir klar, warum Grün als Farbe des Einbands gewählt wurde *g*) in der Reihe „Penguin Edition“ in der Übersetzung von Olga Radetzkaja neu veröffentlicht. Und doch... Der Ich-Erzähler trifft auf einer Bahnreise quer durch Russland auf einige Frauen und Männer, die sich in einem angeregten Gespräch über Liebe und ihre „Auswirkungen“ unterhalten. Dann fängt Gutsbesitzer Posdnyschew an, seine Geschichte zu erzählen und die geneigte Leserschaft reibt sich verwundert die Augen: was bitteschön passiert hier gerade? Ist es der gleiche Autor, der Jahre zuvor eine der tragischsten Liebesgeschichten der jüngeren Literatur veröffentlicht hat und jetzt einen auf Moralapostel macht? Tolstoi legt Posdnyschew einige gewagte Thesen über die Versklavung der Frau, Enthaltsamkeit etc. in den Mund, die den geneigten Leser zunächst mit offenen Augen sprachlos werden lässt. Doch im Nachgang bzw. –wort finden sich Erklärungen zu den teilweise fragwürdigen Äußerungen; so hat Tolstoi vor der „Kreutzersonate“ eine Zäsur durchlebt, die ihn in eine recht orthodoxe Richtung „driften“ ließ – davon zeugt auch seine im Nachwort zitierte „Beichte“ von 1882. Ob und was die geneigte Leserschaft von diesen verschriftlichten Thesen hält – nun, dass muss jede*r für sich entscheiden. Posdnyschew ist ein von krankhafter Eifersucht Besessener, der in allem, was seine Frau und ein befreundeter Musiker unternehmen, Anzeichen der Untreue sieht. Diese Eifersucht steigert sich in ihrem (seinen) Wahn bis zum dramatischen Finale... Möge der Inhalt der „Kreutzersonate“ moralisch nicht (immer) einwandfrei und darum überaus diskussionswürdig sein – sprachlich ist die Novelle ein Meisterwerk. Die heraufbeschworenen Stimmungen und Bilder, die Tolstoi bravourös formuliert hat, wirken nach und lassen mich (mit etwas Abstand) meine Bewertung von knappen 3,5 auf durchaus verdiente (mit steigender Tendenz) 4 Sterne erhöhen. ©kingofmusic

2

Absolute Incel-Bibel, die ja wirklich zu einer Bibel für die Tolstojaner geworden ist. Es heißt, die Kreutzersonate sei fast genauso missverstanden wie Lolita. Das zweifle ich jedoch an, da Nabokov im Gegensatz zu Tolstoi keine kleinen Kinder liebt und misshandelt, Tolstoi aber mit seinem kompletten Gedankenguts-Wandel absolut seine Meinung predigt. Das Tolstoi mit seinem Werk ein Feminist sein soll...sicher nicht, wenn er alles, was der Protagonist, ja selbst auch denkt. Teilweise fand ich stellen, die mit mir resonierten, zB dass eine Frau sich so gut sie versucht in der Gesellschaft zu etablieren, mehr Rechte zu haben etc, soweit sich der Blick der Männer auf Frauen jedoch nicht ändert, bringt es nichts. Man wird als Genussobjekt gesehen. Im Großen und Ganzen ist der Protagonist selbst an allem Schuld, streift diese jedoch vollends ab und schiebt sie auf die tierische Natur der Männer, ups, meine natürlich Menschen. Und die Frauen sind ja sowieso das reine Übel. Wer dem Buch (gerade das männliche Geschlecht) 5 Sterne gibt; da läuten die Alarmglocken.

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