Klingsors letzter Sommer
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Description
Geschildert werden die letzten Lebensmonate eines Malers, dessen Lebensgier und Schaffensrausch an die Intensität Vincent van Goghs erinnern, seinen Wettlauf mit dem Tod, den er mit immer neuen und waghalsigeren Bildern zu überrunden versucht.
Book Information
Author Description
Hermann Hesse, geboren am 2.7.1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb am 9.8.1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin. Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.
Posts
„Klingsors letzter Sommer“ ist viel besser als zunächst gedacht. Klingsor und dessen engste Freunde zeigen Züge Hesses. Sprachlich ist der Text ein expressives, teils expressionistisches Feuerwerk aus erzählenden Passagen und Briefen. Eine Künstlererzählung voller Rausch und Lust, Schaffenskraft, Wahnsinn und schließlich auch Todessehnsucht und Tod.
Dank meiner kleinen monatlichen Klassiker-Runde schaffen es endlich auch mal SuB-Ladenhüter wie diese Hesse-Erzählungen aus dem Regal. In "Klingsors letzter Sommer" sind neben der gleichnamigen Erzählung über das letzte Jahr eines lebens-, liebes- und todestrunkenen Malers noch "Kinderseele" und "Klein und Wagner" vertreten. In "Kinderseele" zeichnet Hesse überaus treffend die inneren Kämpfe eines Jungen nach, der eine Kleinigkeit aus dem Arbeitszimmer des Vaters gestohlen hatte, über seine Scham, sein schlechtes Gewissen und seine Angst vor der Strafe. In "Klein und Wagner" sind wir im Kopf eines Verbrechers, der sich in der italienischen Schweiz unter neuer Identität zerrissen und gemartert nochmals dem Leben hingeben will. Allen Geschichten gleich ist die extrem ausschweifende Beschreibung des Innenlebens ihrer Protagonisten. Als Leserin wird man von himmelhochjauchzenden Höhen in dunkle Abgründe gestoßen, oftmals nicht nachvollziehbar, wodurch der plötzliche Wandel nun ausgelöst wurde. Die Charaktere werden in psychischen Ausnahmesituationen gezeigt, sind in ihren Extremen für mich jedoch nicht völlig glaubhaft. Eher war ich irgendwann genervt davon, wie jeder Satz, jede Empfindung noch schwerer wog als die vorangegangene. Die Erkenntnisse waren dabei zu vielzählig und flüchtig, dass mir am Ende wenig davon blieb. Dennoch bleibt Bewunderung zurück für solch haarfeinen Psychogramme, für einige tiefschürfende Gedanken und stimmungsvoll spürbare Beschreibungen. Die darin zu lesenden Metaebenen, z.B. politische und weltgeschichtliche Interpretationen, kann man z.B. unter getabstract.com nachlesen - für mich hat sich diese Ebene aber beim Lesen nicht erschlossen.
"Aber dann war dieser Sommer vorüber, dieser tolle flackernde Sommertraum, und mit ihm tausend ungetrunkene Becher verschüttet, tausend ungesehene Liebesblicke gebrochen, tausend unwiederbringliche Bilder ungesehen erloschen!" (S. 10) Wieder einmal hat sich gezeigt, dass Hermann Hesse zurecht mein absoluter Lieblingsschriftsteller ist. In dieser autobiografisch begründeten Novelle erzählt er die Geschichte des Malers Klingsor, der seinen letzten Sommer in Italien verbringt und in zehn Episoden über das Leben, die Liebe und die Kunst sinniert. Die Erzählung quillt förmlich über vor Lebenslust, man bekommt nicht übel Lust, es Hesse (und Klingsor) gleichzutun und einige Jahre in Italien zu verbringen um dort das Leben zu genießen. Nebenbei erhält man Einblicke in Hesses eigene Malerei - nicht nur ist das Buch mit einigen seiner Aquarelle aus seiner Zeit in Italien ausgeschmückt, man liest auch heraus, wie viel ihm die Malerei bedeutet hat und welche Gedanken ihm als Künstler durch den Kopf gegangen sind. "Tief genießend schlürfte er den dunklen Wein dieser Worte." (S. 12) Hesses Schreibstil ist einfach traumhaft. Die Geschichte liest sich weg wie nichts und lässt den Leser dabei zwar wehmütig, aber vor allem glücklich zurück. Dieses Buch rutscht sofort an die Spitze meiner Wunschliste und vor allem in dieser wunderschönen (2017er) Ausgabe vom Insel Verlag ist es eines, das man immer wieder gern zur Hand nehmen wird. "Sei gegrüßt, geliebtes Leben! Sei gegrüßt, geliebter Tod!" (S. 52)
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Geschildert werden die letzten Lebensmonate eines Malers, dessen Lebensgier und Schaffensrausch an die Intensität Vincent van Goghs erinnern, seinen Wettlauf mit dem Tod, den er mit immer neuen und waghalsigeren Bildern zu überrunden versucht.
Book Information
Author Description
Hermann Hesse, geboren am 2.7.1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb am 9.8.1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin. Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.
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„Klingsors letzter Sommer“ ist viel besser als zunächst gedacht. Klingsor und dessen engste Freunde zeigen Züge Hesses. Sprachlich ist der Text ein expressives, teils expressionistisches Feuerwerk aus erzählenden Passagen und Briefen. Eine Künstlererzählung voller Rausch und Lust, Schaffenskraft, Wahnsinn und schließlich auch Todessehnsucht und Tod.
Dank meiner kleinen monatlichen Klassiker-Runde schaffen es endlich auch mal SuB-Ladenhüter wie diese Hesse-Erzählungen aus dem Regal. In "Klingsors letzter Sommer" sind neben der gleichnamigen Erzählung über das letzte Jahr eines lebens-, liebes- und todestrunkenen Malers noch "Kinderseele" und "Klein und Wagner" vertreten. In "Kinderseele" zeichnet Hesse überaus treffend die inneren Kämpfe eines Jungen nach, der eine Kleinigkeit aus dem Arbeitszimmer des Vaters gestohlen hatte, über seine Scham, sein schlechtes Gewissen und seine Angst vor der Strafe. In "Klein und Wagner" sind wir im Kopf eines Verbrechers, der sich in der italienischen Schweiz unter neuer Identität zerrissen und gemartert nochmals dem Leben hingeben will. Allen Geschichten gleich ist die extrem ausschweifende Beschreibung des Innenlebens ihrer Protagonisten. Als Leserin wird man von himmelhochjauchzenden Höhen in dunkle Abgründe gestoßen, oftmals nicht nachvollziehbar, wodurch der plötzliche Wandel nun ausgelöst wurde. Die Charaktere werden in psychischen Ausnahmesituationen gezeigt, sind in ihren Extremen für mich jedoch nicht völlig glaubhaft. Eher war ich irgendwann genervt davon, wie jeder Satz, jede Empfindung noch schwerer wog als die vorangegangene. Die Erkenntnisse waren dabei zu vielzählig und flüchtig, dass mir am Ende wenig davon blieb. Dennoch bleibt Bewunderung zurück für solch haarfeinen Psychogramme, für einige tiefschürfende Gedanken und stimmungsvoll spürbare Beschreibungen. Die darin zu lesenden Metaebenen, z.B. politische und weltgeschichtliche Interpretationen, kann man z.B. unter getabstract.com nachlesen - für mich hat sich diese Ebene aber beim Lesen nicht erschlossen.
"Aber dann war dieser Sommer vorüber, dieser tolle flackernde Sommertraum, und mit ihm tausend ungetrunkene Becher verschüttet, tausend ungesehene Liebesblicke gebrochen, tausend unwiederbringliche Bilder ungesehen erloschen!" (S. 10) Wieder einmal hat sich gezeigt, dass Hermann Hesse zurecht mein absoluter Lieblingsschriftsteller ist. In dieser autobiografisch begründeten Novelle erzählt er die Geschichte des Malers Klingsor, der seinen letzten Sommer in Italien verbringt und in zehn Episoden über das Leben, die Liebe und die Kunst sinniert. Die Erzählung quillt förmlich über vor Lebenslust, man bekommt nicht übel Lust, es Hesse (und Klingsor) gleichzutun und einige Jahre in Italien zu verbringen um dort das Leben zu genießen. Nebenbei erhält man Einblicke in Hesses eigene Malerei - nicht nur ist das Buch mit einigen seiner Aquarelle aus seiner Zeit in Italien ausgeschmückt, man liest auch heraus, wie viel ihm die Malerei bedeutet hat und welche Gedanken ihm als Künstler durch den Kopf gegangen sind. "Tief genießend schlürfte er den dunklen Wein dieser Worte." (S. 12) Hesses Schreibstil ist einfach traumhaft. Die Geschichte liest sich weg wie nichts und lässt den Leser dabei zwar wehmütig, aber vor allem glücklich zurück. Dieses Buch rutscht sofort an die Spitze meiner Wunschliste und vor allem in dieser wunderschönen (2017er) Ausgabe vom Insel Verlag ist es eines, das man immer wieder gern zur Hand nehmen wird. "Sei gegrüßt, geliebtes Leben! Sei gegrüßt, geliebter Tod!" (S. 52)











