Luca ist sieben und ein sensibler, kluger Junge, der gern in die Schule geht. Doch dann ruft man seine Eltern, Pia und Jakob, in die Schule. Es gab einen Vorfall mit einem Mädchen, ein ungeheurer Vorwurf steht im Raum und die Eltern wissen kaum, damit umzugehen. Man wirft sie aus der WhatsApp-Gruppe. Und Pia beginnt sich zu erinnern, an Abgründe, an den schlimmen Verlust. Doch eigentlich will sie nur eins: ihre kleine Familie schützen.
In einer Zeit, in der Therapie zum Luxusgut geworden ist, kommt das Buch “Kleine Monster” um die Ecke. Und man benötigt nach dessen Lektüre keinen Therapeuten, aber jemand zum Reden wäre schon gut. Dieses Buch hat einen im Griff, wie im Schraubstock, lässt einen an den Nägeln knabbern und sich ständig fragen, was wieso ist das jetzt so? Stephen King könnte es nicht besser. Normalerweise mag ich es sehr gern, wenn mir beim Lesen viel Platz für eigene Gedanken gelassen wird, hier war es mir fast zu viel, zu viele schlimme Möglichkeiten waren da in meinem Kopf. Oft habe ich überlegt, das Buch abzubrechen, doch ich wollte mich dem Bösen stellen, mich schützend vor Pia stellen, aber auch vor Luca. Ich wollte verstehen, zumindest versuchen. Kein Buch für schlechte Tage!
Sehr starke Gefühle und eine tragische Familiengeschichte.
Ich war schnell im Buch drin, ein angenehmer Schreibstil der dich fesselt. Ich wollte unbedingt weiterlesen.
Tja.... Kaputte Kindheit, verdrehte Wahrnehmung und mittendrin sind Kinder und schutzlos. Hier wird klar erzählt, was ein Trauma in der Kindheit, das nicht aufgearbeitet wurde, alles anrichten kann.
Für kurze Leseabwecheselung, war das ganz gut. Aber ich denke das Buch wird etwas nachhallen.
Kennen wir unsere Kinder wirklich? Wie prägt ein Trauma in der eigenen Kindheit die Beziehung zu unserem Kind? Jessica Lind ist hier ein fesselnder Roman geglückt, mit außerordentlich gut beschriebenen Charakteren. Absolut zu empfehlen.
Dem Klappentext nach habe ich etwas anderes erwartet und so eine Geschichte bekommen, die beklemmend ist und mir eine Gänsehaut macht. Ganz ruhig und unaufgeregt kommt es daher, ein Psychogramm einer Mutter, die unter all den unausgesprochenen Dingen ihrer Kindheit leidet. Wie sie ihr Trauma auf das eigene Kind projeziert, wie die Erlebnisse ihrer Kindheit und ein früher Verlust ihre Wahrnehmung geprägt haben, ja die ganze Familie geprägt haben. Unterschwellig wird hier suggeriert, dass die Erzählerin Pia Recht mit ihren Vermutungen hat. Ich war hin und her gerissen ihrer Wahrnehmung zu glauben und sie im nächsten Absatz für verrückt zu erklären. Die Geschichte zeigt beeindruckend, was passieren kann, wenn Dinge nicht aufgearbeitet und benannt werden. Oft unangenehm, immer wieder schmerzhaft und nicht zuletzt befreiend.
Vorweg muss gesagt werden, dass der Klappentext eigentlich kaum den Inhalt des Buches benennt. Das ist aber nicht schlimm! Für mich hatte das Buch dadurch mehr Tiefgang als erwartet.
Die Geschichte beschäftigt sich mit Mutterschaft, Wahrheit, Zweifel und den Abgründen in Familien. Die Protagonistin Pia wird durch einen Vorfall ihres Sohnes von ihrer eigenen, nicht nur rosigen Kindheit eingeholt. Bis zuletzt kann ich mich nicht entscheiden, wie ich Pia finde. Aber die Autorin hat eine greifbare und ehrliche Figur geschaffen. Mir hat’s gut gefallen!
Ein sehr eindrücklicher Roman, in dem Generationstrauma greifbar und nachdrücklich charakterisiert wird. Insbesondere die Gefühle und Gedanken von Pia sind nicht gerade problemlos, aber genau deswegen ursprünglich und nachhaltig.
Obwohl das Buch nur 250 Seiten hat habe ich bestimmt sechs Tage gebraucht um es zu Ende zu lesen. Habe viel auf dem Inhalt ‚rumgekaut’! Eine unbequeme Geschichte über Kindheitstrauma, Manipulation, Misstrauen und eine komplexe Familiendynamik.
Was ist, wenn man dem eigenen Kind nicht vertraut? Was ist, wenn man keine Kontrolle hat und was ist, wenn man selber das Problem? Dies sind die Leitfragen behandelt dieses Buch.
Jetzt habe ich noch mehr Respekt davor mal ein Elternteil zu werden. Diese Perspektive vom Eltern sein hat mich schockiert. Es sind echte Probleme, die man niemanden wünscht. Das Buch ist pure Verzweiflung und dennoch absolut nachvollziehbar klare Leseempfehlung.
*Mein Blick streift das Fenster. Draußen ist es dunkel. Wir spiegeln uns in der Scheibe. Das ist es, was die Nachbarn von gegenüber sehen, wenn sie in unsere Wohnung blicken - eine glückliche Familie.*
In „Kleine Monster“ erzählt Jessica Lind die Geschichte einer Mutter, deren Sohn immer stärker durch verstörendes und unberechenbares Verhalten auffällt. Während die Außenwelt zunehmend Angst vor dem Kind entwickelt, versucht sie verzweifelt zu verstehen, was in ihm vorgeht – und welche Rolle sie selbst dabei spielt. 💭 Zwischen Schuldgefühlen, gesellschaftlichen Erwartungen und der Frage, ob Liebe allein ausreicht, entfaltet sich ein intensives psychologisches Drama über Mutterschaft, Verantwortung und die Grenzen von Verständnis.
Mich hat dieses Buch wirklich umgehauen. ⚡️ Die Geschichte entwickelt eine enorme Sogkraft und lässt einen kaum los. Es ist ein fesselndes psychologisches Drama, das mich beim Lesen immer wieder innehalten und nachdenken ließ. 🤔 „Kleine Monster“ war bereits mein zweites Buch der Autorin – und wieder einmal hat sie mich komplett überzeugt. 👌🏻
Ein großes Dankeschön an das @team.bloggerportal und @penguinbuecher für dieses starke Rezensionsexemplar! ✨
Ich habe etwas völlig anderes erwartet, was an sich nicht schlimmes ist, aber mich irgendwie ratlos zurück lässt. Geht es um generationales Trauma? Um Mutterinstinkte?
Eigentlich bin ich ein grosser Fan von ambivalenten oder auch mal unsympathischen Figuren, aber Pia hat es mir für so ein kurzes Buch wirklich schwer gemacht. Ich mochte den Schreibstil nicht und es hat sich sehr gezogen, weil wir so an Pias wirklich schwer nachzuvollziehbare Perspektive gebunden sind. Mich hat es nicht abgeholt
Das Buch fing spannend an, nur leider ging es in eine Richtung, die mich leider nicht so gefesselt wie der Anfang. Es war trotzdem gut, aber ich hatte hier eine ganz andere Erwartung!
Der Roman erzählt von Pia, Mutter des 7-jährigen Luca, der beschuldigt wird, in der Schule eine Grenze gegenüber einem Mädchen überschritten zu haben. Während der Vater den Vorfall herunterspielt, steigert sich Pia immer stärker in Zweifel und Misstrauen hinein. Dabei wird deutlich, dass ihre Reaktionen stark von unverarbeiteten traumatischen Erlebnissen aus ihrer eigenen Kindheit geprägt sind.
Die Kindheit von Pia nimmt in diesem Buch viel Raum ein, mehr als die Geschichte von Luca. Auch das Ende konnte mich leider nicht ganz so überzeugen, daher nur 3 ⭐️⭐️⭐️
Wie gut kennen Eltern ihre Kinder wirklich? Und wie gut ist die bestgemeinte Erziehung am Ende?
Dieses Buch sticht. Und beißt. Und auch ohne selbst Mutter zu sein, kann ich nur sagen: Danke genau dafür. Gerade in Zeiten der immer perfekten Online-Welt MUSS es Gegengewichte geben. Am Ende geht es hier nicht um großes Drama oder Absturz, sondern um innere Dämonen, Zweifel, Erwartungen, Ängste, Altlasten - und den Wunsch, alles beim eigenen Kind besser zu machen. Leseempfehlung!
Nach einem Vorfall in der Schule werden Luca's Eltern zu einem Gespräch in die Schule gebeten. Der Siebenjährige hat sich daneben benommen und schweigt sich über das Geschehene aus.
Pia und Jakob wollen wissen, was genau geschehen ist und machen Druck. Jakob ist überzeugt, dass Luca ein guter Junge ist und sein Fehlverhalten nicht so schlimm war, wie es dargestellt wird.
Doch Pia hat ihre Zweifel, denn immer wieder blitzen Verhaltensweisen bei Luca hervor, die sie nicht versteht und auch nicht gutheisst. Verhaltensweisen, die sie an ihre Schwester erinnern.
Authentisch erzählt die Autorin diese Familiengeschichte. Authentisch sind die Erlebnisse, Sorgen, Gedanken, die Pia als Mutter von Luca hat und erlebt. Sie liebt ihren Sohn, ohne Frage. Sie vermisst jedoch die Kleinkinder und Babyzeit, als Luca noch komplett auf sie konzentriert war. Denn der Junge wird zu einem eigenständigen Mensch und Pia hat nicht mehr immer die Kontrolle über ihn.
Denn Pia macht das durch, was viele Mütter durchmachen: loslassen. Ihren Sohn seinen Radius erweitern lassen und darauf vertrauen, dass die bisherige Prägung die richtige war und Früchte trägt. Und genau hier ist Pias grosses Problem und auch der Plot begraben. Luca wird nach einem Vorfall in der Schule akribisch beobachtet, gewertet und stigmatisiert.
Dies nicht unbedingt von der Schule, sondern von anderen Eltern und vor allem von Pia. Dabei hat Pia immer ihre eigene Kindheit, die durch einen grossen Verlust geprägt war, im Kopf. Dieser einschneidende Verlust, eine tragische Sache in der Kindheit, hat nicht nur Pia geprägt. Auch ihre Eltern haben sich seither verändert und auch die Beziehung zu den Töchtern Pia und Romi verkompliziert.
Die ganze Geschichte wird in Ich Perspektive von Pia erzählt. Sie zeigt ihre Sicht in der Gegenwart und in kurze Passagen, wie sie ihre Kindheit erlebt hat. Ihre Familiengeschichte wird prägend für ihr Verhalten in der Gegenwart und ist psychologisch sehr gut ausgearbeitet.
Der Spagat zwischen leisen Tönen und einer Handlung, die mitreisst, ist Jessica Lind hervorragend gelungen. Mit einem prägnanten, einfach gehaltenen Schreibstil, der ab und zu wienerisch eingefärbt ist, hat sie aus einer Familiengeschichte ein Werk gemacht, das nachhallen wird. Themen wie Geschlechterrollen, Muttergefühle, Solidarität in der Beziehung und Traumata ziehen sich durch die Geschichte.
Dieses Buch tat mir in der Seele weh und ich habe es nur ganz schwer ertragen können... Angefangen mit einem nebulös gehaltenem "Zwischenfall" zweier Erstklässler, wandelt sich der Roman zu einer fraglichen Traumabewältigung der Mutter, die sie meiner Meinung nach auf den kleinen Schultern ihres Sohnes ablädt...
Für mich ist es ein Buch über das Entstehen von Kindheitstraumata und dem Weitergeben ebendieser an Kindern, die den Erwachsenen hilflos ausgeliefert sind.
Das Buch hat mich wirklich sehr positiv überrascht. Der Klappentext hat mich spontan angesprochen und bekommen habe ich wirklich eine tiefgründige Geschichte über Familientraumata, Erziehung und Eltern- bzw. Mutterschaft. Ich wollte die ganze Zeit wissen woher Pias Verhalten rührt und wo es noch hinführt. Durch die Zeitsprünge zwischen Kindheit und Gegenwart war es so gut dargestellt. Wie Pia ihre eigenen Kindheitstraumata anfangs unwissend auf ihren Sohn durch ihr Verhalten übertragen hat, hat mich oft traurig gemacht.
Dieses Buch wird mich noch eine Weile beschäftigen!
Dieses Buch ist eine tief berührende Erzählung über ein Familientrauma. Es folgt einer Mutter, die unbewusst ihre eigenen Verletzungen an ihr Kind weitergibt, und zeichnet dabei ein schonungsloses Bild von übergriffiger, gewaltvoller Mutterschaft, abgeschaut bei ihrer eigenen Mutter . Doch zugleich webt es auch eine hoffnungsvolle Kraft in die Geschichte, indem es die zarte Verbindung von Geschwisterliebe zum Leuchten bringt.
Ein spannendes, psychologisch tiefgehendes Buch, das zum Nachdenken anregt und zeigt, wie eng Gegenwart und Vergangenheit miteinander verbunden sein können.
Pia und Jakob sitzen der Lehrerin ihres Sohnes der 2B gegenüber – es hat einen Vorfall mit einem Mädchen gegeben. Für Pia ist das kaum vorstellbar, denn Luca ist für sie ein sensibler, kluger und guter Junge.
Das Buch ließ sich sehr schnell lesen und hat mich von Anfang an gepackt. Besonders spannend fand ich die Frage, wie gut man sein eigenes Kind wirklich kennt. Der Umgang mit dem Vorfall war für mich stellenweise etwas irritierend, doch genau das hat die Geschichte realistisch gemacht.
Nach und nach wird deutlich, dass Pia stark von ihrer eigenen Kindheit geprägt ist. Sie hat Verluste erlebt, die sie nie richtig verarbeitet hat, und diese Vergangenheit beeinflusst ihr Handeln mehr, als ihr bewusst ist. Während sie versucht, ihre Familie zu schützen, verliert sie zunehmend die Kontrolle – und muss sich schließlich ihren eigenen Abgründen stellen
Ich war wirklich gespannt auf das Buch, weil ich das Thema sehr interessant finde. Jedoch hat es mich nicht so wirklich abgeholt, und ich kann gar nicht genau sagen, warum. Die Charaktere sind mir zu wenig greifbar geblieben, die Sprünge in Pias Vergangenheit waren zwar super interessant, haben aber teilweise den Lesefluss gestört, zumal es sprachlich mMn an manchen Stellen sowieso nicht leicht war, zu folgen. Ich hatte sowohl das Gefühl, dass es sich zieht, als auch, dass die wirklich relevanten Gedankengänge und Handlungen zu wenig Platz bekommen.
Wie gut kennt man eigentlich das eigene Kind?
Jessica Lind hat mit „Kleine Monster“ einen aufwühlenden Roman geschaffen, welcher unterschwellig konstant bedrohlich wirkt und somit die Spannung hält.
Die zwei Zeitebenen, in denen wir Pia einmal in ihrer Kindheit und einmal im Erwachsenenalter begleiten, sind gut aufeinander abgestimmt und sorgen für Abwechslung.
„Kleine Monster“ ist ein Roman mit Sogwirkung, den ich kaum aus der Hand legen konnte 📖 👍🏼.
Wie gut können wir unsere Kinder jemals wirklich kennen? Und wie gut uns selbst?
Die Autorin schafft es auf knapp 260 Seiten eine Geschichte zu erzählen, die unter die Haut geht und lange nachhallt. Ich werde das Buch so schnell nicht vergessen.
Auch wenn es um Kindheitstraumata geht und wie sich diese auf ihre eigene Beziehung zu ihrem Kind auswirkt, hat mich der letzte Teil des Buches nicht mehr abgeholt. Das Ende wirkt schnell runter gerattert, ohne dass man noch etwas über Luca und den Anfang der Geschichte erfährt.
Den Titel finde ich auch irgendwie unpassend.
Wenn auch zu Anfang gut gestartet, habe mir mehr versprochen.
Ein ganz aufwühlendes Buch. Mutterschaft ist wirklich sehr weit weg von mir, aber trotzdem haben mich die Perspektiven der Protagonistin auf ihr Kind sowie ihre Mutter sehr berührt und mitfühlen lassen.
„Kleine Monster“ hat mich von Anfang bis Ende gefesselt. Ausgangspunkt ist der Vorwurf gegen den siebenjährigen Luca, ein Mädchen übergriffig behandelt zu haben. Während Vater Jakob sofort hinter ihm steht, beginnt Mutter Pia zu zweifeln – und als Ich-Erzählerin nimmt man ihre Zerrissenheit, ihre Ängste und ihre Liebe hautnah wahr.
Parallel dazu brechen verdrängte Familiengeheimnisse aus Pias Kindheit auf, die den Roman noch intensiver machen. Besonders gelungen fand ich die Mischung aus psychologischer Spannung und der Auseinandersetzung mit Fragen wie: Müssen Mütter perfekt sein? Dürfen sie scheitern?
Für mich war es spannend, atmosphärisch dicht und zugleich bewegend – ein Roman, der nachwirkt. Klare 5 Sterne.
TRAUMAPLOT
Jessica Linds zweiter Roman „Kleine Monster“ beleuchtet die dunklen und komplexen Seiten familiärer und intergenerationaler Beziehungen. Im Mittelpunkt steht Pia, eine Mutter, die durch einen mysteriösen Vorfall in der Schule ihres Sohnes Luca zunehmend an ihm zu zweifeln beginnt. Was genau geschehen ist, bleibt lange im Unklaren und wird von Lind und ihrer Ich-Erzählerin Pia auch später nur angedeutet, denn Luca schweigt. Während Pias Ehemann Jakob den Vorfall als harmlos abtut, verstärken sich bei Pia düstere Verdachtsmomente. Sie fragt sich, ob in Luca, der äußerlich unschuldig wirkt, nicht vielleicht doch ein „kleines Monster“ steckt, wie es der Titel suggeriert.
Nun könnte man mutmaßen, dass der Nachfolger zum Debuterfolg „Mama“ der Autorin der Frage nach der Möglichkeit des Bösen im Kinde nachgeht, wie es z.B. schon die Apple Produktion „Verschwiegen“ oder der 90er-Film „The Good Son“ mit Macaulay Culkin. IM Zentrum des Textes steht allerdings etwas anderes, denn der Zwischenfall in der Schule löst in Pia eine Welle von Erinnerungen und Emotionen aus, die sie in ihre eigene Kindheit zurückführen. In Rückblicken erfahren der Leser*innen von einem tragischen Unglück, bei dem Pias jüngere Schwester Linda ertrunken ist. Dieser Verlust zerstörte die Familie, und seitdem tragen die Überlebenden tiefe emotionale Wunden. Vor allem Pias Adoptivschwester Romi, die beim Tod der Schwester eine undurchsichtige Rolle spielte, hat die Familie später verlassen und den Kontakt abgebrochen. Pias Misstrauen gegenüber Luca wird durch ihre eigene unbewältigte Vergangenheit, den Schmerz über den Verlust Lindas und den Argwohn gegenüber Romy verstärkt.
So stellt „Kleien Monster“ weniger einen Thriller- oder Horrorroman dar, wie obige Titel vermuten lassen, als vielmehr einen klug konstruierten psychologischen Roman über die Auswirkungen von Verlusten und Traumata auf spätere Elternschaft und Beziehungen zu den Mitmenschen. Lind lässt vieles im Bereich der Andeutungen, überlässt es weitgehend den Leser*innen eigene Schlüsse zu ziehen und Urteile zu fällen, was mit fortgeschrittener Handlung dadurch erschwert wird, dass man die Geschehnisse nur durch die, zunehmend unsicher und wahnhafter werdende Wahrnehmung Pias präsentiert bekommt. So verlieren vermeintliche Wahrheiten, kaum dass sie aufgestellt wurden an Wert.
Auf inhaltlicher und struktureller Ebene könnte man „Kleine Monster“ in die Nähe solcher Romane wie „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara rücken. Beide erzählen in der Erzählgegenwart von Figuren, die in der Vergangenheit höchst traumatische Erfahrungen gemacht und nun mit deren Folgen zu kämpfen haben. Anders als in Yanagiharas fraglos lesenswertem Roman, kann man Lind in meinen Augen jedoch nicht vorwerfen, dass besagtes Trauma hier zum Selbstzweck verkommt bzw. der einzige Motor der Handlung ist, auch wenn der Verlust Lindas natürlich den Boden für die Geschichte bereitet. Vielmehr scheint es Lind viel deutlicher um die Frage zu gehen, wie die Vergangenheit unser Handeln und unsere Wahrnehmung prägt als Yanagihara. Zudem ist die Leidensgeschichte Judes in „Ein wenig Leben“ in ihrer Grausamkeit so qualitativ und quantitativ so ausgewalzt, dass man hier – wenn schon nicht den Vorwurf des Sensationalismus – zumindest anbringen kann, dass die Strategie, für Leser*innen hier eine möglichst große emotionale Fallhöhe zu schaffen, nur allzu durchschaubar und plakativ durch den Roman scheint. All dies macht Lind subtiler und feinfühliger.
Lesen!
Vertrauen
Jessica Lind erzählt in „Kleine Monster“ die Geschichte einer Mutter, die das Vertrauen in das eigene Kind verliert.
Es beginnt mit einem Anruf aus der Schule. Der Zweitklässler Luca soll einer Mitschülerin unsittlich näher gekommen sein. Die Eltern mögen ihr Kind unverzüglich abholen kommen. Was genau passiert ist, will sich nicht aufklären lassen. Luca schweigt. Andere Eltern gehen auf Distanz. Luca‘s Mutter Pia wird aus der schulinternen WhatsApp Gruppe entfernt.
Das alles ist sehr unangenehm und da Luca sich nicht äußert, wachsen bei Pia erste Zweifel an seiner Unschuld.
Ihr eigenes unverarbeitetes Familientrauma drängt in den Vordergrund und beeinflusst ihr weiteres Handeln. Ihre eigene Familie ist am Tod ihrer jüngsten Schwester zerbrochen. So wie Luca jetzt schweigt, umgibt auch der tragische Todesfall von Linda in ihrem eigenen Elternhaus ein Schweigen. Die Autorin entwirft ein hochspannendes Psychogramm einer verzweifelten Frau und Mutter. Pia möchte alles besser machen als ihre Eltern, aber macht sie nicht automatisch die gleichen Fehler?
Ihr Mann kann ihr Mißtrauen in Luca nicht nachvollziehen, aber er ist auch in einer glücklichen Familie aufgewachsen.
Abgesehen von einem etwas unbefriedigenden Ende , es bleiben viele Fragen offen, fand ich die Geschichte sehr interessant und habe sie regelrecht verschlungen. Ich konnte mich gut in Pia einfühlen , auch wenn ich einige ihrer Handlungen mißbilligt habe. Negative Muttergefühle werden ja gerne totgeschwiegen, sind aber normal. Mütter sind keine Heiligen und Erziehung ist oftmals anstrengend.
Ein beklemmendes Psychogramm mit Sogwirkung! Ich fand es sehr lesenswert und gut geschrieben.
Ich weiss nicht warum, aber ich hatte mir eingebildet, dass es ein lustiges Buch sein wird… aber es ist das genaue Gegenteil. Es zeigt die vielen „Masken“ innerhalb einer Familie, von Erwartungen, Erziehung und Erfahrungen geprägt.
Das Buch ist dabei aber sehr kurzweilig und man kann es sehr gut lesen.
Pia und Jakob werden in die Schule ihres siebenjährigen Sohnes Luca gerufen - es habe da einen Vorfall mit einem Mädchen gegeben. Diese Situation löst bei Pia das Erwachen ihrer eigenen Kindheitstraumata aus und ihr Handeln wird immer unverständlicher und extremer. Was das später für Folgen für Luca hat, lässt sich nur erahnen.
Ein krasses, vielschichtiges Buch, das noch lange nachhallen wird.
„Eines Tages wird Luca so alt sein wie ich und an mich denken, wie ich jetzt über meine Mutter nachdenke. Er wird die Fehler sehen, die ich gemacht habe. Sie werden ihren Teil dazu beitragen, zu was für einem Menschen er wird.“
In ‚Kleine Monster‘ meinte ich im Vorfeld es ginge vorwiegend um den siebenjährigen Luca. Vielmehr wird die Kindheit seiner Mutter Pia erzählt. Diese nimmt starken Einfluss auf die Erziehung ihres Sohnes und darauf wie sie Dinge versteht.
Das Buch zeigt wie elterliche Wahrnehmung durch die eigene Vergangenheit verzerrt werden kann. Absolut lesenswert!
Ich hatte Kleine Monster schon soooo lange auf meiner Liste! Das Buch liest sich schnell und hat einen sehr spannenden Aufbau, die Sprache ist leicht - der Inhalt aber ganz und gar nicht.
Normalerweise schaffe ich Bücher auch nicht innerhalb von 24 Stunden zu beenden; hier wollte ich unbedingt wissen wie es ausgeht. (Und ja, es ist auch ein dünnes Buch mit kurzen Kapitel)
Ich fand es also wirklich spannend und bin ganz schön durch die Seiten gerast
Ich wusste gar nicht auf was ich mich hier einlasse
Das Buch entwickelt super schnell eine gewisse Sogwirkung und ich konnte und wollts auch garnicht aus der Hand legen. Der eigentliche Handlungsstrang, welcher auch aufm Klappentext erwähnt wird, rückt etwas in den Hintergrund, durch die Erinnerungen aus der Vergangenheit. Diese Erinnerungen, welche nun die Gegenwart umso mehr prägen.
Es war wirklich interessant und auch wenn ich an manchen Stellen geharpert habe, war es eine echt spannende Geschichte.
Die Charaktere sind nicht perfekt und das sollen sie auch garnicht sein, was die ganze Handlung nochmal mehr antreibt, da jeder Fehler macht und auch einige aus der Vergangenheit wiederholt.
Auf dieses Buch war ich soo gespannt! Es hat mich vom Klappentext her total angesprochen, auch wenn ich selbst noch keine Kinder habe. Es geht aber im Buch weniger um den im Klappentext beschriebenen Vorfall, sondern viel mehr um die eigene Kindheit von Pia, und wie diese ihre neue Familie und damit die Gegenwart beeinflussen kann.
Dieser wirklich toll gelungene Roman beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, ob man überhaupt als Mutter etwas schlechtes in seinem Kind sehen „darf“.
Definitiv kein Wohlfühl-Roman, jedoch werden hier wirklich die menschlichen Abgründe innerhalb der eigenen Familie aufgezeigt. Es herrschte durchweg eine beklemmende Stimmung beim Lesen und mir hat es sehr gut gefallen. Das Ende hätte ich mir etwas anders gewünscht.
Das Wichtigste zuerst:
Man sollte wissen, dass das was der Klappentext suggeriert, nur einen kleinen Teil dieser Geschichte darstellt.
Der Fokus liegt nicht auf „dem Vorfall“ , wegen dem Lucas Eltern in die Schule ihres 7 jährigen Sohnes gerufen wurden. Damit starten wir in die Geschichte, doch schnell liegt das Hauptaugenmerk auf Lucas Mutter Pia. Ihre Lebensbiografie und die Auswirkungen auf ihr heutiges Muttersein bilden den Rahmen dieses Buches. Was kann passieren, wenn Traumata nicht aufgearbeitet werden, was geben wir an die nächste Generation weiter, was für innere Bilder haben sich verfestigt und wie blicken wir auf die Welt und unserer Kinder?
Durch Pias Kindheit und dem „Vorfall“ in der Schule werden wir mit all diesen Fragen konfrontiert.
Keine leichte Kost , kombiniert mit einer melancholischen fast schwermütigen Atmosphäre nichts für zwischendurch und trotzdem sehr lesenswert!
Irgendwo zwischen familiärem Schweigen, uneingestandener Schuld und der Angst vor der Vergangenheit
Ich finde das Buch richtig schwer zu bewerten. Es hinterlässt auf jeden Fall ein intensives Gefühl nach dem Lesen, und kein gutes. Die angesprochenen Themen sind erdrückend erzählt und ich habe mich selbst dabei ertappt, wie ich mich in die Gedankenwelt der Protagonistin ungewollt mit habe hineinziehen lassen.
Nach dem Klappentext hätte ich vermutet, dass es hauptsächlich um den Vorfall mit dem Kind der Protagonistin in der Gegenwart geht, tatsächlich handelte das Buch die meiste Zeit aber eher in der Vergangenheit, da sich die Kindheit und Jugend der Protagonistin ganz entscheidend auf den Verlauf der Geschichte und ihren Umgang damit ausgewirkt hat.
Ich kann irgendwie gar nicht so recht sagen, ob es mir gefallen hat oder nicht. Da nicht jedes Buch in mir eine emotionale Reaktion hervorruft und es sicher noch eine Weile nachhallen wird, bekommt es von mir 4 Sterne.
Ein unglaublich fesselndes, psychologisches Drama, das mit einem Vorfall in der Schule eines Zweitklässlers beginnt und immer mehr verborgene Schichten und Geheimnisse in der Familie seiner Mutter aufdeckt. Die Protagonistin Pia trägt viel Schmerz, Wut und Trauer in sich und leidet wegen der unverarbeiteten Geschichte rund um den Tod ihrer kleinen Schwester.
Im Klappentext heißt es, dass es sich um einen „Roman über die zerstörerische Kraft des Ungesagten“ handelt und der Satz bringt es wirklich auf den Punkt. Es ist ein Buch über familiäres Schweigen und die innere Zerrissenheit von Pia. Zum Glück scheint es, dass sie mit der Zeit bereit ist, sich ihrer Vergangenheit und ihren Ängsten zu stellen, da sie auch andere Familienmitglieder damit konfrontiert
und somit den Weg einschlägt, ihr Trauma aufzuarbeiten, das ihren Blick auf die Realität so stark beeinflusst und das Leben ihrer kleinen Familie formiert.
„Kleine Monster“ ist ein Roman über Trauer, Verlust, Gewalt, Illusion einer heilen Kindheit und macht deutlich wie prägend die Verhaltensmuster sind, die wir unbewusst erlernen. Es ist ein Porträt einer Familie, das aus verschiedenen Konstrukten besteht un inbrüchig und fragil ist. Jessica Lind ist der Blick in die Gedankenwelt der Mutter sehr gut gelungen, die hadert, alles hinterfragt und ihrem Kind misstraut. Eine Mutter, die ihr Kind ständig beobachtet und jede Geste, jedes Wort interpretiert. Es bleibt bis zum Schluss offen, ob zurecht oder nicht.
Den Klappentext fand ich super, die Geschichte letztendlich leider nicht.
Ich bin überhaupt nicht richtig ins Buch hinein gekommen. Der nüchterne und abgehackt Schreibstil war absolut nichts für mich und keiner der Protagonisten ist mir irgendwie nahe gekommen.
Die Story verliert sich in vielen Wiederholungen und am Ende bleiben so viele Fragen offen...angesprochene Geschehnisse werden nicht zum Ende gebracht. Wirklich schade, denn ich hatte mir deutlich mehr versprochen!
Zwischen Zweifel und Wahrheit – Wenn das eigene Kind unter Verdacht steht
Wir steigen in die Geschichte in dem Moment ein, in dem Pia, die Mutter von Luca, ihren Sohn von der Schule abholen muss. Ein schwerwiegender Vorwurf steht im Raum: Er soll sich unangemessen gegenüber einer Mitschülerin verhalten haben.
Pia wehrt sich zunächst – so, wie es wohl jede liebende Mutter tun würde – gegen die Anschuldigungen. Doch langsam kommen ihr Zweifel.
Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei zentrale Erzählstränge: Zum einen beobachten wir, wie sich die Anschuldigung gegen Luca auf die Beziehung zwischen Pia und ihrem Mann Jakob auswirkt. Wie ist es, als Mutter alleine mit seinen Zweifeln dazustehen, wenn der Vater nicht bereit ist, sich damit auseinanderzusetzen? Auf welcher Seite steht man – auf der des eigenen, über alles geliebten Kindes oder auf der des Opfers? Ich finde, genau diese Frage wurde hier besonders eindrucksvoll dargestellt.
Wie verhält man sich als Mutter, wenn der Verdacht aufkommt, dass im eigenen Kind dunkle Abgründe lauern könnten?
Der zweite Erzählstrang führt uns in Pias Vergangenheit – ein tragisches Ereignis aus ihrer Kindheit stellt dabei eine unerwartete Verbindung zur Gegenwart her.
Was genau hinter diesem Ereignis steckt, müsst ihr selbst herausfinden.
Mich hat das Buch von Anfang an gefesselt. Besonders eindrucksvoll wird Pias innere Zerrissenheit dargestellt.
Interessant fand ich auch, dass der Roman eine andere Richtung einschlägt, als ich es nach dem Lesen des Klappentextes erwartet hatte.
Ich finde, der Roman zeigt eindrucksvoll, wie unverarbeitete Traumata aus der Vergangenheit unser Leben, unsere Beziehungen und insbesondere unser Verhältnis zu unseren Kindern prägen können.
Ein ruhig erzähltes, aber dennoch fesselndes und tiefgründiges Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte.
Es geht um unverarbeitetes Trauma, um regretting motherhood, um Verlust, um Ängste und um Missbrauch.
Die Stimmung des Buchs ist von Beginn an bedrückend und unangenehm. Immer wieder finden Rückblenden in die Vergangenheit der Hauptprotagonistin Pia statt. Und immer mehr verschwimmen diese Rückblenden mit der Gegenwart. Wie unverarbeitetes Trauma sich auf die Beziehung (und Erziehung) zu seinen Kindern auswirken kann, wurde in dem Buch nur mehr als deutlich.
Mir hat die Geschichte um Pia und ihre Familie wirklich gut gefallen.
Eines Tages bekommt sie einen Anruf von der Schule ihres Sohnes. Es gab einen Vorfall. Und damit werden nicht nur Pia und ihr Ehemann vor Herausforderungen innerhalb ihrer Kernfamilie gestellt sondern es werden auch alte Wunden aufgerissen.
Pia muss sich ihrer Kindheit noch einmal stellen. Sie muss zurückschauen und beginnen zu verarbeiten, loszulassen und zu vertrauen.
Jessica Lind baut dabei Spannung auf. Ich wollte immer wissen, was mit Luca passiert und was in Pias eigener Kindheit geschehen ist.
Immer war da diese latente Ungewissheit, außerdem eine regelrechte Anspannung beim Lesen.
Für mich ein unheimlich spannendes Buch über Traumata und wie wir sie weiter tragen, zudem über regretting motherhood , Resilienz, Familie und Zusammenhalt.
In "Kleine Monster" geht es um eine Familie, deren scheinbare Idylle ins Wanken gerät, als Vorwürfe gegen den siebenjährigen Sohn Luca erhoben werden. Während Mutter Pia an ihrer eigenen Wahrnehmung und Vergangenheit zweifelt, wird die zerstörerische Kraft ungesagter Dinge immer deutlicher. Jessica Lind, geboren 1988 in St. Pölten, ist Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Nach ihrem preisgekrönten Debütroman Mama zeigt sie auch in ihrem zweiten Werk eine große literarische Sensibilität und psychologische Tiefe. Der Roman wurde für den Österreichischen Buchpreis 2024 nominiert.
Worum geht's genau?
Pia und Jakob sitzen im Klassenzimmer der Lehrerin ihres Sohnes Luca. Es habe einen Vorfall mit einem Mädchen gegeben, wird ihnen mitgeteilt. Jakob ist überzeugt, dass Luca unschuldig ist, während Pia von Zweifeln geplagt wird. Diese Zweifel wecken Erinnerungen an ihre eigene Kindheit und werfen die Frage auf, wie viel sie tatsächlich über ihren Sohn weiß. Während Pia versucht, ihre Familie zu schützen, stößt sie immer wieder an ihre Grenzen und wird mit den Schatten ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Der Roman beleuchtet eindringlich die Herausforderungen der Mutterschaft, die gesellschaftlichen Erwartungen an Eltern und die Abgründe familiärer Dynamiken.
Meine Meinung
"Kleine Monster" war mir durch meine „Buchbubble“ bereits bekannt, da es vor allem zum Erscheinungszeitpunkt viel Aufmerksamkeit und meist positive Bewertungen erhalten hat. Zunächst sprach mich der Klappentext jedoch nicht besonders an, weshalb ich es dann auch erst dieses Jahr bei einem Buchclubtreffen ausgeliehen und dann innerhalb von zwei Tagen gelesen hab.
Das Cover ist passend gestaltet und visuell ansprechend, was mich sofort neugierig machte. Thematisch fand ich den Roman sehr spannend, da er sich mit der Frage auseinandersetzt, wie Kinder ihre Eltern verändern, sie an moralische Grenzen führen und bestehende Überzeugungen infrage stellen. Jessica Lind schreibt in einer klaren, gleichzeitig aber atmosphärischen Sprache, die die intensiven Emotionen gut transportiert. Besonders beeindruckend fand ich die ehrliche Darstellung der Belastungen, die mit Mutterschaft einhergehen: Wie schnell man an die eigenen Grenzen kommen kann und sich selbst kaum wiedererkennt, wird eindringlich gezeigt. Das Zitat auf Seite 55, in dem es heißt: „In Wirklichkeit hat man keine Ahnung, wie es sein wird, wenn man Kinder hat, bis es so weit ist“, fasst diese Thematik prägnant zusammen.
Die gesellschaftlichen Erwartungen an Eltern – insbesondere an Mütter – werden ebenfalls beleuchtet. Lind hinterfragt klischeehafte Geschlechterrollen und setzt auf starke weibliche Figuren. Besonders erfrischend fand ich, wie bewusst sie den „natürlichen Mutterinstinkt“ und die Vorstellung der „aufopferungsvollen Mutter“ hinterfragt. Auch die gleichberechtigte Elternschaft zwischen Pia und Jakob wurde überzeugend dargestellt.
Ein Highlight des Romans war für mich der kritische Ansatz „Don’t protect your daughters – educate your sons.“ Lind unterstreicht die Notwendigkeit, nicht nur Mädchen zu schützen, sondern auch Jungen zu sensibilisieren. Die Szene, die auf die unbewusste geschlechtsabhängige Erziehung eingeht, erinnerte mich an den Dokumentarfilm Feminism WTF, der ähnliche Experimente zeigt. Solche Ansätze könnten noch stärker in unserer Gesellschaft verankert werden.
Trotz dieser positiven Aspekte hatte ich beim Lesen einige Schwierigkeiten. Die Zeitebenen und Erinnerungsmomente waren nicht klar genug gekennzeichnet, was die Orientierung erschwerte. Hier hätte ich mir eine klarere Struktur oder Hinweise gewünscht. Auch zog sich die Handlung in meinen Augen stellenweise. Obwohl das Buch nur etwa 250 Seiten hat, fehlte mir ein durchgehender Spannungsbogen, wodurch es sich länger anfühlte.
Hinzu kam, dass der Roman viele Fragen aufwarf, die am Ende nicht geklärt wurden. Das Bild, das zurückblieb, war eine unschöne familiäre Tragik, die etwas unbefriedigend wirkte. Positiv hervorzuheben ist jedoch die unheimliche Grundstimmung, die das Buch an vielen Stellen erzeugt. Man spürt eine konstante unterschwellige Spannung, verbunden mit der Angst vor Eskalationen.
Ein weiterer Pluspunkt ist Linds schonungslose Auseinandersetzung mit Themen wie sexualisierte Gewalt, Schuld, Tod, weibliche Wut und Gewalt in der Kindererziehung. Diese Themen wurden eindringlich und ehrlich behandelt, ohne geschönt oder verharmlost zu wirken.
Fazit
Jessica Lind gelingt mit "Kleine Monster" ein intensiver Roman, der wichtige Themen wie Mutterschaft, Geschlechterrollen und die Schatten der Vergangenheit aufgreift. Die Sprache ist eindringlich, und die Figuren sind vielschichtig, jedoch fehlte mir ein klarer Spannungsbogen, und die Zeitebenen waren teils verwirrend. Trotz einiger Schwächen ist das Buch lesenswert, da es Denkanstöße liefert und mit seiner ungeschönten Darstellung überzeugt. Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen.
Fesselndes Psychogramm einer Mutter, die in Drucksituationen auf in der Kindheit erlernte Verhaltensmuster zurückfällt.
Die Episoden zeigen eindrücklich, wie sich alte Verletzungen bei akuten Stresssituation Bahn brechen und unser ganzes Denken und Fühlen unterwandern.
Gleichzeitig wird der Druck der Eltern deutlich in einer Zeit, wo nur "Vorzeigekinder" den Wert einer guten Familie unter Beweis stellen und unausgesprochenes Trauma an die nächste Generation weitergereicht werden.
Familiensituationen, die mir teilweise bekannt vorkommen und bei denen auch das Studium vieler Erziehungsratgeber nicht helfen, das Ruder herumzureißen, werden so sensibel und emotional erzählt, dass man denkt, man steht unmittelbar daneben.
Große Leseempfehlung für alle, denen Kinder am Herzen liegen.