Die Kopenhagen-Trilogie. Kindheit, Jugend, Abhängigkeit
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Book Information
Author Description
Tove Ditlevsen (1917–1976) stammte aus einer Arbeiterfamilie in Kopenhagen. Mit 14 Jahren verließ sie die Schule und mit 17 ihr Elternhaus; sie arbeitete als Dienstmädchen und Bürogehilfin. In dieser Zeit schrieb sie bereits Lyrik. Ihr erster Gedichtband machte sie mit 20 Jahren berühmt. Sie gilt inzwischen als eine der bedeutendsten Stimmen Dänemarks.
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Kopenhagen zwischen den Zeilen: Eine Woche mit Tove Ditlefsen“
Ich habe Tove Ditlefsens Trilogie während einer einwöchigen Kopenhagen‑Zeit gelesen – ein Buch mit üppiger Seitenzahl, das ich eigentlich für „zu viel“ hielt, bis ich merkte, wie sehr es mich in die Stadt hineinzieht. Je mehr ich las, desto stärker verschwammen die Grenzen zwischen dem Kopenhagen von damals und dem, durch das ich heute lief. Plötzlich war jeder Straßenzug, jede Hausfassade, jeder graue Morgenhimmel mit Ditlefsens Stimme unterlegt. Es war, als würde ich mich gleichzeitig durch die Stadt bewegen und durch ihr Leben. Ihre Kindheit in Vesterbro, die Enge, die Sehnsucht, die Härte – all das bekam für mich eine fast körperliche Präsenz, weil ich selbst dort stand, wo sie einst stand. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie es damals gewesen sein muss, und gleichzeitig spüren, wie sehr sich die Stadt verändert hat, ohne ihren Grundton zu verlieren. Was mich besonders getroffen hat, war etwas anderes: Ditlefsens Herkunft aus einer Arbeiterfamilie, geprägt von Abhängigkeiten, Schweigen und inneren Brüchen. Das hat bei mir einen Nerv getroffen, weil ich selbst aus einer Suchtfamilie komme, ebenfalls aus einem Arbeiterumfeld, in dem vieles unausgesprochen blieb und man früh lernen musste, zwischen den Zeilen zu leben. In Ditlefsens Beschreibungen habe ich nicht nur ihre Welt erkannt, sondern auch etwas von meiner eigenen. Diese Mischung aus Härte, Sehnsucht und Überlebenswillen war mir schmerzhaft vertraut. Ditlefsen schreibt mit einer Klarheit, die weh tut. Sie beschönigt nichts, sie romantisiert nichts, und gerade dadurch wirkt alles so lebendig. Ihre Art, über Armut, Abhängigkeit, Ambition und Selbstzerstörung zu schreiben, ist gnadenlos ehrlich. Und doch ist da immer dieser poetische Unterstrom, der mich durch die Seiten getragen hat. Vielleicht hat mich die Trilogie deshalb so tief berührt: weil ich sie nicht nur gelesen, sondern erlebt habe. Ich habe Kopenhagen durch Ditlefsens Augen gesehen – und gleichzeitig mein eigenes, heutiges Kopenhagen gespürt. Zwei Zeiten, zwei Städte, ein Gefühl. Und irgendwo dazwischen meine eigene Geschichte, die sich leise eingemischt hat. Für mich ist diese Trilogie nicht einfach Literatur, sondern ein Ort. Und ich werde sie immer mit dieser Woche verbinden, in der ich durch Kopenhagen ging und das Gefühl hatte, dass die Vergangenheit leise neben mir mitläuft.
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Tove Ditlevsen (1917–1976) stammte aus einer Arbeiterfamilie in Kopenhagen. Mit 14 Jahren verließ sie die Schule und mit 17 ihr Elternhaus; sie arbeitete als Dienstmädchen und Bürogehilfin. In dieser Zeit schrieb sie bereits Lyrik. Ihr erster Gedichtband machte sie mit 20 Jahren berühmt. Sie gilt inzwischen als eine der bedeutendsten Stimmen Dänemarks.
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Kopenhagen zwischen den Zeilen: Eine Woche mit Tove Ditlefsen“
Ich habe Tove Ditlefsens Trilogie während einer einwöchigen Kopenhagen‑Zeit gelesen – ein Buch mit üppiger Seitenzahl, das ich eigentlich für „zu viel“ hielt, bis ich merkte, wie sehr es mich in die Stadt hineinzieht. Je mehr ich las, desto stärker verschwammen die Grenzen zwischen dem Kopenhagen von damals und dem, durch das ich heute lief. Plötzlich war jeder Straßenzug, jede Hausfassade, jeder graue Morgenhimmel mit Ditlefsens Stimme unterlegt. Es war, als würde ich mich gleichzeitig durch die Stadt bewegen und durch ihr Leben. Ihre Kindheit in Vesterbro, die Enge, die Sehnsucht, die Härte – all das bekam für mich eine fast körperliche Präsenz, weil ich selbst dort stand, wo sie einst stand. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie es damals gewesen sein muss, und gleichzeitig spüren, wie sehr sich die Stadt verändert hat, ohne ihren Grundton zu verlieren. Was mich besonders getroffen hat, war etwas anderes: Ditlefsens Herkunft aus einer Arbeiterfamilie, geprägt von Abhängigkeiten, Schweigen und inneren Brüchen. Das hat bei mir einen Nerv getroffen, weil ich selbst aus einer Suchtfamilie komme, ebenfalls aus einem Arbeiterumfeld, in dem vieles unausgesprochen blieb und man früh lernen musste, zwischen den Zeilen zu leben. In Ditlefsens Beschreibungen habe ich nicht nur ihre Welt erkannt, sondern auch etwas von meiner eigenen. Diese Mischung aus Härte, Sehnsucht und Überlebenswillen war mir schmerzhaft vertraut. Ditlefsen schreibt mit einer Klarheit, die weh tut. Sie beschönigt nichts, sie romantisiert nichts, und gerade dadurch wirkt alles so lebendig. Ihre Art, über Armut, Abhängigkeit, Ambition und Selbstzerstörung zu schreiben, ist gnadenlos ehrlich. Und doch ist da immer dieser poetische Unterstrom, der mich durch die Seiten getragen hat. Vielleicht hat mich die Trilogie deshalb so tief berührt: weil ich sie nicht nur gelesen, sondern erlebt habe. Ich habe Kopenhagen durch Ditlefsens Augen gesehen – und gleichzeitig mein eigenes, heutiges Kopenhagen gespürt. Zwei Zeiten, zwei Städte, ein Gefühl. Und irgendwo dazwischen meine eigene Geschichte, die sich leise eingemischt hat. Für mich ist diese Trilogie nicht einfach Literatur, sondern ein Ort. Und ich werde sie immer mit dieser Woche verbinden, in der ich durch Kopenhagen ging und das Gefühl hatte, dass die Vergangenheit leise neben mir mitläuft.




