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Ein Buch wie ein Sog
Kazimira ist anders als die anderen Frauen in dem kleinen Dorf am Baltischen Meer. Statt ein Kind zu bekommen, möchte sie lieber arbeiten wie ein Mann. Aber nicht nur Sohn Ake wird ihr Leben verändern, sondern auch der Bernstein, der tief unter dem Dorf liegt … Für einen Buchclub habe ich zu Kazimiras Geschichte gegriffen und auf den ersten ca. 80 Seiten war ich mir sicher, dass ich es nicht mögen würde. So kann man sich täuschen - tatsächlich konnte ich das Buch am Schluss nicht mehr aus der Hand legen, solch einen Sog hatte es entwickelt. Svenja Leiber erzählt episodenhaft, mal poetisch, mal berichtsmäßig nüchtern, nicht nur von Kazimira und den anderen Frauen, die ihren Weg kreuzen werden, sondern auch vom Abbau des Bernsteins an der Ostsee und von den Umbrüchen der vorletzten Jahrhundertwende, deren Aufbruchstimmung abgelöst wird von dunklem Nationalstolz und den Gräueln zweier sinnloser Kriege. Wo ich sonst gerne mal kritisiere, dass sich Autorinnen und Autoren mit solcher Themenfülle übernehmen, ist das hier nicht der Fall. Fein verzahnt sind Leibers Geschichten und Figuren, greifen ineinander und ergänzen sich, bis sich am Schluss auch der letzte erzählerische Kreis schließt. Dabei verlangt die Geschichte den Lesenden alles ab - schon bei Jelas bittersüß erzählter Entstehung musste ich weinen, weil man weiß, wie ihr Schicksal enden wird. ‚Kazimira‘ ist für mich ganz große Literatur, eine packend erzählte Geschichtsstunde und eine bewegende Zeichnung von Frauenschicksalen.
Feb 5, 2026
Ein Buch wie ein Sog
Kazimira ist anders als die anderen Frauen in dem kleinen Dorf am Baltischen Meer. Statt ein Kind zu bekommen, möchte sie lieber arbeiten wie ein Mann. Aber nicht nur Sohn Ake wird ihr Leben verändern, sondern auch der Bernstein, der tief unter dem Dorf liegt … Für einen Buchclub habe ich zu Kazimiras Geschichte gegriffen und auf den ersten ca. 80 Seiten war ich mir sicher, dass ich es nicht mögen würde. So kann man sich täuschen - tatsächlich konnte ich das Buch am Schluss nicht mehr aus der Hand legen, solch einen Sog hatte es entwickelt. Svenja Leiber erzählt episodenhaft, mal poetisch, mal berichtsmäßig nüchtern, nicht nur von Kazimira und den anderen Frauen, die ihren Weg kreuzen werden, sondern auch vom Abbau des Bernsteins an der Ostsee und von den Umbrüchen der vorletzten Jahrhundertwende, deren Aufbruchstimmung abgelöst wird von dunklem Nationalstolz und den Gräueln zweier sinnloser Kriege. Wo ich sonst gerne mal kritisiere, dass sich Autorinnen und Autoren mit solcher Themenfülle übernehmen, ist das hier nicht der Fall. Fein verzahnt sind Leibers Geschichten und Figuren, greifen ineinander und ergänzen sich, bis sich am Schluss auch der letzte erzählerische Kreis schließt. Dabei verlangt die Geschichte den Lesenden alles ab - schon bei Jelas bittersüß erzählter Entstehung musste ich weinen, weil man weiß, wie ihr Schicksal enden wird. ‚Kazimira‘ ist für mich ganz große Literatur, eine packend erzählte Geschichtsstunde und eine bewegende Zeichnung von Frauenschicksalen.
Feb 5, 2026






