Institut für gute Mütter
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Description
Bin ich eine schlechte Mutter?
Frida ist überfordert: Ihr Baby Harriet schreit und schreit und alles, wonach sich die alleinerziehende Mutter sehnt, ist eine halbe Stunde Ruhe und etwas Zeit für sich. Als sie das kleine Mädchen für eine Stunde unbeaufsichtigt zu Hause lässt, ruft ein Nachbar die Polizei. Was dann folgt, ist der Albtraum einer jeden Mutter: Frida verliert das Sorgerecht und wird in eine Besserungsanstalt gesteckt. Im Institut für gute Mütter soll sie mithilfe einer KI-Puppe lernen, was es heißt, eine gute Mutter zu sein. Ein Jahr totaler Überwachung, Strafen und unmenschlicher Lektionen nimmt seinen Lauf.
Eines von Barack Obamas Lieblingsbüchern 2022!
»Empörend aktuell« The New York Times Review
»Ein bemerkenswerter, mitreißender Roman«
Vogue
»Wer diesen dystopischen Antibildungsroman gelesen hat, wird nie wieder schlecht über Mütter sprechen oder ihnen ungefragt Erziehungstipps geben. Ein furioses Debüt.« Welt am Sonntag
Book Information
Author Description
Jessamine Chan studierte an der Columbia University und arbeitete bei Publishers Weekly. Ihre Kurzgeschichten erschienen in Tin House und Epoch. 2017 erhielt sie das Literaturstipendium der Elizabeth George Foundation für die Fertigstellung ihres Debütromans, der in den USA für über eine Million Dollar verkauft wurde. 2022 erschien er bei Simon & Schuster. Chan lebt mit ihrer Familie in Chicago.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Wenn Mutterliebe zum Prüfstein wird
Das Buch, tut weh beim Lesen. Nicht, weil es schlecht ist, sondern weil es so unbequem ehrlich wirkt. Es greift viele kritische und gesellschaftskritische Themen auf und zeigt auf erschreckende Weise, unter welchem Druck Frauen und besonders Mütter stehen können. Von Anfang an liegt ein dauerhafter Druck auf der Hauptfigur. Sie ist dem System vollkommen ausgeliefert, wird beobachtet, bewertet und ständig daran gemessen, ob sie „gut genug“ ist. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins zieht sich durch die gesamte Geschichte und macht das Lesen stellenweise richtig beklemmend. Besonders eindrucksvoll fand ich den Gegensatz zwischen Muttersein und Kindsein. Die Verzweiflung der Mutter ist deutlich spürbar – ihre Angst, ihr Kind zu verlieren, und ihr verzweifelter Wunsch, alles richtig zu machen. Gleichzeitig wird klar, wie sehr auch Kinder unter solchen Systemen leiden. Was dabei jedoch immer spürbar bleibt, ist diese endlose Mutterliebe, die selbst unter extremem Druck nicht verschwindet. Die künstlichen KI-Kinder haben bei mir ein richtig unheimliches Gefühl ausgelöst. Sie wirken kühl, kontrolliert und fast wie eine beängstigende Vorstellung davon, wie „perfekte“ Kinder aussehen sollen. Sehr stark sind auch die Geschichten der anderen Frauen im Institut. Jede bringt ihr eigenes Schicksal mit, ihre eigenen Fehler und Ängste. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild darüber, was es bedeutet, eine Frau in einer Gesellschaft zu sein, die ständig Erwartungen stellt und bewertet. Für mich ist dieses Buch vor allem eines: eine eindringliche, fast erschreckend real wirkende Warnung darüber, wie schnell Fürsorge in Kontrolle umschlagen kann.
Dystopie einer Welt, in der Mütter wenig Rechte haben - insbesondere nicht-weisse und arme Mütter
Grundsätzlich fand ich die Story und das Setting gut: Frida lässt ihr Kind alleine und soll in einer Umerziehungsschule für Mütter beweisen, dass sie verdient, ihre Tochter zurück zu bekommen. Das Institut erweist sich als grausamer und hoffnungsloser als gedacht. Vorneweg: ich habe schon sehr viele Dystopien gelesen und fand in diesem Buch viele Parallelen. Die Idee des Buches ist super. Auch die - berechtigten - feministischen und anirassitischen Bluckwinkel des Buches fand ich gut. Aber für mich war das Buch nicht mitreissend. Mit der Hauptfigur konnte ich mich nicht identifizieren und auch die anderen Figuren blieben seltsam plakativ. Das Buch hat mich teilnahmslos und verwirrt zurück gelassen.
Nun ist es schon einige Jahre her seit meine Kinder aus dem gröbsten, sprich Kleinkindalter heraus sind, aber dieses Buch hat in mir tatsächlich so viele Emotionen hervorgerufen, die ich als Mutter mit Kleinkindern noch sehr gut in Erinnerung habe. Chan schreibt in ihrem Debüt über Frida, eine alleinerziehende Mutter, die zu Beginn des Romans an ihre Belastungsgrenzen gerät. Um Unterlagen, die sie bei der Arbeitsstelle vergessen hat, für das Homeoffice zu holen, lässt sie ihre knapp zweijährige Tochter Harriet "kurz" allein. Aus der kurzen Fahrt zur Arbeitsstelle werden dann knapp zwei Stunden. Währenddessen informieren Fridas Nachbarn, die die Tochter schreien hören und mitbekommen haben, dass Frida das Haus verlassen hat, die Polizei. Nun beginnt für Frida ein Albtraum, denn es wurden neue Gesetze verabschiedet, die Fridas Handeln als Vergehen ahnden und ihr das Sorgerecht ihrer Tochter entziehen. Frida wird auf "Vernachlässigung und Aussetzung" verurteilt und erhält als Auflage die Einweisung in das "Institut für gute Mütter", eine Besserungsanstalt, in der Mütter lernen sollen, sich adäquat um ihre Kinder zu kümmern und in den Augen des Staates eine gute Mutter zu werden. Frida durchläuft hier ein fast einjähriges Programm, in dem sie tagtäglich bewertet wird. Diese Bewertungen werden die maßgeblichen Entscheidungsgrundlage des Gerichts bilden, ob Frida das Sorgerecht zurück bekommt. Trainiert wird anhand einer KI-Puppe, die Frida durch die Monate täglich begleitet. Die Puppe ist angepasst an das Alter und das äußere Erscheinungsbild ihrer Tochter. Schon bei der Einführung wird den Müttern mantramäßig der Satz "Ich bin eine schlechte Mutter, aber ich lerne, eine gute zu sein." eingebläut. Es beginnt eine Zeit der absoluten Überwachung und Bewertung. Neben Nervenzusammenbrüchen, Flucht aus der Anstalt, aber auch gegenseitiger Unterstützung versuchen die Mütter die Zeit zu überstehen, denn nur wer das Trainingsprogramm durchhält, hat eine Chance darauf, sein Kind wiederzusehen... Jessamine Chan hat hier einen dystopischen Roman geschrieben, in dem sie einen totalen Überwachungsstaat über Mutterschaft und Kindeswohl thematisiert. Das Thema hat sehr viel in mir ausgelöst, insbesondere der Umgang mit Mutterschaft sowie die Bewertung, wie eine "gute Mutter" zu sein hat und welche menschenverachtenden Maßnahmen ergriffen werden. Frida, die Protagonistin, empfand ich zunächst als stark bagatellisierend und abwehrend bezüglich ihrer "Tat", was sich irgendwann komplett in das Gegenteil umzukehren schien und sie von Schuldgefühlen regelrecht zerstört wirkte. Im großen und Ganzen kam ich ihrem Charakter aber nicht nahe. Insgesamt fand ich den Roman und insbesondere das Thema sehr spannend, wobei zwischendurch die Zeit im Institut meiner Meinung nach ein wenig zu sehr ausgeschmückt wurde. Das hätte für mich auch etwas kürzer sein können und dafür intensiver auf die Zeit danach eingegangen werden können. Trotz alledem kann ich den Roman durchaus empfehlen - insbesondere wenn ihr euch für Dystopien interessiert.
Ein wirklich erschütterndes Gedankenexperiment
Das Buch hat mich richtig mitgenommen. Die Geschichte dreht sich um Frieda, eine Mutter, die nach einem folgenschweren Fehler in ein staatliches Programm gesteckt wird, das darüber entscheidet, ob sie eine „gute“ Mutter ist. Mit allen Konsequenzen für ihre Beziehung zu ihrem Kind. Beim Lesen war ich oft erschrocken, teilweise richtig wütend und an anderen Stellen auch sehr traurig. Es ist eine Geschichte, die einem unter die Haut geht, sehr bewegend und gleichzeitig spannend erzählt. Ich selbst bin keine Mutter und schon für mich war es extrem intensiv. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sehr das Buch Mütter noch einmal berühren muss. Eine klare Empfehlung.

Das Buch macht was mit einem. Wenn man selbst Kinder hat erkannt man sich oft selbst in manchen Situationen. Der Gedanke daran, dass man selbst wegen eines solchen "vergehen" am eigenen Kind in das Institut für gute Mütter muss ist erschreckend. Das Buch ist lesenswert und regt definitiv zum Nachdenken an.
In der Geschichte wird einer Mutter ihr 18 Monate altes Kind weggenommen, weil sie es allein Zuhause gelassen hat. Im Institut für gute Mütter soll sie dann anhand einer KI Puppe die aussieht wie ihr Kind???!!! lernen eine gute Mutter zu werden und beweisen, dass sie würdig ist ihr Kind wieder zubekommen. Wie dort und auch im Vorhinein mit ihr umgegangen wird ist furchtbar. Das Buch spielt in einer zukünftigen Welt in der durch gute Kindererziehung sämtliche gesellschaftlichen Probleme verhindert werden sollen. Die Praktiken sind dabei jedoch absurd und fernab jeder Logik. Das Buch ist zwar irgendwie spannend, zieht sich aber etwas in der Mitte und ist für mich nur schwer zu ertragen gewesen, von der Handlung. Das Ende hat alles nur schlimmer gemacht...
Ich bin selbst keine Mutter. Doch dieses Buch trifft einen Nerv mit voller Wucht.
Chan erzählt von einer Welt, in der Mutterschaft nicht mehr privat ist, sondern beobachtet, reguliert und bewertet wird. Eine Welt, in der der kleinste Fehler reicht, um zur Gefahr für das eigene Kind zu werden. In dieser dystopischen Realität übernimmt der Staat die Kontrolle. Und plötzlich bedeutet Muttersein nicht mehr Nähe und Fürsorge, sondern Disziplin, Technikgläubigkeit und absolute Anpassung. Die Prüfungen, denen die Mütter unterzogen werden, folgen der Logik einer kalten, digitalen Effizienz. Eine KI-gesteuerte Puppe ersetzt das Kind – sie misst Sprache, Reaktionen, sogar Puls und Blickverhalten. Gefühle werden in Daten verwandelt. Zuneigung ist nur gültig, wenn sie korrekt ausgeführt wird. Und wer nicht funktioniert, verliert. Chan greift dabei tief in die gesellschaftliche Wunde: Wer gilt als „gute Mutter“? Wer bekommt Vertrauen und wer wird kontrolliert? Rassismus, soziale Ungleichheit und patriarchale Machtstrukturen sind in dieser Geschichte keine Randthemen, sondern das Fundament des ganzen Systems. Ein kluges, erschütterndes Buch –und ein Weckruf für die Gesellschaft. Für mich ein absolutes Lese-Highlight: dystopisch, feministisch und relevant.

Blutleere Dystopie über Mutterschaft
Was macht eine gute Mutter aus? 24/7 für das Kind da zu sein? Oder sich bei Überforderung Hilfe zu holen? Fest steht auf jeden Fall, dass Mütter es niemandem recht machen können, egal wie und was sie tun! Und Frida ist die Personifikation dieser Ungerechtigkeit. „Ich bin eine schlechte Mutter. Aber ich habe gelernt, eine gute zu sein.“ dieser Satz läuft wie ein Mantra über Fridas Lippen, während sie im Institut für gute Mütter umerzogen wird. Wie kam es dazu? Sie hat, einen schlechten Tag gehabt – so drückt sie es zumindest aus und aus dem plötzlichen Bedürfnis heraus Zeit nur mit sich selbst zu verbringen, hat sie ihre Tochter, die noch keine zwei Jahre alt ist, über 2 Stunden, alleine in der Wohnung zurückgelassen. Was sie als kleinen Fehler bezeichnet, ist für die Kinderschutzbehörde ein großes Vergehen und so wird sie angezeigt und das Kind an den Vater übergeben, mit dem sich Frida das Sorgerecht teilt. Gust lebt mit seiner jüngeren Freundin Susanna und mit der er seine Frau schon in ihrer Schwangerschaft betrogen hat, ein selbstgerechtes Leben. Beide kümmern sich nun um die kleine Harriet die sich zunehmend von Frieder entfremdet. Diese wird verurteilt, ein Jahr lang im Institut für gute Mütter zu lernen, wie sich eine selbige verhalten soll. Das Institut entpuppt sich als Umerziehungsanstalt, in der Willkür und unmenschliche Methoden, Frauen lehren soll was Kinder brauchen. Sowohl die Art und Weise, als auch Erziehungsziele sind so absurd, teilweise unerreichbar und auf jeden Fall widersprüchlich, dass ich gekocht habe vor Wut beim Lesen. Als Übungobjekt bekommen die Frauen K.I. gesteuerte (und ihren eigenen Kindern sehr ähnliche) Puppen, die man auf den ersten Blick mit echten Menschen verwechseln könnte. Diese dienen nicht nur dem Training, sondern können an die Aufseherinnen auch Daten übermitteln. Die unterschiedlichen Lektionen haben einen Wettbewerbscharakter, in den sich die Frauen weitestgehend fügen, damit sie ihre eigenen Kinder wiederbekommen. Dieses dystopische Szenario könnte einen interessanten Hintergrund für einen gut ausgearbeiteten Plot bieten. Am Anfang war ich sehr an Atwoods „ Report der Magd“ erinnert und auch „1984“ von Orwell lässt grüßen, doch an diese Meisterwerke reicht Chans Roman nicht ran. Über 400 Seiten lang sind wir in erster Linie Beschreibungen ausgesetzt. Wir lernen, was die Frauen sagen, machen und denken sollen und wie die Aufseherinnen dieses umsetzen. An Brutalität fehlt es genauso wenig wie an Unfähigkeit und Unkenntnis über die Entwicklung von Kindern. Mir ist bewusst, dass das gewollt war, doch wirkte es auf mich sehr konstruiert. Und so liest sich das Buch eher wie eine Gebrauchsanweisung mit passiv - aggressivem Unterton, denn wie ein Roman. Die feministische Botschaft ist sehr plakativ und unübersehbar. Wie ich eingangs schon erwähnte, geht es hier um die Sicht auf Mutterschaft und die Erwartungen, die gesellschaftlich an Frauen gestellt werden, aber unerreichbar erscheinen. Das zeigt die Autorin schon sehr deutlich, in dem sie die Protagonistinnen Situationen aussetzt, die ambivalent und utopisch sind. Sie macht es sich meiner Meinung nach aber zu einfach. Es fehlt die Raffinesse und die literarische Qualität. Es gibt niemanden in dieser Geschichte, für den ich nur annähernd Verständnis aufbringen konnte. Auch in Frida, die ihr Kind anfangs über 2 Stunden alleine ließ und das als Versehen abtun wollte konnte ich mich nicht rein fühlen. Ich habe Kontakte zum Jugendamt und habe gefragt, wie man hier verfahren würde und mir wurde bestätigt, dass man der Mutter das Kind erst mal entzogen hätte. Also keine Überreaktion von Seiten der Kinderschutzbehörde in diesem Buch und keinesfalls ein kleines Vergehen– was allerdings danach kommt, wäre in Deutschland so nicht möglich. Auch emotional hat Frida nicht gerade dazu beigetragen, eine Verbindung zum Geschehen herzustellen. Ich fand sie selbstbezogen und in Sorge um ihre eigenen Gefühle. Erst zum Ende hin habe ich eine Ahnung davon bekommen, dass sie sich auch um die Gefühle ihres Kindes und ihrer Puppe bemüht. Leider sind alle Personen kalt, abweisend und ICH-bezogen. Da nutzt auch die ein oder andere gewollt erotische Szene nichts, die ich übrigens eher abstoßend als anziehend fand was weniger an den Szenen an sich als an ihrer literarischen Umsetzung lag. Jegliches tun wirkte, als hätte ein DEMENTOR ihm das Leben ausgesaugt. Natürlich wollte ich wissen, wie die Geschichte ausgeht und habe deshalb tapfer bis zum Schluss ausgehalten. Gelohnt hat sich das tatsächlich nicht, denn auch das Ende ist so wenig mitreißend wie der ganze Rest. Ich kann also keine wirkliche Empfehlung aussprechen, könnte mir aber vorstellen, dass das Buch bei Fans von feministischen Dystopien positive Resonanz hervorruft.
Institut für gute Mütter von Jessamine Chan Dieses Buch hat mich auf eine unangenehme, aber sehr wirkungsvolle Weise beschäftigt. Institut für gute Mütter erzählt von einer Gesellschaft, in der Mutterschaft nicht mehr privat ist, sondern überwacht, bewertet und sanktioniert wird. Im Mittelpunkt steht eine Mutter, die nach einem Fehlverhalten ihr Kind verliert und in einem staatlichen Programm beweisen muss, dass sie „würdig“ ist, Mutter zu sein. Was zunächst nach einer dystopischen Zuspitzung klingt, fühlt sich beim Lesen erschreckend nah an unserer Realität an. Besonders beeindruckend fand ich, wie das Buch zeigt, wie subtil Kontrolle funktioniert. Es geht nicht um offene Gewalt, sondern um ständige Beobachtung, Bewertungen, Protokolle und Erwartungen. Die Protagonistin steht unter permanentem Druck, jede Regung, jedes Gefühl und jede Reaktion zu rechtfertigen. Dabei wird deutlich, wie schnell Fürsorge in Überwachung kippen kann und wie hart gesellschaftliche Maßstäbe gegenüber Müttern sind – vor allem, wenn sie nicht perfekt funktionieren. Institut für gute Mütter ist für mich ein wichtiges Buch. Es stellt unbequeme Fragen über Mutterschaft, Schuld, Kontrolle und gesellschaftliche Erwartungen und lässt einen damit nicht so schnell wieder los. ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)
Spannende, z.T. langatmige Geschichte, dennoch klare Leseempfehlung! 🤗
Ich habe das Buch gern & schnell gelesen, jedoch muss ich sagen, dass mir der Mittelteil zu langatmig war. Die Beschreibungen der Lektionen der Mütterschule wurden mir irgendwann zu detailliert, da man sich das Setting bereits gut vorstellen konnte. Schöne Mutter-"Tochter"-Beziehung zwischen Frida und Emmanuelle, sehr gut gelungen und feinfühlig eingearbeitet. Auch die anderen Figuren im Buch bekamen eine nachvollziehbare Gestalt und man konnte sich gut vorstellen, wie Fridas Umfeld auf sie wirkt. Spannend fand ich auch die psychische Entwicklung von Frida im Laufe des Buches, zudem die aufmerksame, intersektionale Schreibperspektive - sehr gut gelungen. Eine klare Lese-Empfehlung! ✨️

Den Plot an sich fand ich gut, zeigt er doch sehr anschaulich was passieren kann, wenn sich Politik zu sehr ins Private einmischt. Allerdings bleibe ich hier gespalten zurück: Die Protagonistin hat mich genervt, vor allem, weil sie ihre Tat herunter spielt und sich als Opfer sieht. Auch hatte mir das Buch zu viele Längen und ich hab mir nach vielen positiven Stimmen einfach etwas anderes erwartet.
Ein Buch mit vielen guten Denkanstößen, das mich durch teilweise fragwürdige Aussagen bzw. Ansichten aber sehr ambivalent und unschlüssig zurücklässt
Jessamine Chan beschreibt in ihrer Dystopie eine Welt, in der Mütter und Väter für ihr Versagen als Eltern gegenüber ihrer Kinder ein Programm durchlaufen müssen, um am Ende eine bessere Mutter, ein besserer Vater zu sein. Dabei wird nicht unterschieden, was das jeweilige Elternteil getan hat - vom Vergessen, die Brotzeit mitzugeben, bis zum Schlagen und Vernachlässigen von Kindern ist alles dabei. So landet auch Protagonistin Frida in dem Programm für schlechte Mütter. Sie hat ihre 18 Monate alte Tochter über zwei Stunden alleine zuhause gelassen, um sich mit dem Auto kurz einen Kaffee zu holen, etwas auf ihrer Arbeit mitzunehmen und dabei die Zeit zu vergessen. Und hier sind wir schon beim Punkt, der mich wahnsinnig gestört hat. Diese Tatsache wird das gesamte Buch über als "besonders schlechter Tag" abgetan und relativiert, indem schlimmere Vergehen wie körperlicher Missbrauch dem gegenüber gestellt werden. Frida fühlt sich immer wieder ungerecht behandelt, da sie ja im Vergleich zu anderen nichts schlimmes getan hat und das jedem passieren könnte. Nein, es ist m.M.n. kein leichtes Vergehen, seine nicht einmal zweijährige Tochter so lange komplett unbeaufsichtigt alleine zurück zu lassen. Stellt sich nun die Frage, ob Fridas "Strafe" - das Institut für gute Mütter - gerechtfertigt ist. Das Buch und das Setting werfen viele extrem interessante Denkanstöße in den Raum: Was ist eine gute Mutter? Wie geht man mit bestimmten Situationen "richtig" um? Wer darf darüber entscheiden, welche Tat so schlimm ist, dass Eltern ihr eigenes Kind weggenommen wird? Ist es für das Kind besser, aus der Familie gerissen zu werden oder sind die eigenen Eltern nicht vielleicht doch die bessere Wahl? Wer hat überhaupt das Recht, darüber zu urteilen, wie Eltern in bestimmten Situationen handeln? Und wer hat das Recht zu entscheiden, bei wem ein Kind am besten aufgehoben ist? Dieser Aspekt des Buches hat mir wahnsinnig gut gefallen. Zudem versprühte das Setting des Buches leichte Vibes von "A Clockwork Orange" und "Einer flog über das Kuckucksnest". Ich bin mir unschlüssig, was die Autorin mit dem Werk aussagen möchte und finde es teilweise sehr fragwürdig, welche Dinge uneingeorndet im Text stehen bleiben. Dadurch kann ich das Buch nicht zu hundert Prozent empfehlen. Sicherlich ist es aber eine hervorragende Diskussionsgrundlage zu oben genannten Fragestellungen/Themen und wer sich seine eigenen Gedanken dazu machen möchte, wird hier gute Impulse finden.
8/10 erschreckende Zukunftvision oder doch schon Realität?
Das Buch „Institut für gute Mütter“ von Jessamine Chan ist ein eindringlicher und zugleich verstörender Roman, der eine erschreckend realistische Zukunftsvision zeichnet. Die Geschichte folgt einer Mutter, die nach einem drastischen Fehler in eine Einrichtung eingewiesen wird, in der sie lernen soll, den gesellschaftlichen Vorstellungen einer „idealen“ Mutter zu entsprechen. Ich brauchte am Anfang etwas Zeit um in das Buch reinzukommen und hatte erst Probleme die Protagonistin anzunehmen. Anfangs fand ich die Vorstellung einer solchen Einrichtung und dem dazugehörigen Programms eher absurd doch umso weiter ich im Buch voranschritt, desto bewusster wurde mir, dass wir uns dieses Konstrukt schon längst erbaut haben. Zwar gibt es diese Einrichtungen und die Programme nicht wirklich, jedoch verlangt die Gesellschaft schon jetzt ein Übermaß an Perfektion, erst recht von Frauen. Gerade wenn es um die Kindererziehung geht hat jeder etwas zu sagen und meistens trifft es die Frau dabei, denn: die Aufopferung des eigenen Lebens und die perfekte Umsetzung der Erziehung ist ja wohl das MINDESTE was von einer Frau verlangt werden kann wenn sie ein Kind bekommt, oder?
Da bin ich sehr zwiegespalten am Ende…
…ich habe jetzt am Ende wirklich keinen Charakter für den ich wirklich Verständnis aufbringen könnte. Der „wirklich schlechte Tag“ von Frida geht nunmal auch einfach gar nicht - egal wie geschlaucht ich bin, ich lasse meine Tochter nicht zwei Stunden alleine. Die Konsequenz im Anschluss: völlig absurd. Das zeigt wieder, jedes Extrem, egal in welche Richtung ist hoch problematisch. Ich hatte mir im Vorfeld etwas ganz anderes erwartet, dennoch fand ich es stellenweise interessant - absurd, aber interessant. Die dargestellte totalitäre Überwachung der Mutterschaft ist beängstigend….andererseits leben wir aktuell in einer Gesellschaft in der jeder ohne Wenn und Aber Kinder in die Welt setzen darf, man aber für einen Hund einen Führerschein haben muss - auch irgendwie absurd. Ich bin unschlüssig und eine Bewertung fällt mir schwer.
In „Institut für gute Mütter“ begleiten wir Frida durch eine Welt, in der sich Eltern, die durch den Staat als „schlechte Eltern“ eingestuft werden, in Erziehungsanstalten rehabilitieren können. Jessamine Chan hat mit diesem Buch eine erschreckende, interessante und durchweg spannende Geschichte geschaffen. Der relativ nüchterne Schreibstil hat mir im Zusammenhang mit der emotionsgeladenen Thematik sehr gut gefallen.Dennoch konnte man sich gut in Frida hineinversetzen und, auch wenn ich viele ihrer Handlungen nicht gutheißen konnte, konnte ich nachvollziehen, warum sie bestimmte Dinge getan hat. Allerdings, so nah ich Frida war, so unnahbar blieben für mich die anderen Charaktere. Dadurch, dass man nur aus Sicht der Protagonistin liest, erfährt man wenig bis nichts über die Gedanken- und Gefühlswelt der anderen Charaktere, wodurch diese relativ blass bleiben. „Institut für gute Mütter“ hat mich gut unterhalten und ich bin relativ schnell durchgekommen. Man sollte beim Lesen allerdings in der richtigen mentalen Verfassung sein, da das Buch, meinem Empfinden nach, eine durchweg deprimierende Grundstimmung hat. Es handelt sich definitiv nicht um ein Gute-Laune-Buch.
Puuuuh, was für eine Geschichte.... Ich weiß noch nicht genau was sie mit mir macht, darum erstmal 3,5 Sterne... 29.04.2024
Meine Erwartungshaltung an die Geschichte und die tatsächliche Geschichte der Protagonistin gingen weit auseinander... Ich hatte erwartet, dass die Protagonistin "unschuldig" verurteilt wurde. Sie ließ aber ihr Baby für einen längeren Zeitraum allein Zuhause, weil sie als alleinerziehende, berufstätige Mutter überfordert war-und sie war nicht in Hörweite im Garten sondern auf der Arbeit und mit dem Auto unterwegs. (Ich kann die Überforderung nachvollziehen, aber ein Baby komplett unbeaufsichtigt zu lassen... Sorry, das geht halt nicht, von daher ist es gut, dass es dafür Konsequenzen gab... Jedoch ist die Frage, ob das "Institut für gute Mütter" mit ihrem negativen Merksatz und fragwürdigen Praktiken und Aufgaben der richtige Weg ist. Die Autorin bedient einige Klischees (kinderlose Aufseherinnen, die gefühlskalt und herzlos agieren und ja überhaupt keine Ahnung hätten was Mütter alles durchmachen müssen...Das Institut für gute Väter behandelt die Männer nicht so schlecht wie das weibliche Pendant...Das fand ich ein wenig unfair, weil ich glaube, dass Väter sich doch mehr beweisen müssen, um als genauso "wertvoll/gut" wie eine Mutter betrachtet zu werden, bei Müttern hat man da eher so ein "Vorschussvertrauen"... Meiner Meinung nach. ) Diese Thematik berührt bei mir wunde Punkte und es war mir im Vorfeld bewusst, dass ich das Buch vermutlich lieben oder hassen werde. Aber es ist tatsächlich ein "weder noch". Die Geschichte ist durchgehend spannend! Nach ca 2 Std des Hörbuchs hatte ich dann auch meinen Frieden mit Frida geschlossen, die mir wirklich unsympathisch war durch ihre Aktion (wieso hat sie sich nicht rechtzeitig Hilfe geholt?! Es gab so viele Möglichkeiten... Ja, sie hatte kaum noch Freundinnen dadurch dass alle Kinder bekamen, aber man kann sich ja auch Babysitter suchen, bevor es so extrem innerlich eskaliert). Zum Schluss mochte ich sie tatsächlich, aber hätte gehofft, dass sie weitsichtiger versucht Probleme zu lösen (ich möchte an dieser Stelle nicht spoilern). Ich würde dieses Buch Fans von Margaret Atwoods "Handmaid's Tale" empfehlen. Ich lasse das Buch sacken und höre es mir vielleicht noch einmal an, vielleicht empfinde ich das eine oder andere dann doch anders und kann ich dann eine bessere Bewertung abgeben. Lesenswert finde ich es schon sehr!!
Eine eindrückliche, beklemmende Dystopie darüber, was passiert, wenn der Staat sich in Erziehungsaufgaben einmischt. Gruselig!
Kinderschutz auf die Spitze getrieben Diese Dystopie von Jessamine Chan, die auch ihr Debüt ist, hat mich berührt, verstört und wütend gemacht. Ich musste dieses Buch ( in meinem Fall das Hörbuch) ganz oft eine Weile an die Seite legen, weil ich die Geschichte kaum ertragen konnte. In einem recht nüchternen Schreibstil erfahren wir von der schleichenden Entwicklung eines Gesellschaftssystems, dass sich anmaßt zunehmend in den privaten Bereich der Erziehung massiv einzugreifen. Dass zu lesen, ist beängstigend und verstörend und leider gar nicht so undenkbar. Aus Sicht von Frida, der alleinerziehenden Mutter der 18 Monate alten Harriet erfahren wir, wie ihr „richtig schlechter Tag“ in der Katastrophe mündete. Nachdem ihr Baby aufgrund einer Mittelohrentzündung schon den ganzen Tag durchgeschrien hatte, entschloss sie sich kurz zu ihrer Uni zu fahren, um Unterlagen für ihr Homeoffice zu holen, die sie vergessen hatte. Letztendlich ließ sie ihr Kind zwei Stunden unbeaufsichtigt, und das blieb in der Nachbarschaft nicht unbemerkt. Frida wurde bei der zuständigen Kinderschutzbehörde angezeigt. Wie Frida dann von ihrer Freundin und Anwältin erfährt, passierte dieser Vorfall zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Von staatlicher Seite hatte man die Kinderschutzbehörde gerade reformiert, und mit neuen Befugnissen ausgestattet. Viel schneller als früher war die Behörde nun berechtigt „unfähigen“ Eltern ihre Kinder zu entziehen, und diese zu einem neuen 1jährigen Schulungsprogramm zu zwingen. Natürlich war dieses Programm ein „freiwilliges“ Angebot, aber ein Muß für jeden, der die Chance erhalten wollte, sein Kind jemals zurück zu bekommen. Das ewige Mantra dieser Schule, und das spricht schon für sich, lautete: „Ich bin eine schlechte Mutter, aber ich lerne eine Gute zu sein.“ Mit Hilfe von KI Puppen soll Frida in dem Institut nun all die Kompetenzen erlernen, die eine gute Mutter ausmachen, während Frida‘s Exmann derweil das vollständige Sorgerecht für Harriet bekommt und sich zusammen mit Susanna seiner neuen Frau um deren Wohlbefinden kümmert. Der Roman ist bitterböse und provokant und weist deutlich auf Missstände in den USA, dem Heimatland Chan’s hin. Höchst fragwürdige, oft antiquierte Erziehungsmethoden werden unter totaler Überwachung, inklusive ständiger Gehirnwäsche mit den Puppenkindern trainiert. Misserfolge werden sofort sanktioniert. Gerne werden z.b Telefongespräche nach Hause für mehrere Monate gestrichen. Neben dem Institut für Frauen, gibt es auch noch eine weitere Schule für Männer, natürlich mit wesentlich lockereren Regeln. Eins lernt Frida recht schnell, nämlich, das von ihr erwartet wird eigene Bedürfnisse komplett aufzugeben. Eine Mutter hat sich vollkommen aufzuopfern. Für diese Geschichte braucht es einen etwas längeren Atem, und sie ruft natürlich vielerlei Emotionen hervor. Ich fand diese erschreckende Dystopie sehr gelungen.
Gute Idee, nicht ansprechender Schreibstil
Ich lese Romane nicht nur der Handlung wegen sondern auch wegen des Schreibstils und gut ausgereifter Charaktere. Beides hat mir bei diesem Buch gefehlt. Der Schreibstil ist stakkatohaft und die Charaktere sehr einseitig. So eine spannende Idee, aber leider fehlt einiges für mich um 5 Sterne zu vergeben.
Regt definitiv zum nachdenken an.
Ich hatte noch nie vom Buch gehört, hatte keine Erwartungen und bin positiv überrascht worden. Es ist eine Art Dystopie, wobei das nicht stimmt. Nur ein Teil ist dystopisch. Fakt ist aber, es hat mich sehr zum nachdenken angeregt. Denn ein Institut für Mütter, in dem an Puppen gutes Muttersein geübt wird.. das ist schon ein Ding. Kann das Buch gar nicht beschreiben. Man muss es einfach gelesen/gehört haben.
Frida ist seit Kurzem alleinerziehende Mutter und mit der Situation aktuell überfordert. Ihre Tochter Harriet schreit, sie ist übermüdet und sehnt sich nach einem kurzen Moment Ruhe… so kommt es dazu, dass sie Harriet für eine Stunde alleine lässt… und ein offensichtlich ‚besorgter‘ Mensch aus der Nachbarschaft dies meldet. Und hiermit beginnt für Frida die eigentliche Odyssee. Sie verliert das Sorgerecht und Harriet kommt zu ihrem Ex Gust und seiner neuen Freundin Susanna (die natürlich blutjung ist, wunderbar Torten von Genitalien lecken kann und immer die besten Ernährungstipps parat hat). Für die potentielle Chance, dass Frida das Sorgerecht irgendwann zurückerhält, soll sie zusätzlich für ein Jahr am Institut für gute Mütter lernen, eine gute Mutter zu sein. Dazu ist es zunächst einmal wichtig, dass sie erkennt, eine wie schlechte Mutter sie eigentlich ist. Aus Sicht des Instituts ist das Wiederholen des Satzes „Ich bin eine schlechte Mutter, aber ich lerne, eine gute zu sein.“ hier besonders wirkungsvoll. Außerdem erhalten die Mütter eine KI-Puppe, mit der sie u.a. ‚Mutterisch‘, oder ‚korrekte‘ Umarmungen trainieren sollen. Das alles unter ständiger Überwachung und Bewertung… und mit der Ungewissheit, was nach dem Jahr im Institut auf sie warten wird. „Institut für gute Mütter“ ist eine erschreckende Dystopie, die aber teilweise so realistische Züge aufweist, dass es um so erschreckender ist. Man leidet mit Frida, fühlt sich mit ihr gemeinsam überwacht, in ständiger Angst vor der nächsten willkürlichen Entscheidung und Schikane der Aufseherinnen und wütend über all die Ungerechtigkeiten. Insgesamt war das Buch für mich dennoch kein Highlight, da viele Themen angeschnitten, aber dann eher oberflächlich abgehandelt werden (Rassismus, Ungleichbehandlung der Geschlechter etc.). Irgendwie bleibt so das Gefühl zurück, dass einerseits irgendwas fehlt und andererseits Klischees, die ja eigentlich kritisiert werden sollen, zum Teil reproduziert werden (beispielsweise durch die Darstellung von Susanna). Andererseits sehe ich neben der emotionalen Berührungskraft das Potential, durch diese Geschichte eine Reflexion über den (öffentlichen) Umgang und das Urteilen über Mütter und ihre verschiedenen Arten des Mutterseins anzustoßen.
Gute Mütter, Schlechte Mütter
Für den Staat ist Frida eine schlechte Mutter. Denn um etwas auf der Arbeit zu erledigen, ließ sie ihre fast zweijährige Tochter Harriet allein zu Hause. Die Sachbearbeiterin entscheidet daher ohne große Diskussion, dass Frida an einem neuen Programm teilnehmen muss, bei dem sie lernen soll, eine gute Mutter zu werden. Obwohl die menschenrechtlich fragwürdigen Regelungen sowie der Einsatz von Roboter-Kindern und Überwachungssystemen im Programm dystopisch anmuten, legt der Text den Finger in sehr aktuelle Wunden. Während - aber vor allem nach der Lektüre - stellte ich mir daher viele Fragen zum Thema Mutterschaft, die durch das überspitzte Szenario aufgeworfen werden: Wer sollte entscheiden, was für das eigene Kind am besten ist? Gibt es ein Allheilmittel für die Kindererziehung? Sorgen Überwachung und Gluckenhaftigkeit für eine gute Bindung? Dürfen Mütter auch mal egoistisch sein oder muss das Kind immer an erster Stelle stehen? Der Plot findet darauf eindeutige Antworten, die einen aber nur bedingt weiterbringen. Oft war ich einfach nur schockiert und wütend über die Herzlosigkeit der Sozialarbeiterinnen, Betreuerinnen und Richterinnen. Da es scheinbar 400 Seiten lang nur darum geht, Frida und die anderen Mütter emotional zu foltern, nutzte sich die Wirkung des Programms auf mich als Leserin zunehmend ab. Dazu kommt, dass jegliches Hinterfragen und jeder Widerstand mit dem Totschlagargument „Wir nehmen dir dein Kind weg und isolieren dich von der Gesellschaft“ zunichtegemacht wird. Das ist natürlich nicht unrealistisch, die Figuren und somit auch der Plot drehen sich dadurch allerdings oft im Kreis. Ein Thema, welches mich noch lange beschäftigen wird. Für die Geschichte trifft das aber leider eher nicht zu.
📚 Inhalt Frida begeht einen Fehler, der ihr Leben komplett auf den Kopf stellt. Sie lässt ihr Baby Harriet alleine Zuhause. Frida konnte das schreien ihrer Tochter nicht mehr aushalten und wollte sich eine halbe Stunde Ruhe gönnen. Doch ihre Tat bleibt nicht unentdeckt, denn die Nachbarinnen alarmieren die Polizei. Und so beginnt Fridas Ausbildung im «Institut für gute Mütter». Die schlechten Mütter, die dort landen, müssen sich einem extremen Bildungsprogramm unterordnen und lernen an humanoiden Robotern, eine gute Mutter zu sein. Dabei stehen die schlechten Mütter unter enormem Druck, da sie ihre leiblichen Kinder nicht sehen dürfen und unklar ist, ob sie sich je wieder um ihre Kinder kümmern dürfen. Frida muss ein Jahr im Institut verbringen. Eine lange Zeit, ohne Harriet sehen zu dürfen. Aber das ist nicht die einzige Herausforderung, denn eine gute Mutter sollte sich selbst fast komplett vergessen. 📖 Meinung Das Buch wurde mir von reado vorgeschlagen und das war nach längerer Zeit wieder mal ein Vorschlag, der super gepasst hat. Ich fand Fridas Geschichte von Anfang an super spannend und konnte mir nicht vorstellen, wie sie sich fühlen muss. Für mich wurden die Gefühle von Frida sehr gut transportiert und ich konnte die Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Frustration sehr gut nachvollziehen. Frida teilt immer wieder Gedanken, die mich auf den ersten Blick abgestossen haben. Aber, überlegt man sich, in welcher Situation Frida ist, fand ich ihre Gedanken und Handlungen legitim. Sie würde alles tun, um ihre Tochter wieder zurück zu bekommen und sie endlich wieder sehen und berühren zu dürfen. Aber auch ihre Beziehung zu ihrer humanoiden «Tochter» hat mich gefesselt. Generell finde ich das Thema sehr interessant. Wie wäre es, wenn sich der Staat tatsächlich so sehr in die Kindererziehung einmischen würde? Natürlich, Frida hätte ihre Tochter nicht alleine Zuhause lassen dürfen. Aber dass sie danach direkt ihr eigenes Kind ein Jahr nicht sehen und kaum mit ihr telefonieren darf? Das ist sicherlich too much. Doch genau diese Gedankenspielereien gefallen mir gut. Ich mag dystopische Bücher mit Realitäten, die gar nicht so weit weg von unserer sind. Ich kann das Buch wirklich nur weiter empfehlen, ich war super unterhalten und war sehr interessiert.
Wow, was für ein ergreifend das Buch. Die Geschichte des Romans zeigt auf jeden Fall dass wir das wertschätzen sollten was wir haben. Und nicht höher schneller weiter, denn das Leben kann sich ganz schnell ändern. In diesem Roman geht es um Kindesentzug mit dramatischen Folgen und eben dem Institut für gute Mütter.
EINEN RICHTIG SCHLECHTEN TAG Einen solchen hat die 39jährige Frida Liu als aus dem Homeoffice in ihr Universitätsbüro fährt, um Unterlagen zu beschaffen und den Kopf frei zu bekommen und dabei ihre Tochter, die 18 Monate alte Harriet in einer Art Laufstahl allein zu Hause zurück lässt und diese solange schreit, bis eine Nachbarin den Notruf verständigt. Frida, die Tochter chinesischer Einwanderer, besitzt einen kulturwissenschaftlichen Universitätsabschluss und fasst wissenschaftliche Paper verschiedene Disziplinen für ihren Chef zusammen. Seit kurzem lebt sie getrennt von Gust, dem Vater von Harriet, der sich in eine jüngere Frau verliebt hat und teilt sich das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter mit ihm. Stress, Überforderung und Müdigkeit bringen Frida an diesem Wochenende, an dem Harriet aufgrund einer Erkrankung kaum geschlafen hat und Frida eine Deadline im Nacken sitzt dazu, nur „für 20 Minuten“ einmal rauszukommen. Aus den geplanten Minuten werden zwei Stunden, die mit einem Anruf der Polizei enden, dass man in ihre Wohnung eingedrungen sei und das vereinsamte Kind an sich genommen habe. Im weiteren Verlauf wird Frida – zuerst nur vorläufig - das Sorgerecht entzogen und Harriet lebt vorerst bei ihrem Vater und dessen Partner*in Susanna. In der Zeit bis zur gerichtlichen Entscheidung über das weitere Vorgehen soll Frida beweisen, dass sie eine gute Mutter und keine Gefahr für ihr Kind ist. Um die Daten für diese Entscheidung zu sammeln, wird sie fortan in ihrer Wohnung durch Videokameras überwacht, die jegliche Handlungen und Gefühlregungen aufzeichnen; sie muss im Rahmen von jeweils einstündigen, durch das Jugendamt begleitete Aufeinandertreffen mit Harriet, die immer wieder kurzfristig verschoben werden, beweisen, dass in der Lage ist, auf Knopfdruck mit ihrer Tochter in angemessener Weise umzugehen und ihre Biografie wird durchleuchtet. Am Ende zahlt sich der Verlust der Privatsphäre und ihrer Persönlichkeitsrechte nicht aus und das Gericht entzieht ihr das Sorgerecht für ihr Kind. Die einzige Möglichkeit, das rückgängig zu machen, so das Gericht, bestünde in einem einjährigen Seminar am titelgebenden „Institut für gute Mütter“. Hier sollen Frauen „wie Frida“, die als Gefahr für ihre Kinder eingestuft werden, lernen, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, technisch-effizient Liebe auszustrahlen und das Kind adäquat zu behandeln. Besagtes Institut gleicht dabei eher einem Gefängnis: Die Frauen tragen Uniformen, werden bestraft, überwacht und entmündigt. Ziel ist es, im Jahr des Aufenthaltes in der Interaktion mit einer lebensechten KI-Puppe, die alles aufnimmt, zu beweisen, dass man den gesellschaftlichen Vorstellungen einer „guten Mutter“ gerecht werden kann. Jessamine Chan hat ein literarisches Gedankenexperiment darüber verfasst, was passieren würde, wenn in einer patriarchalen und rassistischen Gesellschaft das Wohl des Kindes zum obersten aller Werte ausgerufen werden würde. Vom Backlash in überholte Mutterschafts- und Weiblichkeitsbilder, einem durch Autoritäten und Insass*innen rassistisch und klassistisch geprägten Mikrokosmos und dem Bild, das wir von Kindern und Erziehung haben erzählt Chens Dystopie mit sachlich-distanzierter Sprache. Die Leser*innen erleben, wie Frida jede neue Demütigung und jeden neuen Tiefschlag akzeptiert, die eigene Würde dem Ziel unterordnet, ihr Kind zurückzuerhalten und sich zunehmend in das gesellschaftliche Narrativ fügt, dass die Daseinsberechtigung der Mütter im Wohl ihrer Kinder begründet liegt. Dabei beruht das zugrundeliegende Erziehungsideal keineswegs auf einer reinen und radikalen Form von Bedürfnisorientierung, als vielmehr auf einem sehr technokratischen Verständnis von Erziehung und Bindung. Für jede Emotion gibt es so die richtige Umarmung, mit der richtigen Länge; das Kind muss binnen zwei Minuten zum Einschlafen gebracht werden usw. So werden nicht nur die Mütter in Chens Roman entmenschlicht, sondern auch ihren Kindern wird keinerlei Individualität und unbestimmte Bildsamkeit zugestanden. Chans Dystopie ist eigentlich eine negative Geschichte weiblichen Empowerments, denn sie beginnt mit dem eigentlichen Akt des Aufbegehrens, in dem Frida sich den gesellschaftlichen Erwartungen permanenter, mütterlicher Verfügbarkeit entzieht. Der Roman bietet viele Ansatzpunkte, über Elternschaft, (antiasiatischem) Rassismus, Klassismus, Sexismus zu sprechen, krankt allerdings in meinen Augen ein wenig an genretypischen Aspekten. Zwar ist der Ansatz Chans, ihre Welt auf das Kindeswohl auszurichten origineller als (in meinen Augen) die x-te Neuauflage von „1984“, weist Parallelen zu Atwoods großartigen Romanen „Report der Magd“ und „Die Zeuginnen“, bedient das Erzählkonventionen des Gefängnisdramas und doch wirkte es punktuell auf mich, ähnlich wie bei anderen Dystopien, so, als müsse man zwingen in hoher Taktzahl, die eigene Einfallskraft in Form der nächsten skurrilen Eigenheit der beschriebenen Gesellschaft unter Beweis stellen. Aber das mag in Teilen auch meiner persönlichen Abneigung gegenüber diesem Gerne begründet sein, in dem „Das Institut für gute Mutter“ definitiv einen der besseren Plätze einnimmt und z.B. weitaus klüger daher kommt als vergleichbare Texte des Megaseller-Autors Dave Eggers. Aus dem Englischen von Friederike Höfert
Frida Liu hat einen "sehr schlechten Tag" als sie ihr Baby Harriett für mehrere Stunden allein lässt. Ihr wird direkt das Sorgerecht entzogen und sie kommt für 12 Monate in ein Trainings-/Bootcamp mit weiteren schlechten Müttern, die ihre Kinder mit Zigaretten verbrannt haben oder allein zur Schule gingen ließen. Ihnen werden lebensechte Puppen als "Übungsobjekte" vorgesetzt, die u.a erst von den Gruppenleiterinnen geschlagen werden, damit die schlechten Mütter innerhalb weniger Minuten unter Beweis stellen können, dass sie ihre Kinder auf (für das Institut angemessene Weise) trösten können. Eindringlich und mit knapper, nüchterner Sprache schildert die Autorin in diesem dystopischen Roman die harte Realität vieler Mütter: Sie können nur verlieren. Leider ist es mir aufgrund der knappen Sätze und der Emotionslosigkeit nicht gelungen, dem ganzen Geschehen innerhalb des Institutes folgen zu können. Es brodeln viele kleinere Konflikte innerhalb der Frauengruppen, die aber nur in Nebensätzen als Rückblende erwähnt werden. Deswegen ist mir die ganze Handlung etwas zu sehr an der Oberfläche geblieben.
Gute Idee, aber
Gute Mütter ohne Fehler sind Mangelware und endlich greift das Jugendamt durch. Eine gute Idee, die überspitzt umgesetzt wurde, aber durch die nervige und jammernde Hauptfigur, die mit ihrem Leben überfordert wirkt, kommt kein Mitgefühl und keine Nähe auf. Daher eher anstrengend und enttäuschend
Ein richtig schlechter Tag und dann...?!
Puh, was für ein Buch! Ich habe das Buch gerade beendet und meine Gedanken kreisen noch. Die 39jährige Frieda hat einen "richtig schlechten Tag" und lässt ihre Tochter Harriett unbeaufsichtigt Zuhause . Als Konsequenz muss sie im "Institut für gute Mütter", einer staatlichen, absoluten Institution, ihre Fähigkeiten als Mutter unter Beweis stellen. Das Buch zeichnet eine dystopisches Szenario von einer Welt, in der die Frauen als perfekte Mütter funktionieren müssen. Der Roman ist auf eine erschreckende und aufrüttelnde Art und Weise absolut spannend. Klare Leseempfehlung, aber definitiv nichts zur leichten Unterhaltung.
Kinderschutzbehörde - erschreckende Dystopie - lesenswert
Also das Buch hat es in sich, die Hauptperson, die alleinerziehende Frida wird für 2-stündiges Alleinlassen ihrer 18 Monate alten Tochter bestraft. Die Kleine kommt zu ihrem Vater und Frida muss für ein komplettes Jahr in ein Umerziehungscamp, die sogenannte Mutterschule. Und hier wird es mit zugeteilten KI-Kindern richtig schwierig bis fast unmöglich alles richtig zu machen und damit wieder „Mutterrechte“ an der Tochter durch den Staat zu erhalten. Teilweise echt verstörend, aber doch immer relativ spannend zu lesen, das Ende allerdings hat mich leicht irritiert und sprachlos zurückgelassen. Durchaus lesenswert!
Naja, leider enttäuschend
Diesem dystopischen Bildungsroman liegt eine fantastische Idee zugrunde: Die alleinerziehende Frida ist mit ihrem schreienden Baby (und ein bisschen mit ihrem Leben) überfordert, wie man es halt so ist als junge Mutter. Sie lässt die kleine Harriet kurz alleine zu Hause, was sie nicht hätte tun sollen. Jemand aus der Nachbarschaft verständigt die Polizei - ein Albtraum beginnt: Frida verliert die Obhut und wird in das Institut für gute Mütter eingeliefert, wo sie während der Dauer eines Jahres und mithilfe einer KI-Puppe eine bessere Mutter werden soll. Das Jahr im Institut wird dann ein bisschen gar lang, explizit und ausführlich beschrieben: Und trotzdem gelingt es der Autorin, Jessamine Chan, die aktuellen Fragen rund um Mutterschaft, Erziehung, Doppel- und Dreifachbelastungen und Frausein aufzugreifen und beiläufig brillant abzuhandeln. Lesenswert 👍👍👍
Eine Geschichte, die einen berührt und gleichzeitig das gruseln lehrt. Eine Dystopie, die mir mit einem Blick nach draussen gar nicht mal so unwahrscheinlich erscheint.
Frida ist geschieden. Sie hat das geteilte Sorgerecht mit dem Vater. Sie hat eine zweijährige Tochter. Beim Versuch, alles unter einen Hut zu bringen, den Schmerz, betrogen und verlassen worden zu sein, zu überwinden und einfach zu funktionieren, hat sie wie viele andere auch einen schlechten Tag. Ihre Tochter ist krank. Sie schreit und Frida möchte nur kurz Ruhe haben. Nur eine Stunde. Was soll da schon passieren? Viel, und ihr wird die Tochter weggenommen. Eine wirklich eindringliche Geschichte, die den Lesern ihre Vorurteile vor Augen führt. Bis zum Schluss weiss ich auch nicht, was ich von der Protagonistin halten soll. Sie ist doch so distanziert. Aber trotz all ihrer Fehler ist die Ungerechtigkeit, die ihr geschieht, zum Verzweifeln. Bis zum Schluss habe ich mitgefiebert. Ich habe gehofft, dass sich jemand erbarmt. Auch die anderen Frauen hatten keine schwarz-weißen Charaktere. So ist es auch im wahren Leben. Es ist eine beeindruckende Geschichte, die aus einem neuen Blickwinkel erzählt wird.
Böser Perfektionismus, guter Perfektionismus?
Mann, ich hab mich durch das Hörbuch ganz schön durchgequält und frage mich jetzt schon: Wozu eigentlich ? Der Grund war die Hauptprotagonistin Frida, die mich in ihrem Selbstmitleid, ihre Emotionalität so genervt hat, dass ich mich oft dabei ertappte, den Trainerinnen des dystopischen Mütter-Trainings-Camps zustimmen zu wollen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht die Absicht der Autorin war. In diesem Buch wird die Erwartungshaltung an Mütter kritisiert, die vor allem in den USA, wo fundamentale Christen mehr und mehr an Macht gewinnen, auch tatsächlich zunehmend unrealistisch perfektionistischen Ansprüchen genügen muss. Meiner Ansicht nach hat Jessamine Chen dem aber ihre, genauso toxische, Vorstellung von perfekter Mutter in Gestalt der Protagonistin gegenüber gestellt. Eine Frau, die ihr Kind immer und überall bedingungslos liebt. Die jede Sekunde (Zitat) an ihre Tochter denkt und ohne diese nicht mehr existiert. Eine Frau, deren gesamter Lebensinhalt ihre Kinder sind. Die stets mitfühlend und verständnisvoll und liebevoll mit all ihren Mitmenschen ist. Die sich unablässig selbst kritisiert und mit Vorwürfen kasteit. Die in jedem Moment leidet. Und dies auch ununterbrochen kundtut. Und wenn sie dann in Telefongesprächen mit ihrer 18Monaten alten Tochter wieder und wieder sagt, wie sehr sie sie vermisst und wie leid es ihr tut und dass sie wisse, wie traurig diese Tochter doch sei, dann frage ich mich, wessen Bedürfnis sie da eigentlich befriedigt? Ihrer Tochter bürdet sie damit eine unglaubliche Last auf. Und wenn sie ihr Vergehen ( ihre 18 Monate alte Tochter 2,5 Stunden allein in der Wohnung gelassen zu haben!!!) immer als wirklich schlechten Tag bezeichnet und glaubt, dass die anderen Mütter doch viel Schlimmeres getan hätten, dann stirbt in mir das letzte bißchen Mitgefühl für diese Frau. ⭐️⭐️
Squid Game trifft report der Magd
Also ganz im Ernst dieses Buch hat mich sprachlos zurückgelassen. Es war so eine verrückte packende Story mit so viel berechtigter Kritik an unserer Gesellschaft, dass ich wirklich sehr sehr viel zum Denken bekommen habe. Die Autorin schafft es den heutigen Geist der Zeit erschreckend genau und überspitzt zu treffen , um uns klar zu machen wie verrückt und differenziert unsere Gesellschaft gegenüber Frauen und Männern im Bezug auf jegliche Probleme oder Situationen mit diesen umgeht. Das einzige, was mir nicht so gut gefallen hat (weil es zu realistisch und zu echt war, also nicht wirklich ein Kritik Punkt sondern nur für mein Happy End Herz ein Kritik Punkt) ist das Ende, es hat mich nur noch trauriger zurückgelassen. Jeder dem squid game oder Report der Magd gefallen hatte, sollte dieses Buch definitiv lesen. Nur eine kleine Warnung von meiner Seite aus: falls ihr Kinder haben wollt, lässt es euch diesen Wunsch sehr überdenken 🤯🥲😅
Eine sehr schwere Kost, nichts für zarte Gemüter
Ich durfte das Buch "Institut für gute Mütter" von Jessamine Chan aus dem Ullstein Verlag lesen. Allerdings muss ich wirklich sagen, dieses Buch hat es in sich. Ich kann absolut verstehen, warum es einige Leser:innen abbrechen. Ich hatte auch so meine Schwierigkeiten damit, wollte aber unbedingt wissen, wieso, weshalb und warum es so ist wie es ist in dem Buch und bin dann nach ca. 1/3 auf das Hörbuch davon umgestiegen. Und das war dann auch soweit ok für mich. Das Hörbuch ist im Hörbuch Hamburg Verlag erschienen und wird von Sandra Voss gelesen, die dem ganzen teils nicht sehr angenehmen Inhalt doch noch eine sehr angenehme Stimme geben kann. Im Buch selbst werden viele Inhalte besprochen. Den Klappentext setze ich im übrigen wieder in die Kommentare. Es geht hier um Frida, eine alleinerziehende Mutter, die sich, nachdem sie ihr Baby eine Stunde unbeaufsichtigt ließ, in eine Art Besserungsanstalt für Mütter wiederfindet. Danach soll sie, so wird ihr zumindest suggeriert, wenn sie sich ein Jahr gut bewährt und schön brav ist, nach einer neuen Anhörung das Sorgerecht für ihre Tochter zurück erhalten. Diese Anstalt ist eine Tortur für alle Frauen, die dort gleichzeitig mit Frida ankommen. Und jede kleinste Kleinigkeit wird mit der für die Frauen schlimmsten Strafe bestraft, dem Entzug der wöchentlichen 10 Minuten zum telefonieren mit ihren Kindern. Also, es handelt sich bei diesem Buch ja um eine Dystopie von Frau Chan, allerdings musste ich stellenweise doch schon recht schlucken. Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies wirklich ihr erstes Buch ist. Das ist echt heftig. Aus diesem Grund habe ich mir ihre Instagramseite auch etwas genauer angesehen und war total erschrocken, dort diese KI, also diese Roboter-Kinder, die die Frauen in der Anstalt in dem Roman zum "üben" bekommen, zu sehen, es gibt so etwas also tatsächlich! Oh.mein.Gott. Zum Fazit ist zu sagen, ich glaube, ohne die Möglichkeit des Hörbuchs hätte ich mich vermutlich nicht weiter durch die 432 Seiten gekämpft. Aber ich wollte doch gern zum Ende kommen und wissen, wie die ganze Geschichte ausgeht. Ansonsten hätte ich sehr wahrscheinlich abgebrochen. Es ist schon sehr schwere Kost und nicht für jeden zu empfehlen. Danke, dass ich dieses Buch lesen durfte, es war auf alle Fälle eine Erfahrung für mich. Ich gebe dem Roman dennoch ⭐️⭐️⭐️ #unbezahltewerbung #rezensionsexemplar
Gust verlässt Frieda kurz nach der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter Harriet. Das Sorgerecht teilen sich die beiden und dennoch verläuft das Leben der beiden Elternteile in komplett unterschiedliche Richtungen. Während Gust sich mit seiner neuen Freundin Susanna ein neues Leben aufbaut, läuft es bei Frieda eher schlecht als Recht. Vor allem der berufliche Wiedereinstieg verläuft holprig und Frieda schafft es nicht immer von ihrem Chef gesetzte Fristen einzuhalten. Zusätzlich baut die Erziehung von Harriet (18 Monate alt) Druck auf. Die Gesamtkonstellation lastet schwer auf Friedas Schultern, die Mutter sehnt sich nach einer Auszeit und etwas Ruhe. Eine falsche Entscheidung verändert alles. Frieda lässt Harriet alleine in der Wohnung, um eine Erledigung für die Arbeit zu tätigen. Ihre Überforderung lässt ihr keinen Raum mehr um einen klaren Gedanken zu fassen. »Frieda erinnert sich an den Frust und die Angst, die sich an diesem Morgen angestaut hatten, an das Bedürfnis nach einem kurzen Augenblick Ruhe. An den meisten Tagen gelingt es ihr, sich aus dieser Stimmung zu befreien« (S. 23). An dem Tag an dem Frieda es nicht schafft, sich aus dieser Stimmung zu befreien, schlägt das totalitäre Regime zu, entzieht ihr das Sorgerecht für Tochter Harriet und steckt Frieda in ein Erziehungslager, welches sich als »Institut für gute Mütter« betitelt. Jessamine Chan entführt uns im »Institut für gute Mütter« in eine dystopische Welt, in der Menschlichkeit sehr sehr klein geschrieben wird. Dabei begleiten wir Frieda, die für mich als Figur schwer zu fassen ist. Schnell wird klar, durch die Lebensumstände muss die Protagonistin ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellen. Insgesamt läuft gefühlt auch alles schief. Das Buch ist erdrückend und gleichzeitig hat es auch eine witzig-skurrile Art an sich. Diese Mischung hält die Autorin durch das ganze Buch aufrecht, dadurch wird die Lektüre zu einem rasanten Pageturner. Mich konnte »Institut für gute Mütter« vor allem überzeugen, da die Verzweiflung deutlich spürbar war und sich mit jeder Seite weiter zuspitzt. CN: Homophobie, Misogynie, Kindeswohlgefährdung, Gewalt an Minderjährigen, emotionale Unterdrückung, emotionale Gewalt, Gaslighting, Suizid, Rassismus.
Die Tochter der Protagonistin ist 18 Monate alt. Mein Sohn ist 14 Monate alt. Ich. Fühle. Sie. So. Sehr. Ich hab lange nicht mehr bei einem Buch geweint, doch „Institut für gute Mütter“ hat es geschafft. Solange strukturelles Versagen auf den Schultern der Mütter abgeladen wird, sind wir nicht weit entfernt von dieser Realität. Und das macht es nur umso trauriger.
Mega spannende Dystopie - ein Überwachungsstaat, der das Wohl des Kindes an erster Stelle setzt.
Endlich Mal wieder eine Dystopie, die ihre Idee bis zum Ende verfolgt und dabei die Protagonistin nicht aus dem Auge verliert. Ein kleiner Fehltritt in der Kinderbetreuung und den Eltern wird das Sorgerecht entzogen, bei tadelloser Absolvierung eines Erziehungskurses kann das Sorgerecht zurück erlangt werden. Die Idee hinter der Geschichte hat mich sofort vereinnahmt. Aber auch die Umsetzung ist gelungen. Durch die personale Erzählweise schwinge ich emotional mit Frida, die einen schlechten Tag hatte und ihre Tochter für zwei Stunden im Activity-Center gesichert zu Hause zurücklässt. Ein einjähriger Kurs, um ihre Qualitäten als Mutter zu beweisen, ist ihre einzige Chance ihre Tochter zurückzubekommen. Sie ist keine Minute mehr unbeobachtet und alle Reaktionen werden aufgezeichnet. Der Erziehungskurs wird zu einer Besserungsanstalt. Dabei wird die Erwartungen, die an Mütter gestellt wird auf die Spitze getrieben und die Charakterentwicklung unter dem Druck super veranschaulicht. Die Autorin hält Frida im Mittelpunkt der Geschichte, vergisst aber auch nicht mit unterschiedlichen Nebencharakteren, eine Bandbreite an möglichen Reaktionen aufzuzeigen. Den Müttern wird in Extremsituationen unmenschliches abverlangt und manch eine sucht einen Ausweg außerhalb des Protokolls. Doch was passiert, wenn Frau sich dem Protokoll unterwirft? Gibt es Hoffnung im System? Der Roman entwickelt eine kaum auszuhaltende Suspense. Und die Ideen für Übungsobjekt und immer schwieriger werdenden Lektionen finde ich mega gut gewählt. Ich habe das Buch von der ersten bis zur letzten Seite genossen. Absolute Leseempfehlung für Dystopie-Fans! Die Geschichte geht emotional an die Nieren.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Bin ich eine schlechte Mutter?
Frida ist überfordert: Ihr Baby Harriet schreit und schreit und alles, wonach sich die alleinerziehende Mutter sehnt, ist eine halbe Stunde Ruhe und etwas Zeit für sich. Als sie das kleine Mädchen für eine Stunde unbeaufsichtigt zu Hause lässt, ruft ein Nachbar die Polizei. Was dann folgt, ist der Albtraum einer jeden Mutter: Frida verliert das Sorgerecht und wird in eine Besserungsanstalt gesteckt. Im Institut für gute Mütter soll sie mithilfe einer KI-Puppe lernen, was es heißt, eine gute Mutter zu sein. Ein Jahr totaler Überwachung, Strafen und unmenschlicher Lektionen nimmt seinen Lauf.
Eines von Barack Obamas Lieblingsbüchern 2022!
»Empörend aktuell« The New York Times Review
»Ein bemerkenswerter, mitreißender Roman«
Vogue
»Wer diesen dystopischen Antibildungsroman gelesen hat, wird nie wieder schlecht über Mütter sprechen oder ihnen ungefragt Erziehungstipps geben. Ein furioses Debüt.« Welt am Sonntag
Book Information
Author Description
Jessamine Chan studierte an der Columbia University und arbeitete bei Publishers Weekly. Ihre Kurzgeschichten erschienen in Tin House und Epoch. 2017 erhielt sie das Literaturstipendium der Elizabeth George Foundation für die Fertigstellung ihres Debütromans, der in den USA für über eine Million Dollar verkauft wurde. 2022 erschien er bei Simon & Schuster. Chan lebt mit ihrer Familie in Chicago.
Posts
Wenn Mutterliebe zum Prüfstein wird
Das Buch, tut weh beim Lesen. Nicht, weil es schlecht ist, sondern weil es so unbequem ehrlich wirkt. Es greift viele kritische und gesellschaftskritische Themen auf und zeigt auf erschreckende Weise, unter welchem Druck Frauen und besonders Mütter stehen können. Von Anfang an liegt ein dauerhafter Druck auf der Hauptfigur. Sie ist dem System vollkommen ausgeliefert, wird beobachtet, bewertet und ständig daran gemessen, ob sie „gut genug“ ist. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins zieht sich durch die gesamte Geschichte und macht das Lesen stellenweise richtig beklemmend. Besonders eindrucksvoll fand ich den Gegensatz zwischen Muttersein und Kindsein. Die Verzweiflung der Mutter ist deutlich spürbar – ihre Angst, ihr Kind zu verlieren, und ihr verzweifelter Wunsch, alles richtig zu machen. Gleichzeitig wird klar, wie sehr auch Kinder unter solchen Systemen leiden. Was dabei jedoch immer spürbar bleibt, ist diese endlose Mutterliebe, die selbst unter extremem Druck nicht verschwindet. Die künstlichen KI-Kinder haben bei mir ein richtig unheimliches Gefühl ausgelöst. Sie wirken kühl, kontrolliert und fast wie eine beängstigende Vorstellung davon, wie „perfekte“ Kinder aussehen sollen. Sehr stark sind auch die Geschichten der anderen Frauen im Institut. Jede bringt ihr eigenes Schicksal mit, ihre eigenen Fehler und Ängste. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild darüber, was es bedeutet, eine Frau in einer Gesellschaft zu sein, die ständig Erwartungen stellt und bewertet. Für mich ist dieses Buch vor allem eines: eine eindringliche, fast erschreckend real wirkende Warnung darüber, wie schnell Fürsorge in Kontrolle umschlagen kann.
Dystopie einer Welt, in der Mütter wenig Rechte haben - insbesondere nicht-weisse und arme Mütter
Grundsätzlich fand ich die Story und das Setting gut: Frida lässt ihr Kind alleine und soll in einer Umerziehungsschule für Mütter beweisen, dass sie verdient, ihre Tochter zurück zu bekommen. Das Institut erweist sich als grausamer und hoffnungsloser als gedacht. Vorneweg: ich habe schon sehr viele Dystopien gelesen und fand in diesem Buch viele Parallelen. Die Idee des Buches ist super. Auch die - berechtigten - feministischen und anirassitischen Bluckwinkel des Buches fand ich gut. Aber für mich war das Buch nicht mitreissend. Mit der Hauptfigur konnte ich mich nicht identifizieren und auch die anderen Figuren blieben seltsam plakativ. Das Buch hat mich teilnahmslos und verwirrt zurück gelassen.
Nun ist es schon einige Jahre her seit meine Kinder aus dem gröbsten, sprich Kleinkindalter heraus sind, aber dieses Buch hat in mir tatsächlich so viele Emotionen hervorgerufen, die ich als Mutter mit Kleinkindern noch sehr gut in Erinnerung habe. Chan schreibt in ihrem Debüt über Frida, eine alleinerziehende Mutter, die zu Beginn des Romans an ihre Belastungsgrenzen gerät. Um Unterlagen, die sie bei der Arbeitsstelle vergessen hat, für das Homeoffice zu holen, lässt sie ihre knapp zweijährige Tochter Harriet "kurz" allein. Aus der kurzen Fahrt zur Arbeitsstelle werden dann knapp zwei Stunden. Währenddessen informieren Fridas Nachbarn, die die Tochter schreien hören und mitbekommen haben, dass Frida das Haus verlassen hat, die Polizei. Nun beginnt für Frida ein Albtraum, denn es wurden neue Gesetze verabschiedet, die Fridas Handeln als Vergehen ahnden und ihr das Sorgerecht ihrer Tochter entziehen. Frida wird auf "Vernachlässigung und Aussetzung" verurteilt und erhält als Auflage die Einweisung in das "Institut für gute Mütter", eine Besserungsanstalt, in der Mütter lernen sollen, sich adäquat um ihre Kinder zu kümmern und in den Augen des Staates eine gute Mutter zu werden. Frida durchläuft hier ein fast einjähriges Programm, in dem sie tagtäglich bewertet wird. Diese Bewertungen werden die maßgeblichen Entscheidungsgrundlage des Gerichts bilden, ob Frida das Sorgerecht zurück bekommt. Trainiert wird anhand einer KI-Puppe, die Frida durch die Monate täglich begleitet. Die Puppe ist angepasst an das Alter und das äußere Erscheinungsbild ihrer Tochter. Schon bei der Einführung wird den Müttern mantramäßig der Satz "Ich bin eine schlechte Mutter, aber ich lerne, eine gute zu sein." eingebläut. Es beginnt eine Zeit der absoluten Überwachung und Bewertung. Neben Nervenzusammenbrüchen, Flucht aus der Anstalt, aber auch gegenseitiger Unterstützung versuchen die Mütter die Zeit zu überstehen, denn nur wer das Trainingsprogramm durchhält, hat eine Chance darauf, sein Kind wiederzusehen... Jessamine Chan hat hier einen dystopischen Roman geschrieben, in dem sie einen totalen Überwachungsstaat über Mutterschaft und Kindeswohl thematisiert. Das Thema hat sehr viel in mir ausgelöst, insbesondere der Umgang mit Mutterschaft sowie die Bewertung, wie eine "gute Mutter" zu sein hat und welche menschenverachtenden Maßnahmen ergriffen werden. Frida, die Protagonistin, empfand ich zunächst als stark bagatellisierend und abwehrend bezüglich ihrer "Tat", was sich irgendwann komplett in das Gegenteil umzukehren schien und sie von Schuldgefühlen regelrecht zerstört wirkte. Im großen und Ganzen kam ich ihrem Charakter aber nicht nahe. Insgesamt fand ich den Roman und insbesondere das Thema sehr spannend, wobei zwischendurch die Zeit im Institut meiner Meinung nach ein wenig zu sehr ausgeschmückt wurde. Das hätte für mich auch etwas kürzer sein können und dafür intensiver auf die Zeit danach eingegangen werden können. Trotz alledem kann ich den Roman durchaus empfehlen - insbesondere wenn ihr euch für Dystopien interessiert.
Ein wirklich erschütterndes Gedankenexperiment
Das Buch hat mich richtig mitgenommen. Die Geschichte dreht sich um Frieda, eine Mutter, die nach einem folgenschweren Fehler in ein staatliches Programm gesteckt wird, das darüber entscheidet, ob sie eine „gute“ Mutter ist. Mit allen Konsequenzen für ihre Beziehung zu ihrem Kind. Beim Lesen war ich oft erschrocken, teilweise richtig wütend und an anderen Stellen auch sehr traurig. Es ist eine Geschichte, die einem unter die Haut geht, sehr bewegend und gleichzeitig spannend erzählt. Ich selbst bin keine Mutter und schon für mich war es extrem intensiv. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sehr das Buch Mütter noch einmal berühren muss. Eine klare Empfehlung.

Das Buch macht was mit einem. Wenn man selbst Kinder hat erkannt man sich oft selbst in manchen Situationen. Der Gedanke daran, dass man selbst wegen eines solchen "vergehen" am eigenen Kind in das Institut für gute Mütter muss ist erschreckend. Das Buch ist lesenswert und regt definitiv zum Nachdenken an.
In der Geschichte wird einer Mutter ihr 18 Monate altes Kind weggenommen, weil sie es allein Zuhause gelassen hat. Im Institut für gute Mütter soll sie dann anhand einer KI Puppe die aussieht wie ihr Kind???!!! lernen eine gute Mutter zu werden und beweisen, dass sie würdig ist ihr Kind wieder zubekommen. Wie dort und auch im Vorhinein mit ihr umgegangen wird ist furchtbar. Das Buch spielt in einer zukünftigen Welt in der durch gute Kindererziehung sämtliche gesellschaftlichen Probleme verhindert werden sollen. Die Praktiken sind dabei jedoch absurd und fernab jeder Logik. Das Buch ist zwar irgendwie spannend, zieht sich aber etwas in der Mitte und ist für mich nur schwer zu ertragen gewesen, von der Handlung. Das Ende hat alles nur schlimmer gemacht...
Ich bin selbst keine Mutter. Doch dieses Buch trifft einen Nerv mit voller Wucht.
Chan erzählt von einer Welt, in der Mutterschaft nicht mehr privat ist, sondern beobachtet, reguliert und bewertet wird. Eine Welt, in der der kleinste Fehler reicht, um zur Gefahr für das eigene Kind zu werden. In dieser dystopischen Realität übernimmt der Staat die Kontrolle. Und plötzlich bedeutet Muttersein nicht mehr Nähe und Fürsorge, sondern Disziplin, Technikgläubigkeit und absolute Anpassung. Die Prüfungen, denen die Mütter unterzogen werden, folgen der Logik einer kalten, digitalen Effizienz. Eine KI-gesteuerte Puppe ersetzt das Kind – sie misst Sprache, Reaktionen, sogar Puls und Blickverhalten. Gefühle werden in Daten verwandelt. Zuneigung ist nur gültig, wenn sie korrekt ausgeführt wird. Und wer nicht funktioniert, verliert. Chan greift dabei tief in die gesellschaftliche Wunde: Wer gilt als „gute Mutter“? Wer bekommt Vertrauen und wer wird kontrolliert? Rassismus, soziale Ungleichheit und patriarchale Machtstrukturen sind in dieser Geschichte keine Randthemen, sondern das Fundament des ganzen Systems. Ein kluges, erschütterndes Buch –und ein Weckruf für die Gesellschaft. Für mich ein absolutes Lese-Highlight: dystopisch, feministisch und relevant.

Blutleere Dystopie über Mutterschaft
Was macht eine gute Mutter aus? 24/7 für das Kind da zu sein? Oder sich bei Überforderung Hilfe zu holen? Fest steht auf jeden Fall, dass Mütter es niemandem recht machen können, egal wie und was sie tun! Und Frida ist die Personifikation dieser Ungerechtigkeit. „Ich bin eine schlechte Mutter. Aber ich habe gelernt, eine gute zu sein.“ dieser Satz läuft wie ein Mantra über Fridas Lippen, während sie im Institut für gute Mütter umerzogen wird. Wie kam es dazu? Sie hat, einen schlechten Tag gehabt – so drückt sie es zumindest aus und aus dem plötzlichen Bedürfnis heraus Zeit nur mit sich selbst zu verbringen, hat sie ihre Tochter, die noch keine zwei Jahre alt ist, über 2 Stunden, alleine in der Wohnung zurückgelassen. Was sie als kleinen Fehler bezeichnet, ist für die Kinderschutzbehörde ein großes Vergehen und so wird sie angezeigt und das Kind an den Vater übergeben, mit dem sich Frida das Sorgerecht teilt. Gust lebt mit seiner jüngeren Freundin Susanna und mit der er seine Frau schon in ihrer Schwangerschaft betrogen hat, ein selbstgerechtes Leben. Beide kümmern sich nun um die kleine Harriet die sich zunehmend von Frieder entfremdet. Diese wird verurteilt, ein Jahr lang im Institut für gute Mütter zu lernen, wie sich eine selbige verhalten soll. Das Institut entpuppt sich als Umerziehungsanstalt, in der Willkür und unmenschliche Methoden, Frauen lehren soll was Kinder brauchen. Sowohl die Art und Weise, als auch Erziehungsziele sind so absurd, teilweise unerreichbar und auf jeden Fall widersprüchlich, dass ich gekocht habe vor Wut beim Lesen. Als Übungobjekt bekommen die Frauen K.I. gesteuerte (und ihren eigenen Kindern sehr ähnliche) Puppen, die man auf den ersten Blick mit echten Menschen verwechseln könnte. Diese dienen nicht nur dem Training, sondern können an die Aufseherinnen auch Daten übermitteln. Die unterschiedlichen Lektionen haben einen Wettbewerbscharakter, in den sich die Frauen weitestgehend fügen, damit sie ihre eigenen Kinder wiederbekommen. Dieses dystopische Szenario könnte einen interessanten Hintergrund für einen gut ausgearbeiteten Plot bieten. Am Anfang war ich sehr an Atwoods „ Report der Magd“ erinnert und auch „1984“ von Orwell lässt grüßen, doch an diese Meisterwerke reicht Chans Roman nicht ran. Über 400 Seiten lang sind wir in erster Linie Beschreibungen ausgesetzt. Wir lernen, was die Frauen sagen, machen und denken sollen und wie die Aufseherinnen dieses umsetzen. An Brutalität fehlt es genauso wenig wie an Unfähigkeit und Unkenntnis über die Entwicklung von Kindern. Mir ist bewusst, dass das gewollt war, doch wirkte es auf mich sehr konstruiert. Und so liest sich das Buch eher wie eine Gebrauchsanweisung mit passiv - aggressivem Unterton, denn wie ein Roman. Die feministische Botschaft ist sehr plakativ und unübersehbar. Wie ich eingangs schon erwähnte, geht es hier um die Sicht auf Mutterschaft und die Erwartungen, die gesellschaftlich an Frauen gestellt werden, aber unerreichbar erscheinen. Das zeigt die Autorin schon sehr deutlich, in dem sie die Protagonistinnen Situationen aussetzt, die ambivalent und utopisch sind. Sie macht es sich meiner Meinung nach aber zu einfach. Es fehlt die Raffinesse und die literarische Qualität. Es gibt niemanden in dieser Geschichte, für den ich nur annähernd Verständnis aufbringen konnte. Auch in Frida, die ihr Kind anfangs über 2 Stunden alleine ließ und das als Versehen abtun wollte konnte ich mich nicht rein fühlen. Ich habe Kontakte zum Jugendamt und habe gefragt, wie man hier verfahren würde und mir wurde bestätigt, dass man der Mutter das Kind erst mal entzogen hätte. Also keine Überreaktion von Seiten der Kinderschutzbehörde in diesem Buch und keinesfalls ein kleines Vergehen– was allerdings danach kommt, wäre in Deutschland so nicht möglich. Auch emotional hat Frida nicht gerade dazu beigetragen, eine Verbindung zum Geschehen herzustellen. Ich fand sie selbstbezogen und in Sorge um ihre eigenen Gefühle. Erst zum Ende hin habe ich eine Ahnung davon bekommen, dass sie sich auch um die Gefühle ihres Kindes und ihrer Puppe bemüht. Leider sind alle Personen kalt, abweisend und ICH-bezogen. Da nutzt auch die ein oder andere gewollt erotische Szene nichts, die ich übrigens eher abstoßend als anziehend fand was weniger an den Szenen an sich als an ihrer literarischen Umsetzung lag. Jegliches tun wirkte, als hätte ein DEMENTOR ihm das Leben ausgesaugt. Natürlich wollte ich wissen, wie die Geschichte ausgeht und habe deshalb tapfer bis zum Schluss ausgehalten. Gelohnt hat sich das tatsächlich nicht, denn auch das Ende ist so wenig mitreißend wie der ganze Rest. Ich kann also keine wirkliche Empfehlung aussprechen, könnte mir aber vorstellen, dass das Buch bei Fans von feministischen Dystopien positive Resonanz hervorruft.
Institut für gute Mütter von Jessamine Chan Dieses Buch hat mich auf eine unangenehme, aber sehr wirkungsvolle Weise beschäftigt. Institut für gute Mütter erzählt von einer Gesellschaft, in der Mutterschaft nicht mehr privat ist, sondern überwacht, bewertet und sanktioniert wird. Im Mittelpunkt steht eine Mutter, die nach einem Fehlverhalten ihr Kind verliert und in einem staatlichen Programm beweisen muss, dass sie „würdig“ ist, Mutter zu sein. Was zunächst nach einer dystopischen Zuspitzung klingt, fühlt sich beim Lesen erschreckend nah an unserer Realität an. Besonders beeindruckend fand ich, wie das Buch zeigt, wie subtil Kontrolle funktioniert. Es geht nicht um offene Gewalt, sondern um ständige Beobachtung, Bewertungen, Protokolle und Erwartungen. Die Protagonistin steht unter permanentem Druck, jede Regung, jedes Gefühl und jede Reaktion zu rechtfertigen. Dabei wird deutlich, wie schnell Fürsorge in Überwachung kippen kann und wie hart gesellschaftliche Maßstäbe gegenüber Müttern sind – vor allem, wenn sie nicht perfekt funktionieren. Institut für gute Mütter ist für mich ein wichtiges Buch. Es stellt unbequeme Fragen über Mutterschaft, Schuld, Kontrolle und gesellschaftliche Erwartungen und lässt einen damit nicht so schnell wieder los. ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)
Spannende, z.T. langatmige Geschichte, dennoch klare Leseempfehlung! 🤗
Ich habe das Buch gern & schnell gelesen, jedoch muss ich sagen, dass mir der Mittelteil zu langatmig war. Die Beschreibungen der Lektionen der Mütterschule wurden mir irgendwann zu detailliert, da man sich das Setting bereits gut vorstellen konnte. Schöne Mutter-"Tochter"-Beziehung zwischen Frida und Emmanuelle, sehr gut gelungen und feinfühlig eingearbeitet. Auch die anderen Figuren im Buch bekamen eine nachvollziehbare Gestalt und man konnte sich gut vorstellen, wie Fridas Umfeld auf sie wirkt. Spannend fand ich auch die psychische Entwicklung von Frida im Laufe des Buches, zudem die aufmerksame, intersektionale Schreibperspektive - sehr gut gelungen. Eine klare Lese-Empfehlung! ✨️

Den Plot an sich fand ich gut, zeigt er doch sehr anschaulich was passieren kann, wenn sich Politik zu sehr ins Private einmischt. Allerdings bleibe ich hier gespalten zurück: Die Protagonistin hat mich genervt, vor allem, weil sie ihre Tat herunter spielt und sich als Opfer sieht. Auch hatte mir das Buch zu viele Längen und ich hab mir nach vielen positiven Stimmen einfach etwas anderes erwartet.
Ein Buch mit vielen guten Denkanstößen, das mich durch teilweise fragwürdige Aussagen bzw. Ansichten aber sehr ambivalent und unschlüssig zurücklässt
Jessamine Chan beschreibt in ihrer Dystopie eine Welt, in der Mütter und Väter für ihr Versagen als Eltern gegenüber ihrer Kinder ein Programm durchlaufen müssen, um am Ende eine bessere Mutter, ein besserer Vater zu sein. Dabei wird nicht unterschieden, was das jeweilige Elternteil getan hat - vom Vergessen, die Brotzeit mitzugeben, bis zum Schlagen und Vernachlässigen von Kindern ist alles dabei. So landet auch Protagonistin Frida in dem Programm für schlechte Mütter. Sie hat ihre 18 Monate alte Tochter über zwei Stunden alleine zuhause gelassen, um sich mit dem Auto kurz einen Kaffee zu holen, etwas auf ihrer Arbeit mitzunehmen und dabei die Zeit zu vergessen. Und hier sind wir schon beim Punkt, der mich wahnsinnig gestört hat. Diese Tatsache wird das gesamte Buch über als "besonders schlechter Tag" abgetan und relativiert, indem schlimmere Vergehen wie körperlicher Missbrauch dem gegenüber gestellt werden. Frida fühlt sich immer wieder ungerecht behandelt, da sie ja im Vergleich zu anderen nichts schlimmes getan hat und das jedem passieren könnte. Nein, es ist m.M.n. kein leichtes Vergehen, seine nicht einmal zweijährige Tochter so lange komplett unbeaufsichtigt alleine zurück zu lassen. Stellt sich nun die Frage, ob Fridas "Strafe" - das Institut für gute Mütter - gerechtfertigt ist. Das Buch und das Setting werfen viele extrem interessante Denkanstöße in den Raum: Was ist eine gute Mutter? Wie geht man mit bestimmten Situationen "richtig" um? Wer darf darüber entscheiden, welche Tat so schlimm ist, dass Eltern ihr eigenes Kind weggenommen wird? Ist es für das Kind besser, aus der Familie gerissen zu werden oder sind die eigenen Eltern nicht vielleicht doch die bessere Wahl? Wer hat überhaupt das Recht, darüber zu urteilen, wie Eltern in bestimmten Situationen handeln? Und wer hat das Recht zu entscheiden, bei wem ein Kind am besten aufgehoben ist? Dieser Aspekt des Buches hat mir wahnsinnig gut gefallen. Zudem versprühte das Setting des Buches leichte Vibes von "A Clockwork Orange" und "Einer flog über das Kuckucksnest". Ich bin mir unschlüssig, was die Autorin mit dem Werk aussagen möchte und finde es teilweise sehr fragwürdig, welche Dinge uneingeorndet im Text stehen bleiben. Dadurch kann ich das Buch nicht zu hundert Prozent empfehlen. Sicherlich ist es aber eine hervorragende Diskussionsgrundlage zu oben genannten Fragestellungen/Themen und wer sich seine eigenen Gedanken dazu machen möchte, wird hier gute Impulse finden.
8/10 erschreckende Zukunftvision oder doch schon Realität?
Das Buch „Institut für gute Mütter“ von Jessamine Chan ist ein eindringlicher und zugleich verstörender Roman, der eine erschreckend realistische Zukunftsvision zeichnet. Die Geschichte folgt einer Mutter, die nach einem drastischen Fehler in eine Einrichtung eingewiesen wird, in der sie lernen soll, den gesellschaftlichen Vorstellungen einer „idealen“ Mutter zu entsprechen. Ich brauchte am Anfang etwas Zeit um in das Buch reinzukommen und hatte erst Probleme die Protagonistin anzunehmen. Anfangs fand ich die Vorstellung einer solchen Einrichtung und dem dazugehörigen Programms eher absurd doch umso weiter ich im Buch voranschritt, desto bewusster wurde mir, dass wir uns dieses Konstrukt schon längst erbaut haben. Zwar gibt es diese Einrichtungen und die Programme nicht wirklich, jedoch verlangt die Gesellschaft schon jetzt ein Übermaß an Perfektion, erst recht von Frauen. Gerade wenn es um die Kindererziehung geht hat jeder etwas zu sagen und meistens trifft es die Frau dabei, denn: die Aufopferung des eigenen Lebens und die perfekte Umsetzung der Erziehung ist ja wohl das MINDESTE was von einer Frau verlangt werden kann wenn sie ein Kind bekommt, oder?
Da bin ich sehr zwiegespalten am Ende…
…ich habe jetzt am Ende wirklich keinen Charakter für den ich wirklich Verständnis aufbringen könnte. Der „wirklich schlechte Tag“ von Frida geht nunmal auch einfach gar nicht - egal wie geschlaucht ich bin, ich lasse meine Tochter nicht zwei Stunden alleine. Die Konsequenz im Anschluss: völlig absurd. Das zeigt wieder, jedes Extrem, egal in welche Richtung ist hoch problematisch. Ich hatte mir im Vorfeld etwas ganz anderes erwartet, dennoch fand ich es stellenweise interessant - absurd, aber interessant. Die dargestellte totalitäre Überwachung der Mutterschaft ist beängstigend….andererseits leben wir aktuell in einer Gesellschaft in der jeder ohne Wenn und Aber Kinder in die Welt setzen darf, man aber für einen Hund einen Führerschein haben muss - auch irgendwie absurd. Ich bin unschlüssig und eine Bewertung fällt mir schwer.
In „Institut für gute Mütter“ begleiten wir Frida durch eine Welt, in der sich Eltern, die durch den Staat als „schlechte Eltern“ eingestuft werden, in Erziehungsanstalten rehabilitieren können. Jessamine Chan hat mit diesem Buch eine erschreckende, interessante und durchweg spannende Geschichte geschaffen. Der relativ nüchterne Schreibstil hat mir im Zusammenhang mit der emotionsgeladenen Thematik sehr gut gefallen.Dennoch konnte man sich gut in Frida hineinversetzen und, auch wenn ich viele ihrer Handlungen nicht gutheißen konnte, konnte ich nachvollziehen, warum sie bestimmte Dinge getan hat. Allerdings, so nah ich Frida war, so unnahbar blieben für mich die anderen Charaktere. Dadurch, dass man nur aus Sicht der Protagonistin liest, erfährt man wenig bis nichts über die Gedanken- und Gefühlswelt der anderen Charaktere, wodurch diese relativ blass bleiben. „Institut für gute Mütter“ hat mich gut unterhalten und ich bin relativ schnell durchgekommen. Man sollte beim Lesen allerdings in der richtigen mentalen Verfassung sein, da das Buch, meinem Empfinden nach, eine durchweg deprimierende Grundstimmung hat. Es handelt sich definitiv nicht um ein Gute-Laune-Buch.
Puuuuh, was für eine Geschichte.... Ich weiß noch nicht genau was sie mit mir macht, darum erstmal 3,5 Sterne... 29.04.2024
Meine Erwartungshaltung an die Geschichte und die tatsächliche Geschichte der Protagonistin gingen weit auseinander... Ich hatte erwartet, dass die Protagonistin "unschuldig" verurteilt wurde. Sie ließ aber ihr Baby für einen längeren Zeitraum allein Zuhause, weil sie als alleinerziehende, berufstätige Mutter überfordert war-und sie war nicht in Hörweite im Garten sondern auf der Arbeit und mit dem Auto unterwegs. (Ich kann die Überforderung nachvollziehen, aber ein Baby komplett unbeaufsichtigt zu lassen... Sorry, das geht halt nicht, von daher ist es gut, dass es dafür Konsequenzen gab... Jedoch ist die Frage, ob das "Institut für gute Mütter" mit ihrem negativen Merksatz und fragwürdigen Praktiken und Aufgaben der richtige Weg ist. Die Autorin bedient einige Klischees (kinderlose Aufseherinnen, die gefühlskalt und herzlos agieren und ja überhaupt keine Ahnung hätten was Mütter alles durchmachen müssen...Das Institut für gute Väter behandelt die Männer nicht so schlecht wie das weibliche Pendant...Das fand ich ein wenig unfair, weil ich glaube, dass Väter sich doch mehr beweisen müssen, um als genauso "wertvoll/gut" wie eine Mutter betrachtet zu werden, bei Müttern hat man da eher so ein "Vorschussvertrauen"... Meiner Meinung nach. ) Diese Thematik berührt bei mir wunde Punkte und es war mir im Vorfeld bewusst, dass ich das Buch vermutlich lieben oder hassen werde. Aber es ist tatsächlich ein "weder noch". Die Geschichte ist durchgehend spannend! Nach ca 2 Std des Hörbuchs hatte ich dann auch meinen Frieden mit Frida geschlossen, die mir wirklich unsympathisch war durch ihre Aktion (wieso hat sie sich nicht rechtzeitig Hilfe geholt?! Es gab so viele Möglichkeiten... Ja, sie hatte kaum noch Freundinnen dadurch dass alle Kinder bekamen, aber man kann sich ja auch Babysitter suchen, bevor es so extrem innerlich eskaliert). Zum Schluss mochte ich sie tatsächlich, aber hätte gehofft, dass sie weitsichtiger versucht Probleme zu lösen (ich möchte an dieser Stelle nicht spoilern). Ich würde dieses Buch Fans von Margaret Atwoods "Handmaid's Tale" empfehlen. Ich lasse das Buch sacken und höre es mir vielleicht noch einmal an, vielleicht empfinde ich das eine oder andere dann doch anders und kann ich dann eine bessere Bewertung abgeben. Lesenswert finde ich es schon sehr!!
Eine eindrückliche, beklemmende Dystopie darüber, was passiert, wenn der Staat sich in Erziehungsaufgaben einmischt. Gruselig!
Kinderschutz auf die Spitze getrieben Diese Dystopie von Jessamine Chan, die auch ihr Debüt ist, hat mich berührt, verstört und wütend gemacht. Ich musste dieses Buch ( in meinem Fall das Hörbuch) ganz oft eine Weile an die Seite legen, weil ich die Geschichte kaum ertragen konnte. In einem recht nüchternen Schreibstil erfahren wir von der schleichenden Entwicklung eines Gesellschaftssystems, dass sich anmaßt zunehmend in den privaten Bereich der Erziehung massiv einzugreifen. Dass zu lesen, ist beängstigend und verstörend und leider gar nicht so undenkbar. Aus Sicht von Frida, der alleinerziehenden Mutter der 18 Monate alten Harriet erfahren wir, wie ihr „richtig schlechter Tag“ in der Katastrophe mündete. Nachdem ihr Baby aufgrund einer Mittelohrentzündung schon den ganzen Tag durchgeschrien hatte, entschloss sie sich kurz zu ihrer Uni zu fahren, um Unterlagen für ihr Homeoffice zu holen, die sie vergessen hatte. Letztendlich ließ sie ihr Kind zwei Stunden unbeaufsichtigt, und das blieb in der Nachbarschaft nicht unbemerkt. Frida wurde bei der zuständigen Kinderschutzbehörde angezeigt. Wie Frida dann von ihrer Freundin und Anwältin erfährt, passierte dieser Vorfall zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Von staatlicher Seite hatte man die Kinderschutzbehörde gerade reformiert, und mit neuen Befugnissen ausgestattet. Viel schneller als früher war die Behörde nun berechtigt „unfähigen“ Eltern ihre Kinder zu entziehen, und diese zu einem neuen 1jährigen Schulungsprogramm zu zwingen. Natürlich war dieses Programm ein „freiwilliges“ Angebot, aber ein Muß für jeden, der die Chance erhalten wollte, sein Kind jemals zurück zu bekommen. Das ewige Mantra dieser Schule, und das spricht schon für sich, lautete: „Ich bin eine schlechte Mutter, aber ich lerne eine Gute zu sein.“ Mit Hilfe von KI Puppen soll Frida in dem Institut nun all die Kompetenzen erlernen, die eine gute Mutter ausmachen, während Frida‘s Exmann derweil das vollständige Sorgerecht für Harriet bekommt und sich zusammen mit Susanna seiner neuen Frau um deren Wohlbefinden kümmert. Der Roman ist bitterböse und provokant und weist deutlich auf Missstände in den USA, dem Heimatland Chan’s hin. Höchst fragwürdige, oft antiquierte Erziehungsmethoden werden unter totaler Überwachung, inklusive ständiger Gehirnwäsche mit den Puppenkindern trainiert. Misserfolge werden sofort sanktioniert. Gerne werden z.b Telefongespräche nach Hause für mehrere Monate gestrichen. Neben dem Institut für Frauen, gibt es auch noch eine weitere Schule für Männer, natürlich mit wesentlich lockereren Regeln. Eins lernt Frida recht schnell, nämlich, das von ihr erwartet wird eigene Bedürfnisse komplett aufzugeben. Eine Mutter hat sich vollkommen aufzuopfern. Für diese Geschichte braucht es einen etwas längeren Atem, und sie ruft natürlich vielerlei Emotionen hervor. Ich fand diese erschreckende Dystopie sehr gelungen.
Gute Idee, nicht ansprechender Schreibstil
Ich lese Romane nicht nur der Handlung wegen sondern auch wegen des Schreibstils und gut ausgereifter Charaktere. Beides hat mir bei diesem Buch gefehlt. Der Schreibstil ist stakkatohaft und die Charaktere sehr einseitig. So eine spannende Idee, aber leider fehlt einiges für mich um 5 Sterne zu vergeben.
Regt definitiv zum nachdenken an.
Ich hatte noch nie vom Buch gehört, hatte keine Erwartungen und bin positiv überrascht worden. Es ist eine Art Dystopie, wobei das nicht stimmt. Nur ein Teil ist dystopisch. Fakt ist aber, es hat mich sehr zum nachdenken angeregt. Denn ein Institut für Mütter, in dem an Puppen gutes Muttersein geübt wird.. das ist schon ein Ding. Kann das Buch gar nicht beschreiben. Man muss es einfach gelesen/gehört haben.
Frida ist seit Kurzem alleinerziehende Mutter und mit der Situation aktuell überfordert. Ihre Tochter Harriet schreit, sie ist übermüdet und sehnt sich nach einem kurzen Moment Ruhe… so kommt es dazu, dass sie Harriet für eine Stunde alleine lässt… und ein offensichtlich ‚besorgter‘ Mensch aus der Nachbarschaft dies meldet. Und hiermit beginnt für Frida die eigentliche Odyssee. Sie verliert das Sorgerecht und Harriet kommt zu ihrem Ex Gust und seiner neuen Freundin Susanna (die natürlich blutjung ist, wunderbar Torten von Genitalien lecken kann und immer die besten Ernährungstipps parat hat). Für die potentielle Chance, dass Frida das Sorgerecht irgendwann zurückerhält, soll sie zusätzlich für ein Jahr am Institut für gute Mütter lernen, eine gute Mutter zu sein. Dazu ist es zunächst einmal wichtig, dass sie erkennt, eine wie schlechte Mutter sie eigentlich ist. Aus Sicht des Instituts ist das Wiederholen des Satzes „Ich bin eine schlechte Mutter, aber ich lerne, eine gute zu sein.“ hier besonders wirkungsvoll. Außerdem erhalten die Mütter eine KI-Puppe, mit der sie u.a. ‚Mutterisch‘, oder ‚korrekte‘ Umarmungen trainieren sollen. Das alles unter ständiger Überwachung und Bewertung… und mit der Ungewissheit, was nach dem Jahr im Institut auf sie warten wird. „Institut für gute Mütter“ ist eine erschreckende Dystopie, die aber teilweise so realistische Züge aufweist, dass es um so erschreckender ist. Man leidet mit Frida, fühlt sich mit ihr gemeinsam überwacht, in ständiger Angst vor der nächsten willkürlichen Entscheidung und Schikane der Aufseherinnen und wütend über all die Ungerechtigkeiten. Insgesamt war das Buch für mich dennoch kein Highlight, da viele Themen angeschnitten, aber dann eher oberflächlich abgehandelt werden (Rassismus, Ungleichbehandlung der Geschlechter etc.). Irgendwie bleibt so das Gefühl zurück, dass einerseits irgendwas fehlt und andererseits Klischees, die ja eigentlich kritisiert werden sollen, zum Teil reproduziert werden (beispielsweise durch die Darstellung von Susanna). Andererseits sehe ich neben der emotionalen Berührungskraft das Potential, durch diese Geschichte eine Reflexion über den (öffentlichen) Umgang und das Urteilen über Mütter und ihre verschiedenen Arten des Mutterseins anzustoßen.
Gute Mütter, Schlechte Mütter
Für den Staat ist Frida eine schlechte Mutter. Denn um etwas auf der Arbeit zu erledigen, ließ sie ihre fast zweijährige Tochter Harriet allein zu Hause. Die Sachbearbeiterin entscheidet daher ohne große Diskussion, dass Frida an einem neuen Programm teilnehmen muss, bei dem sie lernen soll, eine gute Mutter zu werden. Obwohl die menschenrechtlich fragwürdigen Regelungen sowie der Einsatz von Roboter-Kindern und Überwachungssystemen im Programm dystopisch anmuten, legt der Text den Finger in sehr aktuelle Wunden. Während - aber vor allem nach der Lektüre - stellte ich mir daher viele Fragen zum Thema Mutterschaft, die durch das überspitzte Szenario aufgeworfen werden: Wer sollte entscheiden, was für das eigene Kind am besten ist? Gibt es ein Allheilmittel für die Kindererziehung? Sorgen Überwachung und Gluckenhaftigkeit für eine gute Bindung? Dürfen Mütter auch mal egoistisch sein oder muss das Kind immer an erster Stelle stehen? Der Plot findet darauf eindeutige Antworten, die einen aber nur bedingt weiterbringen. Oft war ich einfach nur schockiert und wütend über die Herzlosigkeit der Sozialarbeiterinnen, Betreuerinnen und Richterinnen. Da es scheinbar 400 Seiten lang nur darum geht, Frida und die anderen Mütter emotional zu foltern, nutzte sich die Wirkung des Programms auf mich als Leserin zunehmend ab. Dazu kommt, dass jegliches Hinterfragen und jeder Widerstand mit dem Totschlagargument „Wir nehmen dir dein Kind weg und isolieren dich von der Gesellschaft“ zunichtegemacht wird. Das ist natürlich nicht unrealistisch, die Figuren und somit auch der Plot drehen sich dadurch allerdings oft im Kreis. Ein Thema, welches mich noch lange beschäftigen wird. Für die Geschichte trifft das aber leider eher nicht zu.
📚 Inhalt Frida begeht einen Fehler, der ihr Leben komplett auf den Kopf stellt. Sie lässt ihr Baby Harriet alleine Zuhause. Frida konnte das schreien ihrer Tochter nicht mehr aushalten und wollte sich eine halbe Stunde Ruhe gönnen. Doch ihre Tat bleibt nicht unentdeckt, denn die Nachbarinnen alarmieren die Polizei. Und so beginnt Fridas Ausbildung im «Institut für gute Mütter». Die schlechten Mütter, die dort landen, müssen sich einem extremen Bildungsprogramm unterordnen und lernen an humanoiden Robotern, eine gute Mutter zu sein. Dabei stehen die schlechten Mütter unter enormem Druck, da sie ihre leiblichen Kinder nicht sehen dürfen und unklar ist, ob sie sich je wieder um ihre Kinder kümmern dürfen. Frida muss ein Jahr im Institut verbringen. Eine lange Zeit, ohne Harriet sehen zu dürfen. Aber das ist nicht die einzige Herausforderung, denn eine gute Mutter sollte sich selbst fast komplett vergessen. 📖 Meinung Das Buch wurde mir von reado vorgeschlagen und das war nach längerer Zeit wieder mal ein Vorschlag, der super gepasst hat. Ich fand Fridas Geschichte von Anfang an super spannend und konnte mir nicht vorstellen, wie sie sich fühlen muss. Für mich wurden die Gefühle von Frida sehr gut transportiert und ich konnte die Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Frustration sehr gut nachvollziehen. Frida teilt immer wieder Gedanken, die mich auf den ersten Blick abgestossen haben. Aber, überlegt man sich, in welcher Situation Frida ist, fand ich ihre Gedanken und Handlungen legitim. Sie würde alles tun, um ihre Tochter wieder zurück zu bekommen und sie endlich wieder sehen und berühren zu dürfen. Aber auch ihre Beziehung zu ihrer humanoiden «Tochter» hat mich gefesselt. Generell finde ich das Thema sehr interessant. Wie wäre es, wenn sich der Staat tatsächlich so sehr in die Kindererziehung einmischen würde? Natürlich, Frida hätte ihre Tochter nicht alleine Zuhause lassen dürfen. Aber dass sie danach direkt ihr eigenes Kind ein Jahr nicht sehen und kaum mit ihr telefonieren darf? Das ist sicherlich too much. Doch genau diese Gedankenspielereien gefallen mir gut. Ich mag dystopische Bücher mit Realitäten, die gar nicht so weit weg von unserer sind. Ich kann das Buch wirklich nur weiter empfehlen, ich war super unterhalten und war sehr interessiert.
Wow, was für ein ergreifend das Buch. Die Geschichte des Romans zeigt auf jeden Fall dass wir das wertschätzen sollten was wir haben. Und nicht höher schneller weiter, denn das Leben kann sich ganz schnell ändern. In diesem Roman geht es um Kindesentzug mit dramatischen Folgen und eben dem Institut für gute Mütter.
EINEN RICHTIG SCHLECHTEN TAG Einen solchen hat die 39jährige Frida Liu als aus dem Homeoffice in ihr Universitätsbüro fährt, um Unterlagen zu beschaffen und den Kopf frei zu bekommen und dabei ihre Tochter, die 18 Monate alte Harriet in einer Art Laufstahl allein zu Hause zurück lässt und diese solange schreit, bis eine Nachbarin den Notruf verständigt. Frida, die Tochter chinesischer Einwanderer, besitzt einen kulturwissenschaftlichen Universitätsabschluss und fasst wissenschaftliche Paper verschiedene Disziplinen für ihren Chef zusammen. Seit kurzem lebt sie getrennt von Gust, dem Vater von Harriet, der sich in eine jüngere Frau verliebt hat und teilt sich das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter mit ihm. Stress, Überforderung und Müdigkeit bringen Frida an diesem Wochenende, an dem Harriet aufgrund einer Erkrankung kaum geschlafen hat und Frida eine Deadline im Nacken sitzt dazu, nur „für 20 Minuten“ einmal rauszukommen. Aus den geplanten Minuten werden zwei Stunden, die mit einem Anruf der Polizei enden, dass man in ihre Wohnung eingedrungen sei und das vereinsamte Kind an sich genommen habe. Im weiteren Verlauf wird Frida – zuerst nur vorläufig - das Sorgerecht entzogen und Harriet lebt vorerst bei ihrem Vater und dessen Partner*in Susanna. In der Zeit bis zur gerichtlichen Entscheidung über das weitere Vorgehen soll Frida beweisen, dass sie eine gute Mutter und keine Gefahr für ihr Kind ist. Um die Daten für diese Entscheidung zu sammeln, wird sie fortan in ihrer Wohnung durch Videokameras überwacht, die jegliche Handlungen und Gefühlregungen aufzeichnen; sie muss im Rahmen von jeweils einstündigen, durch das Jugendamt begleitete Aufeinandertreffen mit Harriet, die immer wieder kurzfristig verschoben werden, beweisen, dass in der Lage ist, auf Knopfdruck mit ihrer Tochter in angemessener Weise umzugehen und ihre Biografie wird durchleuchtet. Am Ende zahlt sich der Verlust der Privatsphäre und ihrer Persönlichkeitsrechte nicht aus und das Gericht entzieht ihr das Sorgerecht für ihr Kind. Die einzige Möglichkeit, das rückgängig zu machen, so das Gericht, bestünde in einem einjährigen Seminar am titelgebenden „Institut für gute Mütter“. Hier sollen Frauen „wie Frida“, die als Gefahr für ihre Kinder eingestuft werden, lernen, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, technisch-effizient Liebe auszustrahlen und das Kind adäquat zu behandeln. Besagtes Institut gleicht dabei eher einem Gefängnis: Die Frauen tragen Uniformen, werden bestraft, überwacht und entmündigt. Ziel ist es, im Jahr des Aufenthaltes in der Interaktion mit einer lebensechten KI-Puppe, die alles aufnimmt, zu beweisen, dass man den gesellschaftlichen Vorstellungen einer „guten Mutter“ gerecht werden kann. Jessamine Chan hat ein literarisches Gedankenexperiment darüber verfasst, was passieren würde, wenn in einer patriarchalen und rassistischen Gesellschaft das Wohl des Kindes zum obersten aller Werte ausgerufen werden würde. Vom Backlash in überholte Mutterschafts- und Weiblichkeitsbilder, einem durch Autoritäten und Insass*innen rassistisch und klassistisch geprägten Mikrokosmos und dem Bild, das wir von Kindern und Erziehung haben erzählt Chens Dystopie mit sachlich-distanzierter Sprache. Die Leser*innen erleben, wie Frida jede neue Demütigung und jeden neuen Tiefschlag akzeptiert, die eigene Würde dem Ziel unterordnet, ihr Kind zurückzuerhalten und sich zunehmend in das gesellschaftliche Narrativ fügt, dass die Daseinsberechtigung der Mütter im Wohl ihrer Kinder begründet liegt. Dabei beruht das zugrundeliegende Erziehungsideal keineswegs auf einer reinen und radikalen Form von Bedürfnisorientierung, als vielmehr auf einem sehr technokratischen Verständnis von Erziehung und Bindung. Für jede Emotion gibt es so die richtige Umarmung, mit der richtigen Länge; das Kind muss binnen zwei Minuten zum Einschlafen gebracht werden usw. So werden nicht nur die Mütter in Chens Roman entmenschlicht, sondern auch ihren Kindern wird keinerlei Individualität und unbestimmte Bildsamkeit zugestanden. Chans Dystopie ist eigentlich eine negative Geschichte weiblichen Empowerments, denn sie beginnt mit dem eigentlichen Akt des Aufbegehrens, in dem Frida sich den gesellschaftlichen Erwartungen permanenter, mütterlicher Verfügbarkeit entzieht. Der Roman bietet viele Ansatzpunkte, über Elternschaft, (antiasiatischem) Rassismus, Klassismus, Sexismus zu sprechen, krankt allerdings in meinen Augen ein wenig an genretypischen Aspekten. Zwar ist der Ansatz Chans, ihre Welt auf das Kindeswohl auszurichten origineller als (in meinen Augen) die x-te Neuauflage von „1984“, weist Parallelen zu Atwoods großartigen Romanen „Report der Magd“ und „Die Zeuginnen“, bedient das Erzählkonventionen des Gefängnisdramas und doch wirkte es punktuell auf mich, ähnlich wie bei anderen Dystopien, so, als müsse man zwingen in hoher Taktzahl, die eigene Einfallskraft in Form der nächsten skurrilen Eigenheit der beschriebenen Gesellschaft unter Beweis stellen. Aber das mag in Teilen auch meiner persönlichen Abneigung gegenüber diesem Gerne begründet sein, in dem „Das Institut für gute Mutter“ definitiv einen der besseren Plätze einnimmt und z.B. weitaus klüger daher kommt als vergleichbare Texte des Megaseller-Autors Dave Eggers. Aus dem Englischen von Friederike Höfert
Frida Liu hat einen "sehr schlechten Tag" als sie ihr Baby Harriett für mehrere Stunden allein lässt. Ihr wird direkt das Sorgerecht entzogen und sie kommt für 12 Monate in ein Trainings-/Bootcamp mit weiteren schlechten Müttern, die ihre Kinder mit Zigaretten verbrannt haben oder allein zur Schule gingen ließen. Ihnen werden lebensechte Puppen als "Übungsobjekte" vorgesetzt, die u.a erst von den Gruppenleiterinnen geschlagen werden, damit die schlechten Mütter innerhalb weniger Minuten unter Beweis stellen können, dass sie ihre Kinder auf (für das Institut angemessene Weise) trösten können. Eindringlich und mit knapper, nüchterner Sprache schildert die Autorin in diesem dystopischen Roman die harte Realität vieler Mütter: Sie können nur verlieren. Leider ist es mir aufgrund der knappen Sätze und der Emotionslosigkeit nicht gelungen, dem ganzen Geschehen innerhalb des Institutes folgen zu können. Es brodeln viele kleinere Konflikte innerhalb der Frauengruppen, die aber nur in Nebensätzen als Rückblende erwähnt werden. Deswegen ist mir die ganze Handlung etwas zu sehr an der Oberfläche geblieben.
Gute Idee, aber
Gute Mütter ohne Fehler sind Mangelware und endlich greift das Jugendamt durch. Eine gute Idee, die überspitzt umgesetzt wurde, aber durch die nervige und jammernde Hauptfigur, die mit ihrem Leben überfordert wirkt, kommt kein Mitgefühl und keine Nähe auf. Daher eher anstrengend und enttäuschend
Ein richtig schlechter Tag und dann...?!
Puh, was für ein Buch! Ich habe das Buch gerade beendet und meine Gedanken kreisen noch. Die 39jährige Frieda hat einen "richtig schlechten Tag" und lässt ihre Tochter Harriett unbeaufsichtigt Zuhause . Als Konsequenz muss sie im "Institut für gute Mütter", einer staatlichen, absoluten Institution, ihre Fähigkeiten als Mutter unter Beweis stellen. Das Buch zeichnet eine dystopisches Szenario von einer Welt, in der die Frauen als perfekte Mütter funktionieren müssen. Der Roman ist auf eine erschreckende und aufrüttelnde Art und Weise absolut spannend. Klare Leseempfehlung, aber definitiv nichts zur leichten Unterhaltung.
Kinderschutzbehörde - erschreckende Dystopie - lesenswert
Also das Buch hat es in sich, die Hauptperson, die alleinerziehende Frida wird für 2-stündiges Alleinlassen ihrer 18 Monate alten Tochter bestraft. Die Kleine kommt zu ihrem Vater und Frida muss für ein komplettes Jahr in ein Umerziehungscamp, die sogenannte Mutterschule. Und hier wird es mit zugeteilten KI-Kindern richtig schwierig bis fast unmöglich alles richtig zu machen und damit wieder „Mutterrechte“ an der Tochter durch den Staat zu erhalten. Teilweise echt verstörend, aber doch immer relativ spannend zu lesen, das Ende allerdings hat mich leicht irritiert und sprachlos zurückgelassen. Durchaus lesenswert!
Naja, leider enttäuschend
Diesem dystopischen Bildungsroman liegt eine fantastische Idee zugrunde: Die alleinerziehende Frida ist mit ihrem schreienden Baby (und ein bisschen mit ihrem Leben) überfordert, wie man es halt so ist als junge Mutter. Sie lässt die kleine Harriet kurz alleine zu Hause, was sie nicht hätte tun sollen. Jemand aus der Nachbarschaft verständigt die Polizei - ein Albtraum beginnt: Frida verliert die Obhut und wird in das Institut für gute Mütter eingeliefert, wo sie während der Dauer eines Jahres und mithilfe einer KI-Puppe eine bessere Mutter werden soll. Das Jahr im Institut wird dann ein bisschen gar lang, explizit und ausführlich beschrieben: Und trotzdem gelingt es der Autorin, Jessamine Chan, die aktuellen Fragen rund um Mutterschaft, Erziehung, Doppel- und Dreifachbelastungen und Frausein aufzugreifen und beiläufig brillant abzuhandeln. Lesenswert 👍👍👍
Eine Geschichte, die einen berührt und gleichzeitig das gruseln lehrt. Eine Dystopie, die mir mit einem Blick nach draussen gar nicht mal so unwahrscheinlich erscheint.
Frida ist geschieden. Sie hat das geteilte Sorgerecht mit dem Vater. Sie hat eine zweijährige Tochter. Beim Versuch, alles unter einen Hut zu bringen, den Schmerz, betrogen und verlassen worden zu sein, zu überwinden und einfach zu funktionieren, hat sie wie viele andere auch einen schlechten Tag. Ihre Tochter ist krank. Sie schreit und Frida möchte nur kurz Ruhe haben. Nur eine Stunde. Was soll da schon passieren? Viel, und ihr wird die Tochter weggenommen. Eine wirklich eindringliche Geschichte, die den Lesern ihre Vorurteile vor Augen führt. Bis zum Schluss weiss ich auch nicht, was ich von der Protagonistin halten soll. Sie ist doch so distanziert. Aber trotz all ihrer Fehler ist die Ungerechtigkeit, die ihr geschieht, zum Verzweifeln. Bis zum Schluss habe ich mitgefiebert. Ich habe gehofft, dass sich jemand erbarmt. Auch die anderen Frauen hatten keine schwarz-weißen Charaktere. So ist es auch im wahren Leben. Es ist eine beeindruckende Geschichte, die aus einem neuen Blickwinkel erzählt wird.
Böser Perfektionismus, guter Perfektionismus?
Mann, ich hab mich durch das Hörbuch ganz schön durchgequält und frage mich jetzt schon: Wozu eigentlich ? Der Grund war die Hauptprotagonistin Frida, die mich in ihrem Selbstmitleid, ihre Emotionalität so genervt hat, dass ich mich oft dabei ertappte, den Trainerinnen des dystopischen Mütter-Trainings-Camps zustimmen zu wollen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht die Absicht der Autorin war. In diesem Buch wird die Erwartungshaltung an Mütter kritisiert, die vor allem in den USA, wo fundamentale Christen mehr und mehr an Macht gewinnen, auch tatsächlich zunehmend unrealistisch perfektionistischen Ansprüchen genügen muss. Meiner Ansicht nach hat Jessamine Chen dem aber ihre, genauso toxische, Vorstellung von perfekter Mutter in Gestalt der Protagonistin gegenüber gestellt. Eine Frau, die ihr Kind immer und überall bedingungslos liebt. Die jede Sekunde (Zitat) an ihre Tochter denkt und ohne diese nicht mehr existiert. Eine Frau, deren gesamter Lebensinhalt ihre Kinder sind. Die stets mitfühlend und verständnisvoll und liebevoll mit all ihren Mitmenschen ist. Die sich unablässig selbst kritisiert und mit Vorwürfen kasteit. Die in jedem Moment leidet. Und dies auch ununterbrochen kundtut. Und wenn sie dann in Telefongesprächen mit ihrer 18Monaten alten Tochter wieder und wieder sagt, wie sehr sie sie vermisst und wie leid es ihr tut und dass sie wisse, wie traurig diese Tochter doch sei, dann frage ich mich, wessen Bedürfnis sie da eigentlich befriedigt? Ihrer Tochter bürdet sie damit eine unglaubliche Last auf. Und wenn sie ihr Vergehen ( ihre 18 Monate alte Tochter 2,5 Stunden allein in der Wohnung gelassen zu haben!!!) immer als wirklich schlechten Tag bezeichnet und glaubt, dass die anderen Mütter doch viel Schlimmeres getan hätten, dann stirbt in mir das letzte bißchen Mitgefühl für diese Frau. ⭐️⭐️
Squid Game trifft report der Magd
Also ganz im Ernst dieses Buch hat mich sprachlos zurückgelassen. Es war so eine verrückte packende Story mit so viel berechtigter Kritik an unserer Gesellschaft, dass ich wirklich sehr sehr viel zum Denken bekommen habe. Die Autorin schafft es den heutigen Geist der Zeit erschreckend genau und überspitzt zu treffen , um uns klar zu machen wie verrückt und differenziert unsere Gesellschaft gegenüber Frauen und Männern im Bezug auf jegliche Probleme oder Situationen mit diesen umgeht. Das einzige, was mir nicht so gut gefallen hat (weil es zu realistisch und zu echt war, also nicht wirklich ein Kritik Punkt sondern nur für mein Happy End Herz ein Kritik Punkt) ist das Ende, es hat mich nur noch trauriger zurückgelassen. Jeder dem squid game oder Report der Magd gefallen hatte, sollte dieses Buch definitiv lesen. Nur eine kleine Warnung von meiner Seite aus: falls ihr Kinder haben wollt, lässt es euch diesen Wunsch sehr überdenken 🤯🥲😅
Eine sehr schwere Kost, nichts für zarte Gemüter
Ich durfte das Buch "Institut für gute Mütter" von Jessamine Chan aus dem Ullstein Verlag lesen. Allerdings muss ich wirklich sagen, dieses Buch hat es in sich. Ich kann absolut verstehen, warum es einige Leser:innen abbrechen. Ich hatte auch so meine Schwierigkeiten damit, wollte aber unbedingt wissen, wieso, weshalb und warum es so ist wie es ist in dem Buch und bin dann nach ca. 1/3 auf das Hörbuch davon umgestiegen. Und das war dann auch soweit ok für mich. Das Hörbuch ist im Hörbuch Hamburg Verlag erschienen und wird von Sandra Voss gelesen, die dem ganzen teils nicht sehr angenehmen Inhalt doch noch eine sehr angenehme Stimme geben kann. Im Buch selbst werden viele Inhalte besprochen. Den Klappentext setze ich im übrigen wieder in die Kommentare. Es geht hier um Frida, eine alleinerziehende Mutter, die sich, nachdem sie ihr Baby eine Stunde unbeaufsichtigt ließ, in eine Art Besserungsanstalt für Mütter wiederfindet. Danach soll sie, so wird ihr zumindest suggeriert, wenn sie sich ein Jahr gut bewährt und schön brav ist, nach einer neuen Anhörung das Sorgerecht für ihre Tochter zurück erhalten. Diese Anstalt ist eine Tortur für alle Frauen, die dort gleichzeitig mit Frida ankommen. Und jede kleinste Kleinigkeit wird mit der für die Frauen schlimmsten Strafe bestraft, dem Entzug der wöchentlichen 10 Minuten zum telefonieren mit ihren Kindern. Also, es handelt sich bei diesem Buch ja um eine Dystopie von Frau Chan, allerdings musste ich stellenweise doch schon recht schlucken. Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies wirklich ihr erstes Buch ist. Das ist echt heftig. Aus diesem Grund habe ich mir ihre Instagramseite auch etwas genauer angesehen und war total erschrocken, dort diese KI, also diese Roboter-Kinder, die die Frauen in der Anstalt in dem Roman zum "üben" bekommen, zu sehen, es gibt so etwas also tatsächlich! Oh.mein.Gott. Zum Fazit ist zu sagen, ich glaube, ohne die Möglichkeit des Hörbuchs hätte ich mich vermutlich nicht weiter durch die 432 Seiten gekämpft. Aber ich wollte doch gern zum Ende kommen und wissen, wie die ganze Geschichte ausgeht. Ansonsten hätte ich sehr wahrscheinlich abgebrochen. Es ist schon sehr schwere Kost und nicht für jeden zu empfehlen. Danke, dass ich dieses Buch lesen durfte, es war auf alle Fälle eine Erfahrung für mich. Ich gebe dem Roman dennoch ⭐️⭐️⭐️ #unbezahltewerbung #rezensionsexemplar
Gust verlässt Frieda kurz nach der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter Harriet. Das Sorgerecht teilen sich die beiden und dennoch verläuft das Leben der beiden Elternteile in komplett unterschiedliche Richtungen. Während Gust sich mit seiner neuen Freundin Susanna ein neues Leben aufbaut, läuft es bei Frieda eher schlecht als Recht. Vor allem der berufliche Wiedereinstieg verläuft holprig und Frieda schafft es nicht immer von ihrem Chef gesetzte Fristen einzuhalten. Zusätzlich baut die Erziehung von Harriet (18 Monate alt) Druck auf. Die Gesamtkonstellation lastet schwer auf Friedas Schultern, die Mutter sehnt sich nach einer Auszeit und etwas Ruhe. Eine falsche Entscheidung verändert alles. Frieda lässt Harriet alleine in der Wohnung, um eine Erledigung für die Arbeit zu tätigen. Ihre Überforderung lässt ihr keinen Raum mehr um einen klaren Gedanken zu fassen. »Frieda erinnert sich an den Frust und die Angst, die sich an diesem Morgen angestaut hatten, an das Bedürfnis nach einem kurzen Augenblick Ruhe. An den meisten Tagen gelingt es ihr, sich aus dieser Stimmung zu befreien« (S. 23). An dem Tag an dem Frieda es nicht schafft, sich aus dieser Stimmung zu befreien, schlägt das totalitäre Regime zu, entzieht ihr das Sorgerecht für Tochter Harriet und steckt Frieda in ein Erziehungslager, welches sich als »Institut für gute Mütter« betitelt. Jessamine Chan entführt uns im »Institut für gute Mütter« in eine dystopische Welt, in der Menschlichkeit sehr sehr klein geschrieben wird. Dabei begleiten wir Frieda, die für mich als Figur schwer zu fassen ist. Schnell wird klar, durch die Lebensumstände muss die Protagonistin ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellen. Insgesamt läuft gefühlt auch alles schief. Das Buch ist erdrückend und gleichzeitig hat es auch eine witzig-skurrile Art an sich. Diese Mischung hält die Autorin durch das ganze Buch aufrecht, dadurch wird die Lektüre zu einem rasanten Pageturner. Mich konnte »Institut für gute Mütter« vor allem überzeugen, da die Verzweiflung deutlich spürbar war und sich mit jeder Seite weiter zuspitzt. CN: Homophobie, Misogynie, Kindeswohlgefährdung, Gewalt an Minderjährigen, emotionale Unterdrückung, emotionale Gewalt, Gaslighting, Suizid, Rassismus.
Die Tochter der Protagonistin ist 18 Monate alt. Mein Sohn ist 14 Monate alt. Ich. Fühle. Sie. So. Sehr. Ich hab lange nicht mehr bei einem Buch geweint, doch „Institut für gute Mütter“ hat es geschafft. Solange strukturelles Versagen auf den Schultern der Mütter abgeladen wird, sind wir nicht weit entfernt von dieser Realität. Und das macht es nur umso trauriger.
Mega spannende Dystopie - ein Überwachungsstaat, der das Wohl des Kindes an erster Stelle setzt.
Endlich Mal wieder eine Dystopie, die ihre Idee bis zum Ende verfolgt und dabei die Protagonistin nicht aus dem Auge verliert. Ein kleiner Fehltritt in der Kinderbetreuung und den Eltern wird das Sorgerecht entzogen, bei tadelloser Absolvierung eines Erziehungskurses kann das Sorgerecht zurück erlangt werden. Die Idee hinter der Geschichte hat mich sofort vereinnahmt. Aber auch die Umsetzung ist gelungen. Durch die personale Erzählweise schwinge ich emotional mit Frida, die einen schlechten Tag hatte und ihre Tochter für zwei Stunden im Activity-Center gesichert zu Hause zurücklässt. Ein einjähriger Kurs, um ihre Qualitäten als Mutter zu beweisen, ist ihre einzige Chance ihre Tochter zurückzubekommen. Sie ist keine Minute mehr unbeobachtet und alle Reaktionen werden aufgezeichnet. Der Erziehungskurs wird zu einer Besserungsanstalt. Dabei wird die Erwartungen, die an Mütter gestellt wird auf die Spitze getrieben und die Charakterentwicklung unter dem Druck super veranschaulicht. Die Autorin hält Frida im Mittelpunkt der Geschichte, vergisst aber auch nicht mit unterschiedlichen Nebencharakteren, eine Bandbreite an möglichen Reaktionen aufzuzeigen. Den Müttern wird in Extremsituationen unmenschliches abverlangt und manch eine sucht einen Ausweg außerhalb des Protokolls. Doch was passiert, wenn Frau sich dem Protokoll unterwirft? Gibt es Hoffnung im System? Der Roman entwickelt eine kaum auszuhaltende Suspense. Und die Ideen für Übungsobjekt und immer schwieriger werdenden Lektionen finde ich mega gut gewählt. Ich habe das Buch von der ersten bis zur letzten Seite genossen. Absolute Leseempfehlung für Dystopie-Fans! Die Geschichte geht emotional an die Nieren.




















































